E-Book, Deutsch, Band 2281, 144 Seiten
Reihe: Baccara
Bryant Küss mich, Chefkoch!
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-1552-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2281, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7515-1552-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mindestens ein Jahr lang keine Dates! Das hat sich Bobbie Barnett nach ihrer Scheidung vorgenommen. Dumm nur, dass die Funken sprühen, wann immer sie auf Spitzenkoch Lincoln Cress trifft. Als er sie bittet, bei gesellschaftlichen Events seine Freundin zu spielen, kann sie einfach nicht Nein sagen. Obwohl Bobbie der Versuchung unbedingt widerstehen will, landet sie bald mit Lincoln im Bett. Sie fragt sich, ob aus den prickelnden Nächten mehr werden könnte. Da erfährt sie etwas, das ihre Emotionen aus ganz anderen Gründen hochkochen lässt ...
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2. KAPITEL
„Om. Om. Om“, wiederholte Bobbie, die nackt im Lotussitz auf einer gelben Yogamatte saß. Sie hatte ihr Haar aufgesteckt, aus ihrem Tablet drangen entspannende Klänge. Bei ihrer Meditation konzentrierte sie ihre Gedanken auf Frieden, Glück und Balance.
Seit dem Ende ihrer Ehe waren Yoga, Meditation, spirituelle Ratgeber und der Duft von Salbei beim Hausputz wesentlich für ihre Seelengesundheit. Sie brauchte Dinge, an die sie glauben konnte, nachdem sie so tief verletzt worden war.
Ihr Smartphone summte.
„Om. Om. Om.“ Bobbie bemühte sich, den Vibrationsalarm des Telefons zu ignorieren.
Als es nicht aufhörte, fluchte sie leise und schaute hinüber zur Kücheninsel, wo sie das Gerät deponiert hatte. Alle Leute, die sie kannten, wussten, dass sie am frühen Morgen nicht gestört werden wollte.
Nur eine Person ignorierte das regelmäßig.
Seufzend lehnte sich Bobbie hinüber zu ihrem Tablet, tippte, um die Musik auszuschalten, und nahm das Telefongespräch auf dem iPad an. „Guten Morgen, Pops“, sagte sie und stand auf, um sich ihren Morgenmantel überzuziehen, während sie den Sonnenaufgang bestaunte. Ein Schauspiel, das sie durch das Glasdach ihres riesigen Lofts regelmäßig bewundern konnte.
Ebenso wie spektakuläre Sonnenuntergänge, den Vollmond und die Sterne bei Nacht. Das Glasdach war der eine Grund, weshalb sie das Loft gekauft hatte. Der andere war, dass es über den Büros der Privatdetektei B. Barnett lag.
„Störe ich?“, fragte Bobby Barnett mit seiner tiefen, kratzigen Stimme. Das kam von den vielen Zigaretten und seiner lautstarken Art.
„Du weißt genau, dass du störst, Pops“, antwortete sie.
Er lachte. „Ich vergesse immer, dass du um diese Zeit deinen Hokuspokus veranstaltest.“
„Nein, das hast du nicht vergessen“, widersprach sie und ging über den Dielenboden hinüber zur Kücheninsel. „Außerdem ist es kein Hokuspokus. Du musst dich schon ein bisschen anstrengen, um witzig zu sein.“
Bobby lachte laut.
Lächelnd bereitete Bobbie sich eine Tasse Oolongtee zu. Die Sonne ließ die kupfernen Armaturen und die bronzefarbene Oberfläche der Küchenschränke leuchten. Die Arbeitsplatte war aus massivem Holz.
„Da du meine morgendlichen Bemühungen um seelisches Gleichgewicht ignorierst, werde ich mein Telefon ab sofort stummschalten, bis ich fertig bin“, verkündete sie und nahm die Fernbedienung, um die hellen Leinenvorhänge an der Fensterfront des Lofts zu öffnen.
„Klar, mach doch“, entgegnete ihr Vater mit einem heiseren Lachen.
Der erfolgreiche Privatdetektiv Bobby Barnett hatte sie großgezogen, nachdem sie im Alter von acht Jahren ihre Mutter Haven durch einen Herzinfarkt verloren hatte. Bobby hatte einen rauen Ton am Leib und war streng, aber er hatte darauf geachtet, seine Tochter zu einem guten Menschen zu erziehen. Sie liebte ihn über alles und hätte ihm nie etwas abgeschlagen. Leider wusste er das nur zu gut.
„Wie ist es da unten am Atlantik?“, fragte sie, während sie ihren Tee ziehen ließ.
„Traumhaft“, antwortete er heiter. „Die Sonne Floridas. Guter Fisch und eine schöne Frau an meiner Seite. Ich bin glücklich.“
Bobbie verdrehte die Augen. „So genau wollte ich es gar nicht wissen.“
„Wie läuft das Geschäft?“, erkundigte er sich.
Sie ging zu dem weitläufigen Tresen, den sie auch zum Arbeiten benutzte. Dort öffnete sie ihren verschlüsselten Laptop und schaute sich die Überwachungsfotos an, die sie kürzlich gemacht hatte. „Bestens“, erwiderte sie und dachte an die drei Fälle, die sie zurzeit bearbeitete. Für eine IT-Firma recherchierte sie das Vorleben und die Qualifikationen neuer Mitarbeiter, für eine Computerfabrik, in der Inventar abhandengekommen war, untersuchte sie diese Diebstähle, und dazu kam noch ein Fall von ehelicher Untreue.
Daneben war sie verantwortlich für etliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die als Privatdetektive für B. Barnett arbeiteten.
„Brauchst du mich?“, wollte Bobby wissen.
„Nein, Pops. Genieße deinen Ruhestand“, versicherte sie ihm. „Mein Team und ich schaffen das ohne Probleme.“
Bobbie hatte die Firma vor etwas mehr als einem Jahr übernommen, nachdem ihr Vater, der ehemalige Kriminalbeamte und hervorragende Privatdetektiv, nach dreißig Jahren entschieden hatte, sich aus dem operativen Geschäft zu verabschieden und seine Freizeit zu genießen. Er ging segeln, Hochseeangeln und hatte wechselnde Freundinnen.
„Und sonst?“, hakte ihr Vater nach.
„Was ,und sonst‘, Pops?“ Sie trank einen Schluck Tee.
„Hast du jemanden kennengelernt? Datest du? Du sollst nicht nur arbeiten, sondern auch ein bisschen Spaß haben.“
„Du weißt, dass ich in den nächsten zehn Monaten keine Beziehung will, Pops. Vielleicht sogar noch viel länger nicht.“
Er seufzte. „Du räumst Henny zu viel Macht ein.“
Unwillkürlich dachte sie an die Szene, bei der sie ihren Exmann mit einer anderen Frau im Bett erwischt hatte. Rasch blinzelte sie, um das Bild zu vertreiben. Es tat immer noch so verdammt weh. Vor zwei Monaten war die Scheidung endlich rechtskräftig gewesen. Danach hatte sie sich geschworen, mindestens ein Jahr allein zu bleiben.
Um Gras über die Sache wachsen zu lassen.
Um sich seelisch zu erholen.
Um neue Perspektiven zu entwickeln.
Um zu begreifen, warum es falsch gelaufen war.
„Ich möchte keine neue Beziehung, ehe ich mit der alten nicht fertig bin“, erklärte sie.
„Aber Bobbie …“
„Bitte, Daddy …“
„Ich liebe dich, Babygirl.“
Eine Träne rollte über ihre Wange. „Ich weiß.“
„Hey, hey, hey!“, rief Bobby. „Dann mach mal lieber weiter mit deinem Hokuspokus.“
Da musste sie lachen. Ihr Vater brachte es einfach nicht über sich, das Wort auszusprechen. „Es heißt Meditation, Pops.“
„Klar. Weiß ich doch.“
„Ich muss los“, sagte sie und ging hinüber in den Wohnzimmerbereich. Dort dominierten die Farben Goldrosé und Creme mit bronzefarbenen Akzenten.
„Ich rufe dich heute Abend wieder an“, versprach er, ehe er auflegte.
Bobbie befreite ihre wilde Mähne und setzte sich auf eines der vier Zweiersofas, die im Viereck um einen mit Kupferpennies unterlegten Glastisch standen. Liebe und Ehe waren ihr so selbstverständlich erschienen, bis sie ihrem Mann in dieses Hotel gefolgt war. Mochte ihr Vater auch kein Verständnis für ihren Vorsatz aufbringen, ein Jahr lang nicht zu daten – sie war überzeugt, dass es das Richtige war. Solange das, was geschehen war, so wehtat, war sie nicht bereit für eine neue Liebe.
Lincoln streckte sich genüsslich in dem Kingsize-Bett seiner Suite und setzte sich dann nackt auf die Bettkante. Er rieb sich die Augen und gähnte, stand auf und ging über das Parkett des großen Schlafzimmers hinüber ins Bad.
Als er zurückkam, nahm er sein Smartphone, das auf dem Nachttisch lag, und setzte sich wieder aufs Bett. Tief einatmend öffnete er seine Bank-App. Zusammengerechnet war der Betrag auf seinem Privat- und Geschäftskonto bislang sechsstellig gewesen. Nach der Überweisung von Phillip Cress lag dort eine achtstellige Summe. Bisher hatte er sich über seine finanzielle Situation nicht beschweren können. Er besaß ein Haus am Meer, einige Autos, Aktien und sein erfolgreiches Sternerestaurant. Doch jetzt war er reich. Sehr reich.
Lincoln wollte das Geld ablehnen, doch Phillip senior hatte darauf bestanden, dass er es annahm.
Doch was Lincoln eigentlich wollte, war die Wahrheit, und die gab es umsonst.
Was bezweckte sein Vater mit diesem Geldregen? Wollte er sein Gewissen beruhigen, weil er sich nie um seinen Sohn gekümmert hatte? Oder war es einfach nur Freude darüber, das Kind, von dem er nichts gewusst hatte, gefunden zu haben?
Wer log? Seine Mutter, die ihn großgezogen hatte, oder sein Vater, den er erst seit Kurzem kannte?
Es war höchste Zeit, sich dieser Frage zu stellen.
Rasch zog Lincoln seine Pyjamahose an, schob sie tief auf die Hüfte, nahm sein Telefon und ging hinüber zum Panoramafenster. Von dort hatte er einen wunderbaren Blick auf den riesigen Baum im Hof des Stadthauses. Die Morgensonne beschien die atemberaubende Silhouette der Stadt.
In New York war es halb acht Uhr morgens. In England bereits halb eins mittags.
Er nutzte FaceTime, um seine Mutter zu kontaktieren. Sobald sie sich meldete, wappnete er sich, denn bei Poppy war alles möglich. Ihr Gesicht erschien auf dem Bildschirm. Eine hübsche Frau mit silbergrauem Haar und ein paar blonden Strähnen von früher. Sie war geschminkt, trug falsche Wimpern und knallroten Lippenstift.
Irgendwie ähnelte sie darin Nicolette.
Anscheinend stand Phillip senior auf diesen Typ Frau.
„Super, dass du dich endlich an mich erinnerst“, begann seine Mutter das Gespräch und drehte das Telefon so, dass ihre Kumpels an der Bar des Pheasant & Pints sehen konnten, wer am anderen Ende der Leitung war.
Alle johlten und prosteten ihm zu.
Lincoln beendete FaceTime und rief seine Mutter erneut an.
„Okay, okay, sei nicht so langweilig, Linc“, maulte Poppy, als sie ranging.
„Mach den Lautsprecher aus“, forderte er.
Sie seufzte, aber die Hintergrundgeräusche wurden leiser.
„Da du mich mit Anrufen und Textnachrichten bombardiert hast, nahm ich an, du wolltest allein mit mir sprechen und...




