E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Carl Herrenalb-Trilogie
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-7037-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
drei Stücke
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-7534-7037-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein spät-mittelalterliches Weltgerichtsspiel aus dem Jahr 1499 um den "Leibhaftigen" und wie die Inquisition nicht über die Liebe triumphiert; eine anspielungsreich mit der klassischen deutschen Literatur spielende Mythenkomödie rund um die Quell-Nymphe "Alva" und den Götterliebling "Ganymed", der als "Aquarius" im Sternbild "Wassermann" unsterblich wurde; und eine Kriminalstory im mondänen Kurort der Weimarer Republik zur Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus' und der damit einhergehenden Judenfeindlichkeit. Das ist die "Herrenalb Trilogie" - drei Stücke, angesiedelt im malerischen Nordschwarzwälder Herrenalb und dort auch in den drei Jahren um die letzte Jahrtausendwende uraufgeführt. Die Stücke entführen jeweils zeitgebunden in die Welt der Liebe und die diversen Möglichkeiten der Anfechtung, der Verhinderung, bis hin zur drohenden oder tatsächlichen Katastrophe... Im ersten Moment mag die dramatische Form des Theaterstücks für den "Leser" befremdlich erscheinen, aber es kann extrem Spaß machen, im Kopfkino die Szenen zum Leben zu erwecken, sich von den Dialogen in eine fremde Welt entführen zu lassen. Theater findet nicht nur auf den Bühnen der Welt statt, sondern auch in den Gedanken phantasiebegabter Leserinnen und Leser.
Autor von moderner wie streng formgebundener Lyrik sowie mehrerer Theaterstücke, Libretti und etwas Prosa. Einiges ist veröffentlicht, aufgeführt, vorgelesen. In diesem Jahr vollendet er sein 70stes Lebensjahr und stellt nun Veröffentlichtes und Unveröffentlichtes gesammelt der breiteren Öffentlichkeit vor. Siegfried Carl lebt dann und wann, da und dort - Wanderer zwischen den Welten der Emotionen und des Intellekts. Er liebt Wein, Weib, Gesang und ist dennoch sein Leben lang ein liebenswerter Narr geblieben. Impetus des Schreibens ist dem Autor seit langem unter anderem eine Idee junger Idealisten, um 1795 vorsichtig tastend von Hegel, Schelling und Hölderlin im sog. 'Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus' entworfen: "Man kann in nichts geistreich sein, selbst über Geschichte kann man nicht raisonnieren - ohne ästhetischen Sinn. Hier soll offenbar werden, woran es eigentlich den Menschen fehlt, die keine Ideen verstehen, - und treuherzig genug gestehen, daß ihnen alles dunkel ist, sobald es über Tabellen und Register hinausgeht. Die Poesie bekömmt dadurch eine höhere Würde, sie wird am Ende wieder, was sie am Anfang war - Lehrerin der Menschheit; denn es gibt keine Philosophie, keine Geschichte mehr, die Dichtkunst allein wird alle übrigen Wissenschaften und Künste überleben." Dichtung ist menschliches Grundlebensmittel - Dichten ist Dasein.
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1. Szene: Kloster
Die Mönche ziehen mit Gesang ins Kloster (Paradies) ein. Vor dem Kloster treffen sich Abt, Kantor und der Scriptor Aurelius, um über das bevorstehende, geplante Klosterjubiläum und das von Aurelius verfasste Weltgerichtsspiel zu sprechen. Hierbei wird, stets nur in Andeutungen, auf das Herrenalber Gebetbuch, die Tradition des Scriptorums und des Klosters insgesamt – auch auf die historische Situation, die immer durchschimmern wird – eingegangen. Mönche [in Reihen ins Kloster laufend, singen]: laudate domine Abt [bleibt stehen und hält Johannes Zürn sowie den jungen Scriptor Aurelius zurück, während die Mönche singend ins Paradies schreiten]: Oh ja, es wäre schon wunderbar, wenn wir mit einem großen Jubelfest an den Samen erinnern könnten, den Berthold von Eberstein vor dreihundertfünfzig Jahren hier an der Alb in fruchtbaren Boden gelegt hat. Johannes Zürn [unterwürfig]: Dies hatte ich bezweckt mit meinem Hinweis auf das Gründungsdatum unserer Abtei, ehrwürdiger Abt. Die alten Schriften sagen dies Datum eindeutig. Wir werden uns für das Gedenken anstrengen: Ich werde gleich dem Scriptorium Anweisung geben, ein weiteres festlich illuminiertes Gebetbuch zu verfassen. Die Merklinger werden ihr Exemplar sicher bald abholen. Und so lange haben wir ja nun noch eine schöne Vorlage im Haus. Abt: Nein Bruder Johannes, ich denke mehr an ein richtiges Fest. Ein Fest, das uns Mönche mit den Menschen der Dorfes und all unserer Besitztümer vereint. Johannes [wehrt ab]: Was für moderne Gedanken, Abt Bartholomäus! Was sollen wir uns gemein machen mit dem einfachen Volk. Es ist gut, dass diese für uns arbeiten und uns in schweren Zeiten auch mit Waffen zu verteidigen wissen. Sind nicht wir diejenigen, die stetig für sie beten, die um ihr Seelenheil bemüht sind. – Während sie nur danach trachten, es schnellstmöglich in die Gosse zu werfen? Abt [sanft]: Ach Bruder Johannes. Alle Geschöpfe unter dem weiten Himmel sind Gottes. Und alle haben ihren eigenen Wert in sich. Was ist es an uns, herab zu schauen auf den Nächsten. Ihn zu lieben, wie uns selbst, ist uns aufgetragen. Johannes [erregt]: Sind die Huren und Säufer im Wirtshaus auch meine Nächsten, die Mörder, Diebe und gar auch die Ketzer? Meine Mitbrüder sind meine Nächsten, [er schaut auf den neben ihm stehenden Aurelius] und da fällt mir die Liebe schon manches Mal schwer genug. Abt [immer noch relativ ruhig, aber innerlich erregt]: Darf ich dich erinnern, mit wem unser Herr sich umgab auf seinem kurzen Erdengang. Hast du die Worte der Schrift vergessen? Wer gibt dir das Recht, über diese manchmal armen Kreaturen zu richten, die nicht in den Umständen leben können, die du in unserem Kloster genießen darfst. Johannes Zürn [laut]: Die Zeiten hier waren auch schon einmal besser; aber Sie mussten ja unbedingt den badischen Markgrafen zu unserem Schirmer bestimmen. Jetzt leidet das ganze Kloster unter Ihrer Unbedachtsamkeit. Die Württemberger haben es uns heimgezahlt und sich bei uns herzlich bedankt. [lacht höhnisch] Abt [mit scharfer Stimme]: Jetzt reicht es, Bruder Johannes. Hüte deine Zunge und lass‘ diese frechen Reden auf unsre Landesherrschaft. Hanswurst [von der Seite in die Szene springend, er nestelt noch an seinem Gewand herum, verbeugt sich vor dem Publikum und zu den Schauspielern hin]: Hallo, alle zusammen! Entschuldigt, dass ich mich verspätet habe. Ist alles in Ordnung und läuft die Sache gut ab. [er scheint zu merken, dass er stört] Oh ... ihr habt schon angefangen. [räuspert sich verlegen und zieht sich auf eine freien Platz in der ersten Zuschauerreihe zurück] ... dann macht mal einfach weiter. Abt [schüttelt den Kopf und murmelt vor sich hin]: So ein Schwachkopf .. wo waren wir eigentlich. Aurelius [leise zu ihm]: Das mit der Landesherrschaft war dran. Abt [leise]: Ach ... ja. [er stellt sich in Positur und fährt im Text fort, indem er den letzten Ausspruch noch einmal zornig wiederholt]: Jetzt reicht es, Bruder Johannes. Hüte deine Zunge und lass‘ diese frechen Reden auf unsre Landesherrschaft. Ich möchte dich nicht noch einmal ermahnen müssen! Johannes [lenkt ironisch ein]: Wenn Sie mir in solchem Ton meine Verdienste um das Kloster im Skriptorium und Kantor lohnen, strecke ich die Waffen. Abt [ruhiger]: Du brauchst nicht beleidigt zu sein. Ein jeder weiß es zu schätzen, dass unsere Gönner Wert auf Psalterien und Gebetsbücher aus unserer Schreibstube legen. Und dein Anteil an diesem Erfolg soll keineswegs geschmälert werden. Aber zum Jubelfest wollen wir auf diesen Glanz verzichten. Ein richtiges Fest soll mit allen uns von Gott anvertrauten Untertanen gefeiert werden. Der Küchenmeister wird das Nötige veranlassen. Johannes [gibt noch nicht nach]: Und zum Lobe Gottes, der unser Kloster durch die Fährnisse der Jahrhunderte geleitet hat, soll nichts geschehen. Denn Saufen und Tanzen ist wohl kaum als Gotteslob aufzufassen. Gebet und Arbeit sind nach des heiligen Benedikt Weisung die gottgefälligen Taten; und was wir in Gebet und Arbeit zum Lobe des Herrn verrichten können, sollten wir auch zum Jubelfest tun. Abt [pflichtet ihm bei]: Ja, Bruder Johannes, „ora et labora” das war und ist und wird stets unsere Devise sein. Wir sind keinem andern Leitsatz so verpflichtet, wie dieser Gründungsformel unseres allseits geliebten und hochverehrten heiligen Benedikt. Und weil du schon deinen Teil im Übermaß abgeleistet hast, soll nun dein Stellvertreter Aurelius einmal sein Können ganz zum Lobe des Allmächtigen einsetzen. Johannes [ungläubig, enttäuscht]: Wie das, ehrwürdiger Abt. Er hat noch keine einzige Handschrift eigenständig geschrieben, noch nichts illuminiert. Wie soll er nun – ohne mein Dazutun – ein ganzes Werk vollbringen. Abt [lächelt ihn an]: Da hast du recht, Bruder Johannes. Aber er soll gar keine Handschrift erstellen. Jedem hat der Herr andere Gaben in die Wiege gelegt. Und Bruder Aurelius ist nun einmal ein begabter Erfinder von geistlichen Spielen. Manches, was ich gelesen habe, hat mir überaus gefallen. Und wir wollen ein solches, ganz neues, aufführen. Johannes [schüttelt den Kopf]: Ein Spiel von uns Mönchen aufgeführt? Das ist doch nicht möglich ... Aurelius [der die ganze Zeit dabei gestanden und nur durch Körpersprache gezeigt hat, wie sehr er emotional beteiligt ist, sprudelt hervor]: Warum nicht. Allenthalben führt man solche Spiele auf. Das Künselsauer Spiel um den Leichnam des Herrn vor zwanzig Jahren hat die Menschen aufgerüttelt, hat sie zur Umkehr zu Gott bewogen. Und auch ich will die Menschen aufrütteln und ans Jenseits erinnern. Abt [pflichtet bei]: Ja ein Weltgerichtsspiel soll es werden. Ein Memento Mori, das die Menschen gemahnen soll an den Tod, der keinen verschont. Hanswurst [springt auf]: Das ist ja richtig schaurig und trübe. Mönche, die uns das Jüngste Gericht auftischen wollen. Kennt ihr das jüngste Gerücht: Das Weltende soll kurz bevorstehen. Der heilige Silvester wird es einläuten. Da wollen wir doch lieber fröhlich sein und uns die paar Monde noch am Leben freuen ... Abt [zu Hanswurst gewandt]: Ruhe jetzt, bitte! Lass uns weiter machen! [drohend] Das gilt auch für den Rest des Abends. [Hanswurst setzt sich wieder, vor sich hin plappernd, welche Feste er noch zu feiern gedenke, bis zum Weltuntergang]. Aurelius [nimmt den Faden des Hanswurst auf]: Ja gerade um das Ende dieser sündigen Welt soll es in meinem Spiel gehen, ums Jüngste Gericht und die Auseinandersetzung zwischen den teuflischen Mächten und den himmlischen, zwischen dem Teufel und Michael, dem Seelenwäger. Abt [froh gelaunt dazwischen]: Das ist zu unserem Jubelfest einmal ein „ora et labora” ganz besonderer Art. Nun, da staunst du, Bruder Johannes. Aurelius [redet sich in Fahrt]: Und natürlich sind die klugen und törichten Jungfrauen zur himmlischen Hochzeit geladen ... und alle die dem Herrn begegneten, als er als Mensch hier auf Erden wandelte, ... und die Reichen und Armen, die Mächtigen und die Unterdrückten, Päpste, Kaiser, Bischöfe, Fürsten, Bürger, Bauern, Bettelleute .... bis hinab zum ungetauften Säugling – - alle, alle müssen sie vor dem letzten Richter erscheinen. Und die Engel werden ... (Hosianna singen und den Herrn loben für seine Güte ...) Johannes...




