Buchmann | Weltenspiegel | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 158 Seiten

Buchmann Weltenspiegel

Welten-Nebel Band III
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7392-0615-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Welten-Nebel Band III

E-Book, Deutsch, 158 Seiten

ISBN: 978-3-7392-0615-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ungleicher können zwei Menschen kaum sein als die vor einer arrangierten Ehe geflohene Prinzessin Süylin und der wegen Heiratsschwindel gesuchte Verbrecher Rihnall. Und doch führt das Schicksal sie zusammen. Noch ahnen sie nicht, welche bedeutende Entdeckungen ihnen bevorstehen und welch schwere Prüfungen sie fernab ihrer Heimat Elung werden bestehen müssen. Eine Entdeckung, ein mit einer Karte versehener Spiegel, der ihnen die Existenz fremder Länder enthüllt, versetzt sie ohne ihr Zutun in eines dieser Reiche, Atress. Dort wartet eine nahezu unlösbare Aufgabe auf sie, aber auch neue Freunde, die ihnen dabei zur Seite stehen. Dritter Teil der Welten-Nebel-Tetralogie

Anja Buchmann *1985. Mit großer Leidenschaft schreibt sie Fantasyromane und Kurzgeschichten. Der Wunsch nach schreiberischer Fortentwicklung lässt sie sich immer wieder an neuen Genres versuchen, auch wenn Fantasy den klaren Schwerpunkt der Arbeit darstellt. Einen Überblick über das gesamte Schaffen bieten anjabuchmann.de sowie facebook/AutorinAnjaBuchmann.
Buchmann Weltenspiegel jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Entdeckungen


Mond 4 Jahr 3688, Herbst, Galsee, Elung


Es war so weit, endlich hatten sie ihr Ziel erreicht. Er hätte es kaum noch länger aushalten können, zu dringlich waren die Bilder seines wiederkehrenden Traums, zu stark der Sog. Das kleine Schiff schaukelte, als er sich vorsichtig ins Wasser gleiten ließ. Er warf einen kurzen Blick auf Süylin, bevor er in die Tiefen des Sees eintauchte. Es war ein gutes Gefühl, er hatte es vermisst, sich frei im Wasser zu bewegen. Einige Augenblicke lang gab er sich ganz dem Gefühl hin, spürte, wie das Wasser seinen Körper umschmeichelte, weich und dennoch kraftvoll. Er tat einige kräftige Schwimmzüge, tauchte immer tiefer hinab. Das Licht schwand, doch seine Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit. Er sah die ersten Ruinen, hielt darauf zu.

Um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen, schwamm er einmal um das ganze bebaute Areal herum. Es war größer, als er es für möglich gehalten hatte. Die Stadt musste größer als Bellan, sogar als Gal gewesen sein. Es würde sicher mehr als einen Mond dauern, alles zu erforschen. Und er würde einen Plan brauchen.

Da sicher schon einige Zeit vergangen war, entschied Rihnall, zum Boot zurückzukehren. Süylin machte sich sicher schon Sorgen um ihn. Er wünschte, ihr ihre Ängste nehmen zu können. Doch da sie diese nicht einmal konkret benennen konnte, war ihm dies gänzlich unmöglich. Stets sprach sie nur von einem diffusen Gefühl der Gefahr, konnte aber nicht sagen, woher es kam und welchen Aspekt der Unternehmung es betraf. Er selbst hatte keinerlei Bedenken. Im Wasser fühlte er sich sicher, er vertraute auf seine Fähigkeiten. Und von den Ruinen, die ruhig und totenstill unter ihm lagen, konnte wohl keine Bedrohung ausgehen.

Er kam in einiger Entfernung vom Boot an die Oberfläche. Er hatte gedacht, näher an seinem Ausgangspunkt zu sein. Das Boot hatte seine Position nicht verändert, sie hatten den Anker ausgeworfen. Er würde an seiner Orientierung arbeiten müssen.

Süylin half ihm an Bord. „Du warst lange unten. Hast du etwas gefunden?“

„Die Ruinen erstrecken sich über ein großes Gebiet, ich konnte es bis jetzt nur umrunden. Es wird sicher einige Zeit dauern, alles zu erkunden.“

„Hast du eine konkrete Vorstellung, was du finden willst? Mal abgesehen von unendlichen Schätzen?“

Von dem Wunsch nach Reichtümern hatte er sich zwischenzeitlich verabschiedet und das wusste Süylin auch. Die Frage war daher nicht ganz ernst gemeint, eher ein Seitenhieb auf seine ehemals falschen Lebensziele.

„Nein. Aber auch wenn ich es nicht weiß, irgendwas von Bedeutung muss es dort geben, sonst hätte mich das Schicksal wohl kaum hergeführt. Ich werde die Ruinen systematisch durchsuchen. Allerdings wird es schwierig, ob ihrer Größe die Orientierung nicht zu verlieren. Für dieses Problem werde ich noch eine Lösung ersinnen müssen.“

„Lass uns zur Insel zurückkehren, bevor es dunkel wird.“

Glücklicherweise lagen die Ruinen nicht allzu weit von einer kleinen Insel entfernt. So konnten sie die Nächte an Land verbringen.

Ein Tag glich dem anderen. Stets brachen sie im Morgengrauen auf, fuhren ein Stück auf den See hinaus und Rihnall begann mit seinen Erkundungen. Zwanzig Tage tauchte er nun schon durch die Ruinen. Ihr blieb nur, auf ihn zu warten, etwas, was ihr denkbar schwerfiel. Es war weniger die Tatsache, dass sie nichts zu tun hatte, sondern vielmehr die Sorge um ihren Mann, die sie unruhig werden ließ. Auch wenn er bisher stets wohlbehalten zu ihr zurückgekehrt war und es keinerlei Anzeichen für irgendeine Gefahr gab, das diffuse Gefühl einer Bedrohung blieb.

Noch etwas belastete sie jedoch fast noch mehr: Seit sie aus Bellan aufgebrochen waren, war Rihnall ihr gegenüber sehr verschlossen gewesen. Hatten sie ihre gemeinsame Zeit bis dahin stets in vollen Zügen genossen, hatten ständig Küsse und Zärtlichkeiten ausgetauscht, so fand dies nun kaum noch statt. Sie wusste, wie wichtig ihm diese Suche war, wie stark sein innerer Drang war, doch dies machte es nicht wirklich leichter, den Mangel an Zuwendung zu ertragen. Aus Liebe zu ihm ertrug sie es klaglos, doch sie wusste, lange würde sie seine Liebe nicht mehr entbehren können.

Und wofür dies alles? Bis jetzt schien die Suche vollkommen nutzlos. Zwar hatte er stets viel zu erzählen, konnte von einstmals prachtvollen Gebäuden berichten, doch sie sah keinen Wert in diesen Informationen. Sie hatte bemerkt, dass selbst der anfangs so euphorische Rihnall jeden Tag etwas enttäuschter zurückkehrte.

Ein Geräusch riss sie aus ihren Gedanken. Rihnalls Kopf tauchte dicht neben dem Boot aus dem Wasser auf. An seinem Blick konnte sie erkennen, dass etwas Ungewöhnliches geschehen war. Kaum war er an Bord geklettert, begann er zu erzählen. „Ich habe mich heute im Zentrum der Stadt umgesehen und bin auf ein interessantes Gebäude gestoßen. Ich schätze, es war einst ein Palast oder etwas Ähnliches. Jedenfalls sind die Wände gänzlich mit Zeichnungen und Schrift bedeckt. Viel konnte ich noch nicht erkennen, weil es mit Wasserpflanzen überwuchert ist, doch ich bin sicher, dass es sich lohnt, es näher zu untersuchen. Und ich habe das hier gefunden.“

Erst jetzt bemerkte sie, dass er etwas kleines Glänzendes in der Hand hielt. Er streckte es ihr entgegen. Sie nahm und betrachtete es. Es war aus einem Metall gefertigt, sie wusste nicht, aus welchem. Obgleich es wohl sehr lange am Grund des Sees gelegen hatte, war es blitzblank und funkelte in der Sonne. Die eine Seite der ungefähr handgroßen Scheibe war vollkommen plan und glatt, sie konnte ihr Spiegelbild darin entdecken. Die andere Seite aber war von feinen Linien durchzogen. Sie musste genau hinsehen, um eine Zeichnung darin zu erkennen. Es sah aus wie eine Karte. Im Palast hatte sie Karten Elungs gesehen, die auf die gleiche Weise gezeichnet waren. Doch diese Karte zeigte nicht Elung, jedenfalls nicht nur. Sie erkannte mehrere verschiedene Inseln, eine in der Mitte, umgeben von vier weiteren. Mit feinen, fast unsichtbaren Linien standen Namen darüber: Die zentrale Insel hieß Helwa, nördlich davon befand sich Cytria, östlich lag Atress. Die Insel westlich von Helwa trug zwei Namen, Margan und Tulup. Südlich von Helwa aber lag Elung. Sie hätte ihre Heimat ohne den Namen nicht erkannt, denn auch wenn die äußere Form so war, wie sie es in Erinnerung hatte, und auch die Lage der Berge korrekt verzeichnet war, so fehlte ein wesentlicher Bestandteil: der Galsee.

Sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Diese Karte widersprach allem, was sie über die Welt zu wissen glaubte. Die Welt, das war Elung, mehr gab es nicht. Fuhr man zu weit auf das Meer hinaus, gelangte man an das Ende der Welt und wurde davon verschlungen. Doch warum sollte jemand eine Karte anfertigen von Dingen, die es nicht gab, noch dazu eine solch kunstvolle? Und warum lag diese Karte auf dem Grund des Galsees?

Rihnall hatte bis jetzt nur über ihre Schulter auf die Karte schauen können, nun aber nahm er sie ihr aus der Hand und betrachtete sie genauer. Auch er schien verwirrt, konnte sich keinen Reim auf das machen, was er sah. Er fragte sie: „Was meinst du dazu?“

„Ich glaube, du hast wirklich einen bedeutsamen Fund gemacht. Allerdings weiß ich nicht so recht, was ich darüber denken soll. Hältst du es für möglich, dass diese Karte der Wahrheit entspricht?“

Er zuckte nur mit den Achseln. Nachdem er eine Weile nachgedacht hatte, sagte er: „Warum nicht? Ist der Gedanke, dass es noch mehr Menschen gibt, eigentlich so abwegig?“

„Aber warum wissen wir dann nichts von ihnen?“

„Einst muss jemand davon gewusst haben, wie sonst ist diese Karte entstanden? Vielleicht ist das Wissen darüber mit der Stadt verloren gegangen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie die Ruinen auf dem Grund des Sees gekommen sind. Ich habe schon vermutet, dass hier einst trockenes Land war und die Karte bestätigt dies. Meiner Meinung nach ist es schon sehr lange her, seit die Stadt versunken ist. Irgendwann haben die Menschen dann nicht nur sie, sondern auch die anderen Länder vergessen.“

Es klang alles ganz logisch. Er mochte recht haben. Möglicherweise gab es in den Ruinen noch mehr verlorenes Wissen. Er hatte ja von den Zeichnungen an den Wänden gesprochen. Sie mussten unbedingt herausfinden, wovon sie handelten. Aber das würde bis zum nächsten Tag warten müssen. Ohne dass sie es bemerkt hatten, war es dunkel geworden.

An diesem Abend redeten sie noch lange über sein Fundstück. Es war einfach unglaublich, wenn das wahr war. Wenn es bekannt würde, würde dies nicht nur das Weltbild der Elunger verändern. Der König würde sicherlich Schiffe aussenden, um die fremden Länder zu finden. Was dies alles zur Folge hätte, vermochte er sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen vorzustellen. Aber noch war er sich nicht sicher, ob sich wirklich alles so verhielt, wie dieses Artefakt es ihnen zeigte. Hoffentlich würden die Zeichnungen an den Palastwänden mehr enthüllen. Er konnte es kaum erwarten, sie näher in Augenschein zu nehmen.

Auch in Süylin schien die Entdeckung Begeisterung und Neugier ausgelöst zu haben. Bisher hatte er den Eindruck gehabt, sie habe ihn nur begleitet, weil sie sich Sorgen um ihn machte und ihn unterstützen wollte. Diese Reise, diese Suche, sie war nie ihre Suche gewesen. Doch mit diesem Tag hatte sich dies geändert. Sie brannte ebenso sehr wie er auf weitere Entdeckungen. Erstmals stellte sie Fragen, die von tieferem Interesse zeugten. Er musste ihr alles, was er bis jetzt gesehen hatte, aufs Genaueste beschreiben. Er spürte, dass sie ihn am liebsten zu den Ruinen begleitet hätte. Doch dies ging leider nicht. Daher...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.