E-Book, Deutsch, Band 3, 1399 Seiten
Reihe: Genesis
Broi Genesis III
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7427-1191-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jenseits aller Hoffnung
E-Book, Deutsch, Band 3, 1399 Seiten
Reihe: Genesis
ISBN: 978-3-7427-1191-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alfred Broi wurde 1965 in Clausthal-Zellerfeld geboren, wo er auch heute noch lebt. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Geschichten kommen einfach aus dem Bauch und sind pure Fantasie. Bisher sind insgesamt sieben Romane veröffentlicht. Stoff für weitere Romane ist vorhanden, sie werden kontinuierlich folgen.
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Prolog
Nur ein Traum
Oh, es war ein wahrhaft wundervoller Tag, der sich ihm offenbarte!
Jorik wusste zwar nicht mehr, welcher Gedanke ihn dazu veranlasst hatte, auf die Hochebene südlich von Ara Bandiks zu fahren, doch es musste eine himmlische Eingebung gewesen sein, denn mit dem freien Blick über das vor ihm liegende Land konnte er die ganze grandiose Pracht seiner Heimat in vollen Zügen genießen.
Saftige, sattgrüne Wiesen, soweit das Auge im Osten reichte, in denen unzählige Blumen in allen nur erdenklichen Formen und Farben funkelten wie Edelsteine.
Mächtige Bäume, deren Kronen sich majestätisch in den Himmel streckten und einem dichten Blätterdach, unter dem sich wohltuende Schatten ausbreiteten.
Im Westen schoben sich erste Sanddünen durch das Grün, bis sie schließlich dominierten und den schönsten und feinsten Badestrand Poremiens, vielleicht sogar auf ganz Santara bildeten. Dahinter schimmerten die schier unendlichen tiefblauen, beinahe violetten Wassermassen des galpagischen Meeres.
Weit im Norden konnte Jorik sogar die ersten Ausläufer des dortigen Hochlands erkennen, die sich, stahlgrau und weiß, wuchtig in den Himmel schoben. Beinahe glaubte er, er könne heute selbst die höchsten Gipfel in über dreiundzwanzigtausend Metern Höhe erkennen.
Davor, und eingerahmt vom Ozean, dem Grünland und der Hochebene, auf der er stand, lag Ara Bandiks, Hauptstadt von Poremien und die wohl atemberaubendste Metropole auf dem ganzen Planeten.
Weit über zwanzig Millionen Menschen lebten und arbeiteten dort und erlebten jeden Tag aufs Neue die Wunder einer faszinierenden Metropole, deren Herzschlag niemals verebbte und der weithin zu hören war.
Mit unverhohlenem Stolz ließ Jorik seinen Blick über die unterschiedlichen Viertel der Stadt schweifen.
Im Westen schmiegte sich der größte Hochseehafen des Planeten sanft an die Meeresküste und war pulsierender Umschlagplatz für alle nur erdenklichen Waren. Im Osten lag das weitläufige Gelände des hochmodernen Mariamuk-Flughafens, auf dem täglich mehrere hundert Maschinen landeten und ebenso viele Flugzeuge in alle Himmelsrichtungen starteten und Zehntausende von Personen bequem, pünktlich und sicher an ihr gewünschtes Ziel brachten.
Im Norden der Stadt erhoben sich gigantische Fabrikhallen und mächtige Versorgungsanlagen, die genug Energie und Rohstoffe lieferten, um die vielfältigen Bedürfnisse und Wünsche der Einwohner zu decken.
Im Süden erstreckten sich über viele Kilometer Wohngebiete in unterschiedlichen, abwechslungsreichen Baustilen, die den Bewohnern Schutz und Heim in ansprechender Optik und überwiegend tadelloser Qualität boten.
Daneben schloss sich das beeindruckende Gelände der Kaliamu-Universität an.
Bei ihrem Anblick musste Jorik fröhlich lächeln, denn genau dort wusste er einen seiner besten Freunde und sah ihn bildlich vor sich, wie er mit zerzaustem Haar und zerknautschten Kleidern in seinem Labor saß und weitere bahnbrechende und wundersame Erfindungen hervorbrachte.
Ja, Shamos war ganz sicher ein grandioser Wissenschaftler, der schon so vielen Menschen mit seinem brillanten Verstand das Leben erleichtert hatte. Für Jorik aber war er noch weit mehr als das: Nicht nur einer seiner besten Freunde, wenn nicht sogar der engste Vertraute, den er hatte, war Shamos für ihn der klügste Kopf, den dieser Planet je hervorgebracht hatte und Jorik hatte allerhöchsten Respekt vor diesem Mann und empfand großen Stolz, ihn als seinen Freund bezeichnen zu dürfen.
Für einen Moment verfiel Jorik in tiefe, aber wohltuende Gedanken, dann glitt sein Blick weiter auf das faszinierende und grandiose Zentrum der Metropole, einem Schmelztiegel für Konsum, Kultur und Entertainment. Hier waren neben unzähligen Kaufhäusern und Modeimperien, Entertainment-Tempeln, Stadien und Veranstaltungshallen, die mächtigsten Industrieunternehmen ansässig und lieferten sich zusammen mit den größten Banken des Planeten, einen schier grenzenlosen Kampf um das höchste und atemberaubendste Bauwerk auf Santara.
Noch immer jedoch war dies der unscheinbare, ja fast dürr anmutende Paliavith-Tower, der von allen Bewohnern nur liebevoll-verächtlich The Stripe genannt wurde.
Selbst hier, in einer Entfernung von rund zwanzig Meilen, konnte Jorik die schillernde Welt der Leuchtreklame sehen und den tiefen, lebhaften Rhythmus der Metropole spüren, in den er selbst so gern eintauchte.
Über allem thronte ein strahlend blauer, beinahe wolkenloser Himmel, von dem Lexis, der urgewaltige, scheinbar nie versiegende Sonnenstern sein funkelndes, wärmendes und lebensspendendes Licht auf den Planeten warf, über den ein sanfter, wohliger Wind strich und ein leise flüsterndes, fröhliches Lied sang.
Ja, Jorik konnte es nicht leugnen. An Tagen wie diesen – und davon gab es auf diesem wunderbaren Planeten nicht wenige – spürte er einen tiefen Stolz in sich und er empfand eine wundervoll belebende Freude, ein Teil dieser Welt zu sein, die er seine Heimat nennen durfte.
All dies aber wäre für ihn so sehr bedeutungslos gewesen, wenn er nicht genau die Person neben sich gewusst hätte, für den er mehr als für jeden anderen Menschen dieses Gefühl empfand, das allgemein hin als Liebe bekannt war, das jedoch so unendlich viel mehr als nur eine einzige Empfindung ausdrückte.
Alisha war sein Traum vom Leben, der auf so wundervolle und unfassbar himmlische Weise tatsächlich wahr geworden war.
Für Jorik war sie nicht nur die schönste, intelligenteste und warmherzigste Frau auf dem ganzen Planeten, sondern sie verkörperte für ihn auch eine unwiderstehliche Erotik, eine so herrlich wohltuende geistige Tiefe und eine allüberstrahlende aufrechte Lebensweise, dass er nie wirklich verstanden hatte, warum Alisha sich ausgerechnet ihn zum Lebenspartner auserkoren hatte.
Und doch war es so und als Jorik seinen Blick nach rechts wandte, wurden seine tiefen Gefühlen zu seiner Frau mit einem Blick in ihre strahlenden, tiefgrünen, wie Edelsteine funkelnden Augen, auf wunderbar wärmende und beruhigend sichere Weise bestätigt.
Auch Alisha genoss die Aussicht, die sich ihnen bot und die Eindrücke dieses herrlichen Sonnentages in vollen Zügen und ihr strahlendes Lächeln, das sie ihm zuwarf, ließ eine kribbelnde Gänsehaut über seinen Körper huschen.
Jorik fühlte sich wunderbar leicht und frei und noch während er die Vögel hoch oben in den Lüften für ihre Fähigkeit, fliegen zu können, beneidete, spürte er, wie sich in seinem Inneren alles auf wundersame, aber auch wundervolle Weise veränderte.
Wie selbstverständlich wurde sein Körper mit einem dichten Kleid aus braunen und weißen Federn überzogen, während seine Beine zu dünnen Stelzen mit kräftigen, scharfen Krallen mutierten.
Auch seine Arme veränderten sich und bogen sich zu weiten, muskulösen Schwingen.
Doch anstatt darüber in Sorge zu geraten, blickte er wieder zu Alisha und konnte sehen, dass auch sie diese Veränderung durchgemacht hatte und nun nicht mehr in Gestalt einer Menschenfrau neben ihm stand, sondern als prachtvolles strahlend-weißes Adlerweibchen.
Und da wusste Jorik tief in seinem Herzen, dass alles, was gerade geschah, richtig war und dass es nichts gab, worüber er sich Sorgen machen musste.
Und schon im nächsten Moment spürte er, wie Alisha ihre Flügel ausbreitete und sich kräftig in die Höhe drückte. Jorik zögerte keine Sekunde und folgte ihr dichtauf.
Fast hätte er vor Freude lauthals gejauchzt, als er spüren konnte, wie sich der Wind in seinen Federn fing und ihn sehr schnell in den Himmel trug, immer höher hinauf, der Sonne entgegen.
Wieder blickte er zur Seite, doch Alisha war noch immer dicht bei ihm. Sie hatte ihren Kopf gesenkt und ihre großen, schwarzen Augen schauten auf das wundervolle Land, das unter ihnen dahinzog.
Deutlich konnte er das Rauschen der Wellen hören, die teils sanft an den Sandstränden ausrollten, teils aber auch mit schier unbändiger Wucht an die Steilküste westlich der Hochebene brandeten.
Jorik konnte Herden von Bomaris sehen, die friedlich grasend auf den saftigen Weiden umher trotteten, aber auch Gruppen von wildlebenden Schellaks, die ungezügelt über die sanfte Hügellandschaft im Westen preschten.
Eine aufbrausende Windböe erfasste Jorik und trug ihn ruckartig noch höher hinauf. Alisha neben ihm entfuhr ein heiserer Schrei. Als Jorik seinen Kopf zu ihr drehte, um ihr zu sagen, dass alles in Ordnung sei, erkannte er, dass sie starr nach vorn schaute.
Er folgte ihrem Blick und war sofort überrascht, wie groß und dicht das Wolkenpaket war, das sich urplötzlich vor ihnen auftürmte. Von der Hochebene aus hatte es lange nicht so mächtig, schon gar nicht aber so dunkel und bedrohlich gewirkt.
Schade, dachte Jorik sofort, denn so würden sie keinen ungehinderten Blick auf Ara Bandiks bekommen, wenn sie es überfliegen würden.
Es sei denn, sie würden tiefer gehen und die mittlerweile schon sehr dichte Wolkendecke unterfliegen.
Jorik wollte diesen Gedanken gerade an Alisha weitergeben, als ihm eine dunkle, ja beinahe schon schwarze Wolke die Sicht auf ihr versperrte.
Himmel, fuhr es ihm durch den Kopf, wie schnell hatte sich das Wetter nur verschlechtert?...




