E-Book, Deutsch, Band 2, 499 Seiten
Reihe: Candlelight Inn
Bretton Candlelight Inn - Herzchaos
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96655-623-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Band 2 der romantischen Kleinstadtreihe um ein Bed & Breakfast am Meer
E-Book, Deutsch, Band 2, 499 Seiten
Reihe: Candlelight Inn
ISBN: 978-3-96655-623-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Barbara Bretton wurde 1950 in New York City geboren. 1982 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, dem bis heute 40 weitere folgten, die regelmäßig die Bestsellerlisten eroberten. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Sie lebt mit ihrer Familie in Princeton, New Jersey. Bei dotbooks veröffentlichte Barbara Bretton in ihrer »Shelter Rock Cove«-Reihe die Romane »Ein Traum für jeden Tag« und »Ein Sommer am Meer« (auch als Sammelband erhältlich). Ebenfalls bei dotbooks erscheint ihre »Candlelight Inn«-Reihe mit den Bänden »Liebeszauber« und »Hochzeitschaos«.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Paradise Point, New Jersey
Drei Wochen auf den Tag, nachdem Maddy Bainbridge ihre Verlobung mit Aidan O’Malley bekannt gegeben hatte, fand sie sich halb entkleidet und unter Kuratel in der Brautmodenabteilung von Saks in Short Hills wieder, im Kreise der Ihren und dem ihrer zukünftigen Schwiegerfamilie sowie einer PBS-Produktionsassistentin vom örtlichen Rundfunksender namens Crystal, deren Tattoos nur noch durch die Anzahl ihrer Piercings übertroffen wurde.
Ihre Mutter hatte erklärt, sie wolle sie anlässlich der bevorstehenden Hochzeit zum Essen ausführen, zu einem tollen, lustigen Treffen von Familie und Freunden, um sie alle an der guten Neuigkeit teilhaben zu lassen. Ihr Gaumen hatte sich schon ganz auf diese sagenhaften Hühnchen-Burritos der Casa Mexicana in Spring Lake eingestellt, und sie war völlig entgeistert, als sie an der Ausfahrt vorbei und weiter in Richtung Norden fuhren. Bei der Aussicht auf einen dieser grässlichen Spa-Lunches … drei Salatblätter an einer Kirschtomate, begleitet von schlechtem Gewissen … wünschte sie, sie hätte zusätzlich zur derzeitigen Lieblingsbarbie ihrer Tochter Hannah noch eine Tüte Chips in ihre Handtasche gesteckt.
Wie sich allerdings herausstellte, wäre ein Spa-Lunch noch wesentlich besser gewesen als das, was ihre Mutter tatsächlich beabsichtigte.
»Wo bringt sie meine Kleider hin?«, begehrte Maddy auf, als eine mordsmäßig herausgeputzte Mitarbeiterin des Bekleidungshauses mit ihrem Lieblingsbaumwollpulli und den Jeans verschwand.
»Reg dich nicht auf«, sagte Rose DiFalco zu ihrer Tochter. »Das ist die einzige Möglichkeit, dich daran zu hindern, die Flucht zu ergreifen.«
Ihre modebewusste Tante Lucy ließ ihren kritischen Blick über Maddys nahezu nackte Gestalt streifen. »Kennt Aidan diese Unterwäsche?«, fragte sie, und die versammelten Tanten, Cousinen und zukünftigen Anverwandten brachen in Gelächter aus. Crystal, die Produktionsassistentin, stand an der Tür und gab sich redliche Mühe, nicht aufzufallen, was ihr, angesichts der Szene aus Herr der Ringe, die der Länge nach auf ihren rechten Arm tätowiert war, nicht so recht glücken wollte.
»Dreh dich mal um«, verlangte Cousine Gina von Maddy. »Ich würde gerne sehen, ob auf deinem Hinterteil ›Montag‹ eingestickt ist.«
Der Traum, den sie kürzlich hatte – der, in dem sie nackt in einem Laden stand –, kam ihr nun ziemlich voraussehend vor. Wieso sie auf einem mit rosa Velours bezogenen Podest vor ihren nächsten und liebsten – und zukünftigen – Anverwandten stand – bekleidet mit einem baumwollenen Slip und einem BH aus vorsintflutlicher Epoche, konnte selbst ein Gelehrter des Talmud nicht beantworten.
Sie war eine erwachsene Frau. Sie hatte ein Kind. Sie hatte einen Abschluss von einer angesehenen Universität. Sie hatte es geschafft, Arbeit und Liebesleben in Einklang zu bringen mit den beiden nicht minder anspruchsvollen Aufgaben, Tochter und Mutter zu sein, doch von dem Augenblick an, als sie Aidan ihr Jawort gegeben hatte, schien es, als hätte sie die Kontrolle über ihr Leben einer allumfassenden Macht, Hochzeit genannt, überantwortet.
Die Fragen nahmen kein Ende. Wie viele Brautjungfern? (Vergiss deine Cousinen nicht, Maddy.) Kirche oder Hotel? (Was ist verkehrt am Candlelight?) Lassen wir das Essen kommen, oder machen wir ein gehobenes Buffet? (Sollten wir nicht Tante Lucy fragen, ob sie den Kuchen bäckt?) Eine Band hier aus dem Ort oder ein Orchester aus der Stadt? (Willst du denn nicht deinen Cousin Benny bitten, bei deiner Hochzeit zu singen?) Langes Kleid mit kurzer Schleppe oder kurzes Kleid mit langer Schleppe oder eine noch nie dagewesene Kombination aus allem? Man musste sich Gedanken über die Blumen und das Menü machen, über die Sitzordnung und darüber, wie die gedruckten Einladungen aussehen sollten, doch egal, was man machte, man durfte auf keinen Fall zulassen, dass die Familie sich in die Frisur, das Make-up oder das Wachsen der Bikinizone à la Brazil der zukünftigen Braut einmischten.
Als Gina sie fragte, ob sie registriert sei, dauerte es eine Sekunde, bis Maddy begriff, dass es um die Hochzeitsgeschenke ging und nicht um die Amerikanische Hundezüchtervereinigung.
Sekunden, nachdem sie von den Hochzeitsplänen ihrer Tochter erfahren hatte, war Rose bereits telefonisch mit einer Unzahl von Informationsquellen verbunden, um sich Bands anzuhören, um Besichtigungstermine für Ballsäle auszumachen und um sich mit ihrer Schwester Lucy wegen der absolut vorrangigen Frage des Kleides zu besprechen.
In der Regel war Maddy höchst zufrieden, das Radarsystem ihrer Mutter zu unterfliegen, doch allmählich fühlte sie sich als Gast auf ihrer eigenen Hochzeit.
Wieso klärte einen niemand darüber auf, dass es der leichtere Teil der Geschichte war, seinen Seelenfreund zu finden?
Sich in Aidan zu verlieben war so einfach gewesen wie zu atmen. Gerade war sie noch durchs Leben gegangen, bestrebt, die bestmögliche Mutter zu sein, und im nächsten Moment schwebte sie irgendwo im siebten Himmel, wahnsinnig verliebt, und träumte von einem mit Rosen überwucherten Häuschen und einer Satellitenschüssel auf dem Dach. So wie sie es sich vorstellte, vollzog sich der Übergang von Verlöbnis zu Hochzeit nahezu unmerklich, mit höchstens ein paar wohlgesetzten Worten in einer kleinen Kirche, während eine Handvoll ihrer Nächsten und Liebsten sich die Augen abtupften und ihr Glück wünschten.
Pustekuchen. Ihre eigene Sippschaft hatte nicht die leiseste Ahnung von ihren Gedanken. Zusammengenommen waren Großmutter Fays Mädchen sechzehnmal den Gang zum Altar entlanggeschritten, was ganze sechzehn Verlobungsessen, sechzehn Brautpartys, sechzehn Einkaufstouren zu jedem größeren Hochzeitsausstatter im Dreiländereck und sechzehn Hochzeitsempfänge mit Lachen und Musik bedeutete und dem Versprechen, dass es diesmal für ewig sein würde.
Das Problem war nur, es hielt nie ewig. Es trat sogar einmal der denkwürdige Umstand ein, dass die Ehe kaum die Hochzeitsfeierlichkeiten überdauerte. Als Tante Toni das Messer ergriff, um die sechsstöckige Hochzeitstorte von Weinstock anzuschneiden, hörte man, wie dreihundert geladene Gäste den Atem anhielten und beteten, der Bräutigam möge keine falsche Bewegung machen.
Sie überlegte, ob wohl jemand auf die Idee kommen würde, diese Anekdote Peter Lassiter, dem Historiker und Journalisten, zu erzählen, der zurzeit Geschichten aus Paradise Points Vergangenheit für eine Dokumentation über New Jerseys Küstenstädte zusammentrug. Im selben Moment, als Lassiter erfuhr, dass eine DiFalco einen O’Malley heiraten würde, begann seine journalistische Vorstellungskraft auf Hochtouren zu laufen, und er wob seine Chronik rund um die bevorstehende Hochzeit. Die beiden ältesten Familien der Stadt, deren Unternehmen das nördliche und das südliche Ende von Paradise Point bildeten, beabsichtigten, sich vor Mensch und Gott und einigen von PBS besten Kameraleuten zu vereinen. Maddy hatte ein paar Vorgespräche mit Lassiters Untergebenen über sich ergehen lassen, lange und mühsame Frage-und-Antwort-Sitzungen, die Einzelheiten zutage förderten, die nicht einmal ihre eigene Mutter interessant fand. Aidan, den man nicht immer als den umgänglichsten Mann in der Stadt bezeichnen konnte, hatte es bis zur Hälfte seines ersten Interviews geschafft, ehe er die Sache auf eine etwas heftige Art beendete.
»Ich wette, das kommt auch in die Dokumentation«, hatte sie ihn wegen seiner nicht druckreifen Antwort geneckt. Ein Vorgespräch hatte schon in seiner alten Feuerwache stattgefunden, mehr dem Andenken seines toten Bruders geschuldet, als dem Wunsch, sein Gesicht von einer Kamera abgelichtet zu sehen. Sie konnte ihm nicht verübeln, dass er sich nicht erneut einem ausführlichen Gespräch über den Lagerhausbrand aussetzen wollte, der seinen Bruder vor etwa drei Jahren das Leben gekostet hatte. Aidan, der schwer verletzt worden war, war – eine Woche nach Billys Beerdigung – in seinem Krankenhauszimmer für seine Tapferkeit bei der Bekämpfung des Feuers mit einer Feier geehrt worden, ein Umstand, den sie erst von Claire erfahren hatte.
Die Familien O’Malley und DiFalco hatten sich in den frühen Zwanzigerjahren in Paradise Point niedergelassen, Einwandererfamilien, deren einziger Pluspunkt war, dass sie nichts mehr zu verlieren hatten. Nach jahrzehntelangen Anstrengungen konnten beide Familien endlich die Früchte von achtzig Jahren mühevoller Arbeit ernten. Die Stadt war damals noch keine Stadt, sondern nur ein Streifen Sand und Hoffnung mit ein paar baufälligen viktorianischen Häusern mit Blick auf den Strand, eine Erinnerung an bessere Zeiten.
Unter Aidans Führung strebte O’Malley’s Bar and Grill mit Riesenschritten ins einundzwanzigste Jahrhundert und hatte seit Menschengedenken zum ersten Mal ein Quartal mit Gewinn verbucht.
Doch dieser Erfolg war gar nichts, verglichen mit dem, was Maddys Mutter Rose absahnte, seitdem sie die heruntergekommene Pension ihrer verstorbenen Mutter Fay in das bestbesuchte Bed and Breakfast an der Ostküste verwandelt hatte. Es war sogar schon die Rede davon gewesen, die Frühstückspension nebenan zu kaufen und sie auf den Stand des Candle-light zu bringen, doch bis jetzt hatte Rose diesbezüglich noch nichts unternommen. Maddy war davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit sei. Fürs Geldverdienen hatte ihre Mutter ein Händchen.
Von all den DiFalco-Cousinen war es nur Maddy gelungen, dreißig zu werden, ohne eine Scheidung hinter sich zu haben. »Du brauchst gar nicht so selbstgefällig dreinzuschauen«, hatte ihr ihre Cousine Gina letzte Woche im O’Malley’s bei Nachos und Margaritas vorgeworfen. »Das liegt nur daran,...




