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Brown Ein Mädchen zum Verlieben

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-19001-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-19001-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei überzeugte Singles und ein kleines Mädchen …

Eine beinharte Karrierefrau und ein wohlhabender Lebemann, der stets auf Partys oder Golfplätzen zu finden ist. Doch die beiden Singles haben etwas gemein: Sie sind die Pateneltern der kleinen Emily, deren Eltern bei einem Flugzeugunglück umkamen. Von da an steht ihr Leben auf dem Kopf.
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Erstes Kapitel


Becca Reinharts lebhafte Augen funkelten, während sie sich auf die Stimme konzentrierte, die aus dem Headset schallte. Dann schüttelte sie so heftig den Kopf, dass ihr offenes schwarzes Haar die Schultern streifte. Ihre Antwort war unerbittlich: Nein.

Becca lehnte am Schreibtisch und stützte sich mit ihren schlanken Armen an der Kante ab. Ihr Blick wanderte über die üppig grünen, noch immer von Tau benetzten Baumkronen vor ihrem Bürofenster. Dann atmete sie tief durch, rückte das Headset zurecht und begann, mit raschen Schritten auf und ab zu gehen.

In den Rand des türkischen Teppichs war ein deutlich sichtbarer Pfad gewetzt – das Resultat unzähliger intensiver Telefonate. Das zarte Muster aus Scharlachrot, Gold und Kobaltblau, das einstmals die Kante des handgeknüpften Prachtstücks geziert hatte, war im Laufe der Jahre unter Beccas unermüdlichen Schritten zerschlissen. Vielleicht hätte sie den kostbaren Teppich nie in ihr Büro legen sollen, denn sie hatte ihn nicht nur ruiniert, vielleicht passte er gar nicht in ihre Welt. Für Zartheit war in Beccas hektischem, ganz auf Erfolg und Geschäfte ausgerichteten Leben kein Platz.

»Nein! Kommt überhaupt nicht in Frage!«, beharrte Becca, grinste dabei jedoch amüsiert. »Ich bin dem Kerl schließlich schon mal begegnet. Dem ist jede Art von Anstand fremd. Nicht einmal Abby Joseph Cohen würde dem ein Geschäft anbieten – und das will was heißen!«

Becca blieb vor dem ledernen Schreibtischstuhl mit den Messingbeschlägen stehen, der ihr vorwiegend als Ablage für eingehende Unterlagen und Faxe diente. Wer sie kannte, vermochte das Ende ihrer Wanderung als sicheres Zeichen zu deuten, dass sie die gegenwärtige Diskussion oder den gerade anstehenden Deal zum Abschluss zu bringen gedachte. Wenn sie für jeden Anwalt, mit dem ihre Mutter sie verkuppeln wollte, fünf Cents bekäme, hätte sie sich zur Ruhe setzen können.

»Vergiss es!«, sagte Becca jetzt fest. »Der Typ wäre eine glatte Fehlinvestition.« Sie warf einen Blick in ihren aufgeschlagenen Terminkalender. »Ich habe sowieso keine Zeit. Nächste Woche bin ich bis einschließlich Samstag in Hongkong.«

Zwar standen Beccas Füße inzwischen still, doch nun setzten sich ihre Hände in Bewegung. Ohne es recht zu merken, malte sie kleine Muster in das Samstagsfeld des Kalenders.

»Ich weiß, dass das ein Feiertag ist, Mom«, sagte sie und seufzte.

Wieder wanderten ihre Augen zum Fenster. Der Blick auf den Central Park, Manhattans großes, starkes Herz, war einer der großen Pluspunkte ihres Büros, das auf der West 57th Street lag. Zwischen dem Stahl und Beton der Stadt wirkte der Park wie eine grüne Insel. Mit ruhiger Stimme sprach Becca weiter.

»Ich habe einen Termin beim Finanzminister, Mom. Was hätte ich denn tun sollen? Absagen?«

Sie betrachtete die auf dem Schreibtisch verteilten Schriftstücke. Ein Blick auf den Computerbildschirm sagte ihr, dass inzwischen Dutzende neuer E-Mails eingegangen waren. Jede einzelne davon fiel in die Kategorie ›dringend‹.

»Schon gut, Mom. Ich versuche es«, versprach sie.

Als Philippe, Beccas kleiner flinker Sekretär, den Kopf zur Tür hereinsteckte, winkte sie ihn näher. Philippes Haar, das bis vor kurzem noch nachtschwarz gewesen war, zierten nun graue Strähnchen. Der Effekt war ein Salz-und-Pfeffer-Look, für dessen Beseitigung andere Leute ein kleines Vermögen ausgaben. Mit einer einladenden Handbewegung forderte Becca Philippe auf, sich auf die Couch zu setzen.

Philippe erwiderte ihr Lächeln, lehnte sich auf dem Sofa zurück und wartete. Er begann, in der neuesten Ausgabe von The Economist zu blättern, dem einzigen Lesematerial, das auf Beccas Couchtisch auslag.

Heute war der dritte September, aber man hätte meinen können, es sei erst Juni. Die Luft war feucht und stickig, und über der Stadt hing eine dichte Dunstglocke. Die Sonne sah aus wie eine überreife Frucht und ließ erahnen, dass der Sommer noch weitere drei Wochen lang Hof halten würde.

Philippe betrachtete Becca voller Zuneigung. Sie hatte ihre rastlose Wanderung wieder aufgenommen und lachte in das Mundstück des Headsets. Als er Becca vor fünf Jahren kennen gelernt hatte, war ihre Ruhelosigkeit für ihn zuerst schwer zu ertragen gewesen. Doch inzwischen schätzte Philippe Beccas Intensität – ja, er vermisste ihre Rastlosigkeit regelrecht, wenn Becca einmal für ein paar Tage auf Geschäftsreise war. Diese Frau war ein unglaublich faszinierendes Wesen.

Besprechungen, Redeauftritte, Konferenzen und die üblichen Verhandlungen, die größeren Abschlüssen vorausgingen, füllten Beccas Tage bis zur letzten Minute aus. Den ganzen Sommer über war keine Woche vergangen, in der sie nicht mindestens eine Geschäftsreise unternommen hatte. Doch das alles schien sie nicht sonderlich zu belasten. Im Gegenteil, die Hektik und die vielen Reisen schienen ihrem lebhaften Charakter entgegenzukommen. An manchen Tagen nahm Philippe seine Chefin nur als verwischten Schatten wahr, der im Eilschritt – einen polternden, hüpfenden Pullman-Koffer im Schlepptau – an seinem Schreibtisch vorbeihuschte und währenddessen versuchte, schnell noch ein Telefonat zu beenden, bevor ihr Headset im Aufzug die Verbindung verlor.

Becca hatte Klasse. Das war eine Tatsache, die sich in den Gesichtern ihrer Klienten und derer, die es gern werden wollten, widerspiegelte, wenn sie sich in ihrem Büro die Klinke in die Hand gaben. Nach einem Termin mit Becca war jede nervöse Anspannung aus den Mienen ihrer Gesprächspartner gewichen. Beccas Kompetenz und ihre Verlässlichkeit wirkten beruhigend auf die Firmenvertreter. Es kam aber auch vor, dass Philippe sich angestrengt an irgendwelchen Unterlagen in der untersten Schreibtischschublade zu schaffen machte, um nicht in die harten oder verzweifelten Augen derer sehen zu müssen, die auf der verbissenen Jagd nach Kapital an Beccas eisernen Grundsätzen gescheitert waren.

Philippe wunderte sich gelegentlich darüber, dass eine Normalsterbliche die Strapazen der vielen Reisen, der pausenlosen Sitzungen und Besprechungen überhaupt schadlos überstehen konnte. Becca wechselte jedoch mühelos zwischen sämtlichen Zeitzonen hin und her und führte täglich Krisengespräche mit Topmanagern von Firmen, deren Zukunft auf der Kippe stand. Dem Drängen und Bitten ihrer Klienten begegnete sie mit Integrität und – wenn nötig – mit Härte. Manchmal fragte sich Philippe, was Becca wohl ohne ihren anstrengenden Berufsalltag täte. Würde sie sämtliche Achttausender des Himalaja erstürmen? Oder beim härtesten Marathon mitlaufen? Fest stand, dass Becca sich nur mit Dingen beschäftigte, die ihr die Möglichkeit gaben, herausragende Resultate zu erreichen.

Lächelnd betrachtete Philippe den Koffer an der Tür. Becca hatte stets mehrere gepackte Koffer bereitstehen, jeweils für unterschiedliche klimatische Gegebenheiten. Um die Übersicht zu behalten, bestückte sie ihr Reisegepäck mit Etiketten. Der in Messing gefasste Anhänger, der an dem Louis-Vuitton-Rollkoffer baumelte, trug die Aufschrift LONDON; HERBST.

Philippe kannte Beccas engen Terminplan sehr genau. Sie würde kaum Gelegenheit haben, sich an die sechsstündige Zeitverschiebung zu gewöhnen, bevor sie eine Verhandlung leiten musste, in der es um ein Übernahmeangebot für Machovia ging, eine Firma aus dem Davis Capital Portfolio. Becca galt als wichtigste private Investorin von Machovia. Eigentlich hatte die Firma nicht zum Verkauf gestanden, doch dann war ein ebenso unerwartetes wie verlockendes Angebot auf den Tisch gekommen.

Becca würde sich – je nach Verkehrslage – in einem Firmenwagen zum Teterboro Airport in New Jersey chauffieren lassen oder mit dem Hubschrauber dorthin fliegen. Von New Jersey aus ging es mit einem Jet von Davis Capital weiter nach Heathrow, wo sie um zehn Uhr morgens, Londoner Zeit, ankommen sollte. Die meisten Geschäftsreisenden legten Wert auf einen mindestens dreitägigen Aufenthalt, bevor sie wieder ins Flugzeug stiegen. Doch Becca plante, inklusive aller Flüge und Termine, binnen drei Tagen wieder in ihrem Büro in New York erreichbar zu sein.

Sie konnte inzwischen auf eine rasante Karriere in der harten Finanzwelt zurückblicken. Ihren kometenhaften Aufstieg verdankte sie vor allem dem Vertrauen, das Dick Davis in sie gesetzt hatte. Vor fünf Jahren war er mit dem Angebot an sie herangetreten, als Partnerin bei Davis Capital einzusteigen. Damals hatte sie gerade die Technologieabteilung bei Morgan Stanley geleitet. Sie war eine junge, ehrgeizige Analystin gewesen, die sich durch ihre gründliche Arbeit und die Nervenstärke, Risiken einzugehen, bereits einen Ruf gemacht hatte. Selbst als an allen Börsen die wilde Zeit des Bullen zu Ende ging und der Markt schon längst das schwerfälligere Wesen des Bären angenommen hatte, war es ihr noch gelungen, überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen.

Dick Davis hatte vor beinahe zwanzig Jahren die Firma Bear Sterns verlassen, um gemeinsam mit ein paar Geschäftsfreunden eine Finanzierungsgesellschaft zu gründen – Davis Capital. Als Grundkapital hatte er das Vermögen seiner Frau in die Firma eingebracht. Mrs Davis war die Alleinerbin der Standard Oil-Anteile ihres Großvaters. Inzwischen steckten über elf Milliarden Dollar von Davis Capital in Firmen ganz unterschiedlicher Branchen.

Becca wusste genau, was sie Dick Davis verdankte. Er hatte ihr mit dem Angebot, als Partnerin in die Firma einzusteigen, die Tür zu den höchsten Etagen der Finanzwelt geöffnet. Und das zu einer Zeit, als sie in den Augen vieler seiner Geschäftspartner fast noch ein Kind gewesen war. Mit gerade einmal 26 Jahren hatte sie ihren ersten Deal für Davis Capital gemacht....


Brown, Amanda
Amanda Brown, geboren in Paradise Valley in Arizona, ist eigentlich noch Jurastudentin an der Stanford Law School, doch ihr durchschlagender Bucherfolg hat sie davon überzeugt, Schriftstellerin zu werden. Ihr Erstlingswerk "Natürlich Blond" wurde sofort verfilmt und das Ergebnis war eine Nominierung für den Golden Globe im Jahr 2001. Auch ihr neues Buch soll mit der Oskar-Gewinnerin Hillary Swank als Hauptdarstellerin verfilmt werden. Amanda Brown, verheiratet und Mutter einer dreijährigen Tochter, pendelt zwischen Los Angeles und San Francisco. Sie arbeitet bereits an einem dritten Buch.



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