Butler / McManus | Psychologie. Eine Einführung | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

Butler / McManus Psychologie. Eine Einführung

Butler, Gillian; McManus, Freda - Wissen über mentale Gesundheit - 14217
4., vollständig überarbeitete Auflage 2022
ISBN: 978-3-15-961966-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Butler, Gillian; McManus, Freda - Wissen über mentale Gesundheit - 14217

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

ISBN: 978-3-15-961966-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Diese allgemeinverständliche Einführung erschließt das gesamte Spektrum der Psychologie: Sie untersucht, wie wir wahrnehmen, lernen und kommunizieren. Sie widmet sich menschlichem Verhalten, Verhaltensstörungen und der psychischen Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Schließlich fragt sie: Woher kommen die Unterschiede zwischen den Menschen? Wie beeinflussen wir einander? Und wie werden psychische Probleme erkannt und behandelt? Die erweiterte Neuauflage berücksichtigt neueste Erkenntnisse der Kognitions- und Neurowissenschaft, Neurophysiologie und Sozialpsychologie.

Gillian Butler, Fellow der British Psychological Society, Founding Fellow der Academy of Cognitive and Behavioral Therapies. Freda McManus, Consultant Clinical Psychologist und Clinical Research Fellow am University of Oxford's Department of Psychiatry sowie Director of the OCTC / University of Oxford's Diploma in Cognitive Therapy.
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Denken: Die Kosten und die Nutzen


Denken verbraucht Energie, und die Energie sowie unser Verbrauch von Energie haben sich dahin entwickelt, super-effizient zu sein. Das menschliche Gehirn läuft auf etwa einem Viertel der Energie einer 80- bis 100-Watt-Glühbirne, während es alles das kontrolliert, was wir tun: unsere Sinne, Bewegungen, innere Zustände wie die Verdauung und unser Denken. Von jeher war es wichtig, Systeme zu entwickeln, die nur dann Energie einsetzen, wenn es dabei etwas zu gewinnen gibt – daher wahrscheinlich die Relevanz des Ansatzes für die Ökonomie. Eine von Kahnemans wichtigsten Thesen besagt, dass wir zwei Denksysteme [69]entwickelt haben, die anhand ihres Energieaufwands voneinander unterschieden werden können, nämlich ein schnelles System, das uns wenig kostet, und ein langsames, das uns viel Energie kostet. Diese zwei Systeme weisen sowohl unterschiedlich hohe Nutzen als auch unterschiedlich hohe Kosten auf.

ist das schnelle, intuitive und automatische System. Sein Nutzen besteht darin, dass seine Anwendung minimalen Aufwand erfordert; die Kosten bestehen darin, dass es Abkürzungen nimmt und Fehler macht. Die meiste Zeit funktioniert es gut: Vervollständigen Sie den Satz »Brot und …«; addieren Sie 2 + 2 = …; entscheiden Sie, wann Sie das Auto vor Ihnen überholen; erkennen Sie auf einen Blick, dass jemand wütend ist. Diese Aufgaben benötigen weder viel Aufwand noch bewusste Kontrolle, da Sie sie ausführen können, ohne darüber nachzudenken – zumindest nachdem einige sprachliche, mathematische, Fahr- und soziale Fertigkeiten erworben wurden. System 1 hilft uns dabei, intuitive Urteile zu fällen, so dass wir einer Gefahr entkommen können, ohne über diese länger nachdenken zu müssen, und es verwendet Information, die wir im assoziativen Gedächtnis gelernt und gesammelt haben, damit wir Überraschungen von gewöhnlichen Ereignissen unterscheiden und erlangte Fertigkeiten automatisch anwenden können. Obwohl uns System 1 die meiste Zeit gute Dienste leistet, springt es auch zu Schlussfolgerungen, die auf bloßen Faustregeln oder »Heuristik« beruhen und die Verzerrungen in unser Denken und Argumentieren einführen. Beispiele werden weiter unten vorgestellt.

Das Denken in ist langsames, absichtliches und aufwendiges Denken. Mit ihm einher geht der Nutzen des [70]bewussten Denkens und der Rationalität, doch weist diese Form des Denkens hohe Energiekosten auf. Es erfordert Aufmerksamkeit, die begrenzt ist. Wenn unsere Aufmerksamkeit völlig dadurch vereinnahmt ist, Pässe einer Gruppe Basketballspieler zu zählen, sind wir – wie wir in Kapitel 2 gesehen haben – blind gegenüber dem Gorilla, der hinter den Spielern vorbeiläuft (S. 42). System-2-Denken ist: zu entscheiden, welches Auto man kauft, die Steuererklärung auszufüllen, zu erklären, wie der DVD-Player funktioniert – das alles ist ermüdend. Es kann uns auch leicht nerven, da unsere Gehirne darauf ausgelegt sind, Energie zu sparen – und bewusstes Nachdenken verlangt Einsatz. Das »« prägt die ganze Zeit unsere Denkprozesse: Es besagt, dass Menschen sich bei der Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten, ein und dieselbe Sache zu tun, zu dem einfachsten Weg hingezogen fühlen. Aus diesem Grund beschreibt Kahneman das Denken in System 2 als faul. Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, hilft uns dabei, unser Wissen zu erlangen und es anzuwenden, doch hat alles sehr wortwörtlich seinen Preis.

Die Arbeitsteilung zwischen System 1 und System 2 ist höchst effizient. So läuft System 1 zum Beispiel automatisch ab und bringt Intuitionen und Eindrücke hervor, während System 2 sich nur dann einschaltet, wenn es wirklich nötig wird, höheren Aufwand zu betreiben. Ich kann sehr leicht erraten, ob mir der richtige Wechselgeldbetrag herausgegeben wurde, doch um dies genau zu überprüfen, muss ich innehalten und nachdenken. Auch kulturell und persönlich relevante Informationen können herangezogen werden: Ich realisiere sofort, dass sich meine Kollegin unwohl fühlt, und denke darüber nach, wie ich sie von dem [71]Druck der Konferenz entlasten kann. System 2 wird unterbrochen, wenn die Aufmerksamkeit von ihm abgelenkt wird. Manchmal ist dieser Umstand ertragreich: Sie verlieren den Faden in einem Gespräch, wenn Sie ein Kind aufschreien hören (automatisch alarmiert durch System 1), in anderen Momenten ist es störend: Sie sind irritiert vom Schmatzen der Person, die neben Ihnen im Kino sitzt, und verlieren deshalb den Faden.

Um den geringen Energievorrat möglichst effizient zu nutzen, neigen wir dazu, uns wann immer möglich auf System 1 zu stützen. Auf diese Weise entstehen einige typische Fehler. Das Risiko, das wir durch diese Vorauswahl eingehen, wird durch ein Beispiel von Kahneman illustriert. Lesen Sie das folgende einfache Rätsel und erlauben Sie Ihrer Intuition, schnell eine Antwort zu liefern.

Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Euro.

Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball.

Wie viel kostet der Ball?

Welcher Betrag kam Ihnen zunächst in den Sinn? Die schnelle und leichte (System-1-) Antwort ist 10 Cent. Doch diese intuitive Antwort ist falsch: Ihr entsprechend würde der Schläger 1 Euro kosten, was bloß 90 Cent teurer als der Ball wäre. Beziehen Sie System 2 mit ein, um das Rätsel zu lösen, und Sie werden die richtige Antwort finden. Wie Sie schnell feststellen können, benötigt diese Variante mehr Energie und – zumindest ein wenig – konzentrierten Aufwand (Lösung auf S. 87).

System 1 macht automatisch Gebrauch von assoziativen Verbindungen im Gehirn, unter diesen auch Verbindungen [72]zum Körper und zu Emotionen, die in der Folge unsere Handlungen und Gefühle beeinflussen – wieder auf Wegen, derer wir uns nicht bewusst sind und die wir deshalb nicht verhindern können. Die Forschung zu ist aufschlussreich. Zum Beispiel verhielten sich Menschen, nachdem sie Zeichen für Geld ausgesetzt worden waren (etwa einem Bildschirmschoner mit fliegenden Geldscheinen), anders: Sie wurden unabhängiger, hielten länger schwierige Probleme durch, saßen weiter entfernt von anderen Personen und waren anderen gegenüber weniger hilfsbereit (sie hoben seltener Bleistifte auf, die ein ungeschickter Eingeweihter des Forscherteams fallen ließ). Wenn junge Menschen mit in durcheinandergewürfelten Sätzen versteckten Wörtern konfrontiert werden, die in Assoziation mit hohem Alter in den USA stehen (Florida, vergesslich, kahlköpfig), ohne jedoch das Alter explizit zu erwähnen, dann gehen sie in Folge langsamer den Gang hinunter, wenn sie das Gebäude verlassen. Obwohl sie diese Worte vollkommen unbewusst aufnahmen, hat die Tatsache, dass sie sie sahen, ihre Handlungen beeinflusst und einen produziert. Es funktioniert auch umgekehrt: Bitten Sie Menschen, langsam zu gehen, und sie werden schneller, wenn sie die Wörter, die mit hohem Alter assoziiert werden, wahrnehmen. Menschen neigen eher dazu, Seife, Desinfekt oder Spülmittel statt Batterien, Saft oder Zuckerstangen zu kaufen, wenn sie daran denken, einem Kollegen in den Rücken zu fallen. Wie Kahneman es ausdrückt: »Das Gefühl, sich psychisch beschmutzt zu haben, scheint den Wunsch auszulösen, seinen Körper zu reinigen.« Hier handelt es sich um den sogenannten »Lady-Macbeth-Effekt«. Dieser beeinflusst sogar [73]Verbindungen zu verschiedenen Teilen des Körpers: Wenn Sie jemanden auffordern, eine fremde Person am Telefon zu belügen, bevorzugt derjenige später Mundspülung statt Seife. Die Lüge in einer E-Mail zu übermitteln, verschiebt die Präferenz hin zu Seife. Diese Erkenntnisse untermauern Theorien der , die besagen, dass fast alle Aspekte der Kognition von »Niedrig-Level«-Anlagen wie dem sensomotorischen System und den Emotionen abhängig sind und diese Anlagen verwenden. Sie sind also sowohl im Körper als auch im Bewusstsein verwurzelt. Zu welchem Grad System 1 – Denken, das mühelos, automatisch und der Reflexion unzugänglich ist – unser Verhalten beeinflusst, zeigt sich besonders gut in dem in Kasten 4.1 dargestellten Experiment.

Kasten 4.1 Verborgene Einflüsse auf unser Verhalten

In der Nähe einer »Vertrauenskasse«, in die Menschen einzahlen konnten, um sich an der Kaffeekasse zu beteiligen, platzierten Forschende der Newcastle University in Großbritannien abwechselnd Poster, auf denen entweder Augen oder Blumen abgebildet waren. Jedes Bild wurde...



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