E-Book, Deutsch, Band 338, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
Burger Alpengold 338
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7517-0632-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die seltsame Ehe des Försters
E-Book, Deutsch, Band 338, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
ISBN: 978-3-7517-0632-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als bekannt wird, dass die schöne Tochter des Sägewerksbesitzers Haubinger den Förster Simon Walden heiraten will, gibt es einen regelrechten Aufruhr bei den Burschen im Dorf. Irgendetwas muss an der Sache faul sein, behaupten die Klatschmäuler von Haiglbach, denn welches blutjunge, bildhübsche Madl heiratet freiwillig einen Mann, der dem Alter nach sein Vater sein könnte?
Tatsächlich hat Angelika diese seltsame Wahl nicht freiwillig getroffen. Ihr Vater hat sie kurz und bündig vor die Alternative gestellt: »Entweder heiratest du den Förster, oder ich kann mich aufhängen!«
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Die seltsame Ehe des Försters
Als ein schönes Dirndl zur Heirat gezwungen wurde
Von Marianne Burger
Als bekannt wird, dass die schöne Tochter des Sägewerksbesitzers Haubinger den Förster Simon Walden heiraten will, gibt es einen regelrechten Aufruhr bei den Burschen im Dorf. Irgendetwas muss an der Sache faul sein, behaupten die Klatschmäuler von Haiglbach, denn welches blutjunge, bildhübsche Madl heiratet freiwillig einen Mann, der dem Alter nach sein Vater sein könnte?
Tatsächlich hat Angelika diese seltsame Wahl nicht freiwillig getroffen. Ihr Vater hat sie kurz und bündig vor die Alternative gestellt: »Entweder heiratest du den Förster, oder ich kann mich aufhängen!«
In diesem Jahr war der Frühling ungewöhnlich zeitig im Tal eingekehrt. Obwohl droben auf dem Hocheck noch Schnee lag, grünte und blühte es in den Bauerngärten von Haiglbach allenthalben.
Durch den Fremdenverkehr war so mancher in diesem Dorf zu bescheidenem Wohlstand gelangt. Den erfreulichen Aufschwung hatten die Dörfler in der Hauptsache dem Herrn Baron von Tannheim zu verdanken. Baron Albert war ein Mann, der mit der Zeit ging. Er hatte den Bürgermeister dazu überredet, sich dem Fortschritt nicht stur zu verschließen, wie dieser es bisher gehalten hatte.
Heute war der Bürgermeister Anton Simbacher sehr froh, dass er auf den Rat des Barons gehört hatte. Auch die Bauern und Kleinhäusler von Haiglbach waren überaus zufrieden.
Obwohl Baron Albert ein sehr reicher Herr war, der unweit des Dorfes ein schlossähnliches Haus bewohnte und außerdem eine florierende Tuchfabrik besaß, kannte er keinen Hochmut oder gar Standesdünkel. Wohlwollend, ja, freundschaftlich gab sich der Herr von Tannheim gegen jedermann. Wer Sorgen hatte oder in Nöten war, der fand beim Herrn Baron stets ein offenes Ohr und Hilfe.
Kein Wunder also, dass Baron Albert allenthalben geschätzt und verehrt wurde. Nicht allein von den Dörflern, sondern auch von seinen Arbeitern und Angestellten in der Tuchfabrik. Und die Dienstleute von Gut Tannheim wären allesamt für ihren Herrn durchs Feuer gegangen!
Der Förster Simon Walden gar hätte sich für seinen Herrn in Stücke reißen lassen.
Simon Walden saß eben mit seiner jungen Frau beim Mittagessen, als es an die Tür klopfte. Baron Albert von Tannheim betrat mit einem freundlichen Gruß die Stube. Er war ein hochgewachsener Mann mit schwarzem Haar, das an den Schläfen bereits feine Silberfäden zeigte. Baron Albert war mit seinen vierzig Jahren im besten Mannesalter.
Der Förster war aufgesprungen, um seinen Herrn zu begrüßen. Angelika, die junge Försterin, erwiderte mit einem scheuen Lächeln den Gruß des Gutsherrn und schob ihm einen Stuhl zu.
»Geli, bring uns was zu trinken«, bat der Förster seine Frau.
Still verließ Angelika die Stube und kam Minuten später mit einer Flasche Enzian und zwei Stamperln zurück. Mit anmutigen Bewegungen goss sie ein. Baron Albert sah ihr zu. Angelikas zarte blonde Schönheit berührte sein Herz auf eine seltsame Weise.
Es war nun bereits fast zehn Jahre her, dass seine über alles geliebte Frau Bianca im Kindbett gestorben war. Das Kleine – es war ein Büberl gewesen – hatte sie mit sich fortgenommen ins dunkle Reich des Todes.
Seither hatte Baron Albert sehr einsam gelebt.
Doch an der blühenden Schönheit Angelikas hätte wohl kein Mann unberührt vorübergehen können. Angelika war die einzige Tochter des reichen Sägemühlenbesitzers Haubinger. Sie hätte unter vielen Freiern wählen können, doch Angelika hatte zur allgemeinen Verwunderung der Leute den Gutsförster Simon Walden geheiratet, obwohl dieser altersmäßig ihr Vater hätte sein können.
Vor einem Jahr hatte dieses ungleiche Paar den Bund fürs Leben geschlossen. Aber noch immer fragte sich Baron Albert oft, was Angelika an diesem alternden Mann gefunden haben mochte. Freilich, Simon war ein rechtschaffener Mensch, ehrlich und herzensgut. Aber dass die junge, schöne Angelika ausgerechnet ihn zum Ehemann genommen hatte, das blieb dem Baron nach wie vor rätselhaft.
Die Ehe der Förstersleute schien glücklich zu sein.
Als Angelika jetzt den beiden Männern »Wohl bekomm's!« wünschte und hinausgehen wollte, hielt Simon sie zurück.
»Magst du net ein Glas mit uns trinken, Geli? Oder fürchtest du dich gar vor unserem Herrn Baron?«, fragte er und lachte gutmütig.
Unwillkürlich furchte Baron Albert die Stirn. Er fand es unangebracht, dass Simon den schönen Namen Angelika derart verstümmelte.
»Mit Verlaub, ich habe in der Küche zu tun«, erwiderte die junge Frau jetzt mit ihrer sanften, melodischen Stimme. »Will auch net weiter stören, falls der Herr Baron was Dienstliches mit dir zu besprechen hat.«
Sie neigte anmutig den Kopf vor dem Gast, dann entfernte sie sich rasch.
»Ja, mein lieber Simon, ich habe etwas mit dir zu bereden. Es geht um das Wildgehege, das ich droben im Wald, genauer gesagt beim Fuchswinkel, einrichten möchte. Dieser Plan liegt mir schon lange im Sinn, wie du ja weißt. Jetzt möchte ich die Sache endlich realisieren. Es wäre doch schön, wenn die Urlauber dort hinaufwandern und sich die Tiere aus nächster Nähe anschauen könnten. Für Haiglbach wäre es eine Attraktion, die gewiss noch mehr Feriengäste herbeiziehen würde. Außerdem habe ich mir überlegt, dass damit auch dem Einödbauern, dem Ronacher, ein schönes Stück Geld zufließen würde.«
»Wie das, Herr Baron?«, fragte der Förster verwundert.
»Nun, wenn man zum Fuchswinkel hinauf will, kommt man doch am Hof des Jakob Ronacher vorbei. Ich werde dem Jakob Geld vorschießen, damit er seinen alten Kälberstall umbaut – er zieht ja schon seit vielen Jahren kein Jungvieh mehr auf. Ich dachte mir, dass man aus dem ehemaligen Stall eine Jausenstation machen könnte. Dort würden die Fremden gewiss gern einkehren auf dem Weg zum Wildgatter. Für den Ronacher wäre das ein hübscher Nebenverdienst.«
»Ah so«, brummelte der Förster und strich sich nachdenklich den eisgrauen Bart. »Ja, freilich, das wär' schon eine gute Idee, Herr Baron. Aber ich frag mich, was wird der Haubinger zu diesem Projekt sagen? Der Weg zum Einödhof hinauf ist schmal und unkommod, jedenfalls für die städtischen Urlauber. Da müsste man wohl Abhilfe schaffen – gar eine richtige Straße ausbauen, damit die Leute per Auto bis zum Einödhof gelangen können. Aber da sehe ich schwarz, Herr Baron! Erstens müsste ja der Gemeinderat seinen Segen dazu geben, und zum zweiten bräuchten Sie das Einverständnis vom Haubinger, dem ja ein gutes Stück Grund da droben gehört. Der wird bestimmt net verkaufen!«
Das hörte sich so grimmig an, dass Baron Albert verwundert aufhorchte. Es klang so, als sei Simon Walden dem Sägemühlenbesitzer spinnefeind. Dabei war Richard Haubinger doch Simons Schwiegervater! Aber Simon sprach von ihm immer nur als vom Haubinger.
Umgekehrt schien Richard Haubinger seinen Schwiegersohn auch nicht besonders gut leiden zu können. Dennoch hatte er ihm seine Tochter zur Frau gegeben. Eine sonderbare Geschichte ...
»Der Haubinger ist freilich ein arger Dickschädel«, nahm Baron Albert das Gespräch wieder auf. »Aber er ist auch geldgierig, und wenn man ihm einen guten Preis für seinen Grund bietet, wird er schon weich werden. Zuerst einmal werde ich mit dem Bürgermeister reden, damit er die Sache vor den Gemeinderat bringt. Inzwischen habe ich einen Auftrag für dich, Simon.«
»Stets gern zu Ihren Diensten, Herr Baron«, erwiderte Simon Walden mit Respekt.
»Ich habe mich mit der Firma Mohr in Verbindung gesetzt. Du weißt ja, dass man dort gesundes Gatterwild zu reellen Preisen kaufen kann. Rehe und Hirsche haben wir ja selber im Revier, aber ich möchte ein Rudel Muffelwild und einige Sauen kaufen. Das Gehege wird groß genug sein, so werden sich die Tiere miteinander vertragen. Da, lies den Brief, den ich heute von der Firma Mohr erhalten habe, Simon. Morgen früh fährst du nach Ulm und schaust dir das Wild gut an, das die Leute dort haben. Hier ist auch eine Vollmacht, die du brauchst, um in meinem Namen einzukaufen. Die Tiere sollen natürlich erst dann geliefert werden, wenn das Wildgatter erstellt ist.«
Der Förster nahm die Papiere entgegen, die sein Dienstherr ihm reichte.
»Mit Verlaub, Herr Baron, aber was ist hernach, falls dieses Projekt net zustande käm – sei es, dass der Gemeinderat net zustimmt, sei es, dass der Haubinger querschießt?«, gab er zu bedenken.
Baron Albert erhob sich und klopfte seinem treuen Förster leutselig auf die Schulter.
»Es wird klappen, da bin ich ganz sicher, Simon. Also, morgen in der Frühe fährst du los. Mach deine Sache gut, ich verlasse mich ganz auf dich.«
»Sehr wohl, Herr Baron.«
***
Simon ging zu seiner Frau in die Küche und erzählte ihr, was der Baron ihm aufgetragen hatte.
»Dann will ich gleich deine Sachen...




