E-Book, Deutsch, Band 13, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
Callahan Skull-Ranch 13
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-8739-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Alexandra durch die Hölle
E-Book, Deutsch, Band 13, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
ISBN: 978-3-7325-8739-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Alexandra durch die Hölle
Als der Richter in Great Bend das Urteil verkündet, bricht für die schöne Alexandra Gräfin Potemkin eine Welt zusammen. Die schöne, faszinierende Frau soll am Galgen enden. Sie soll für einen Mord büßen, den sie nicht begangen hat. Und sie, die auf den Bühnen vieler Städte stürmisch umjubelt und von zahllosen Männern verehrt wurde, sieht sich plötzlich gehasst und verachtet.
In diesen Stunden der höchsten Verzweiflung denkt sie an den Mann, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat. Dieser Mann ist John Morgan, der Boss der Skull-Ranch in Colorado. Er ist Alexandras letzte, verzweifelte Hoffnung ...
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Die langen Haare, die an poliertes Kupfer denken lassen, fächern über die nackten Schultern. Unmerklich straffen sich die festen Brüste unter dem dünnen Kleid.
Sie hat das großäugige Gesicht einer Göttin. Die Mundwinkel verziehen sich missmutig, als der dicke Howard Brown nach ihr greifen will.
Gräfin Alexandra Potemkin weicht einige Schritte zurück. Noch lächelt die schöne Frau leicht. Sie will dem Mann die Chance geben, dieses raue Spiel zu beenden.
Howard Brown kapiert dies jedoch nicht. Er drängt näher, dann schrauben sich seine Hände um die nackten Oberarme der schönen Gräfin, von der niemand weiß, ob sie wirklich eine russische Adelige ist, die es in den Westen Amerikas verschlagen hat.
»Ich muss dich haben«, stößt Brown hervor. »Ich lege dir die ganze Welt zu Füßen, Alexandra. Bitte weise mich nicht ab, sonst jage ich mir eine Kugel durch den Schädel.«
Die schöne Frau wirkt beherrscht. Nur auf ihrer Stirn bilden sich ein paar harte Linien.
»Lass mich los, Howard«, stößt sie dann hervor. »Lass mich sofort los, sonst jage ich dir eine Kugel durch den Kopf. Und dies ist kein Spaß mehr, mein Bester.«
Howard Brown lacht siegessicher. Er glaubt wohl, dass die schöne Gräfin sich einen Scherz mit ihm erlauben will. Doch dann bohrt sich der Lauf eines kleinen Derringers in seinen Bauch.
Der Mann steht plötzlich stocksteif da. Für einige Augenblicke vergisst er sogar zu atmen. Das Lächeln ist von seinen Lippen gewichen. Sein Gesicht bekommt einen leicht dümmlichen Ausdruck.
Plötzlich ahnt er, dass dies kein Scherz mehr ist. Er weiß auch, dass er bei der schönen Frau wohl zu weit gegangen ist, der die ganze Stadt Great Bend in Kansas zu Füßen liegt.
Jawohl, so ist das.
Und er hat geglaubt, diese Frau im ersten Anlauf erobern zu können, so wie es ihm schon oft bei vielen schönen Ladys gelungen ist. Doch diesmal ist es anders. Er merkt es in diesen Sekunden.
Howard Brown weicht einige Yards zurück. Fassungslos starrt er auf den Derringer, den Gräfin Alexandra Potemkin noch immer in der Hand hält.
Nun senkt sie die kleine Waffe und lässt sie in irgendeiner Falte ihres Kleides verschwinden.
»Du solltest lieber gehen, Howard«, lächelt Alexandra. »Ich bitte dich darum.«
Brown nickt.
Er weiß, dass er dieses Spiel verloren hat und wohl niemals die Liebe dieser schönen Frau erringen wird. Die Enttäuschung spiegelt sich auf seinem Gesicht.
»Gibt es wirklich keine Chance für mich?«, fragt er nochmals hoffnungsvoll und bittend zugleich.
»Ich bin nicht käuflich, mein Lieber, wenn du das meinst«, antwortet Alexandra ernst. »Glaube mir, ich kenne das Leben und habe längst meine Lektionen gelernt. Ich bin kein dummes Ding mehr, das auf ein paar schöne Worte hereinfällt und dann irgendwann mit einem dämlichen Gesicht dasteht. Nein, Howard Brown, du wirst mich nie bekommen. Du nicht und auch kein anderer in dieser Stadt, denn meine Liebe gehört einem Mann, der weit weg von hier ist. Ich kann ihn nicht vergessen, obwohl es in diesem Falle gerade umgekehrt ist. Ich konnte diesen Mann nicht bekommen.«
Alexandra Gräfin Potemkin schweigt plötzlich, so, als habe sie schon zu viel von ihrem Innersten offenbart.
Howard Brown nickt leicht und greift nach seinem Stetson, der auf der polierten Kommode liegt.
»Dies muss wohl ein ganz besonderer Mann sein, nicht wahr?«, fragt er. Seine Frage klingt jedoch bereits mehr nach einer Feststellung.
Brown mustert die schöne Frau, als sähe er sie zum ersten Mal. Und wieder spürt er ihre frauliche Ausstrahlung, die ihn verzaubert und in den Bann schlägt.
Seine Handflächen werden feucht. Große Schweißperlen glänzen auf seiner Stirn.
Alexandra nickt plötzlich.
»Ja, er ist ein besonderer Mann. Ein Mann, der zum Salz der Erde gehört und neben dem andere Männer oft wie kleine Wichte wirken. Trotz allem ist er gütig und voller Grundsätze. Er hat das Herz auf dem rechten Fleck.«
Sie schweigt und denkt an John Morgan, den Boss der Skull-Ranch, mit dem sie bisher in ihrem Leben zweimal zusammengetroffen ist.1) Doch dann wischt sie diese bitteren und doch so schönen Erinnerungen zur Seite, richtet ihr volles Augenmerk auf den ungefähr fünfunddreißigjährigen Mann vor ihr, der die Bank von Great Bend leitet und über genügend Dollar verfügt, um ihr ein angenehmes und sorgenfreies Leben bieten zu können.
Sie lächelt leicht.
»Wir können Freunde bleiben, Howard«, sagt Alexandra Gräfin Potemkin und reicht Howard Brown ihre Hand. »Auch wenn wir kein Paar werden. Ist dies kein vernünftiger Vorschlag?«
Sein Gesicht wirkt noch immer finster.
Die Lippen pressen sich hart aufeinander.
»Okay, Alexandra«, nickt er dann. »Ich habe wohl keine andere Wahl. Doch solltest du deinen Entschluss ändern, dann …«
Die schöne Frau winkt ab. »Lassen wir dies, Howard.«
Der Bankdirektor geht zur Tür. Dort bleibt er stehen und wendet sich nochmals der Gräfin zu.
»Und es ist wirklich nicht Hank Baxter, der dir im Kopf herumspukt, Alexandra?«
Eine leichte Röte flutet über das ebenmäßige Gesicht der schönen Frau.
Sie zögert.
Und Howard Brown erkennt dies. Sein markantes Gesicht verzieht sich unwillig. Eine schlimme Wut beginnt in seinen leicht schrägliegenden Augen zu funkeln.
»Also doch Baxter«, schnauft er zornig. Eine kleine Ader an seiner linken Schläfe beginnt im Rhythmus des Herzschlages zu pulsieren. »Sag mir die Wahrheit, Alexandra. Ist es Baxter?«
»Er ist einer von vielen Männern, die mir hier in Great Bend den Hof machen und mir die Welt zu Füßen legen wollen, Howard. Ich verstehe deine Eifersucht nicht, denn ich habe dir niemals große Hoffnungen gemacht. Dies wirst du mir bestätigen können. Hank Baxter ist ein guter Mensch. Wir verstehen uns und haben oft stundenlang miteinander diskutiert.«
Er lächelt spöttisch.
»Diskutieren nennt man das jetzt?«
Alexandra Gräfin Potemkins Augen verengen sich leicht. Etwas Katzenhaftes geht plötzlich von ihr aus.
»Raus mit dir, Howard«, sagt Alexandra dann scharf. »Verschwinde und lass dich niemals wieder sehen. Los, mein Bester, sonst rufe ich um Hilfe. Und was dann geschehen wird, das kannst du dir leicht ausrechnen. Dann bist du erledigt im ganzen Distrikt.«
Sein Zorn kühlt plötzlich ab.
Er macht eine um Verzeihung bittende Geste, doch das rassige Gesicht der Gräfin bleibt kühl.
»Raus, Howard, ich werde mir deine infamen Beleidigungen nicht mehr länger anhören. Du scheinst immer von dir auf andere zu schließen. Und ich bin ehrlich froh, dass ich dich endlich durchschaut habe. Mit uns kann es wirklich nichts werden. So long.«
Die letzten Worte klingen kalt. Ganz so, als wäre der Entschluss der Gräfin unabänderlich.
Der Bankier senkt den Kopf.
Ohne noch etwas zu sagen, öffnet er die Tür des Hotelzimmers und geht davon.
Alexandra blickt ihm hinterher und tritt dann ans Fenster. Sie sieht Howard Brown die staubige Mainstreet überqueren und dann im Gebäude der »Great Bend Central Bank« verschwinden.
Die schöne Frau zuckt mit den Schultern. Sie ahnt plötzlich, dass sie sich einen Feind gemacht hat. Doch so ist es schon überall gewesen.
Die Männer betrachten sie irgendwie als kostbares Wild, als eine Art Jagdtrophäe, die es zu erringen gilt. Und wenn sie dieses Spiel nicht mitspielt, dann werden die Gentlemen böse.
So ist das also.
Und Alexandra Gräfin Potemkin hat sich noch niemals verkauft. Natürlich gab es einige Männer in ihrem Leben, doch meistens ging es nicht lange gut.
Und wieder denkt die schöne Frau an John Morgan, dessen Ranch sich in einem wunderbaren Blaugrastal in Colorado befindet. Sie denkt daran, dass John Morgan sie unter Einsatz seines Lebens rettete, als sie einen gefährlichen Killer auf ihrer Fährte hatte.
Sie tritt vom Fenster weg und setzt sich in den Sessel. Der nachdenkliche Blick erlischt. Das Gesicht verliert den tiefen Ernst und wirkt sogar heiter.
Alexandra weiß, dass es keinen Zweck hat, an die Vergangenheit zu denken. Nur Gegenwart und Zukunft gelten. Und John Morgan ist Vergangenheit.
Wenn auch eine sehr schöne.
»Wir werden heiraten, Vater!«
Rebecca Baxter sagt dies mit viel Entschlossenheit. In ihrem jugendlichen Gesicht zuckt es leicht.
Voller Trotz blickt sie ihren Vater an. Sie ahnt bereits, wie dessen Antwort ausfallen wird.
Hank Baxter, ein Mann in den besten Jahren, lächelt jedoch nur und fährt seiner siebzehnjährigen Tochter mit einer zärtlichen Geste durch das schulterlange blonde Haar.
Dann zupft er mehrmals an seinem Oberlippenbart, der seinem ovalen Gesicht mit den bestimmt blickenden Augen einen verwegenen Ausdruck gibt.
»So, so, heiraten willst du. Und wenn ich richtig tippe, dann ist dein Auserwählter Joel Curry, der Vormann meiner Ranch.«
Rebecca nickt zögernd.
Noch immer versteht sie die Reaktion ihres Vaters nicht, hatte angenommen, dass dieser sofort wie ein wildgewordener Toro zu wüten beginnen würde.
»Mein Kind«, sagte der Rancher und schenkt sich ein Glas mit golden schimmerndem Whisky voll. »Hast du dir dies auch alles reiflich überlegt? Du bist noch sehr jung, gerade erst den Windeln entwachsen. Möchtest du nicht lieber auf den Rat eines erfahrenen Mannes hören, auch wenn er nur dein Vater ist?«
Das junge Mädchen lächelt nun leicht. »Sicher,...




