Carl | Weimarer Kehrwoche | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 124 Seiten

Reihe: salamandra edition

Carl Weimarer Kehrwoche

Literatur- und Kultur-Geschichten
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-2137-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Literatur- und Kultur-Geschichten

E-Book, Deutsch, 124 Seiten

Reihe: salamandra edition

ISBN: 978-3-6951-2137-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Erzählband bringt sehr kurze Mikrogeschichten und längere Erzählungen, die sich mit Momenten der Literatur- und Kultgeschichte auseinandersetzen. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Tage, mit Schwerpunkt in der Vergangenheit, reichen die meisten Personen und Begebenheiten, im "Gastmahl" treffen sich Autoren und Autorinnen vom späten Mittelalter bis ins späte 19. Jahrhundert gemeinsam im Ludwigsburger Schloss. Ein kleiner Schwerpunkt liegt rund um Goethe, auf den ja auch der Titel des Bandes verweist. Hier zwei Zitate aus dem Vorwort des Verfassers: "Die "Weimarer Kehrwoche" ist ein doppeldeutiger Titel für diese Sammlung von Erzählungen. Zum einen ist es der Name einer der Mikrogeschichten rund um Goethe, der natürlich vom Titel her in mehreren Erzählungen mehr oder weniger im Mittelpunkt steht; zum anderen handelt es sich bei diesem Band um ein paar poetische Putzarbeiten im Wust kulturhistorischer Legendenbildungen, vor allem im Bereich der klassischen deutschen Literatur." "Es geht bei der Lektüre nicht darum, wissenschaftliche Hintergründe zu erfahren, sondern sich darauf einzulassen, eine kleine Episode aus dem reichhaltigen kulturellen Erbe in einem Akt des phantasievollen Eintauchens in die vergangene Zeit, in die historischen Begebenheiten, Interaktionen von bekannten und unbekannteren Persönlichkeiten der Kulturgeschichte, von Umständen der Entstehung oder Rezeption von Werken zu erleben. Vor dem bewussten oder unbewussten Wissen, Gehörten, Gelesenen als Hintergrund kann jede und jeder die kleinen Geschichten im Kopfkino einfach laufen lassen, und vielleicht an der einen oder anderen Stelle weiterspinnen; dies mag den je individuellen Reiz der Lektüre ausmachen."

Rüdiger Carl Siegfried Krüger ist einerseits Literaturwissenschaftler, er war Bildungs- und Kulturmanager, andererseits ist er Poet - v.a. Lyrik und Dramatik, auch ein wenig Erzählerisches entstammt seiner Feder. Üblicherweise als Rüdiger Krüger benannt und bekannt, hat er sich für die Poesie als Nom de Plume die Namensmitte Siegfried Carl gewählt. Geboren in Darmstadt sind rund 10 Jahre Hessen, 40 Jahre Württemberg und 22 Jahre Ostwestfalen Stationen seines Lebens, er lebt seit ein paar Jahren im westfälischen Werther und jetzt im benachbarten Halle - nicht fern der Grabstätte von Friedrich Leopold zu Stollberg-Stollberg. Er ist Mitglied im VS (Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ver.di) und im PEN-Zentrum Deutschland. In diesem Band mit Literatur- und Kultur-Geschichten tritt der Literaturwissenschaftler dem Poeten nicht nur gedanklich, sondern auch schriftlich zur Seite. Für seine ungewöhnlichen poetischen Zugänge zu eigentlich wissenschaftlichen Themen, die in einem fiktionalen Gewand erzählerisch verarbeitet werden, ist auch hier wieder die Idee junger Idealisten leitend, um 1795 vorsichtig tastend von Hegel, Schelling und Hölderlin im sog. "Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus" entworfen: "[...] Man kann in nichts geistreich sein, selbst über Geschichte kann man nicht raisonnieren - ohne ästhetischen Sinn. Hier soll offenbar werden, woran es eigentlich den Menschen fehlt, die keine Ideen verstehen, - und treuherzig genug gestehen, daß ihnen alles dunkel ist, sobald es über Tabellen und Register hinausgeht. Die Poesie bekömmt dadurch eine höhere Würde, sie wird am Ende wieder, was sie am Anfang war - Lehrerin der Menschheit; denn es gibt keine Philosophie, keine Geschichte mehr, die Dichtkunst allein wird alle übrigen Wissenschaften und Künste überleben."
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Ein Singspiel

Man muss in der durch einige Neuankömmlinge vermehrten Weimarer Gesellschaft kurz vor Übernahme der herzoglichen Amtsgeschäfte durch Carl August erst warm werden miteinander. Weimar ist nach dem dritten der schlesischen Krieg, mit den abgetragenen Stadtmauern eine einzige große Baustelle, in der die Neuen leicht die Orientierung verlieren können. Überdies ist die Stimmung der Stadtbürger und die Zufriedenheit mit dem Herzogshaus nach Hungersnot und einseitig angeordneter Neugestaltung der Stadt, gegen den heftig artikulierten Willen der Bürgerschaft, auf einem Tiefpunkt. Vor zwei Jahren entlud sich die Unzufriedenheit in offenem Aufruhr, die Stadt brannte und die seit vielen Jahren als Witwe amtierende Herzogin Anna Amalia leitete zum 18ten Geburtstag von Carl August die vorzeitige Volljährigkeit ihres Erstgeborenen ein, um die Amtsgeschäfte in jüngere, männliche Hände legen zu können, was nun endlich mit Verve angegangen werden muss. Zur Vorbereitung sind einige Änderungen nötig, die auch die engste Entourage am Hof betreffen.

Anna Amalia wird ihrem Sohn Carl August keine leichte Aufgabe übertragen. Sein bisheriger Erzieher Christoph Martin Wieland, der nun als Gesellschafter die kulturellen und dramatischen Wünsche der Herzoginmutter unterstützen soll, hat neben anderen geraten, den Advokaten Johann Wolfgang Goethe, Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe aus Frankfurt, an den Weimarer Hof zu berufen. An den guten Universitäten von Leipzig und Straßburg profund in den Rechten gelehrt, am Reichskammergericht in Wetzlar weiter ausgebildet, mag er eine Bereicherung am Weimarer Hof und ein guter Ratgeber des neuen Herzogs werden. Anna Amalia ist allerdings zwiegespalten, ob sich ein so junger, poetisch wilder Jurist mit ihrem geheimen Referendar von Fritsch arrangieren könne. Dass der Advokat sich schon durch Essays zur Baukunst und Skulptur, Rezensionen zur Literatur und Sulzers Lehre vom Schönen und vor allem durch beachtenswerte Gedichte, ein aufwühlendes Drama über „Götz von Berlichingen“ und den umstrittenen Bestseller über die „Leiden des jungen Werthers“ mit dem skandalösen Selbstmord aus unglücklicher Liebe, als anerkannter, vor allem von den Jungen bewunderter Autor einen Namen gemacht hat, erfreut Anna Amalia allerdings. Es scheint ihr auch von Vorteil, ihrem Sohn, wenn er die Amtsgeschäfte übernimmt, einen jungen, kunstsinnigen Juristen an die Seite zu stellen; die handelnden Minister sind doch schon sehr in die Jahre gekommen. Und für sich selbst hat sie die aus Weimar stammende und am der Kultur zugewandten, modernen Mannheimer Hof in alle Geheimnisse einer standesgemäßen Hofdame und Gesellschafterin eingewiesene Luise von Göchhausen in ihr persönliches Umfeld kommen lassen. Die ist zwar etwas ungestaltet – schief, klein und bucklig – aber äußerst gewandt im Umgang, belesen in der Literatur der Zeit und überaus scharfsinnig. Genau die Richtige; keine Konkurrenz der attraktiven, lebensfrohen Witwe, eher eine, die zur Vertrauten avancieren könnte.

Noch vor der Einleitung zur Übernahme der herzoglichen Amtsgeschäfte hat Carl August im vorvergangenen Jahr auf einer Frankreichfahrt Abstecher nach Frankfurt und Mannheim gemacht, auch um die „beiden Gös“ – wie Anna Amalia sich scherzhaft äußerte „eine für mich und einen für Carl August, hoffen wir nur, dass er der Aufgabe gewachsen ist“ – kennen zu lernen, zu begutachten und eventuell für Weimar gewinnen zu können. Und vergangenes Jahr hat der poetische Advokat nach unglücklicher Verlobung die Frankfurter Zelte abgebrochen und ist nun dem Ruf des jungen zukünftigen Herzogs nach Weimar gefolgt. Die heimwehkranke Luise von Göchhausen ist glücklich, wieder in Weimar zu sein, wo sie eine glückliche Kindheit verlebte, und im Umfeld der bewunderten Herzogin arbeiten zu dürfen.

Aber alle müssen, wie schon erwähnt, erst warm miteinander werden. Inmitten des kleinen Weimarer Hofes entsteht eine spannungsgeladene Konstellation: die sich auf dem ungewohnten Altenteil einrichtende, noch nicht einmal vierzigjährig Grand-Dame Anna Amalia, die ungestalte, aber liebenswürdige und gebildete Luise von Göchhausen, die eifersüchtig über ihre Pfründe als Hofdame wachende Charlotte von Stein, Gattin des Hofstallmeisters – die gleich nach Goethes Ankunft von diesem umschwärmt, geliebt, erobert wird –, der generös ausgehaltene Biberacher Dichterfürst Christoph Martin Wieland, und – alle überstrahlend – der kommende junge Serenissimus, Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Und mittendrin der aufstrebende, bewunderte Dichter und sich langsam in die ungewohnten Amtsgeschäfte eingewöhnende Advokat Johann Wolfgang Goethe.

Gemeinsames Spielen und Singen hat schon immer eine verbindende und harmonisierende Wirkung auf die Beteiligten gehabt. Im Spiel sind Menschen meist ganz bei sich, ganz sie selbst; und beim gemeinsamen Singen und Schlüpfen in Rollen können sie sich spielerisch befreit von gesellschaftlichen Zwängen in vielfältiger Einheit verbinden und für kurze Momente einen gleichen Rhythmus, ja im besten Fall Harmonie finden. Die wir immer so einfältig versuchen, alles mit dem Verstand zu begreifen, was wir mit den Händen nicht begreifen können, vergessen meist, wie unser Herz alles Erlebte zu seinem Eigenen macht; dass die Herzen tiefer fühlen als das Hirn je zu denken vermag. Wir können, ja wir müssen unserem fühlenden Herzen mehr vertrauen als dem nüchternen Verstand. Das hat Goethe schon freudvoll und schmerzlich erfahren, und wird bei seinem Einleben in Weimar eine neue Lektion dazulernen.

„Er hat sich eingewöhnt, fühlt sich in seinem Domizil im Gartenhäuschen wohl? Man berichtet, er sei des Nachts trotz der kalten Witterung jubelnd nackend in die Ilm gesprungen. Was hat ihn so überschwänglich begeistert?“ Anna Amalia ist neugierig auf das erste intensivere Tête-à-Tête mit dem begehrten Neuankömmling am Hof, ohne die immer und überall anwesenden und über alles und alle tuschelnden Höflinge und Hofschranzen. Zurückhaltend, doch begeistert antwortet Goethe und zeigt dabei gleich seine poetisch-spielerische Seite: „Ich bin glücklich, hier bei Euch am Weimarer Hof zu sein, durchlauchtigste Herzogin, und habe nächtens im Takt einiger antikischer Gedichte dem tänzerischen Wechsel von Jambus und Daktylus nachgelauscht. Dabei bin ich ins Tanzen geraten und mit den Elfen und Faunen des Tals in die tosenden Fluten getaumelt…“ Anna Amalia hört ihm lächelnd zu und geht sehr direkt auf den literarischen Hinweis ein. Ihr ist der Jurist Goethe unwichtig, ihr Interesse gilt dem Autor der „Leiden des jungen Werthers“ und der Gedichte: „In der Iris lese ich mal für mal Gedichte von ihm und letztes Jahr in der Ausgabe vom März das reizende Drama mit Arien von Erwin und Elmire. Wo in der Arie des ‚Veilchen‘ über den armen, zunächst verschmähten Erwin gesungen wird ‚Und sterb ich denn, so sterb ich doch durch sie, zu ihren Füßen doch!‘‚ da flossen mir die hellen Tränen über die Wangen und in mir erklang gleich eine kleine Melodie zu dem allerliebsten Lied.“ „Eure Hoheit erfinden Kompositionen?“ erstaunt sich Goethe. Es entspannt sich ein distanziertes, aber herzliches Gespräch über die zeitgenössische Musik der Mannheimer Musikszene und der großen Söhne des Johann Sebastian Bach, der vor knapp einem halben Jahrhundert mehrere Jahre an der Weimarer Schlosskirche wirkte. Herzogin Anna Amalia spricht mit gewissem Stolz über ihre kleinen Kompositionen, eine Sinfonie, Kammermusikalisches und das Oratorium, alles unter ihrer Regentschaft in ihrem Weimar mit guter Resonanz aufgeführt.

„Und wie ist es ihm mit seinem ‚Erwin und Elmire‘ in Frankfurt ergangen, es wurde in kleiner Gesellschaft von Liebhabern aufgeführt, wird berichtet …“ „Ja, Durchlaucht, die Operette muss wohl ein kleiner Erfolg gewesen sein, die Tante hat davon geschrieben. Ich konnte selbst nicht dabei sein, ich musste zu letzten Besorgungen nochmal nach Straßburg. Und bin hernach gleich mit den Grafen zu Stollberg-Stollberg in die Schweiz gereist.“ „Zwei überaus gebildete und leibreizende Brüder, die Grafen aus dem hohen Norden. Sie sollen in Göttingen ein wenig Fuß gefasst haben?“, horcht ihn die Herzogin weiter aus; und Goethe berichtet „Ja, die Brüder haben an der dortigen Universität studiert und sich in Verehrung des großartigen Klopstock dem Dichterbund des Göttinger Hains angeschlossen. Allerdings sind alle Poeten längst mit Examina in alle Lande verstreut und der Hain-Bund hat sich noch vor unserer Schweiz-Reise aufgelöst.“ Nun wird die Herzogin deutlicher, ihre eigentlichen Absichten und Wünsche an den Dichter zu formulieren: „Sein Drama mit Arien hat mir überaus gefallen, ein feines, hintergründiges Sujet und ein ganz eigener dramatischer Zugriff auf die Wirren der Liebe.“ Anna Amalia bemerkt die Wehmut in Goethes Haltung und Mimik und dringt fragend in ihn: „Ist eigenes Erleben Anstoß gewesen, nach den Leiden des...



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