E-Book, Deutsch, 618 Seiten
Reihe: Springer-Lehrbuch
Breyer / Zweifel / Kifmann Gesundheitsökonomik
5. Auflage 2005
ISBN: 978-3-540-26781-2
Verlag: Springer Berlin Heidelberg
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 618 Seiten
Reihe: Springer-Lehrbuch
ISBN: 978-3-540-26781-2
Verlag: Springer Berlin Heidelberg
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Das Buch macht den Leser mit den zentralen Fragestellungen und dem analytischen Werkzeug der Gesundheitsökonomik vertraut. Erörtert werden u.a. die Ausgabendynamik im Gesundheitswesen, der Umgang mit der Gesundheit, die Rolle des Arztes und sein Verhalten, Ineffizienzen in Krankenhäusern und die Anreize zur Risikoselektion im Krankenkassenwettbewerb. Diese Themen werden stringent mit mikroökonomischen Methoden analysiert, ethische Gesichtspunkte werden jedoch auch berücksichtigt. Die Autoren diskutieren zudem Ergebnisse empirischer Forschung und aktuelle Reformvorschläge wie die Bürgerversicherung und die Einführung von Pauschalprämien in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort;5
2;Vorwort zur 1. Auflage;6
3;Inhaltsverzeichnis;9
4;Abbildungsverzeichnis;23
5;Tabellenverzeichnis;26
6;1 Einleitung;29
6.1;1.1 Gesundheit - ein unbezahlbares Gut?;29
6.2;1.2 Einzel- und gesamtwirtschaftliche Betrachtungsweisen der Gesundheit;32
6.3;1.3 „Ökonomik der Gesundheit" vs. „Ökonomik des Gesundheitswesens": ein erster Überblick;39
6.4;1.4 Eine Systemanalyse des Gesundheitswesens;42
6.5;1.5 Zusammenfassung des Kapitels;45
7;2 Zur ökonomischen Bewertung von Leben und Gesundheit;46
7.1;2.1 Anwendungsbereiche der Bewertung von Leben und Gesundheit;46
7.2;2.2 Verfahren der Evaluation im Gesundheitsbereich;48
7.3;2.3 Kosten-Nutzwert-Analyse;52
7.4;2.4 Kosten-Nutzen-Analyse;65
7.5;2.6 Zusammenfassung des Kapitels;94
7.6;2.7 Lektürevorschläge;96
8;3 Das Individuum als Produzent seiner Gesundheit;99
8.1;3.1 Problemstellung;99
8.2;3.2 Zum Konzept der Gesundheitsproduktion;101
8.3;3.3 Die Gesundheit als Teil des Humankapitals;103
8.4;3.4 Gesundheitsproduktion als Einflussnahme auf einen Zufallsprozess;114
8.5;3.5 Zusammenfassung des Kapitels;137
8.6;3.6 Lektürevorschläge;138
8.7;3. A Anhang zu Kapitel 3;139
8.8;3. Ü Übungsaufgaben;151
9;4 Empirische Untersuchungen zur Gesundheitsproduktion;153
9.1;4.1 Überblick über die Fragestellungen;153
9.2;4.2 Untersuchungen anhand von aggregierten Daten;155
9.3;4.3 Untersuchungen anhand von Individualdaten;177
9.4;4.4 Nachfrage nach Gesundheit, Nachfrage nach Gesundheitsleistungen;187
9.5;4.5 Zusammenfassung des Kapitels;195
9.6;4.6 Lektürevorschläge;196
9.7;4. Ü Übungsaufgaben;197
10;5 Besonderheiten von Gesundheitsgütern und ihre allokativen Konsequenzen;198
10.1;5.1 Problemstellung;198
10.2;5.2 Marktversagen auf den Märkten für Gesundheitsgüter;200
10.3;5.3 Marktversagen auf den Märkten für Krankenversicherung;208
10.4;5.4 Gerechtigkeit als Begründung für staatliche Eingriffe im Gesundheitswesen;212
10.5;5.5 Zur Gestaltung einer Sozialen Krankenversicherung;220
10.6;5.6 Zusammenfassung des Kapitels;228
10.7;5.7 Lektürevorschläge;229
10.8;5. A Anhang zu Kapitel 5 - Märkte für Krankenversicherung mit asymmetrischer Information;230
10.9;5. Ü Übungsaufgaben;243
11;6 Optimale Ausgestaltung von Krankenversicherungsverträgen;246
11.1;6.1 Problemstellung;246
11.2;6.2 Typen von Krankenversicherungsverträgen und ihre Anreizwirkungen;249
11.3;6.3 Optimaler Versicherungsschutz bei Abwesenheit von Moral Hazard;252
11.4;6.4 Optimaler Versicherungsschutz bei Ex-ante Moral Hazard;269
11.5;6.5 Optimaler Versicherungsschutz bei Ex-post Moral Hazard;278
11.6;6.6 Der empirische Zusammenhang zwischen Versicherungsdeckung und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen;289
11.7;6.7 Schlussfolgerungen für die Gestaltung einer sozialen Krankenversicherung;291
11.8;6.8 Zusammenfassung des Kapitels;293
11.9;6.9 Lektürevorschläge;294
11.10;6. Ü Übungsaufgaben;295
12;7 Risikoselektion im Krankenversicherungswettbewerb;298
12.1;7.1 Problemstellung;298
12.2;7.2 Risikoselektion;301
12.3;7.3 Weitere Argumente für einenfinanziellenAusgleich zwischen Krankenversicherungen;322
12.4;7.4 Zur Ausgestaltung von Finanzausgleichssystemen;324
12.5;7.5 Vermeidung von Risikoselektion in Deutschland und der Schweiz;341
12.6;7.6 Zusammenfassung des Kapitels;348
12.7;7.7 Lektürevorschläge;350
13;8 Der Arzt als Anbieter medizinischer Leistungen;355
13.1;8.1 Einleitung;355
13.2;8.2 Der Zusammenhang von Ärztedichte und Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen;356
13.3;8.3 Die These von der angebotsinduzierten Nachfrage nach ambulanten Arztleistungen;358
13.4;8.4 Nutzenmaximierung des Arztes und die Zieleinkommens- Hypothese;361
13.5;8.5 Ärztedichte und Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen: alternative Erklärungen;369
13.6;8.6 Empirische Überprüfung der Hypothesen;371
13.7;8.7 Zusammenfassung des Kapitels;374
13.8;8.8 Lektürevorschläge;374
13.9;8. Ü Übungsaufgaben;375
14;9 Krankenhausleistungen;376
14.1;9.1 Problemstellung;376
14.2;9.2 Das Krankenhaus als Produktionsbetrieb;378
14.3;9.3 Der Krankenhausbetriebsvergleich;385
14.4;9.4 Zusammenfassung des Kapitels;401
14.5;9.5 Lektürevorschläge;401
14.6;9. Ü Übungsaufgaben;402
15;10 Optimale Vergütung von Leistungserbringern;403
15.1;10.1 Problemstellung;403
15.2;10.2 Ökonomische Theorie der Vergütung;405
15.3;10.3 Die Vergütung von Ärzten;438
15.4;10.4 Die Vergütung von Krankenhäusern;442
15.5;10.5 Zusammenfassung;446
15.6;10.6 Lektürevorschläge;447
15.7;10. Ü Übungsaufgaben;448
16;11 Organisationsformen der medizinischen Versorgung;452
16.1;11.1 Fragestellung;452
16.2;11.2 Der Arzt als Sachwalter des Patienten;456
16.3;11.3 Ergänzende Sachwalterbeziehungen im Gesundheitswesen;457
16.4;11.4 Die Health Maintenance Organization als alternative Form der Versorgung;461
16.5;11.5 Zusammenfassung des Kapitels;470
16.6;11.6 Lektürevorschläge;470
16.7;ll. Ü Übungsaufgaben;471
17;12 Der Arzneimittelmarkt;472
17.1;12.1 Problemstellung;472
17.2;12.2 Die Entwicklung eines neuen Arzneimittels;474
17.3;12.3 Die Innovation als Investition;479
17.4;12.4 Die Rolle des Patentschutzes;485
17.5;12.5 Preisregulierung der Arzneimittel;492
17.6;12.6 Der Preiswettbewerb bei Arzneimitteln;497
17.7;12.7 Zusammenfassung des Kapitels;503
17.8;12.8 Lektürevorschläge;504
17.9;12. Ü Übungsaufgaben;505
18;13 Die Politische Ökonomie des Gesundheitswesens;506
18.1;13.1 Problemstellung;506
18.2;13.2 Kollektiv flnanzierte Gesundheitsversorgung in der Demokratie;507
18.3;13.4 Zusammenfassung des Kapitels;524
18.4;13.5 Lektürevorschläge;525
18.5;13. Ü Übungsaufgaben;526
19;14 Herausforderungen an das Gesundheitswesen;527
19.1;14.1 Fragestellung;527
19.2;14.2 Die technologische Herausforderung;529
19.3;14.3 Die demographische Herausforderung;538
19.4;14.4 Gesundheitsausgaben, Alter und medizinischer Fortschritt;544
19.5;14.5 Internationale Herausforderungen;560
19.6;14.6 Zusammenfassung des Kapitels;564
20;15 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen;568
20.1;15.1 Gesundheit als ökonomisches Gut;568
20.2;15.2 Wettbewerb oder Regulierung im Gesundheitswesen?;569
20.3;15.3 Gesundheitspolitische Empfehlungen im einzelnen;571
20.4;15.4 Reformprogramme aus einem Guss?;576
21;Literaturverzeichnis;578
22;Autorenverzeichnis;596
23;Sachverzeichnis;603
24;Mehr eBooks bei www.ciando.com;0
2 Zur ökonomischen Bewertung von Leben und Gesundheit (S. 19-20)
2.1 Anwendungsbereiche der Bewertung von Leben und Gesundheit
„Das Leben ist das höchste Gut und lässt sich nicht in Geld aufwiegen." Dies ist ein Grundsatz, dem wohl die meisten Menschen zustimmen würden. Auf der anderen Seite werden (notwendigerweise!) nicht nur von Individuen, sondern auch von Parlamenten und Behörden regelmäßig Entscheidungen getroffen, die eine Abwägung zwischen der Erhaltung und Verlängerung menschlichen Lebens und dem Einsatz knapper Mittel (Geld) beinhalten. Beispiele für solche Entscheidungen im öffentlichen Bereich lassen sich sowohl im Gesundheitswesen selbst finden als auch in vielen anderen Bereichen, vor allem in der Verkehrs- und in der Umweltpolitik. In allen Ländern, in denen entweder ein nationaler Gesundheitsdienst oder eine gesetzliche Krankenversicherung besteht, entscheiden politische oder zumindest politisch legitimierte Gremien von Zeit zu Zeit über die Aufnahme neuer Arzneimittel, neuer Heilverfahren und neuer medizintechnischer Geräte in den Katalog der innerhalb dieses Gesundheitssystems finanzierten Leistungen. In aller Regel sind solche neuen Verfahren mit zusätzlichem finanziellen Aufwand verbunden - es handelt sich also nicht um kostensparende „Prozessinnovationen" - und versprechen therapeutische Vorteile, oft in Form einer Reduktion der Gefahr vorzeitigen Todes einer bestimmten Risikopopulation.
So kann die Bereitstellung einer mobilen Herzinfarkt-Einheit mit Gesamtkosten von mehreren Millionen € dazu dienen, bei Herzinfarkt-Patienten bereits an Ort und Stelle Maßnahmen zur Wiederherstellung der Herzfunktion zu ergreifen und somit das Risiko, noch vor Erreichen des nächstgelegenen Krankenhauses zu sterben, erheblich vermindern. Ebenso kann eine medikamentöse Dauertherapie von Hypertonikern mit blutdrucksenkenden Präparaten dem Risiko eines Herzinfarkts wirksam vorbeugen. Auch hier stehen dem verminderten Todesrisiko erhebliche volkswirtschaftliche Kosten der Entwicklung und Herstellung der Medikamente gegenüber.
Ein nicht weniger bekannter Anwendungsbereich ist die Vorhaltung und der Betrieb von Dialysegeräten für Patienten mit chronischem Nierenversagen. Außerhalb des Gesundheitsbereichs sind die Beispiele, in denen „Leben" gegen „Kosten" abgewogen werden müssen, nicht weniger zahlreich. So müssen Gemeinden und Landkreise entscheiden, ob sie bestimmte notorische Unfallschwerpunkte (z.B. enge, unübersichtliche Kurven) durch Begradigung oder Verbreiterung der Straße entschärfen sollen. In Wohngebieten kann umgekehrt gerade durch das Pflanzen von Bäumen und das Einziehen von Schwellen und anderen Hindernissen das Fahrtempo gesenkt und somit die Lebensgefahr für spielende Kinder verringert werden.
Alle diese Maßnahmen sind mit zusätzlichen Ausgaben für die öffentlichen Haushalte verbunden. Auch im Umweltbereich ist es nicht schwer, ähnliche Beispiele zu finden. So vermindert der Einbau kostspieliger „redundanter" Sicherheitssysteme in Kernkraftwerken nicht nur die Gefahr einer Katastrophe mit Tausenden von Todesfällen, wie sie sich 1986 in Tschernobyl ereignet hat, sondern reduziert auch die Abgabe radioaktiver Strahlung, die die exponierte Bevölkerang einem erhöhten Risiko, an Leukämie zu erkranken, aussetzt. Aufwendige Filteranlagen zur Rückhaltung von Schwefeldioxid und anderen Schadstoffen aus Kohlekraftwerken verbessern die Luftqualität und senken damit u.a. das Risiko, an Atemwegsleiden zu erkranken. In allen genannten Anwendungsgebieten kann eine rationale Entscheidung der öffentlichen Instanzen nur dann getroffen werden, wenn eine umfassende und präzise Bewertung der mit einer Maßnahme verbundenen zukünftigen Vorteile (und gegebenenfalls Nachteile) vorgenommen wird, damit diese den Projekt- und Folgekosten gegenübergestellt werden können. Dabei leuchtet es sofort ein, dass eine derartige Kosten-Nutzen-Analyse die Entscheidungsbildung vor allem dann erleichtern kann, wenn die in die Berechnung eingehenden Größen kommensurabel sind, d.h. in einer gemeinsamen Recheneinheit ausgedrückt werden können. Da die Projektkosten generell in Geldeinheiten gemessen werden, erscheint es wünschenswert, auch alle Vorteile in Geldwerten auszudrücken. Dies gilt dann natürlich auch für die Verlängerung menschlichen Lebens oder die Verbesserung des Gesundheitszustandes, die mit der Realisierung eines Projekts verbunden sind.




