Buch, Deutsch, Band 12, 309 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 218 mm, Gewicht: 393 g
Reihe: Historische Politikforschung
Identitätspolitiken in Lateinamerika, Asien und den USA
Buch, Deutsch, Band 12, 309 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 218 mm, Gewicht: 393 g
Reihe: Historische Politikforschung
ISBN: 978-3-593-38327-9
Verlag: Campus
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
Einleitung: Ethnizität als politische Ressource
Christian Büschges, Joanna Pfaff-Czarnecka
Ethnisierung und De-Ethnisierung des Politischen: Aushandlungen um Inklusion und Exklusion im andinen und im südasiatischen Raum
Joanna Pfaff-Czarnecka, Christian Büschges, Friso Hecker, Olaf Kaltmeier
Kampf um indigene Souveränität: Die Auslagerung politischer Kommunikation in legale Kommunikationsräume am Beispiel der Delawaren
Claudia Haake
Die unsichtbaren Indios: Ethnizität und Politik in Peru seit der Unabhängigkeit
Ulrich Mücke
'En indio ser mi vanidad se funda…': Ignacio Ramírez und die Identitätspolitiken indigener Intellektueller im Mexiko der liberalen Reformen
Sebastian Thies
Ethnisierung von 'oben' und von 'unten': Staatliche Indianerpolitik und indigene Bewegungen im postrevolutionären Mexiko
Wolfgang Gabbert
Die mobilisierten Grenzen politischer Identitäten: Diskurse über Ethnie und Klasse im Mexiko der 1970er und frühen 1980er Jahre
Stephan Scheuzger
Politische Gemeinschaften und indigener Protest: Anmerkungen zu Ethnizität und Politik in Lateinamerika
Olaf Kaltmeier
Indianische Heilkunde im politischen Raum: Die Entwicklung der 'traditionellen Medizin' in Ecuador um die Wende zum 21. Jahrhundert
Michael Knipper
Politische Kultur und ethnische Inklusion: Zur historiographischen Bedeutung der 'Wahrheitskommissionen' in Guatemala und Peru
Anika Oettler
Schrift und Identität: Phalgunanda und die Anfänge der Kiranti-Sprachbewegung
Martin Gaenszle
Autorinnen und Autoren
Am 9. November 1990 trat in Nepal eine neue Verfassung in Kraft, die den nepalesischen Nationalstaat als 'multi-ethnisch, multi-sprachig und demokratisch' definiert. Im Juni desselben Jahres kam es in Ecuador zu einem mehrtägigen landesweiten 'Indianeraufstand', zu dessen Zielen die verfassungsmäßige Anerkennung der kulturellen Identität und der politischen Repräsentation der verschiedenen indigenen Gruppen des Landes gehörte. 1998 wurde schließlich die ecuadorianische Verfassung reformiert, die den Staat nunmehr als 'demokratisch, pluri-kulturell und multi-ethnisch' definiert. Die beiden Verfassungen sind Ausdruck und – zumindest formalrechtlich – vorläufiger Höhepunkt einer sich gegenwärtig in den Ländern des südamerikanischen Andenraumes und Südasiens manifestierenden Ethnisierung des Politischen. Mehr noch: Die rezenten Veränderungen in den demokratischen Architekturen der beiden Länder stehen exemplarisch für die weltweit feststellbare Ethnisierung des politischen Raums.
Frappante Parallelen, die Generalisierungen nahe legen, zeigen sich erstens in den Reaktionen ethnischer Aktivisten auf vergangene staatliche Bestrebungen im Zuge des nation-building, die Bevölkerungsgruppen innerhalb der Staatsgrenzen zu kategorisieren und zu ordnen. Unübersehbar sind zweitens die beträchtlich angestiegene Legitimität der ethnischen Führer und deren Forderungen. Drittens ist die vermehrte Präsenz ethnisierender Formeln im öffentlichen Raum beachtlich. Stellt die öffentliche Aufmerksamkeit ein knappes Gut dar, so erfreuen sich ethnisierende Diskurse seit circa zwanzig Jahren einer anhaltenden Konjunktur. Diese bilden zunehmend den Gegenstand – teilweise sehr konfliktiv geführter – politischer Debatten um die Ausgestaltung 'demokratischer Designs' in multi-kulturellen Gesellschaften. Diese Phänomene sollen in diesem Aufsatz anhand der beiden Untersuchungsländer Ecuador und Nepal geschildert und vergleichend analysiert werden. Vor diesem vergleichenden Hintergrund wollen wir globalisierende Tendenzen in den Prozessen der Ethnisierung – und vereinzelt auch der De-Ethnisierung – betrachten.