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E-Book

E-Book, Deutsch, 328 Seiten

Buchmann Rote Meere

Vampirthriller
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98528-043-8
Verlag: Shadodex - Verlag der Schatten
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Vampirthriller

E-Book, Deutsch, 328 Seiten

ISBN: 978-3-98528-043-8
Verlag: Shadodex - Verlag der Schatten
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Luxusliner.
Unterdrückte Vampire.
Und ein unfassbarer Plan.

Nach einem traumatischen Jugenderlebnis hat Holly Salem ihr Leben in den Dienst von THIRTEEN STRIPES gestellt, der Geheimorganisation zur Kontrolle des Vampirbestands für Nordamerika. Doch ein tödliches Experiment, das sie an einem Elitesoldaten durchführen muss, beginnt ihr Weltbild zu zersetzen. Schließlich ist sie sich ihrer Überzeugungen nicht mehr sicher. Einzig ihrer besten Freundin könnte sie sich nun anvertrauen. Aber die befindet sich für verdeckte Ermittlungen auf einem Luxusliner und ahnt nicht, dass ein abtrünniger Vampirsoldat im Begriff ist, den Nordatlantik in ein Meer aus Blut zu verwandeln.

Ein packender Genremix auf See, der sich vom klassischen Vampirbild löst.
Grusel meets Spannung und psychische Untiefen.
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Autoren/Hrsg.


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Prolog


Nordatlantik, 1991

östlich von Norfolk

Winters war im freien Fall. Über ihm donnerten die Turbinen und schluckten das ewige Schweigen der Nacht. Langsam zählte er im Kopf von drei rückwärts und zog die Reißleine. Während er darauf wartete, dass sein Körper von über einhundertzwanzig Meilen pro Stunde auf fast null abgebremst wurde, spannte er die Muskeln an.

Der übliche Riss des Bremsmanövers, der ihn von der Bauchlage in die Senkrechte katapultierte, blieb aus.

Sein Fallschirm hatte sich nicht geöffnet.

Er rechnete.

Sie waren aus fünfunddreißigtausend Fuß abgesprungen. Das verschaffte ihm von jetzt an drei Minuten und …

… sieben Sekunden …

… sechs Sekunden …

… fünf Sekunden …

… bis er mit der Wasseroberfläche kollidierte. Der Einschlag würde ihn im Vergleich zu einem Menschen vermutlich nicht töten, aber ihm jeden Knochen brechen und ihm das Bewusstsein rauben. Seine Kampfausrüstung, die unter anderem aus einer Glock, einer MP-5 von Heckler & Koch, Munition, Ersatzmunition, Nachtsichtgerät sowie der Körperpanzerung bestand, war bei diesem Übungssprung um panzerbrechende Raketen ergänzt worden. Sie waren an Brust und Hüfte befestigt und würden ihn in die Tiefe des Atlantiks ziehen. Im Notfall müsste er sie abschneiden. Zunächst aber galt es, seine Optionen zu sondieren.

Eine Frage schob sich plötzlich in seinen Gedankenkreis. Konnte er eigentlich ertrinken? Der Sauerstoffmangel schnitt ihn definitiv von seinem Bewusstsein ab, aber wie lange musste er unter Wasser bleiben, um die Schwelle zum Tod zu überschreiten?

Er wusste es nicht.

Eins nach dem anderen.

Winters sah nach oben. Drei Gleitschirme verschwanden gerade in einem Wolkenband, das sich vor dem nächtlichen Himmel dunkelgrau abzeichnete. Bei seinen Männern, Blondell, Lavender und Blackburn, lief also alles glatt. Sie hatten die Formation gebildet, in der sie bis in die Landezone schweben würden.

Er war als Letzter gesprungen, aber er würde als Erster unten ankommen, wenn sich der Schirm nicht öffnete.

Sicherlich waren seine Männer bereits jetzt alarmiert. Er hatte sich ihnen auf der Formationshöhe von dreiunddreißigtausend Fuß nicht angeschlossen. Gerade gingen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass er die Sache unter Kontrolle bringen würde. Nur Blondell traute er zu, sich ernsthafte Sorgen um ihn zu machen. Obwohl Winters die beiden Lieutenants, Flea Lavender und Ed Blackburn, länger kannte, stand ihm Sergeant Major Scott Blondell am nächsten. Er war denkfähig und souverän. Flea hingegen neigte zur Impulsivität, Blackburns Festhalten an der Religion erschien ihm befremdlich.

Keiner der Männer hatte ihn jemals enttäuscht.

Bis zur Landezone, einem Baseballfeld in Virginia Beach, waren es knapp fünfundzwanzig Meilen. Wenn er nicht mit gebrochenen Knochen auf dem Meeresgrund liegen wollte, auf die vage Möglichkeit vertrauend, dass die anderen ihn fanden, musste er den Fallschirm aus dem Rucksack holen, um wenigstens den Strand zu erreichen.

Captain Jeremiah Winters zog die Beine an die Brust und kam in der Luft in eine sitzende Position, um seinen freien Fall mithilfe des erhöhten Luftwiderstands größtmöglich abzubremsen. Zudem ermöglichte ihm nur eine senkrechte Haltung, nach dem Fallschirm auf seinem Rücken zu tasten, ohne ins Trudeln zu geraten.

Er sah wieder nach oben. Gerade drehte die Boeing ab. In einigen Minuten würde sie auf dem Norfolk International landen, von dem aus sie gestartet war. Das Dröhnen ihrer Turbinen wurde leiser, schluckte aber noch immer das Rauschen des Fallwinds.

Normalerweise flog die Maschine für eine große amerikanische Fluggesellschaft, in dieser Nacht war sie inkognito für die US Navy unterwegs. Solange Schurkenstaaten im Krisenfall ihren Luftraum für militärische Flüge sperrten, den Linienverkehr aber weiterhin gestatteten, trainierten Spezialeinheiten wie die Navy SEALs den gefährlichen Absprung aus den Passagiermaschinen.

Der kleine Pilotfallschirm hatte gezündet. Er flatterte zweieinhalb Meter über Winters’ Kopf und trug wenigstens ein wenig zur Stabilisierung seiner Körperhaltung bei, wenngleich er seine Fallgeschwindigkeit nicht reduzierte. Der Hauptschirm steckte noch immer im Rucksack fest. Er zog ruckartig an den Tragegurten an seinen Schultern, um ihn zu lösen. Der Schirm entfaltete sich nicht. Er versuchte es erneut mit noch mehr Kraft und blieb auch dieses Mal erfolglos. Die Notprozedur für seine Situation sah die Trennung der Hauptkappe, in welcher sich der widerspenstige Fallschirm befand, und die anschließende Öffnung des Reserveschirms vor.

Winters fiel in ein tiefer liegendes Wolkenband. Von oben sahen Wolken stets aus, als könne man sich auf sie legen, von innen betrachtet waren sie aber nichts weiter als Nebel. Feuchter Dunst legte sich auf die wenigen freien Stellen an den Rändern seines Gesichts, das von der Sauerstoffmaske bedeckt wurde. Er musste den Höhenmesser nahe an seine Augen halten, um ihn ablesen zu können.

Einundzwanzigtausend Fuß.

Damit ihn der Reserveschirm noch rechtzeitig abbremste, bevor er mit dem Atlantik kollidierte und das Bewusstsein verlor, durfte er nicht unter vierhundert Fuß gelangen. Er hatte also noch Zeit. Es gab keinen Grund, in Panik zu geraten. Ein derartiger Affekt lag ihm ohnehin fern, aber seit einiger Zeit litt er an einer merkwürdigen inneren Unruhe, die von der Unfähigkeit begleitet wurde, ausschließlich nach vorne sehen zu können. Erinnerungen an vergangene Kriegseinsätze bedrängten ihn. Brennende Ölfelder, brennender Dschungel, Häuserskelette. Dazwischen mischte sich der Händedruck des Präsidenten anlässlich der nicht lange zurückliegenden Verleihung der Medal of Honor. Eine warme, glatte Hand. Es war die erste Auszeichnung, die ihm verliehen worden war, gleichzeitig die höchste. Obwohl es sogar ein Foto gab, auf dem ihm der Präsident im Oval Office die Hand schüttelte, war die Sache unter Verschluss. Niemand sollte wissen, wer er war, geschweige denn was. Die Fotografie lag zusammen mit dem Orden in seinem Kellerregal.

Winters stellte fest, dass es in seinen Ohren nicht mehr dröhnte, sondern rauschte. Die Maschine war außer Sicht- und Hörweite. Er fiel aus der Wolkenschicht heraus. Für einen Augenblick zeigte sich das Gesicht des Nachthimmels mit seinen gleichmäßig leuchtenden Sternen. Er griff an seine rechte Schulter, um die Hauptkappe des Fallschirms mithilfe des Twinkies zu lösen, aber auch das Reservekabel fügte sich nicht. Er brauchte mehrere Anläufe. Erneut umhüllten ihn Wolken.

Blondells flehender Gesichtsausdruck vor der grünen Hölle. Helfen Sie mir Captain! Bitte! Für die Rettung seines Lebens damals in Vietnam hatte man ihm keinen Orden verliehen, ganz im Gegenteil. Er hatte sich erst vor einem Ausschuss rechtfertigen müssen, war anschließend degradiert worden.

Blondell lebte. Das war das Einzige gewesen, was für ihn zählte, auch wenn der Mann danach anders war. Er war einer von ihnen geworden. Und er füllte mit seiner Präsenz zumindest einen Teil der Leerstelle, die Winters seit zwei Jahrhunderten schmerzte. Mit den beiden anderen Männern seines Teams, Flea und Blackburn, führte er eine Zweckgemeinschaft, aber die Beziehung zu Scott Blondell war von intimerer Natur.

Der Reserveschirm zündete und bremste Winters’ freien Fall abrupt. Er streckte die Beine, während er aus der Wolkendecke hinausglitt. Der kräftige Wind trieb ihn auf die amerikanische Küste zu. Fünfzehntausend Fuß, wieder neblige Wolken. Dieses Mal waren sie lichter.

Der Präsident im Oval Office, der ihn für seine Verdienste während Desert Storm lobte. Schnarrender Südstaatenakzent. Seine Laudatio drehte sich in erster Linie um das Öl, das Winters’ tapferer und persönlicher Einsatz gesichert hatte, kaum aber um die dank ihm noch lebenden Kameraden. Dann Ruinen, panikhelle Gesichter, die leblosen Männer, die er nicht hatte schützen können, im blutdurchtränkten Wüstentarn vor Bagdad.

Er ließ die letzten Wolkenfetzen über sich und schwebte zwischen Himmel und Erde, unter ihm das Meer als dunkle Fläche. Nur vereinzelt glitzerte stecknadelfein die Gischt.

Zu seinem Bedauern wurde das Firmament über dem Ozean von den Wolken verschleiert und über Land von den Lichtern der Zivilisation getrübt. An der Scheide zwischen Atlantik und Festland machte er die beiden Cape Henry Leuchttürme aus, die sie im Bauch der Boeing passiert hatten. Deutlich erinnerte er sich an sie und an den schattenhaften Umriss der gerade erst auf Kiel gelegten USS NEW ORLEANS im Militärhafen von Norfolk. Das waren die einzigen Momente, in denen er aus dem runden Flugzeugfenster gesehen hatte. Wie so häufig war keine Zeit gewesen, der Combat Controller hatte ihn und sein Team zur Vorbereitung des Absprungs schnell wieder auf die Füße gejagt. Winters’ Leben glich einer atemlosen Aneinanderreihung von Fallschirmsprüngen, Tauchgängen, Schießtrainings und Kriegseinsätzen.

Nun glitt er dahin, der Nylonschirm trug ihn. Seine Gedanken spannten sich erst über die Militärroutinen und schließlich über die Zeiten hinweg. Nur einmal in seinem Leben war er einem Mann begegnet, der gewesen war wie er selbst, wahrscheinlich der Erste seiner Art. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sie einander gegenübergestanden. Die Tiefe der Augen des anderen holte ihn seitdem immer wieder ein. Er...



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