E-Book, Deutsch, Band 2, 100 Seiten
Reihe: Dream Maker City
Carlan Dream Maker - New York
18001. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8437-1688-8
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 100 Seiten
Reihe: Dream Maker City
ISBN: 978-3-8437-1688-8
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Audrey Carlan schreibt mit Leidenschaft heiße Unterhaltung. Ihre Romane veröffentlichte sie zunächst als Selfpublisherin und wurde daraufhin bald zur internationalen Bestseller-Autorin. Ihre Serien »Calendar Girl«, »Trinity« und »Dream Maker« stürmten auch in Deutschland die Charts. Audrey Carlan lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kalifornien.
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KAPITEL 1
»Wie war gleich Ihr Name?«, frage ich die elfenhafte Rothaarige, die vor meinem Schreibtisch sitzt. Normalerweise kann ich mir Namen gut merken, vor allem die von hübschen Frauen. Ich krame in den Papieren auf meinem Schreibtisch und habe nicht die leiseste Ahnung, wieso ich mir den Termin mit ihr nicht aufgeschrieben habe. Außerdem kann ich ihren Lebenslauf nicht finden. Die ganze Situation ist, vorsichtig gesagt, total ernüchternd. Ich vergesse nie Besprechungen, und ich lege mir garantiert keine Termine auf einen Montagvormittag.
»Wendy.« Sie lächelt süß. »Wendy Bannerman. Ich habe Andre extra noch mal wegen der genauen Zeit gefragt. Er hat den Termin bestätigt. Sie führen zwar den ganzen Tag Bewerbungsgespräche, aber ich hoffe, ich kann Sie mit meiner Intelligenz, meiner 1-a-Arbeitsmoral und meinen Hacker-Skills beeindrucken.« Grinsend lehnt sie sich zurück, schlägt die Beine in der engen Lederhose übereinander und legt die Hände aufs Knie.
Ich höre auf, nach ihrem Lebenslauf zu suchen oder einem Zettel mit der Notiz, dass ich heute um zehn, kaum dass ich ins Büro komme, ein Bewerbungsgespräch führen soll. Stattdessen lehne auch ich mich zurück und konzentriere mich auf die Frau. Schlank, durchschnittlich groß, mit klaren, feinen Gesichtszügen. Feuerrote Haare, die auf keinen Fall natürlich sind, ihr aber extrem gut stehen. Ihr Outfit ist für ein Bewerbungsgespräch eher ungewöhnlich. Sie trägt eine schwarze Lederhose und einen weißen Blazer, darunter ein auffälliges Tanktop ihrer Lieblingsband – ich vermute jedenfalls, dass es ihre Lieblingsband ist. Das durchlöcherte Top bietet verführerische Einblicke und lässt gelbe Spitze durchschimmern, die sich, soweit ich es erkennen kann, um eine kleine, aber pralle Brust schmiegt. Um den Hals trägt die Frau ein schwarzes Lederhalsband mit silbernen Nieten und einem kleinen Vorhängeschloss, das genau in der kleinen Vertiefung unten an ihrem Hals baumelt. Die Blazerärmel hat sie hochgekrempelt. Um ihre Unterarme winden sich mehrere Armbänder aus Leder und Silber. Dicke Silberringe funkeln im Sonnenlicht, während sie unter meinen Blicken auf dem Stuhl herumrutscht. Mein Blick fällt auf ihre Füße. Und sofort ist es um mich geschehen. Rote Kampfstiefel machen ihren Look perfekt.
Wendy zieht eine Augenbraue hoch und senkt das Kinn. »Voilà!« Sie wedelt mit ihrer Hand und zeigt von Kopf bis Fuß.
Ich grinse. »Ich mag Frauen, die wissen, wer sie sind, und das auch der ganzen Welt zeigen.« Wendy wird rot, und ich stütze die Ellbogen auf meinen Schreibtisch und das Kinn in die Hand. »Also, erzählen Sie mir was über sich, Wendy.«
Die junge Frau leckt sich über die schmalen Lippen und holt hörbar Luft. »Also, ich habe meinen Bachelor in Informatik an der University of California in Davis mit Auszeichnung bestanden. Danach bin ich an die Ostküste gezogen, wegen meinem Freund. Er hat hier einen Job als Manager in einer Werbeagentur ergattert.«
Ich runzele die Stirn und unterbreche sie. »Welcher?«
Sie zieht eine Augenbraue bis zum Haaransatz hoch. »Welcher was?«
»In welcher Werbeagentur?«, frage ich trocken.
»Äh, na ja, der größten.«
Ich kann mir einen kurzen Lacher nicht verkneifen, dann verschränke ich die Arme vor der Brust. »Und das wäre welche? Wissen Sie etwa nicht, wo Ihr Freund arbeitet?«, forsche ich nach, weil ich ahne, dass das Mädel dummes Zeug erzählt. So dumm, dass ihre Augen, die sie gerade aufreißt, weil ich sie beim Lügen erwischt habe, nicht kristallklar und himmelblau, sondern braun sein sollten. Braun wie der Mist, der aus ihrem Mund kommt.
»Mir ist nicht ganz klar, warum Sie mich nach meinem Freund fragen, obwohl ich es doch bin, die sich für diesen Job bewirbt.«
Sie versucht, das Gespräch wieder in eine Richtung zu lenken, die ihr mehr liegt … also noch mehr dreiste Lügen.
Ich schüttele den Kopf und beschließe, dieser Frau – oder diesem Mädchen, denn ich bin mir nicht sicher, ob die Kleine wirklich alt genug ist, um einen Bachelorabschluss der UC in Davis zu besitzen – eine Lektion zu erteilen. Ich würde mein Bankkonto darauf verwetten, dass Wendy keinen Tag älter als einundzwanzig ist. Eher jünger.
»Wendy, ich will ehrlich sein. Ich kenne Frauen. Und zwar sehr gut. Auf jeden Fall gut genug, um zu wissen, dass Sie mir das Blaue vom Himmel herunterlügen, um besser dazustehen.«
Sie reißt die Augen auf und schluckt sichtbar. Ich wette, ihr Mund ist staubtrocken wie die Sahara. Wie man sich halt so fühlt, wenn man beim Flunkern erwischt wird.
»Ich … äh …«
»Sie waren nicht an der UC in Davis. Ich glaube auch nicht, dass Sie einen Abschluss in der Tasche haben. Wahrscheinlich sind Sie noch nicht mal alt genug fürs College.«
Ihr Kopf fliegt zurück. »Wieso, vielleicht bin ich ja hochbegabt?«
»Klar, das könnte sein, und es würde mich gar nicht überraschen. Wie Sie hier hereingekommen sind, herausgefunden haben, dass ich heute Bewerbungsgespräche führe, und sich einen Termin erschlichen haben, ist ziemlich beeindruckend. Allerdings sollte ab jetzt alles, was Sie sagen, der Wahrheit entsprechen, ansonsten werfe ich Sie raus.« Ich zeige auf meine Bürotür.
Wendys Gesicht entspannt sich, und ein Muskel in ihrer Wange fängt an zu zucken. »Parker, ich will auch gar nicht um den heißen Brei herumreden. Sie wirken wie ein Mann, der klare Worte mag.«
Ich grinse. Und weil ich genau weiß, dass das Mädchen jetzt endlich mit der Sprache rausrücken wird, lehne ich mich wieder zurück und warte.
»Ich habe mich in Ihr System gehackt, um an ein Gespräch zu kommen. Ich weiß, dass Sie und Ihre beiden Partner dringend eine Assistentin suchen. Nachdem ich die Anforderungen gelesen habe, die Sie an den Headhunter Andre geschickt haben, war mir klar, dass ich genau die Richtige für den Job bin.«
Unwillkürlich beschleicht mich eine leise Verärgerung, aber ich lasse mir nichts anmerken. »Sie haben sich also in unser System gehackt?«, frage ich noch einmal nach. Jetzt bin ich es, der die Augenbraue hochzieht. Kleines Miststück.
Wendy zuckt die Schultern. »War ja nicht gerade schwer. Ihre Firewall ist ruckzuck überwunden, und von Ihrer Ordnerstruktur wollen wir gar nicht erst anfangen. Ich kann Ihnen genau sagen, wie viel Geld International Guy in den letzten fünf Jahren erwirtschaftet hat. Ich kenne Ihre Sozialversicherungsnummer. Möchten Sie die hören? Oder lieber die von Royce oder Bogart?«
»Die Nummern können Sie auswendig?« Ich kann nicht fassen, wie dreist diese Frau ist, aber ich muss sagen, ihr Mumm beeindruckt mich.
Die junge Frau presst den Mund zu einer schmalen Linie zusammen. »Ja, ich hab ein fotografisches Gedächtnis.« Sie zuckt erneut die Schultern und schaut aus dem Fenster meines Büros. Ihre Stimme klingt nicht mehr ganz so selbstbewusst, als sie fortfährt: »Ich hab keinen College-Abschluss, aber ich bin bereit, hart zu arbeiten, und ich habe außer meinem Freund keine Familie oder andere ernsthafte Verpflichtungen, also kann ich zu jeder Uhrzeit arbeiten und spontan verreisen.« Vermutlich unbewusst fingert sie an dem Vorhängeschloss um ihren Hals, was mich zu der Annahme führt, dass die Beziehung zu ihrem Freund sehr ernsthaft ist. So ernsthaft, dass er ihr ein Halsband umgelegt hat und den Schlüssel zu dessen Schloss an einer Kette um seinen Hals trägt.
»Haben Sie Angst, eine Millionärin nach ihrer BH- und Höschen-Größe zu fragen?«, frage ich unvermittelt.
Wendy reagiert mit einem Grinsen, was mich überrascht. »Nein, aber ich weiß noch was Besseres.«
Ich senke den Kopf und mustere sie streng. Wendy setzt einen scheuen Rehblick auf, aber ihre Augen verraten, dass sie alles andere als unschuldig ist. Nein, diese himmelblauen Augen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die junge Lady es faustdick hinter den Ohren hat.
Plötzlich steht sie auf, schnappt sich eine Umhängetasche, die zu ihren Füßen liegt, und zieht einen dünnen Laptop heraus. »Wer ist Ihre nächste Kundin?«
Ich überlege kurz, ob ich jemanden erfinden soll, aber um zu testen, was die Kleine kann, lasse ich es drauf ankommen. »Wahrscheinlich Skyler Paige.«
Wendy zuckt nicht mal mit der Wimper, als sie den Namen der bestbezahlten Schauspielerin der Filmbranche hört. Stattdessen nickt sie und setzt sich wieder, den Laptop auf dem Schoß, und ihre Finger huschen über die Tastatur. Sie nickt noch ein paarmal, beißt sich auf die Lippe, und dabei beobachte ich etwas Erstaunliches. Während sie arbeitet, funkeln Wendys Augen und nehmen ein unfassbar leuchtendes Blau an. Die Kleine drückt den Rücken durch, und eine seltsame Wärme erfüllt auf einmal den Raum. Sobald sie gefunden hat, was sie suchte, merke ich das sofort. Der Stolz dringt ihr förmlich aus jeder Pore, als sie das Display in meine Richtung dreht und darauf zeigt.
»Kreditkartenabrechnungen der letzten sechs Monate. Wie Sie sehen, hat Skyler Paige mehrfach Wäsche und Dessous von Agent Provocateur gekauft.«
»Und was soll mir das sagen, außer dass Skyler Paige eine Vorliebe für teure Wäsche hat?«, frage ich scherzhaft.
Wendy schüttelt den Kopf, tippt auf eine Taste, und ein schwarzes Fenster erscheint auf dem Bildschirm. »Hier sind die Details zu ihrem Kauf bei Agent Provocateur. Ich habe mich in die Datenbank der Firma gehackt. Laut dieser Verkaufsdaten einer gewissen Skyler Paige Lumpkin, was übrigens ihr richtiger Nachname ist, trägt sie Höschen in Größe...