E-Book, Deutsch, Band 2, 379 Seiten
Reihe: Jersey Love
Bretton Das Glitzern der Wellen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-074-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Jersey Love, Band 2 - Cozy Romance am Meer
E-Book, Deutsch, Band 2, 379 Seiten
Reihe: Jersey Love
ISBN: 978-3-98690-074-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Barbara Bretton wurde 1950 in New York City geboren. 1982 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, dem bis heute 40 weitere folgten, die regelmäßig die Bestsellerlisten eroberten. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrer Familie in Princeton, New Jersey. Bei dotbooks veröffentlichte Barbara Bretton in ihrer »Shelter Rock Cove«-Reihe die Romane »Ein Traum für jeden Tag« und »Ein Sommer am Meer« (auch als Sammelband erhältlich). Ebenfalls bei dotbooks erscheint ihre »Candlelight Inn«-Reihe mit den Bänden »Liebeszauber« und »Hochzeitschaos«.
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Kapitel 2
»Lisa hat gesagt, du hast nicht angerufen.«
Conor leerte sein Whiskyglas und bedeutete dem Ober, ihm noch einen zu bringen. »Dräng mich nicht, Matt«, erwiderte er so freundlich wie möglich. »Ich hab nie gesagt, dass ich es tun würde.«
»Ich nahm an ...«
»Schon der erste Fehler.« Er brach ein Stück Grissini ab und steckte es in den Mund. »Annahmen bringen dich immer in Schwierigkeiten.«
»Du hast keine Ahnung, was dir entgeht. Sie ist gescheit. Schön. Sehr unterhaltsam.« Er trank seinen Wein aus. »Du machst einen Fehler.«
»Jetzt hör mir mal zu«, sagte Conor, nachdem ihm der Ober den Scotch hingestellt hatte. »Das klingt wirklich nach einem netten Mädchen. Warum triffst du dich nicht mit ihr?«
»Würde ich ja«, entgegnete Matt, »aber ich muss an meine Stellung denken. Ich kann nicht mit einer Angestellten ausgehen.«
Conor war im Begriff, darauf zu antworten, als sie in der Tür erschien. Nicht Lisa. Er kannte den Namen der Frau nicht. Sie trug dunkle Hosen, ein eisblaues Twinset und eine Perlenkette. Sonst keinen Schmuck, außer einer Armbanduhr mit einem dunklen Krokoband. Nichts an den Ohren oder Fingern. Ihre Schuhe hatten flache Absätze, und unter den rechten Arm hatte sie eine kleine, flache Handtasche geklemmt. Sie sah teuer aus, fand er. Wie jemand, der gewohnt war, zu bekommen, was er wollte, egal, was es kostete.
Der Oberkellner führte sie an Conors Tisch vorbei, und ein Hauch von Parfum erreichte seine Nase. Es war schwer, warm und fraulich. Fraulich, das war der Ausdruck, nach dem er gesucht hatte. Sie war zwar zierlich, aber sie hatte nichts Mädchenhaftes an sich. Ihr Auftreten war das einer Frau. Sie wirkte gelassen, kultiviert, perfekt bis auf die Spuren kleiner Fältchen, einem untrüglichen Zeichen für einen im Bett verbrachten Nachmittag.
Der Oberkellner entfernte das zweite Gedeck, womit klar war, dass sie allein speiste. Wo war der Kerl, mit dem sie den Nachmittag verbracht hatte? Sie machte nicht den Eindruck einer Frau, die sich im Casino Typen für ein Quickie auf dem Zimmer suchte. Doch er kannte sich in der menschlichen Natur gut genug aus, um zu wissen, dass zwischen dem, wie die Leute nach außen wirkten, und dem, wie sie tatsächlich tief im Innersten waren, oft ein gewaltiger Unterschied bestand. Wahrscheinlich schlief sie mit einem verheirateten Mann, vielleicht einem aus Philadelphia, der unbedingt inkognito bleiben wollte und mit dem der Sex gut genug war, um dafür in Kauf zu nehmen, alleine essen zu müssen.
»Ich kann herausfinden, wer sie ist.« Matt klang belustigt und etwas angesäuert. Er war das Nesthäkchen der Familie und immer noch der Überzeugung, ihm gebühre ungeteilte Aufmerksamkeit.
Conor warf ihm einen Blick zu und widmete sich dem Salatberg, der vor ihm stand.
»Oder du setzt deinen Hintern in Bewegung und sprichst sie an«, fuhr Matt unbeirrt fort.
»Halt die Klappe«, erwiderte er leichthin.
Matt schüttelte den Kopf. »Ich hoffe nur, ich werde nie zu alt, um einen Versuch zu wagen, wenn ich eine Frau sehe, die mir gefällt.«
»Du interpretierst da viel zu viel hinein.«
»Ich hab doch dein Gesicht gesehen, Brüderchen. Etwas an der Brünetten hat dein Blut in Wallung gebracht.«
Conor führte schweigend eine Gabel mit seltsam aussehenden Salatblättern zum Mund. Manchmal hätte er töten können für einen Teller Eisbergsalat mit Gorgonzola-Dressing. Matt hatte die Angewohnheit, zu sagen, was er dachte, wann immer er es dachte. Doch hin und wieder traf der Junge den Nagel auf den Kopf. Die Brünette hatte es ihm angetan. Er wollte alles über sie wissen: ihren Namen, ihre Telefonnummer, warum sie alleine aß, wieso diese großen blauen Augen aussahen, als stünden Tränen in ihnen, und warum ihn das, zum Teufel, überhaupt interessierte.
Warum hängten sie nicht über ihr einen Scheinwerfer und ein Schild auf mit dem Hinweis Single-Tisch? Maggy kam es so vor, als drehe sich jeder im Lokal nach ihr um, als der Ober das peinlich überflüssige Gedeck mitnahm.
»Darf ich Ihnen die Weinkarte bringen, gnädige Frau?«
Sie schüttelte den Kopf. Allein zu essen war schon schlimm genug. Allein zu trinken war jämmerlich. »Mineralwasser, bitte.«
Er nickte und zog sich zurück, wie ein Höfling der sich aus der Gegenwart seiner Königin entfernt. Sie hätte beinahe gelacht, doch dann fiel ihr ein, dass keiner da war, der mit ihr hätte lachen können, und daher verschanzte sie sich hinter ihrer Speisekarte. Nicht, dass sie nicht schon oft genug alleine gegessen hätte. Jeden Donnerstagabend bestellte sie sich ein Sandwich in dem Diner, der zwischen ihrer Arbeit und der Schule lag, und nie hatte sie sich unbehaglich gefühlt, wenn sie dort mit ihrem Roggen-Thunfisch-Sandwich saß und in ihrem Lehrbuch las. Der Cadillac Diner war natürlich auch nicht so aufgemacht wie ein Hotel für Hochzeitsreisende im alten Rom, mit Tanzfläche, servilen Kellnern und Musik. O Gott, diese Musik. Ihr war, als würde der Klavierspieler alle ihre Geheimnisse kennen. Sie hatte eine Schwäche für diese alten Stücke, schon immer. Sie liebte diese schmalzigen Verse, die von Romantik und Liebe handelten, von Augen, die sich in der Menge fanden und von »wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute«. All die albernen Dinge, von denen man als Heranwachsende geträumt hatte.
»Oh, verflixt«, flüsterte sie und blinzelte die Tränen weg. Wenn sie einen Zwanzigdollarschein in das Glas fürs Trinkgeld stecken würde, würde der Klavierspieler vielleicht aufhören, so auf ihre Tränendrüse drücken. Heute Abend fühlte sie sich viel zu verletzlich, zu ungeschützt hier in der Öffentlichkeit, um einfach so tun zu können, als machte es ihr nichts aus, allein zu sein.
Sie war oben eingenickt, während sie General Hospital ansah, und hätte das Abendessen bestimmt verschlafen, wenn nicht die Hausdame geläutet hätte, um zu fragen, ob sie einen Wunsch habe. Die Versuchung, sich mit einem Abendessen vom Zimmerservice hier oben zu verkriechen, war zwar groß, aber sie hatte schließlich Geburtstag, und ihre Schwestern wären am Boden zerstört gewesen, wenn sie ihr Geschenk nicht angenommen hätte. Sie gehörten zu der Sorte, die später Fragen stellte, und würden es Maggy übel nehmen, wenn sie nicht die passenden Antworten parat hätte.
Da saß sie nun, verloren inmitten verdrießlicher Paare mittleren Alters, einsamer grauhaariger Witwen, die die Lebensversicherung ihres Ehemannes ausgaben, und zwei Männern, die der Ähnlichkeit nach Brüder sein konnten. Der Ältere der beiden war ihr zuvor schon auf dem Parkplatz aufgefallen und dann noch mal, als sie eincheckte. Hübsch war er eigentlich nicht, mit seinem wirren Schopf und den kantigen Zügen, doch er hatte etwas so Verlässliches und Männliches an sich, dass sie ihn durchaus anziehend fand. Der Jüngere war die kleinere und nicht so ramponierte Ausgabe von ihm. Bestimmt waren es Brüder, dachte sie sich, während sie über den Rand ihrer Speisekarte lugte. Beide hatten den gleichen ungeduldigen Gesichtsausdruck, wie sie ihn von Claire und Ellie kannte, wenn sie einen schlechten Tag hatten.
Der Ältere von beiden sah hoch, und ihre Blicke trafen sich. Um seinen breiten Mund spielte das gleiche schiefe Lächeln, das ihr auch aufgefallen war, als er am Nachmittag am VIP-Empfang vorbeiging. Über dem Lächeln lag ein Schatten, der Schatten einer Sorge, die sie bis in die Knochen spüren konnte.
Ganz genau, dachte sie sich und klappte die Speisekarte zu. Das kommt von allzu viel Psychologiekursen. Sie wusste gar nichts von dem Mann, weder seinen Namen, noch seinen Beruf und nichts von seinem Leben, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde sich daran auch nichts ändern. Ein Mann schaute sie von Weitem an, und schon interpretierte sie alles Mögliche in sein Lächeln. Vergiss es, O’Brien. Bleib du bei dem, was du kennst: Fahrdienst, Supermarkt und Hypotheken. Überlass den Mann mit den traurigen Augen den Frauen, die darauf spezialisiert sind. Sie hatte doch sowieso schon alle Hände voll zu tun mit ihrem eigenen kleinen Jungen mit traurigen Augen und einem Teenager als Tochter, die wohl vergessen hatte, wie sehr sie früher ihre Mutter geliebt hatte.
Vielleicht würde sie eines Tages in der Lage sein, einem Mann in einem Restaurant zuzulächeln und abzuwarten, was geschehen würde, doch im Augenblick stand Romantik ganz unten auf der Liste ihrer Ziele.
»Sieht aus, als wärst du draußen«, bemerkte Matt, als die Brünette dem Ober die Speisekarte gab. »Hast ihr dein bestes Lächeln geschenkt. Entweder – oder, Bruder. Das sag ich dir schon seit Jahren.«
»Red erst wieder mit mir, wenn du alt genug bist, dich zweimal in der Woche zu rasieren«, erwiderte Conor und schob den Teller mit dem Salat beiseite. Plötzlich hatte er keinen Appetit mehr. »Ich brauche keinen Rat von einem vorlauten Jungen, den ich schon gewickelt habe.«
»Spar dir den Großer-Bruder-Schmus für Eddie oder Vince«, sagte Matt und winkte nach einer neuen Flasche Wein. »Das zieht bei mir nicht.« Er nahm ein Stück von dem flachen, gesalzenen Brot aus dem Korb, der zwischen ihnen stand. »Du hast überhaupt keinen Boden gut gemacht. Sie hat dich einfach auflaufen lassen.«
»Lass die Baseball-Metaphern«, antwortete er, gar nicht brüderlich, »und erzähl mir, wie es Sean ging, als du ihn besucht hast.« Sein Sohn war neunzehn, dank eines Footballstipendiums im ersten Semester auf der UCLA, und der Grund dafür, dass Conor einer geregelten Arbeit nachging. Sean war ein großer, hochgewachsener, kräftiger Junge mit viel Verstand und noch mehr Herz, und jedes Mal, wenn Conor sich fragte, was zum Teufel er auf dieser Welt...




