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E-Book

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

Reihe: IVI

Buchberger Luna

Im Zeichen des Mondes
17001. Auflage 2017
ISBN: 978-3-492-97825-5
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Im Zeichen des Mondes

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

Reihe: IVI

ISBN: 978-3-492-97825-5
Verlag: Piper ebooks in Piper Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



An ihrem dreizehnten Geburtstag erhält Analina, Kronprinzessin von Arden, eine Nachricht, die ihr bisheriges Leben verändert: Auf Befehl ihrer Mutter soll sie ihrer Heimat den Rücken kehren und Schülerin an der Akademie des Meeres werden, um sich für den kommenden Krieg gegen die mysteriöse Schwarzmagierin Gwenda ausbilden zu lassen, die im Sumpfgebiet Ardens ihre Fäden spinnt. Mit ihren engsten Freunden tritt Analina eine Reise durch das Reich ihrer Vorfahren an, um das zu schützen, was sie in sich trägt - die Seele des Mondvogels, jenes magischen Geschöpfs, das Analinas Erbe retten soll. Doch nicht nur die Königin der Sümpfe hat Geheimnisse, von denen Analina nichts ahnt ...

Anne Buchberger wurde 1995 in Heidelberg geboren und lebt und studiert in München. Seit sie einen Stift halten kann, gehört das Schreiben und Geschichtenerzählen zu ihren großen Leidenschaften.
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Eine Geburtstagsüberraschung


Dreizehn Jahre und sieben Monate später


Die Morgensonne schien auf Schloss Funkelstein hinab und ließ seine cremeweißen Mauern leuchten wie Perlmutt. Obwohl es noch kühl war, versprach es ein schöner Tag zu werden. Der Himmel war klar und blau und die zarte Frühlingsluft kündigte strahlendes Wetter an. Es war einer dieser Tage, an denen alles genau so zu sein schien, wie es sein sollte.

Analina Nelia von Funkelstein war da anderer Meinung.

»Tut mir leid, aber ich kann es einfach nicht!« Resigniert ließ Analina die Hände sinken und ging ein paar Schritte Richtung Fenster. Sehnsüchtig warf sie einen Blick hinaus auf den makellosen Himmel. Das war wieder einmal typisch, dass sich ihre Lehrerin ausgerechnet den bisher schönsten Tag des Jahres aussuchte, um eine Intensiv-Stunde Magieunterricht abzuhalten. Analina hasste solche Stunden. Beluu, ihre Mentorin für Magie, war immer anspruchsvoll, aber manchmal war ihr Unterricht einfach die Hölle. Heute Morgen hatte sie Analina in aller Frühe aus dem Bett geworfen, um mit ihr an ihrer Ausdauer zu arbeiten. Das bedeutete, dass Ana seit sechs Uhr morgens damit beschäftigt war, Magiestrahlen gegen eine stabile Kristallscheibe zu schießen, bis ihr die Energie ausging. Immer und immer wieder.

Beluu räusperte sich und Ana wandte widerwillig den Blick vom Fenster ab und sah sie an. Beluu war eine Wassernymphe und damit schon von Natur aus launisch, aber bei ihr war diese Eigenschaft, davon war Analina überzeugt, selbst für eine Nymphe ungewöhnlich stark ausgeprägt.

»Du gibst dir keine Mühe«, fuhr Beluu sie unwirsch an, wie um Analinas Eindruck zu bestätigen. »Versuch es noch mal.«

Analina stöhnte leise auf. Sie hatte bereits vier Versuche hinter sich, einen weiteren Magiestrahl zu erzeugen, und fühlte sich inzwischen so ausgelaugt wie nach drei schlaflosen Nächten. Am liebsten hätte sie sich auf den Boden fallen lassen und die Augen geschlossen, aber das Wort schien Beluu generell nicht zu kennen, und als Ausrede ging es bei ihr schon gar nicht durch.

Unter Beluus Blick kapitulierte sie und hob erneut die Hände. Inzwischen schmerzten ihre Handflächen, als hätte sie Verbrennungen daran, weil die ständige Beanspruchung ihre Haut reizte. Mit zusammengebissenen Zähnen begann sie, Energie aus ihrem Innern durch ihre Arme bis in die Fingerspitzen wandern zu lassen. Der Magiefluss war viel träger als sonst, weil sie bereits einen Großteil ihrer Energie aufgebraucht hatte, aber nach ein paar Sekunden spürte Analina wieder das vertraute Prickeln in ihren Fingerspitzen. Angestrengt richtete sie den Blick auf die Kristallscheibe. Himmelblaue Funken begannen um ihre Finger zu tanzen. Analina holte tief Luft, das Prickeln wurde stärker, die Luft um ihre Hände begann zu glühen, und mit einem Ruck, der durch ihre Arme fuhr, brach ein gleißend heller, himmelblauer Magiestrahl aus ihren Handflächen hervor. Mit einem melodischen Klingeln traf er die Kristallscheibe, und Analina konzentrierte sich rasch darauf, ihn aufrechtzuerhalten.

»Siehst du, es funktioniert doch.« Mit einem anerkennenden Nicken drehte Beluu ihre Sanduhr um. »Mal sehen, wie lange …«

Analina spürte, wie die Magie versiegte. Sie runzelte verärgert die Stirn, doch bevor sie ihren Strahl stärken konnte, brach er schlagartig ab.

Beluu seufzte enttäuscht. »Ach, Analina, was ist denn heute los?«

»Ich bin müde, Beluu. Wir stehen hier seit drei Stunden und ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich weiß, ich habe es schon länger geschafft, aber im Moment kann ich einfach nicht mehr.« Missmutig senkte Analina den Blick auf ihre geröteten Handflächen. Sie wusste, warum Beluu sie im Unterricht immer wieder bis an ihre Grenzen gehen ließ. Die Magie, die Analina bisher benutzte, war die gewöhnliche, die jedes Lebewesen in sich trug. Sie hatte eine charakteristische Farbe, in Anas Fall himmelblau, und eine gewisse Stärke. Normalerweise war sie die einzige Kraftquelle, die ein Magier besaß, aber Analina wusste, dass es bei ihr anders war. Oder anders sein sollte.

»Ich finde sie nicht«, sagte sie leise und sah zu Beluu auf. »Ich finde meine Mondmagie nicht. Ich sie nicht.«

Beluu, die bisher die Stirn gerunzelt hatte, schenkte ihr nun ein kurzes Lächeln. »Das macht nichts, Analina. Es wird schon noch kommen. Du bist die Mondprinzessin, du Mondmagie in dir tragen.«

Analina schwieg. Ja, sie war die Mondprinzessin. Und als solche sollte sie eigentlich neben ihrer gewöhnlichen Magie noch die des Mondvogels in sich tragen, dessen Seele mit der ihren verschmolzen war. Das Problem war nur, dass sie bisher keine Anzeichen dieser Magie in sich entdeckt hatte. Beluu war da zuversichtlich und ließ sie immer wieder üben, in der Hoffnung, ihre Mondmagie würde irgendwann von selbst aus ihr herausbrechen. Aber Analina konnte sich nicht vorstellen, dass es in ihr noch etwas gab außer der himmelblauen Energie, die schon immer wie selbstverständlich zu ihr gehört hatte.

Beluu schien zu merken, was in ihr vorging, denn sie trat auf sie zu und sagte mit einem ungewöhnlichen Anflug von Sanftheit: »Na schön, dann machen wir eben eine Pause. Ich will ja nicht dafür verantwortlich sein, dass die Mondprinzessin tragisch an Erschöpfung zugrunde geht, und das ausgerechnet an ihrem Geburtstag.«

Analina zuckte zusammen und sagte vorwurfsvoll: »Du weißt, dass ich Geburtstag habe?«

Beluu schnaubte. »Natürlich weiß ich, dass du Geburtstag hast. Ob du es glaubst oder nicht, deine Geburt galt damals als ein gewisses Ereignis.«

»Und trotzdem hast du mich zu dieser … dieser lebensgefährlichen Zeit geweckt und drei Stunden lang gequält?«

»Du wirst es überleben. Wie alt wirst du, zehn?«

»Sehr witzig. Dreizehn. Und tu bloß nicht so, als wüsstest du nicht …«

Ein Pochen unterbrach sie mitten im Satz. Überrascht wandte sich Analina der Tür zu. »Ja?«

Eine junge Schlossbotin betrat Beluus Turmzimmer. Von dem einfallenden Sonnenlicht geblendet blinzelte sie irritiert und wandte sich dann mit einem Knicks an Analina: »Eure Mutter schickt mich, Euer Hoheit. Ihr sollt in ihr Arbeitszimmer kommen … unverzüglich.«

Analina hob die Brauen. »Worum geht es?«

»Das weiß ich nicht, Euer Hoheit. Aber es scheint wichtig zu sein.«

»Dann hat es nichts mit meinem Geburtstag zu tun«, sagte Analina trocken.

»Verzeihung?«

»Nichts. Schon gut. Danke, ich komme.«

Sie warf Beluu einen hastigen Blick zu. »Ist es in Ordnung, wenn wir aufhören?«

Keine Antwort. Beluus blassblaue Augen waren auf sie gerichtet, doch Analina wurde das Gefühl nicht los, dass sie sie im Grunde gar nicht sah.

»Beluu?«

Beluu blinzelte. »Bitte? Ähm, ja. Natürlich. Und beeil dich besser, du solltest deine Mutter nicht warten lassen.«

Stirnrunzelnd verließ Analina den Raum und machte sich auf den Weg in den Ostflügel, in dem das königliche Arbeitszimmer lag. Lynda schickte selten nach ihr. Sowieso bekam Analina ihre Mutter nicht sehr häufig zu Gesicht, denn Lynda hatte ständig zu tun. Wenn sie sich nicht hinter ihrem Schreibtisch verbarrikadierte und um Dinge kümmerte, die Analina nicht einmal ansatzweise durchschaute, dann hielt sie Versammlungen ab, reiste durchs Land, besuchte Bälle und Gerichtsverhandlungen, eröffnete wichtige Veranstaltungen oder war Ehrengast bei irgendwelchen Festen. Analina war es gewohnt, ihre Zeit ohne sie zu verbringen, und normalerweise hatte sie auch immer genug zu tun. Sie war von klein auf von verschiedenen Lehrern unterrichtet worden, die für eine gründliche Allgemeinbildung zu sorgen hatten. So sprach sie mehrere Sprachen fließend, bekam seit ihrem fünften Lebensjahr Fechttraining, konnte reiten und den ruhigeren der beiden Hofdrachen fliegen. Eigentlich war der Magieunterricht bei Beluu noch angenehm im Vergleich zu den endlosen Stunden Politik und Geschichte, die sie täglich über sich ergehen lassen musste. Aber am besten waren natürlich die freien Nachmittage – wenn sie denn welche hatte. Bei schönem Wetter durfte Analina dann ihre Freizeit draußen verbringen, zusammen mit ihren besten Freunden, den Kindern des Gärtners. Saphiron und Türkis hatte sie es vermutlich zu verdanken, dass sie bisher nicht an Langeweile gestorben war, denn abgesehen von ihnen hatte Analina nicht viele Freunde in ihrem Alter, um nicht zu sagen, sie hatte gar keine. Die Mondprinzessin zu sein half nicht unbedingt gegen Einsamkeit …

Gedankenversunken hatte Analina die Eingangshalle durchquert, war die breite Haupttreppe hinaufgestiegen und erreichte schließlich den Korridor, auf dem das königliche Arbeitszimmer lag. Die richtige Tür war nicht zu verfehlen. Kunstvoll verschlungene Rosen in Purpur und Gold wanden sich auf dem weißen Holz um das Wappen Funkelsteins, das ebenfalls in den Farben des Ardenreichs gehalten war: ein geschliffener Kristall, über dem eine Krone schwebte. Darunter zog sich wie eine Kette der Leitspruch der Familie. Er war in einer alten Sprache geschrieben, die Analina nicht verstand, aber die Bedeutung war ihr schon von klein auf eingeprägt worden:

Wie jedes Mal, wenn sie diese Tür sah, fühlte sie sich plötzlich eingeschüchtert. Instinktiv wich sie wieder einen kleinen Schritt zurück, bevor sie sich überwand und zaghaft anklopfte.

»Ja?«

Die Antwort kam beinahe sofort, aber die Stimme war nicht die ihrer...


Buchberger, Anne
Anne Buchberger wurde 1995 in Heidelberg geboren und lebt und studiert in München. Seit sie einen Stift halten kann, gehört das Schreiben und Geschichtenerzählen zu ihren großen Leidenschaften. »Luna – im Zeichen des Mondes« ist ihr erster Roman.



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