E-Book, Deutsch, 480 Seiten
Burke Triff mich über den Wolken
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7499-0793-9
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Eine zauberhafte Fake-Dating-RomCom über die Verirrungen des Lebens | Zuckersüß wie Alexis Hall, witzig wie Casey McQuiston
E-Book, Deutsch, 480 Seiten
ISBN: 978-3-7499-0793-9
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein one-way-Ticket zur Liebe?
Die Krankenschwester Olive Murphy hat Flugangst und hält sich während des Starts noch immer an der Armlehne ihres Sitzes fest, als der Pilot einen medizinischen Notfall ausruft. Olive ergreift sofort die Initiative und rettet ein Leben, doch der Flug wird ersatzlos gestrichen - und Olive sitzt fest. Zu ihrem Glück bietet Stella Soriano, die umwerfend attraktive Kopilotin, ihr an, sie mit dem Auto mitzunehmen. Die beiden verbringen einen magischen Tag zusammen, und Stella macht einen überraschenden Vorschlag: Würde Olive ihre Fake-Freundin sein? Als die beiden sich näher kommen, fühlt sich das, was eigentlich nur Fake sein sollte, jedoch immer echter an. Könnte dies die romantischste Fahrt ihres Lebens werden - oder ein epischer Absturz?
Andie Burke schreibt romantische, queere Bücher mit Happy End. Sie studierte Englisch, entschied sich dann aber für eine Karriere als Kinderkrankenschwester. Ihr Schreiben ist inspiriert von den vielen Jahren, in denen sie in Krankenhäusern mit Patient:innen aller Altersgruppen gearbeitet hat. Andie lebt in einem blauen Haus in Maryland mit einer alarmierenden Anzahl von Büchern und peinlich vielen ultrafeinen Kugelschreibern. Wenn sie nicht schreibt, füttert sie wahrscheinlich die beiden kleinen menschlichen Wesen, die bei ihr leben, mit Snacks oder versucht, ihre Zimmerpflanzen am Leben zu halten. Auf Bookstagram kann man sie dabei beobachten, wie sie ihren immer größer werdenden Stapel an ungelesenen Büchern aufstockt oder ihr ADHS-Gehirn beim Hören von Taylor Swift glücklich dissoziieren lässt.
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1
»Wir stürzen nicht ab. Wir stürzen ganz sicher nicht ab.«
Als die ersten Fluggäste sich nach ihr umdrehten, wurde Olive Murphy klar, dass sie es laut gesagt haben musste. Und weil sie ihre Noise-Cancelling-Kopfhörer auf den Ohren hatte, hatte sie es vermutlich so laut gesagt, dass alle an Bord es hören konnten.
Sie schluckte, um den dicken Kloß in ihrem Hals loszuwerden.
Dummerweise wollte ihr Mund, und das war ganz und gar nicht typisch für sie, einfach keine Ruhe geben. »Tatsächlich liegen die Chancen, beim Absturz eines Verkehrsflugzeugs ums Leben zu kommen, bei gerade mal eins zu drei Komma drei sieben Milliarden. Und achtundneunzig Komma sechs Prozent der jährlichen Flugunfälle haben überhaupt keine Todesopfer zu beklagen.« Olive zerrte am Kragen ihres Sweatshirts. »Aber diese statistische Wahrscheinlichkeit gilt natürlich auch für die Menschen an Bord der Unglücksmaschinen – und trotzdem sind sie in einem brennenden Wrack gestorben!« Mit einem nervösen Lachen schaute sie sich um und hoffte, ein schwarzes Loch würde sich auftun, um sie zu verschlingen. Aber keine Chance, sie saß noch immer hier.
In einem gottverdammten Flugzeug.
Ihre Finger schlossen sich fester um die kleine weiße Tablette in ihrer Hand. Joni, die Ärztin auf ihrer Station, hatte sie ihr verschrieben. Leider hatte sie ihr nicht gesagt, wann genau sie sie nehmen sollte. Was, wenn sie noch Stunden auf dem Rollfeld herumstanden? Olive hatte bloß zwei Valium dabei, eine für den Hinflug und eine für den Rückflug. Ihre normalen Medikamente würden dafür nämlich nicht reichen.
Ihr Mund war plötzlich ganz trocken.
Sie nahm einen Geruch wahr, den es vermutlich nur in Flugzeugen gab, irgendwie metallisch und nach gefilterter, permanent ausgetauschter Luft. Der Geruch des Todes.
Okay, eher Angst als Tod.
Aber wie sollte sie das aushalten, zehntausend Kilometer hoch in der Luft mit diesem Geruch in der Nase, sich den Gesetzen der Physik widersetzend, den Gesetzen der Natur und nicht zuletzt den Gesetzen von Olive Murphys ungeschriebenem Leitfaden für alle Lebenslagen. Newton wollte ihr nicht aus dem Kopf, der alte Newton mit seinem Apfel und den Gesetzen der Schwerkraft. Was hochsteigt in die Lüfte, fällt auch wieder herunter, so will es das Gesetz. Wie ein Apfel, der vom Baum fällt. Oder eine Boeing 737 voller schreiender Menschen, zerschmettert in einem riesigen Erdkrater. Oder ein Sturzflug ins Wasser, ein gefundenes Fressen für Haie und Piranhas oder was immer sich in den Tiefen der Ozeane an Menschenfleisch labt.
Sie sollte weniger Discovery Channel schauen.
»Jetzt oder nie«, sagte sie und blickte auf die Valium in ihrer Hand.
Die Tablette war nur noch Millimeter von ihrem Mund entfernt, als das Flugzeug plötzlich einen Ruck machte. Die kleine weiße Pille flog ihr aus der Hand und kullerte auf den Gang. Olive schrie hell auf und verpasste dem Kind hinter ihr eine nicht jugendfreie Vokabellektion. Sie klammerte sich an die Armlehne und den Sitz vor ihr, als wären sie schon in der Luft und würden Loopings fliegen. Eine Flugbegleiterin kam vorbei, trat auf die Tablette und drückte sie mit dem Absatz ihrer Pumps in den Teppich.
»Oh mein Gott«, keuchte Olive.
Einer ausgebildeten Pflegefachkraft brauchte man nicht zu erklären, welcher Mikrokosmos an Keimen sich allein nach einem kurzen Gang durch den Flughafen an dieser Schuhsohle befand. Ekelhaft! Die zweite Tablette war im Trolley über ihr im Handgepäck. Ihr Blick schoss hinauf zum Gepäckfach, ihr linkes Augenlid zuckte wie die letzten Lebensgeister einer Maus im Maul einer Katze. Ihr Blickfeld verengte sich. Sie bekam erst einen Tunnelblick, dann ein Klingeln in den Ohren, das durch die Kopfhörer noch verstärkt wurde.
Atmen, Olive.
Sie würde ganz ruhig aufstehen, sich aus ihrem Koffer holen, was sie brauchte, und sich wieder setzen. Es war im Grunde ganz einfach. Alles kein Problem. Olive öffnete den Sicherheitsgurt.
Eine Flugbegleiterin mit blond toupierter Dolly-Parton-Mähne stürzte sich auf sie. »Wir starten gleich, Ma’am, Sie können jetzt nicht aufstehen.«
»Ich … ich brauche etwas aus meiner Tasche.«
Die pudrig rosafarbenen Lippen der Frau verzogen sich zu einem besänftigenden Lächeln. »Das können Sie machen, wenn wir unsere Reiseflughöhe erreicht haben.«
»Aber … es ist wegen meiner Tablette.« Olive klammerte sich, schon halb aufgesprungen, an die Armlehnen ihres Sitzes.
»Handelt es sich um ein lebenswichtiges Medikament?«
Olive schluckte. »Nein.«
Die Frau wies mit einem krallenscharfen Fingernagel auf Olives Sitz. »Dann bleiben Sie bitte an Ihrem Platz und schnallen sich wieder an.«
Olive ließ sich zurück in ihren Sessel fallen und schloss den Gurt. Kein Problem, sie würde es schon schaffen. Im Lauf des letzten Jahres hatte sie schon Schlimmeres überstanden. Sie schloss die Augen und versuchte sich vorzustellen, wie die Reise wohl verlaufen würde, wenn Jake bei ihr wäre. Er würde sie ablenken, sie zum Lachen bringen. Ihr sagen, dass es eine reine Kopfsache sei, und wer eine Notaufnahme mit sechsundvierzig Betten nachts, allein, bei Vollmond, leiten könne, würde auch das hier überstehen. In Wahrheit würde er nichts dergleichen sagen. Vielmehr würde er Serienzitate aus Parks & Recreation bringen oder sie an den Haaren ziehen, wie er es früher gemacht hatte, als sie bei Familienfahrten hinten im Auto zweistimmig Disneysongs geschmettert hatten, bis ihre kleine Schwester zu heulen anfing und ihre Mutter sich verärgert umdrehte, um für Ruhe zu sorgen. Das würde Jake machen. Und er würde nicht eher aufhören, bis sie völlig vergessen hätte, dass sie statt im Auto in einem gottverdammten Flugzeug saß.
Aber er war nicht da, und genau das war der Punkt. Nur deswegen saß sie ja im Flieger. Und sie würde es schaffen. Für ihn.
Während sie Richtung Startbahn rumpelten, kontrollierte das Kabinenpersonal die Handgepäckfächer. Die Blondtoupierte bedachte sie mit einem extra prüfenden Blick, als wäre Olive ein Problemfall, den man besser nicht aus den Augen ließ. Wie eine Erstklässlerin, die schon am ersten Schultag nichts als Ärger macht. Olive hielt ihr Telefon fest und versuchte, alles andere auszublenden. Sie stellte die Musik lauter und ließ sich einlullen von Brandi Carlile, die sich die Seele aus dem Leib sang.
Denk an deinen sicheren Ort, deinen sicheren Ort, deinen sicheren Ort.
Musik. Natur. Topfpflanzen, viele Topfpflanzen. Modernes Design. Aber mit Samtbezügen, am besten alles mit Samt, weich und …
Das Flugzeug erzitterte.
Olive schrie erschrocken auf und fing sich noch mehr genervte Blicke von ihren erstaunlich ruhig wirkenden Mitreisenden ein. Klar, alles total entspannt. Wahrscheinlich würden sie noch Wochen später von der Verrückten auf ihrem Flug erzählen. Sie suchte nach ihrer Wasserflasche. Wasser wäre jetzt gut, Wasser war immer gut.
Außer man krachte mit dem Flieger rein.
Haie! Piranhas!
Ihre Kehle war rau wie Schmirgelpapier. Bevor sie auch nur einen Schluck trinken konnte, drang ein Dröhnen an ihre Ohren, das es sogar bis durch die Kopfhörer schaffte und Brandi Carlile übertönte. Das Flugzeug beschleunigte, Olive wurde in ihren Sitz gedrückt. Sie hielt den Atem an, als wollte sie vom Dreimeterbrett springen. Ein Hopser, dann ein seltsam erhebendes Gefühl. Sie riss die Augen auf, fuhr mit dem Kopf herum. Kein Ruckeln und Beben mehr, keine rüttelnden Räder unter ihnen. Kein Boden mehr. Sie flogen, glitten lautlos durch die Lüfte. Dann gab es ein rumpelndes Geräusch, das sie erneut zusammenfahren und sich an den Armlehnen festklammern ließ.
Eine knorrige Hand hob ihr den rechten Kopfhörer vom Ohr, vom Gangplatz neben ihr war eine knarrende Stimme zu vernehmen. »Keine Sorge, Schätzchen. Die haben gerade das Fahrwerk eingezogen.« Eine alte Frau, bestimmt schon weit über neunzig, grinste sie an – sie grinste wirklich – und tätschelte ihr beschwichtigend den Arm.
»Ah, okay.«
»Wird schon alles gut gehen.« Sie zeigte nach vorn zum Kabinenpersonal. »Achten Sie einfach auf die Flugbegleiter. Solange die ruhig sind, können Sie auch ganz beruhigt sein. Aber spucken müssen Sie nicht, oder?«
»Warum?«
»Weil ich mit Unfallstatistiken besser leben kann als mit dem Gestank Ihrer Panikkotze.« Damit zog sie sich ihre Schlafbrille über die Augen und schnarchte binnen Sekunden.
Olive vergrub das Gesicht in den Händen. Es war längst nicht die peinlichste Erfahrung ihres Lebens, nicht mal annähernd. Jake hatte sie immer den lebenden Beweis für Murphys Gesetz genannt. Bei ihr ging alles schief, was nur schiefgehen konnte, vor allem dann, wenn die Chance bestand, dass sie sich dabei so richtig schön zum Affen machen würde. Meistens konnte sie darüber lachen.
Heute nicht.
Trotzdem wollte sie den Rat der alten Dame beherzigen und behielt pflichtschuldig das Kabinenpersonal im Auge, das miteinander plauderte und ganz entspannt wirkte. Alles ruhig, kein Grund zur Aufregung. Olive versuchte sich zu entspannen. Einige Minuten flogen sie so in trügerischem Frieden dahin, bis eines der Crew-Mitglieder alarmiert aufsprang.
»Oh mein Gott.« Olive zog sich die Kopfhörer herunter. Schreie aus...




