Burdy | Wir müssen reden – aber richtig! | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Burdy Wir müssen reden – aber richtig!

Die Kraft der emotional intelligenten Kommunikation. Vorwort von Gerald Hüther
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-451-83444-8
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Kraft der emotional intelligenten Kommunikation. Vorwort von Gerald Hüther

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-451-83444-8
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unser Leben wird von Kommunikation bestimmt. Wir sind immer und überall im Austausch mit anderen. Und doch setzen wir uns kaum damit auseinander, wie wir kommunizieren. Dabei könnten wir mit dem richtigen Wissen nicht nur besser verstanden werden, sondern dabei auch noch unsere Beziehungen stärken. Robert Burdy räumt mit der größten Kommunikationsfalle überhaupt auf: der Idee, dass Kommunikation reine Kopfsache sei. Vor allen Dingen zeigt er aber, welch enorme Wirkung wir mit emotional intelligenter Kommunikation erzielen. Dank acht goldener Kommunikations-Tools wird bald aus jedem Gespräch eine Win-Win-Situation. Eine praktische Anleitung zu einem besseren zwischenmenschlichen Miteinander in allen Lebensbereichen.

Robert Burdy ist Journalist, Autor und Kommunikationsexperte. Als ARD-Korrespondent berichtete er in Tagesschau, Tagesthemen und Weltspiegel . Von 2001-2022 moderierte er die Nachrichtensendung mdr AKTUELL. Als Kommunikations-Coach ist er in den Führungsetagen verschiedener Großunternehmen tätig. Im Herder Verlag erschien 2024 'Wir müssen reden - aber richtig' sowie 2022 'Wir informieren uns zu Tode' (gemeinsam mit Gerald Hüther). Weitere Informationen: www.robertburdy.com
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Autoren/Hrsg.


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1
Auf ein Wort:
Was passiert, wenn wir
miteinander kommunizieren


Es hört sich so einfach an: „Sag mal was!“ Wir alle stehen tagtäglich und immer wieder vor dieser Herausforderung und nehmen sie meistens so selbstverständlich an, als gelte es, einen gefundenen Geldschein aufzuheben. Oft wird erst im Nachhinein klar, wie groß die Herausforderung eigentlich war, wie schnell man sich beim Aufheben verbiegt und wie teuer uns der gefundene Geldschein zu stehen kommen kann. Manchmal ist es nämlich nur ein falscher Fünfziger.

Wenn wir miteinander reden, bewegen wir uns bildlich gesprochen in einem extrem hochpreisigen Umfeld. Das Potenzial von gelungener Kommunikation, Gutes zu bewirken und unsere Beziehungen zu bereichern, ist erheblich. Genauso groß ist allerdings das Risiko, mit den falschen Worten ellbogentief ins rhetorische Klo zu greifen und anschließend sehr lange im üblen Geruch des Gesagten zu stehen. Da reden wir nicht nur über das sprichwörtliche zerbrochene Porzellan, sondern auch über tiefe Narben auf der Seele. Das gilt für private Kommunikation in unseren persönlichen Beziehungen genauso wie für die Art und Weise, mit der wir im Job mit anderen reden. Nicht gelingende Kommunikation kann menschlich wie monetär sehr teuer werden.

Wir stürzen uns also – ohne dem große Aufmerksamkeit zu schenken – immer und immer wieder in eine Aktivität, die uns selbst und das Gefüge unserer sozialen Beziehungen nachhaltig verändern kann. Hand aufs Herz: Wie oft machen wir uns diese Tragweite von Kommunikation bewusst?

Die Absicht, uns zu äußern, zwingt uns immer wieder dazu, uns auch zu ent-äußern, also etwas von uns preiszugeben. Das macht verletzlich. Außerdem kommunizieren wir, weil wir Informationen brauchen. Miteinander zu reden, ermöglicht es uns, in einer immer komplexer werdenden Welt Lösungen für Probleme zu finden, indem wir von den Erfahrungen anderer profitieren. Gegenseitig voneinander zu lernen ist eine wichtige Grundmotivation für Kommunikation. Egal, ob wir in die tiefsten Geheimnisse eines naturwissenschaftlichen Problems eindringen und uns darüber mit anderen Super-Schlaumeiern austauschen. Oder ob es darum geht, herauszufinden, was unserem Lebenspartner die Petersilie verhagelt hat.

Verletzende Kommunikation ist Körperverletzung


Jede Erfahrung, die wir machen, auch jede kommunikative Erfahrung, bedeutet einen Lernprozess in unserem Gehirn und das Abspeichern einer bestimmten Lösung für ein bestimmtes Problem. Das gilt für Fakten (zum Beispiel 1 + 1 = 2), für Schutzmechanismen (zum Beispiel „Traue dieser Person nicht noch einmal“, wenn derjenige, mit dem wir reden, uns anlügt oder Unsinn verbreitet) oder auch für emotionale Erfahrungen (zum Beispiel „So wie ich bin, bin ich nicht gut.“). Solche abgespeicherten Lösungen verändern also nicht nur unser Verständnis der Welt, sondern auch die Struktur unseres Gehirns.

Dieser Prozess namens Neoplastizität ist eine der wunderbarsten Offenbarungen der jüngeren Wissenschaftsgeschichte: Unser Gehirn ist und bleibt bis ins hohe Alter – wenn Krankheiten es nicht verhindern, bis zum letzten Atemzug – in der Lage, sich den aktuellen Bedürfnissen seines Besitzers anzupassen. Der Hirnforscher Professor Gerald Hüther illustriert das gern am Beispiel eines Achtzigjährigen, der noch Chinesisch lernen will. Wenn er eine attraktive Chinesin kennenlernt und zu ihr in ihre Heimat ziehen will, dann wird er sich die Sprache trotz seines hohen Alters noch schnell aneignen können.

Neuroplastizität bedeutet, dass wir eben nicht mit dem Gehirn leben müssen, das uns das evolutionäre Schicksal mit seinem seltsamen Sinn für Humor in die Birne geschraubt hat. Es bleibt zwar an Ort und Stelle, aber es bleibt nicht gleich, sondern passt sich ständig strukturell neuen Herausforderungen an und speichert Lösungen ab, die uns dabei helfen, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Man könnte in der Sprache der künstlichen Intelligenz sagen: Das Gehirn aktualisiert ständig und selbstständig seine Hardware.

Allerdings birgt die Neuroplastizität auch eine Gefahr. Da wir nicht nur gute Erfahrungen machen, werden nicht nur positive Lösungsmuster abgespeichert, sondern ebenso die schmerzhaften und traumatischen Erfahrungen. Teils werden diese wiederum so verkapselt, dass sie uns erstmal nicht mehr wehtun können. Auch das ist eine Lösung.

Wenn wir unserem Gehirn eine negative, verletzende Erfahrung „ins Gedächtnis diktieren“, dann wird die spöttische Bemerkung, der diskriminierende Begriff oder die negative Beurteilung durch einen anderen buchstäblich zur Körperverletzung: Es verändert unser Gehirn physisch gegen unseren Willen auf negative Art.

Nach geltendem Recht ist einer Körperverletzung (§ 223 StGB) schuldig, wer „eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt“. Die Diskussion, ob die physische Veränderung des Gehirns durch negative Lernerfahrungen im juristischen Sinne den Tatbestand erfüllt, können wir den Rechtsgelehrten überlassen. Für unsere Beschäftigung mit der Wirkung von Kommunikation zählt bereits das Wissen, dass verletzende Wortwechsel unser Gehirn verändern und unsere mentale Gesundheit massiv schädigen können. Es steht eine Menge auf dem Spiel, wenn wir miteinander reden!

Gelungene Kommunikation ist Entwicklung


Die gute Nachricht ist: Wenn wir unser Gehirn mit Lösungen beschäftigen, die unser Leben verbessern, die uns glücklich machen und unsere Beziehungen zu anderen bereichern, dann wird sich unser Gehirn in dieser Richtung ent-wickeln, das heißt, es wird sich von alten Verwicklungen befreien und neue, gesündere Verbindungen aufbauen. Dann wird die Neuroplastizität zur „Entwicklungshilfe“ im besten Sinn.

Welche Lösungen beziehungsweise welche Gedanken wir dauerhaft bei uns einziehen lassen, entscheiden wir übrigens selbst. Sie müssen keinem negativen Glaubenssatz Wohnrecht geben und können Störenfrieden fristlos kündigen. Trainieren Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, zukünftig nur noch die Guten reinzulassen.

Wir entscheiden, ob wir uns in falschen Lösungen
verwickeln oder uns mit richtigen ent-wickeln!

Aufheben oder loswerden?

Ein guter Gradmesser für den Wert einer Lösung sind folgende Fragen:

  • Macht mich dieser Gedanke glücklich, oder nicht?
  • Fühlt sich dieser Gedanke gut und richtig an?
  • Welche positive(n) Emotion(en) löst dieser Gedanke in mir aus?
  • Will ich mich weiter mit diesem Gedanken beschäftigen?
  • Bringt mich der Gedanke weiter und führt zu einem neuen Verständnis – oder bestätigt er lediglich Haltungen, die ich bereits eingenommen habe?
  • Wird es mein Gegenüber glücklich machen, wenn ich diesen Gedanken teile?

Kommunikation braucht Aufmerksamkeit


Natürlich wird nicht jeder einzelne Austausch zwischen Menschen zu einer „shape-changing Interaction“, die uns und unseren Blick auf die Welt nachhaltig verändert. Fragt jemand auf der Straße nach dem Weg zum Bahnhof, dann werden Sie – sollte Ihnen die Strecke vertraut sein – nicht lange nachdenken und sagen, wo es langgeht, und der Fremde wird davonziehen. Wenn Sie sich bei der Gelegenheit nicht gerade Herz über Kopf verlieben, wird diese kurze Begegnung kaum einen Einfluss auf den restlichen Verlauf Ihres Lebens oder die Struktur Ihrer grauen Zellen haben.

Es gibt aber durchaus auch vermeintlich kleine Aussagen, die uns tage- und wochenlang beschäftigen, die gesunde oder zumindest funktionierende Beziehungen erodieren lassen und ganze Erdrutsche von Folgekommunikationen und Missverständnissen auslösen. Die im Interview aus dem Ärmel geschüttelte Antwort löst einen Skandal aus. Der eine unbedachte Kommentar in den sozialen Medien kommt als Shitstorm zurück. Ein einziger Satz in einer vierzigminütigen Rede stellt alles Gesagte wieder in Frage. Die impulsive Bemerkung gegenüber dem Lebenspartner wird zur Initialzündung einer Auseinandersetzung, die das eigene Lebensglück bedroht … Das sind keine Ausnahmefälle unserer Alltagskommunikation, im Job wie im Privaten. Es sind die zahllosen Normalfälle.

Miteinander reden ist häufig eine shape-changing Interaction, die die Struktur unseres Gehirns, unseren Blick auf die Welt und unsere Beziehungen verändern kann.

Wir sind also in jeder einzelnen Kommunikationssituation gut beraten, innezuhalten und zu überlegen:

  1. Was will ich erreichen, wenn ich rede?
  2. Was muss ich sagen, um mein Ziel zu erreichen?
  3. Will ich die Person sein, die das sagt?

Sollten Sie sich fragen, wie das mitten im Gespräch funktionieren kann mit dem Innehalten und Überlegen, dann ist auch in diesem Fall die Neuroplastizität die gute Nachricht. Wir können die Art und Weise ändern, in der wir mit anderen reden....


Burdy, Robert
Robert Burdy ist Journalist, Autor und Kommunikationsexperte. Als ARD-Korrespondent berichtete er in Tagesschau, Tagesthemen und Weltspiegel . Von 2001–2022 moderierte er die Nachrichtensendung mdr AKTUELL. Als Kommunikations-Coach ist er in den Führungsetagen verschiedener Großunternehmen tätig. Im Herder Verlag erschien 2024 "Wir müssen reden – aber richtig" sowie 2022 "Wir informieren uns zu Tode" (gemeinsam mit Gerald Hüther). Weitere Informationen: www.robertburdy.com

Robert Burdy ist Journalist, Autor und Kommunikationsexperte. Als ARD-Korrespondent berichtete er in Tagesschau, Tagesthemen und Weltspiegel . Von 2001–2022 moderierte er die Nachrichtensendung mdr AKTUELL. Als Kommunikations-Coach ist er in den Führungsetagen verschiedener Großunternehmen tätig. Im Herder Verlag erschien 2024 "Wir müssen reden – aber richtig" sowie 2022 "Wir informieren uns zu Tode" (gemeinsam mit Gerald Hüther). Weitere Informationen: www.robertburdy.com



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