Buoninconti | Tierisch laut | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 380 Seiten

Buoninconti Tierisch laut

Die wundersame Welt der Kommunikation im Tierreich
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-99037-130-5
Verlag: Folio
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die wundersame Welt der Kommunikation im Tierreich

E-Book, Deutsch, 380 Seiten

ISBN: 978-3-99037-130-5
Verlag: Folio
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Warum zirpen Grillen, machen Echsen Liegestütze und wechseln Oktopusse ihre Farbe? Und sind Fische wirklich stumm? Tiere kommunizieren mit den unterschiedlichsten Mitteln: mit Lauten, Gesten und Mimikry, mit Licht- und Duftsignalen, Tänzen und dem Farbenspiel ihrer Federn. Elefanten verständigen sich mit Infraschall und unterscheiden so über große Distanzen zwischen Freund und Feind. Auch unter Wasser herrscht keineswegs Stille, wie die Gesänge der Wale zeigen, aber auch Piranhas sind echte Plaudertaschen - wie übrigens auch Krokodile. Tiere kommunizieren, um sich zu umwerben, Feinde abzuschrecken, Artgenossen zu warnen oder auf Futter hinzuweisen. Ihr Leben hängt vom permanenten Austausch von Signalen ab und sie können dabei auch lügen und sich verstellen ... Buoninconti enthüllt uns außerdem die Wechselwirkungen zwischen Lebensräumen, für die wir häufig kein Ohr und Auge haben. Lebensräume, die es dringend zu schützen gilt! 'Eine faszinierdende Welt!' La Stampa 'Eine vielförmige Welt aus Tönen, aus optischen, chemischen und taktilen Botschaften!' La Scienza

Francesca Buoninconti hat Naturwissenschaften studiert, sich als Ornithologin spezialiert und schreibt als Wissenschaftsjournalistin für verschiedene Print- und digitale Medien, u. a. für La Repubblica, Micron und Vanity Fair, und sie arbeitet für den Rundfunk. Bei Folio erschien: Grenzenlos. Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere (2021).

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Weitere Infos & Material


Prolog
Einführung – Verschlüsselte Botschaften

Teil I – Das Auge isst mit
Kapitel 1 Meisterhafte Tänzer
Kapitel 2 Bleib mir fern
Kapitel 3 Die Bedeutung der Farbe
Kapitel 4 Meister der Tarnung
Kapitel 5 Dance me to the End of Love

Teil II – Gaumenzäpfchen, Ohren und Geigen
Kapitel 6 Eine Arie auf der sechsten Handschwinge
Kapitel 7 Das Geheimnis des Vogelgesangs
Kapitel 8 Jenseits der Laute
Kapitel 9 Nachtigallen und Kanarienvögel mit Flossen
Kapitel 10 Nicht nur Gebrüll
Kapitel 11 Wie macht es das Krokodil?
Kapitel 12 Stumm wie ein Fisch, fleißig wie eine Ameise

Teil III – Feine Nasen und zarte Berührungen
Kapitel 13 Bestialischer Gestank
Kapitel 14 Tödliche Düfte
Kapitel 15 Stallgeruch

Epilog Eine Sache der Vibrationen

Danksagung


Einführung
Verschlüsselte Botschaften
Seien wir ehrlich, wir, der Homo sapiens, sind eine Gattung, die keine Minute schweigen kann. Auch wenn wir nichts sagen, kommunizieren wir dennoch über Gesten, Mimik und Körperhaltung. Sogar mit dem Parfum, das wir auflegen. Wir kommunizieren ständig, mit unterschiedlichen Personen, die entweder weit weg oder ganz nah sind. Wir kommunizieren in unterschiedlichen Sprachen, mithilfe von Handys und Apps, wir verwenden ein elaboriertes System von Gesten, Mimik, Phonemen und Worten, die wir aneinanderreihen, um Sätze mit genauen Grammatikregeln zu bilden, die wir uns in der Schule mühsam angeeignet haben. Doch selbst wenn der Satz korrekt formuliert ist oder die Emoticons richtig gewählt wurden, kann einiges schiefgehen. Unser Gesichtsausdruck oder Tonfall kann dem Gesagten widersprechen, wir zögern oder verhaspeln uns, und schon droht ein Missverständnis. Das ist wohl jedem von uns schon einmal passiert. Und wenn Sie glauben, dass dem nicht so ist … dann haben Sie es wahrscheinlich nicht bemerkt. Und die Tiere? Haben Vögel, Insekten, Amphibien und andere Säugetiere dieselben Schwierigkeiten beim Kommunizieren wie wir? Können sie lügen? Wie erkennen sie ihre Gefährten? Wie erkennen zum Beispiel Bienen oder soziale Wespen, dass ihre Schwestern in das Nest zurückkehren und nicht fremde Eindringlinge? Was für eine Sprache sprechen die sprichwörtlich „stummen“ Fische? Warum singen Vögel und warum sind wir uns eigentlich sicher, dass es sich immer um Gesang handelt? Wir könnten uns noch eine Menge solcher Fragen stellen, doch die grundlegende Frage lautet: Sind Tiere imstande zu kommunizieren? Diese Frage haben sich Wissenschaftler seit jeher gestellt, auch Charles Darwin, einer der bedeutendsten Naturforscher der Geschichte. Am 26. November 1872 veröffentlichte er The Expression oft the Emotions in Man and Animals (dt. Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei Menschen und Tieren). Wie seine früheren Werke wurde auch dieses Buch augenblicklich ein Bestseller mit mehr als 5.200 verkauften Exemplaren.1 Darwin fand heraus, dass beim Menschen jeder Gesichtsausdruck und jede Haltung eine eigene Bedeutung hat und mit einem Gefühl, einem Gemütszustand einhergeht. Das ist auch bei vielen Tieren der Fall. Außerdem gibt es eine „Universalität“ des Ausdrucks. Oft ähnelt der Gesichtsausdruck von Tieren jenem der Menschen und umgekehrt. „Jugendliche und Alte unterschiedlicher Rassen, sowohl bei den Menschen als auch bei den Tieren, bringen ein und dieselbe Stimmung mit denselben Bewegungen zum Ausdruck (…) Die Tatsache, dass so mancher Gesichtsausdruck bei unterschiedlichen, wenn auch verwandten Gattungen ein und derselbe ist (…) wird verständlich, wenn wir uns eingestehen, dass sie dieselben Vorfahren haben.“2 Der englische Naturwissenschaftler hat zwar die Vorstellung widerlegt, die Arten hätten sich nicht entwickelt, blieb jedoch einem anderen, seinerzeit weitverbreiteten Gedanken treu: Selbst für den Vater der Evolutionstheorie war die Kommunikation der Tiere untrennbar mit Gefühlen verbunden. Oder besser gesagt, Darwin zufolge hatten die Tiere kein Kommunikationssystem im eigentlichen Sinn, sondern ihre Stimmen und Haltungen waren Ausdruck ihrer Emotionen. Eine Amsel zum Beispiel, die einen Raubvogel kommen sieht, fliegt aus Angst davon und gibt das typische Tixen von sich, um die anderen Vögel in der Nähe unwillkürlich zu warnen. Heute weiß man, dass es sich in Wirklichkeit anders verhält, doch das herauszufinden hat lange gedauert. Und vor allem hat es lange gedauert, zu definieren, was Kommunikation eigentlich ist. Ein einfaches Beispiel: Erröten ist eine menschliche Verhaltensweise, die einem Betrachter genaue Hinweise auf unseren Gefühlszustand gibt. Doch wenn wir erröten, kommunizieren wir nicht: Wir wollen nicht erröten. Spontan und unwillkürlich teilen wir jedoch etwas über unseren Gefühlszustand mit. Die Vorsätzlichkeit3 ist also das einzige Kriterium, um zwischen Botschaft und Kommunikation zu unterscheiden. Dasselbe gilt auch für Tiere: Von Kommunikation spricht man nur, sofern es eine Absicht gibt, doch zu diesem Ergebnis ist die Wissenschaft erst nach vielen Überlegungen, Untersuchungen und Studien gekommen. Darwins Text geriet nach der Veröffentlichung bald in Vergessenheit, und erst mit der Verhaltensforschung wurde der Faden wieder aufgenommen. Dank Konrad Lorenz, Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch, die 1973 den Nobelpreis erhielten, wurde die Vergleichende Verhaltensforschung nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer eigenen wissenschaftlichen Disziplin. In den 1950er- und 1960er-Jahren prägte dieses dream team mithilfe eleganter Experimente Begriffe wie „Instinkt“, „angeborenes und erlerntes Verhalten“ und „Reiz“. Und legte den Grundstein für die Wissenschaft, die sich mit der Kommunikation der Tiere befasst: Welche Sprachen sind angeboren, welche erlernt; in welchem Ausmaß und in welcher Zeitspanne werden sie erlernt; welche Signale lösen eine Reaktion aus, was fungiert als Schlüsselreiz und so weiter. So entstand die Wissenschaft von der tierischen Kommunikation: Karl von Frisch beschäftigte sich vor allem mit der Kommunikation der Bienen und ihrem „Tanz“, während Nikolaas Tinbergen den Charakter eines Reizes definierte und vor allem vier Fragen formulierte, die man sich bei der Untersuchung jeglichen Verhaltens, auch der Kommunikation, stellen müsse: Als erstes muss der physiologische Mechanismus verstanden werden (welche Reize verurschen eine Reaktion?); dann die Phylogenese des Verhaltens (hat es sich im Verlauf der Stammesgeschichte verändert?); worin besteht der unmittelbare Nutzen des Verhaltens für das Individuum (inwiefern dient es dem Individuum zum Überleben oder zur Fortpflanzung?); und schließlich, wie ist das Verhalten im Verlauf der Individualentwicklung entstanden? Die Frage, ob Tiere kommunizieren oder nicht, stellt man sich also systematischer erst seit gut 50 Jahren. Und wie so oft in der Wissenschaft ist die Antwort nicht sofort gefunden worden. Nehmen wir das von Darwin zitierte Beispiel: Eine Amsel sitzt auf einem Zweig und sieht, wie ein Sperber, ein Raubvogel, geflogen kommt. Sie fliegt augenblicklich davon, doch beim Davonfliegen stößt sie einen Warnschrei aus, einen Ton, der sich mithilfe von Schallwellen in der Luft verbreitet. Warum macht sie das? Wäre es nicht besser, still und heimlich davonzufliegen, ohne aufzufallen? Die einfachste Antwort darauf wäre natürlich Ja. Doch die Amsel stößt ihren typischen Warnschrei aus, weil sie sehr konkrete Empfänger hat: ihre Artgenossen, die ebenfalls davonfliegen. Allerdings stößt die Amsel den Alarmschrei nicht aus reiner Großzügigkeit aus: Wenn mehrere Vögel davonfliegen, stürzt sich der Raubvogel vielleicht auf einen anderen und lässt sie in Frieden. Sie hat also einen Vorteil. Dieses Beispiel sagt bereits eine Menge über Kommunikation aus: Ein Sender, die Amsel, sendet mithilfe eines Mediums (Luft) eine Botschaft. Die Botschaft ist standardisiert, kodifiziert: Der Warnschrei ist immer gleich, verändert sich nicht im Lauf der Zeit. Und es gibt mindestens einen Empfänger, einen Adressaten derselben Art, der imstande ist, die Botschaft zu empfangen und zu reagieren, indem er seinerseits flüchtet. Also einen Empfänger, der einen Vorteil aus der erhaltenen Information zieht und sein Verhalten ändert. Anders als Darwin dachte, stößt die Amsel ihren Schrei also nicht nur aus Angst aus. Sicher, bei Warnrufen spielt immer auch eine Empfindung eine Rolle, doch nicht deshalb gibt ein Tier diese Art von Signal ab. Wüsste unsere Amsel, dass sie ganz allein ist, würde sie angesichts eines Raubtiers gar keinen Laut von sich geben, sondern still und leise davonfliegen. Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen sind nicht zufällig und liefern uns zwei wesentliche Hinweise. Erstens, das Verhalten der Amsel ändert sich, wenn Publikum vorhanden ist. Zweitens, ihre Botschaft ist für einen Empfänger bestimmt und somit vorsätzlich. Die Aufgabe der Verhaltensforscher bestand also mehr oder weniger darin nachzuweisen, dass es sich bei der tierischen Kommunikation um das vorsätzliche Senden einer Botschaft handelt, und dass genau diese Botschaft eine Reaktion, eine Antwort bewirkt. Natürlich nicht nur in Gefahrensituationen, sondern immer. Tiere kommunizieren also, lassen einander vorsätzlich sehr unterschiedliche Botschaften zukommen: visuelle, auditive, olfaktorische und taktile Botschaften, die nicht nur mithilfe von Berührungen, sondern auch mithilfe von Schwingungen, sogar elektrischen, wahrgenommen werden. Die Art der Botschaften hängt natürlich vom Habitat des Tieres ab: Wenn es in der Dunkelheit lebt und blind ist, macht es keinen Sinn, bunt zu sein, sich auf optische Reize zu verlassen wäre keine gute Idee. Wenn es hingegen im Dunkeln lebt und sehr gut sieht, ist es eine hervorragende Idee, wie ein Glühwürmchen Lichtblitze zu produzieren. Die Art der Signale hängt also vom Habitat der Art, aber auch von deren bisheriger Anpassung ab. Hat man einen Kehlkopf und Ohren, ist...


Francesca Buoninconti hat Naturwissenschaften studiert, sich als Ornithologin spezialiert und schreibt als Wissenschaftsjournalistin für verschiedene Print- und digitale Medien, u. a. für La Repubblica, Micron und Vanity Fair, und sie arbeitet für den Rundfunk. Bei Folio erschien: Grenzenlos. Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere (2021).



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