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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 400 Seiten

Reihe: Mercy-Thompson-Reihe

Briggs Zeit der Jäger

Mercy Thompson 4 - Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08699-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mercy Thompson 4 - Roman

E-Book, Deutsch, Band 4, 400 Seiten

Reihe: Mercy-Thompson-Reihe

ISBN: 978-3-641-08699-2
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mercy Thompson ist stolze Besitzerin einer kleinen Autowerkstatt. Und sie ist eine Walkerin – sie kann sich in einen Kojoten verwandeln. Doch Mercys Welt ist dunkel und gefährlich. Für den Tod eines Vampirs, an dem sie nicht ganz unschuldig ist, sinnt die Vampirkönigin Marsilia auf Rache. Da bleibt Mercy kaum noch Zeit für ihre Beziehung mit dem umwerfenden Werwolf Adam …

Patricia Briggs, Jahrgang 1965, wuchs in Montana auf und interessiert sich seit ihrer Kindheit für Fantastisches. So studierte sie neben Geschichte auch Deutsch, denn ihre große Liebe gilt Burgen und Märchen. Mit ihrer Mystery-Saga um die Gestaltwandlerin Mercy Thompson stürmt sie regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. Nach mehreren Umzügen lebt die Autorin heute in Washington State.
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1


Ich starrte mein Spiegelbild an. Ich war nicht hübsch, aber ich hatte dickes Haar, das mir bis auf die Schultern fiel. Meine Haut war an den Armen und im Gesicht dunkler gebräunt als am Rest meines Körpers, aber zumindest – der Blackfoot-Abstammung meines Vaters sei Dank – würde ich nie wirklich blass sein.

Da waren die zwei Stiche, mit denen Samuel den Schnitt an meinem Kinn genäht hatte, und die Prellung an meiner Schulter (kein übermäßiger Schaden, wenn man bedachte, dass ich gegen etwas gekämpft hatte, das gerne Kinder fraß und einen Werwolf bewusstlos geschlagen hatte). Die dunklen Fäden in der Wunde wirkten aus einem bestimmten Winkel wie die Beine einer großen schwarzen Spinne. Abgesehen von diesen leichten Schäden war mit meinem Körper alles in Ordnung. Karate und meine Arbeit als Mechanikerin hielten mich gut in Form.

Meine Seele war um einiges mitgenommener als mein Körper, aber das konnte ich im Spiegel nicht sehen. Hoffentlich konnte es auch niemand anders erkennen. Dieser unsichtbare Schaden war es, der die Angst davor hervorrief, das Badezimmer zu verlassen und mich Adam zu stellen, der in meinem Schlafzimmer wartete. Obwohl ich mit absoluter Sicherheit wusste, dass Adam nichts tun würde, was ich nicht wollte – und was ich nicht schon lange von ihm gewollt hatte.

Ich konnte ihn bitten zu gehen. Mir mehr Zeit zu lassen. Wieder starrte ich die Frau im Spiegel an, aber sie starrte nur zurück.

Ich hatte den Mann umgebracht, der mich vergewaltigt hatte. Würde ich zulassen, dass er den letzten Sieg davontrug? Zulassen, dass er mich zerstörte, wie es seine Absicht gewesen war?

»Mercy?« Adam musste nicht laut werden. Er wusste, dass ich ihn hören konnte.

»Vorsicht«, sagte ich, als ich mich vom Spiegel abwandte, um saubere Unterwäsche und ein altes T-Shirt anzuziehen. »Ich habe einen antiken Wanderstab, und ich weiß, wie man ihn benutzt.«

»Der Wanderstab liegt auf deinem Bett«, antwortete er.

Als ich aus dem Bad kam, lag Adam ebenfalls auf meinem Bett.

Er war nicht groß, aber er brauchte auch keine körperliche Größe, um seine Ausstrahlung zu verstärken. Hohe Wangenknochen und ein voller, breiter Mund über einem markanten Kinn vereinten sich zu fast filmstarartiger Schönheit. Wenn seine Augen offen waren, zeigten sie ein dunkles Schokoladenbraun, das nur ein wenig heller war als bei mir. Sein Körper war fast so attraktiv wie sein Gesicht  – obwohl ich wusste, dass er so nicht über sich selbst dachte. Er hielt sich in Form, weil er der Alpha war und sein Körper das Werkzeug, das er einsetzte, um seinem Rudel Sicherheit zu geben. Bevor er verwandelt wurde, war er Soldat, und sein militärisches Training war immer noch an der Art zu erkennen, wie er sich bewegte und wie er das Kommando übernahm.

»Wenn Samuel aus dem Krankenhaus kommt, wird er den Rest der Nacht in meinem Haus verbringen«, erklärte Adam, ohne dabei die Augen zu öffnen. Samuel war mein Mitbewohner, ein Arzt, und ein einsamer Wolf. Adams Haus lag hinter meinem, mit ungefähr zehn Morgen Land dazwischen – drei gehörten mir und die restlichen Adam. »Wir haben also Zeit, uns zu unterhalten.«

»Du siehst schrecklich aus«, meinte ich, nicht ganz ehrlich. Er sah müde aus, mit dunklen Ringen unter den Augen, aber nichts, vielleicht mal abgesehen von Verstümmelung, könnte ihn je schrecklich aussehen lassen. »Haben sie in D. C. keine Betten?«

Er hatte das letzte Wochenende in Washington verbringen müssen (die Hauptstadt – wir befanden uns im Staat), um eine Sache zu regeln, die irgendwie mein Fehler gewesen war. Natürlich, wenn er Tims Leiche nicht vor laufender Kamera in winzige Stücke zerrissen hätte und die daraus resultierende DVD nicht auf dem Schreibtisch eines Senators gelandet wäre, hätte es gar kein Problem gegeben. Also war es zum Teil auch sein Fehler.

Größtenteils war es aber Tims Fehler, und der Fehler desjenigen, der die DVD kopiert und eine Kopie davon verschickt hatte. Ich hatte mich um Tim gekümmert. Bran, der Boss aller anderen Werwolf-Bosse, kümmerte sich offenbar um diese andere Person. Letztes Jahr hätte ich noch erwartet, bald von einer Beerdigung zu hören. Dieses Jahr, wo die Werwölfe gerade erst der Welt gegenüber ihre Existenz eingestanden hatten, würde Bran wahrscheinlich umsichtiger vorgehen. Was auch immer das hieß.

Adam öffnete die Augen und schaute mich an. In dem dämmrigen Raum (er hatte nur das kleine Licht auf meinem Nachttisch angeschaltet) wirkten seine Augen schwarz. In seinem Gesicht lag eine Trostlosigkeit, die vorher nicht da gewesen war, und ich wusste, dass sie etwas mit mir zu tun hatte. Weil er nicht fähig gewesen war, mich zu schützen  – und Leute wie Adam nehmen das ziemlich schwer.

Ich persönlich war der Meinung, dass es meine Aufgabe war, mich zu schützen. Manchmal hieß das vielleicht, Freunde um Hilfe zu bitten, aber das war meine Verantwortung. Er aber sah es trotzdem als Versagen.

»Du hast dich also entschieden?«, fragte er. Er meinte damit, ob ich ihn als meinen Gefährten akzeptieren würde. Die Frage hing schon zu lange in der Luft, und sie beeinträchtigte seine Fähigkeit, das Rudel unter Kontrolle zu halten. Ironischerweise hatte das, was mit Tim passiert war, das Problem gelöst, das mich seit Monaten davon abgehalten hatte, Adam anzunehmen. Wenn ich gegen den Feentrank kämpfen konnte, den Tim mir eingeflößt hatte, dann würde mich ein wenig Alpha-Macht auch nicht in eine fügsame Sklavin verwandeln.

Vielleicht hätte ich ihm danken sollen, bevor ich ihn mit dem Stemmeisen erschlug.

Adam ist nicht Tim, sagte ich mir selbst. Ich dachte an Adams Wut, als er die Tür zu meiner Garage aufgebrochen hatte, an seine Verzweiflung, als er mich davon überzeugte, nochmal aus dem verdammten Feenvolk-Kelch zu trinken. Zusätzlich zu der Macht, mir den freien Willen zu rauben, hatte dieser Kelch auch die Kraft der Heilung – und zu diesem Zeitpunkt hatte ich eine Menge Heilung gebraucht. Es hatte funktioniert, aber Adam hatte sich gefühlt, als würde er mich betrügen, und geglaubt, dass ich ihn dafür hassen würde. Aber er hatte es trotzdem getan. Ich ging davon aus, dass es etwas damit zu tun hatte, dass er nicht gelogen hatte, als er erklärt hatte, dass er mich liebte. Als ich mich vor Scham versteckt hatte – das lastete ich dem Feenvolk-Trank an, weil ich wusste … ich wusste, dass ich keinen Grund hatte mich zu schämen –, hatte er mein Kojoten-Ich unter seinem Bett hervorgezogen, mich als Strafe für Torheit in die Nase gebissen und mich dann die ganze Nacht gehalten. Dann hatte er mich mit seinem Rudel und Sicherheit umgeben, egal, ob ich es brauchte oder nicht.

Tim war tot. Und er war immer schon ein Loser gewesen. Ich würde nicht das Opfer eines Losers sein – oder von irgendjemand anderem.

»Mercy?« Adam blieb auf dem Rücken auf meinem Bett liegen, in einer Position, die Verletzlichkeit zeigte.

Anstelle einer Antwort zog ich mir das T-Shirt über den Kopf und ließ es auf den Boden fallen.

Adam bewegte sich schneller, als ich es je gesehen hatte, und brachte die Decke mit. Bevor ich auch nur blinzeln konnte, hatte er sie um mich geschlungen … und dann drückte er mich fest an sich, meine Brüste an seinem Brustkasten. Er hatte den Kopf schief gelegt, sodass mein Gesicht an seine Wange gedrückt wurde.

»Ich wollte die Decke zwischen uns bringen«, erklärte er angespannt. Sein Herz raste und die steinharten Muskeln an seinen Armen zitterten. »Ich meinte nicht, dass du jetzt sofort mit mir schlafen musst – ein einfaches ›Ja‹ hätte gereicht.«

Ich wusste, dass er erregt war – selbst ein normaler Mensch ohne den Geruchssinn eines Kojoten hätte das bemerkt. Ich ließ meine Hände von seinen Hüften über seinen harten Bauch und zu seinen Rippen gleiten und lauschte auf seinen Herzschlag, der immer schneller wurde, während gleichzeitig seine Haut unter meiner leichten Liebkosung anfing zu schwitzen. Ich konnte fühlen, wie sich die Muskeln in seiner Wange bewegten, als er die Zähne zusammenbiss, und auch die Hitze, die seine Haut ausstrahlte. Ich pustete in sein Ohr und er sprang von mir weg, als hätte ich ihn mit einem Viehtreiber attackiert.

Bernsteinfarbene Streifen erleuchteten seine Augen und seine Lippen erschienen mir voller, röter. Ich ließ die Decke auf mein T-Shirt fallen.

»Verdammt nochmal, Mercy.« Er fluchte nicht gerne vor Frauen. Ich empfand es immer als persönlichen Triumph wenn ich ihn dazu bringen konnte. »Deine Vergewaltigung ist nicht mal eine Woche her. Ich werde nicht mit dir schlafen, bevor du mit jemandem geredet hast, einem Psychologen vielleicht.«

»Mir geht es gut«, sagte ich, obwohl mir in Wirklichkeit, jetzt, wo seine körperliche Nähe mir auch die Sicherheit geraubt hatte, die er brachte, ein wenig übel wurde.

Adam drehte sich um, so dass er zum Fenster schaute und nicht mehr zu mir. »Das stimmt nicht. Denk dran, du kannst einen Wolf nicht belügen, Liebling.« Er stieß den Atem aus, zu heftig, als dass es ein Seufzer sein konnte. Dann fuhr er sich schnell durch die Haare, um seine überschüssige Energie loszuwerden. Pflichtgemäß stand es jetzt in den kleinen Locken vom Kopf ab, die er normalerweise zu kurz hielt, als dass sie anders aussehen könnten als ordentlich und gut gepflegt. »Über wen rede ich hier?«, fragte er, aber ich ging nicht davon aus, dass die Frage an mich gerichtet war. »Das hier ist Mercy. Selbst im besten Fall ist der Versuch, dich dazu zu bringen, über Persönliches zu reden, ungefähr wie Zähne ziehen. Dich dazu zu bringen, mit einem Fremden zu reden …«

Ich hatte mich nie für besonders verstockt gehalten....


Briggs, Patricia
Patricia Briggs, Jahrgang 1965, wuchs in Montana auf und interessiert sich seit ihrer Kindheit für Fantastisches. So studierte sie neben Geschichte auch Deutsch, denn ihre große Liebe gilt Burgen und Märchen. Mit ihrer Mystery-Saga um die Gestaltwandlerin Mercy Thompson stürmt sie regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten. Nach mehreren Umzügen lebt die Autorin heute in Washington State.



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