E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Millie
Chidolue Millie hat Geburtstag
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7336-5058-2
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Millie
ISBN: 978-3-7336-5058-2
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dagmar Chidolue, 1944 in Sensburg, Ostpreußen, geboren, zählt zu den namhaftesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Deutschlands und wurde bereits mehrfach, u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, ausgezeichnet.
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Eine Viertelstunde
Endlich haben auch Mama und Papa bemerkt, dass Millies Geburtstag naht. Das heißt, ihr Ehrentag ist bereits ganz, ganz nah! Und natürlich darf sie sich was wünschen. Nicht fürs rote Überraschungsherz, sondern für den Geburtstagstisch.
»Kann ich einen langen Wunschzettel schreiben?«, fragt sie.
»Einen kurzen«, meint Papa.
Er macht hoffentlich nur Spaß!
Wenn man freie Auswahl hat, ist ein Wunschzettel nicht einfach. An guten Tagen ist Millie wunschlos glücklich. An schlechten Tagen fällt ihr eine Menge ein, was zu ihrem Glück noch fehlt. Das ist so viel, dass ihr Kopf brummt. Um den wieder klar zu bekommen, fragt sie in der Pause auf dem Schulhof ihre Freunde, ob gute Ideen für Geburtstagsgeschenke haben. Vorschläge bitte!
Gus, der gegenüber wohnt und auch in ihre Schule geht, meint: »Du brauchst unbedingt ein Skateboard, einen Fußball Elite Tango 13 in …«
»… in Rot-Weiß«, unterbricht ihn Wulle. Er wohnt im Haus neben Gus und ist sein bester Freund. Das heißt, Gus hat gar keinen anderen Freund, jedenfalls nicht so richtig. Er ist nämlich oft total bescheuert. Beide Jungs gehen in dieselbe Klasse. Aber nicht in Millies.
Mit dem Vorschlag von Wulle ist Gus nicht einverstanden.
»… in Schwarz-Weiß«, schnauzt er seinen Freund an.
»Na gut.« So ist Wulle. Der gibt immer nach. Das ist manchmal ziemlich dumm.
Gus fährt mit seinen Geschenkideen fort: »Ein großer Truck mit Power-Schwenkkran und eine Kinokarte für …«
»… für «, schlägt Wulle vor.
»Doch nicht für solchen Kikikram«, raunzt Gus ihn an. »Nee! Eine Karte für oder «
»Zwei Karten!«, kommt ihm Wulle dazwischen.
Manno, Millie hat die Nase von den Vorschlägen der beiden Jungs voll. Die haben bloß an sich gedacht. Ihre Freundin Kucki hat bestimmt bessere Ideen. Dass Millie sie nicht gleich gefragt hat!
Und was meint Kucki?
»Ich würde mir einen pinkfarbenen Haarreifen mit Glitzer wünschen«, sagt sie, »und neue Löwe-Tiger-Nashorn-Bettwäsche …«
»Kikikram«, sagt Gus.
Halt bloß die Klappe! Millie muss sich das mit dem Haarreifen und neuer kuscheliger Bettwäsche durch den Kopf gehen lassen.
»Worum geht es?«, fragt Jocko, der zu ihnen gestoßen ist.
Jocko ist immer vernünftig. Der ist schon fast jugendlich, jedenfalls ist er in einer weit höheren Klasse als Millie. Aber heute macht er Vorschläge, mit denen Millie nichts anfangen kann.
»Wünsch dir einen Fotoapparat mit 3D und 14,1 Megapixel und MOS-Chip«, empfiehlt er ihr.
Millie ist doch nicht Papa!
»Oder wünsch dir … eine Floßfahrt auf der Isar.«
»Flussfahrt?«
»Floßfahrt!«, korrigiert Jocko.
Nee, das ist alles nichts für Millie. Hat denn niemand einen Tipp, der zu ihr passen könnte?
»Ich wäre für Speed-Stacking.« Das kommt vom Uhu. Der geht in dieselbe Klasse wie Jocko. Und er heißt Uhu, seitdem er bei Millies Einschulungsfeier die dritte Strophe der Vogelhochzeit war. Im Uhu-Kostüm!
Spiiitz-Tocken? Was ist denn das?
»Na, das mit den Kunststoffbechern! Damit kannst du ganz alleine spielen. Ich würde dir das zeigen.«
Nein danke!
Der Uhu nervt immer. Er ist ein bisschen hinter Millie her. Sie aber nicht hinter ihm. Damit das mal klar ist!
Außerdem braucht Millie nichts, womit sie alleine spielen kann. Sie ist eigentlich nie allein. Immer ist ihre kleine Schwester da. Das ist manchmal blöd. Besonders wenn Millie in Ruhe lesen möchte.
Lesen?
Ach, darüber muss sie sich den Kopf nicht zerbrechen. Mama und Papa finden, dass ein Buch immer dabei sein muss. Wann? Na, immer! Also, zu Weihnachten und zum Geburtstag und zu Ostern und auch so für zwischendurch. Als Geschääähääänk!
Millie stellt also ihre Geburtstags-Geschenke-Liste selber zusammen. Vielleicht sollte sie deswegen im Internet nachschauen. Das darf sie hin und wieder. Mama erlaubt ihr heute sogar, sich vor die Kiste zu setzen. »Eine Viertelstunde! Und nicht länger, mein Schatz!«
Okechen.
Millie muss die Viertelstunde ausnutzen. Zuerst gibt sie im Peh-Zeh das Stichwort ein. Mal sehen, ob sie selber schon im Internet vorkommt.
Ticketicketack …
Was? ist eine Popsängerin? Die Internet-Leute haben sie nicht alle!
Was schreiben die denn, wenn sie eingibt?
Eine Schlosserwerkstatt? Das ist doch der reinste Schnabbelwitz!
Wonach könnte sie denn sonst suchen? Ach, vielleicht, wo sie irgendwann Urlaub machen könnten. Wenn Millie was Interessantes aufstöbern sollte, dann würde sie Mama viel Arbeit abnehmen.
Oh, in der Werbung auf der Urlaubs-Internetseite gibt es bereits Vorschläge:
Hört sich gut an.
Ey, wo ist denn das?
War Millie schon.
Zusatzangebot der Woche:
In dem Paradies hat Millie bereits Ferien verbracht. Von dort hat sie mitgebracht. Die Puppe liegt jetzt irgendwo in der Ecke. Millie kann sie nachher mal rauskramen. Aber was soll sie dann mit ihr machen? Kleid ausziehen, Kleid anziehen, Schuhe ausziehen, Schuhe anziehen, Haare kämmen … Mittlerweile ist das auch nur Schnuppelpamp.
Hups, jetzt hat sie ein tolles Angebot aufgerufen: Sieht klasse aus mit Säulenveranda, Nadel-Pinien-Pikse-Bäume im Garten, Swimming-Pool und Meerblick.
In diesem Moment ruft Mama: »Die Viertelstunde am Computer ist für heute um, Schätzchen!«
Mist!
Leider lohnt es nicht, sich mit Mama anzulegen. Im Streit mit ihr zieht Millie immer den Kürzeren.
Na gut, Millie verzieht sich. Und Mama schaut erst einmal nach, was Millie im Internet alles aufgerufen hat. Das macht sie immer. Aber Millie ist nicht auf der Suche nach was total Bescheuertem gewesen! So was wie … oder … … nee, nee, nee, nee, nee.
»Sag mal, Millie …«, ruft Mama, »… hast du das mit dem Haus auf Mallorca aufgerufen?«
»Jaha«, gibt Millie sofort zu. Ist das denn schlimm gewesen? Schnell fügt sie hinzu: »Aber ich habe es nicht gekauft!«
Sie hört direkt, wie Mama vor Erleichterung aufatmet.
Die Viertelstunde Peh-Zeh für heute ist ratzfatz vergangen. Deshalb geht Millie dran, ihre Liste für die Geburtstagsgeschenke doch selber zusammenzustellen.
Ich wünsche mir:
3 x Burger-Essen
Das Auf-die-Plätze-fertig-los-Spiel
1 Tube Majonäse zum Gleich-in-den-Mund-Spritzen
Kinobesuch für spannend
Keinen Zoo-Besuch
Das Meerjungfrauen-Kostüm
Ab sofort eine halbe Stunde Peh-Zeh am Tag
Eine Box mit allen Barbie-Überraschungseiern (72 Stück) und ein Paar Barbie-Glitzerschuhe
Nintendo 3DS XL
Und endlich eine Armbanduhr
Abends schauen sich Papa und Mama Millies Wunschzettel genau an.
»Nintendo kriegst du nicht eher als mit sechzehn«, sagt Mama. »Ich bin nicht dafür, dass Kinder sich mit so was beschäftigen.«
»Das ist aber voll geil«, sagt Millie. »Und ich bin bei den Miiis auch voll gut, Mann!«
»Was ist das?«, fragt Mama. »Miiis?«
»Damit kannst du Männchen herstellen«, versucht Millie zu erklären.
»Bitte was?«
»Ja! Das habe ich bei Gus gemacht! Der hat Nintendo! Mit Super Mario 3D Land und so!«
»Vergiss es«, sagt Mama.
Papa ist auf dem gleichen Tripp: »Und Kinder sollten erst ab zwölf Jahren eine Uhr tragen.«
Papa! Du spinnst wohl! Meint er das denn ernst? Millie ist sich nicht sicher. Vor kurzem hat er sogar behauptet, Handys gibt es erst ab vierzehn.
»Papi, du bist ein bisschen ballaballa«, sagt Millie.
»Was?« Papa ist total entsetzt.
»Nur ein !«, beruhigt Millie ihn. »Hast du das nicht gehört?«
»Ach so«, sagt Papa.
Millie tröstet ihn trotzdem: »Du heißt ja nicht Hein Blöd.«
»Danke«, murmelt Papa.
Bitte schön! Gern gescheh’n.
Mama kommt zurück auf das Thema .
»Wir wollen mal sehen«, meint sie. »Nicht, dass du im Unterricht immer nachschaust, ob die Stunde schon zu Ende ist.«
Nein! Macht Millie nicht! Versprochen! Das würde ihrer Lehrerin auf den Keks gehen. Und Frau Heimchen kann richtig unangenehm werden.
»Ich will keine Uhr in Pink oder Türkis haben«, verspricht sie.
Die Farben Pink und Türkis können sowohl Mama als auch Papa nicht mehr sehen. Lila mit Glitzer ebenfalls nicht. Das haben sie jahrelang mitmachen müssen.
»Ist ja kitschig«, fügt Millie hinzu.
ist nämlich out. ist in.
»Aber irgendeine Plastikuhr vom Pipi-Laden will ich nicht haben!«
»Was ist denn das für ein Geschäft?«, wundert sich Papa.
»Na … ein Pipi-Laden eben, so ein Billig-Billig-Laden!«
Über eine richtig wunderschöne dunkelblaue Mädchenuhr mit einem süßen Blumenmuster auf dem Armband würde Millie sich riesig freuen. Gibt’s beim...




