Brown Verliebt in einen Fremden
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-10334-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-641-10334-7
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Architektin Camille Jameson hat nur eine einzige wunderbare Nacht mit dem leidenschaftlichen Fremden verbracht. Doch für sie war es so viel mehr. Dann war er weg, und ihr Herz brach. Jahre später fährt Camille nach Mississippi, um eine alte Plantage zu restaurieren. Dort trifft sie ausgerechnet auf Zack Prescott, den Fremden von einst. Und diesmal verspricht er ihr ewige Liebe! Doch kann Camille seinen Worten noch einmal vertrauen?
Sandra Brown arbeitete als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman »Trügerischer Spiegel«auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der »New York Times«-Bestsellerliste erreicht! Ihr endgültiger Durchbruch als Thrillerautorin gelang Sandra Brown mit dem Roman »Die Zeugin«, der auch in Deutschland zum Bestseller wurde. Seither konnte sie mit vielen weiteren Romanen ihre Leser und Leserinnen weltweit begeistern. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.
Weitere Infos & Material
1
Als Bridal Wreath vor ihr auftauchte, brachte Camille ihren kleinen Wagen abrupt zum Stehen. Sie war den Hinweisen des Tourismusbüros gefolgt, das seinen Sitz in der altehrwürdigen Stanton Hall hatte, und über die Homochitto Street aus der Innenstadt von Natchez gekommen. Die Dame am Infoschalter hatte ihr erklärt, dass die Allee zu dem alten Herrensitz linker Hand liege, kurz bevor die Landstraße den Highway 65 kreuze.
Das verwitterte und von wilden Ranken überwucherte Schild, das auf den unbefestigten Weg hinwies, war so unscheinbar, dass sie es fast übersehen hätte. Während sie über tiefe Schlaglöcher ruckelte, bestaunte sie die riesigen, moosbewachsenen Eichen zu beiden Seiten, die späten Magnolien mit ihren duftenden, pastellfarbenen Blüten und die üppigen Spiersträucher, die der Plantage ihren Namen gegeben hatten. Die schneeweißen Blüten waren in der sommerlichen Hitze längst verblüht, die Zweige jedoch wogten von zartgrünem Laub.
Camille stieg aus dem Wagen, während sie den Motor weiterlaufen ließ. Fachmännisch betrachtete sie die großzügige Anlage, die sich vor ihr erstreckte. Das Haus war 1805 im Kolonialstil erbaut worden und hatte zwei Stockwerke. Die Räume in der ersten Etage gingen auf einen Balkon hinaus, der auf sechs majestätisch weißen Säulen ruhte und das Erdgeschoss auf drei Seiten wie ein Vordach umgab. Das rote Ziegelmauerwerk war im Laufe der Jahre zu einem matten Rosaton verblichen. Drei hohe Fenster mit jagdgrünen Läden schlossen sich jeweils links und rechts des eindrucksvollen weißen Hauptportals an. Und über der Tür hing an einer schweren Kette eine Messingleuchte.
Camille Jameson schwang sich hellauf begeistert wieder auf den Autositz. Während sie erneut Gas gab, rief sie laut lachend: »Scarlett O’Hara, zieh dich warm an!«
Einfach himmlisch, dass man ausgerechnet sie zur Restaurierung des Herrensitzes engagiert hatte. Sie hoffte nur, dass sie der Aufgabe gewachsen wäre und die frühere Schönheit wieder herstellen könnte. Für ihre Karriere als Innenarchitektin wie für ihre finanzielle Zukunft war das immens wichtig.
Camille und ihrer Mutter Martha gehörte in Atlanta ein Einrichtungshaus. Martha Jameson hatte es nach dem Tod ihres Mannes weitergeführt. Zu der Zeit jedoch, als ihre Tochter schließlich das Universitätsdiplom in der Tasche hatte, war das Geschäft auf das Niveau eines Geschenkladens mit preiswertem Kunsthandwerk und ziemlichem Krimskrams herabgesunken. Camille begann umgehend, moderne und qualitativ hochwertige Ausstattungsstücke ins Sortiment aufzunehmen. Sie beriet Kunden bei der Wahl der Tapeten, Teppiche, Gardinen, Möbel und Wohnaccessoires. Ihr guter Geschmack und ihr umgängliches, freundliches Auftreten brachten ihr einen ausgezeichneten Ruf und eine anspruchsvolle Klientel ein. Inzwischen beschäftigte sie zwei weitere Mitarbeiterinnen in ihrem »Studio«, ihre Mutter kümmerte sich um den Ladenverkauf und die Buchhaltung.
Als Mr. Rayburn Prescott aus Natchez, Mississippi, an die junge Innenausstatterin herangetreten war, hatte sie ohne lange zu überlegen zugesagt. Die Renovierung seiner Luxusvilla war ihr bislang lukrativster Auftrag. Sie kannte die historischen Bauten von einem gemeinsamen Urlaub mit ihrer Mutter. Schon damals, als ganz junges Mädchen, war Camille von den prachtvollen Anwesen schwer beeindruckt gewesen.
Rayburn Prescott, ein typischer Südstaaten-Gentleman, behandelte Camille und Martha mit ausgesuchter Höflichkeit. Die beiden Mitarbeiterinnen im Studio hatten heimlich über seinen ungewohnt gedehnten Akzent geschmunzelt. Er war groß, stattlich und unterhaltsam. Dichtes, weißes Haar wellte sich über seiner breiten, hohen Stirn. In den blauen Augen lag ein übermütiges Funkeln, obwohl er um die siebzig sein musste.
Nachdem sie eine Weile miteinander geplaudert hatten, erzählte er Camille von seinem Haus in Natchez. »Ich muss mich schämen, Miss Jameson. Nach dem Tod meiner Frau«, er seufzte tief, »und das ist jetzt über zwanzig Jahre her, habe ich das Anwesen regelrecht vernachlässigt. Es ist zu einem Junggesellenhaushalt verkommen. Mein Sohn verbringt die meiste Zeit auf der Plantage, ist aber mit mir einer Meinung, dass Bridal Wreath wieder ein Schmuckstück werden muss.«
»So ein schöner Name«, sinnierte Camille, die sich im Geiste bereits ein Bild machte. »Ich nehme Ihren Auftrag natürlich gerne an.«
»Aber wir haben doch noch gar nicht über Ihr Honorar oder andere Details gesprochen!«, rief er.
»Das ist nicht so wichtig. Für mich steht einfach fest, dass ich es machen möchte.« Sie lächelte über sein erstauntes Gesicht, das sich daraufhin in winzige Lachfältchen legte. Sie war ihm von einem Freund empfohlen worden, für den sie ein Restaurant in Peachtree Plaza gestaltet hatte. Rayburn Prescott war von ihren Fähigkeiten überzeugt. Als sie schließlich ihr Honorar verhandelten, war sie verblüfft über die Höhe der Summe. Er stellte ihr ein nahezu unbegrenztes Budget für die Renovierung zur Verfügung. Ganz offensichtlich sah er nicht auf den Pfennig. Er bestand allerdings darauf, dass sie während der Arbeiten in Bridal Wreath wohnte, und versprach, sich um alles Weitere zu kümmern. Sie hatten einen Ankunftstermin festgesetzt, und jetzt war sie hier und stand vor dem Hauptportal. Die Handtasche unter den Arm geklemmt, wartete sie darauf, dass jemand auf ihr Klingeln reagierte. Bei genauer Betrachtung bemerkte sie die abblätternde Farbe, die dunkel angelaufenen Messingbeschläge und die losen Türbretter. Wenn es im Innern genauso schlimm aussähe, hätte sie noch eine Menge Arbeit vor sich.
Heimlich musste Camille lächeln. Immerhin bedeutete die Arbeit ihr alles. Ihr Leben drehte sich um die Karriere, sehr zum Leidwesen ihrer Mutter und enger Freundinnen, die inzwischen verheiratet waren und Kinder hatten. Martha beschwor sie des Öfteren, doch einmal mit den jungen Männern auszugehen, mit denen Camille dienstlich zu tun hatte. Sie blieb jedoch immun gegen sämtliche Flirtversuche, und Martha Jameson war zunehmend frustriert über das fehlende Interesse ihrer Tochter am anderen Geschlecht.
Dieser Umstand bedrückte Camille zwar, sie brachte es aber nicht über sich, ihrer Mutter den wahren Grund für ihre Beziehungsunlust einzugestehen. Sie konnte doch nicht einfach sagen: »Mutter, ich habe mich einmal mit einem Mann eingelassen, und nachher fühlte ich mich verletzt und missbraucht. Das passiert mir nie wieder!« So etwas erzählte man einer Mutter einfach nicht. Camille atmete tief ein, wie um die schmerzvolle Erinnerung auszublenden, als die Tür geöffnet wurde. Sie blickte in ein sympathisch grinsendes Gesicht.
»Guten Tag. Ich bin Camille Jameson.« Lächelnd schüttelte sie ihre dunkel gewellten Haare, auf die das Sonnenlicht schimmernde Reflexe zauberte.
»Hallo, Miss Jameson«, hieß der Mann sie willkommen. »Mr. Prescott erwartet sie bereits. Er ist so aufgeregt wie ein Schuljunge vor dem ersten Tanz. Bin ich froh, dass Sie sicher hierher gefunden haben. Er hat sich schon Sorgen gemacht, dass eine junge Dame wie Sie den ganzen Weg von Atlanta allein fahren musste.«
»Das war völlig problemlos. Ich freue mich schon darauf, Mr. Prescott wiederzusehen.« Der Mann trat beiseite, und sie betrat die Eingangshalle. Beinahe ehrfurchtsvoll schaute sie sich um. Es war genau so wie in ihrer Vorstellung!
»Mein Name ist Simon Mitchell, Miss Jameson. Wenn Sie etwas brauchen, wenden Sie sich ruhig an mich«, fuhr der Mann fort, womit er sie aus ihren intensiven Betrachtungen riss.
»Danke, Mr. Mitchell.« Sie strahlte aufrichtig.
»Nennen Sie mich ruhig Simon. Bitte, nehmen Sie doch Platz. Inzwischen hole ich Mr. Prescott. Vermutlich ist er draußen und gießt seine Pflanzen.«
»Lassen Sie sich Zeit. Es macht mir nichts aus zu warten.« Nach einem kurzen Nicken verschwand er durch die ausgedehnte Halle im hinteren Teil des Hauses. Camille hätte zu gern einen Blick in die Räume geworfen, die rechts und links des langen Ganges abzweigten, fand aber, dass sie warten sollte, bis ihr Gastgeber und vorübergehender Chef sie überall herumführte. Südstaatler wie Rayburn Prescott legten großen Wert auf Stil und Etikette.
Sie setzte sich auf einen Stuhl in der Halle und nahm die damenhafte Haltung an, die Martha ihr förmlich eingeimpft hatte: Rücken gerade, Knie zusammen, Hände locker im Schoß. Unvermittelt wünschte sie sich ein aparteres Aussehen. Sie war mit dunklem, lockigem Haar geschlagen, das sie mittellang trug und an feuchten Tagen zu einem Knoten frisierte, da es sich sonst ungebändigt um ihren Kopf kringelte. Dazu diese frische Pfirsichhaut, nicht dunkel genug, um olivfarben zu sein, aber auch nicht richtig hell. Sie beneidete ihre Freundinnen um den matten Teint, der zart bräunte. Ihrer hingegen wurde im Sommer schmutzig braun. Und dann diese Augen! Wieso konnten sie nicht strahlend blau, meergrün oder dunkelbraun sein oder einfach braun ohne diese albernen goldenen Sprenkel? Andere hatten geheimnisvoll dunkle Augen, aber ausgerechnet in ihren musste dieses vorwitzige Funkeln liegen. Wie sie dies hasste! Lange, dunkle Wimpern, sinnlich volle Lippen und eine kleine Stupsnase gaben ihrem Gesicht etwas Exotisches. Ihr Vater hatte sie oft scherzhaft seine kleine Vagabundin genannt.
Da sie an ihrem natürlichen Äußeren nichts ändern konnte, legte sie großen Wert auf ihre Kleidung. Ihr Faible für Farben und Muster offenbarte sich auch in ihrer Garderobe. Eben zog sie den Rock des sonnengelben Leinenkostüms über die Knie. Am liebsten hätte sie die Jacke ausgezogen und nur in der zart bedruckten Seidenbluse dagesessen. Die Luftfeuchtigkeit von Natchez ließ ihre Kleidung knittern, gar nicht daran zu denken, was sie mit ihren Haaren...




