E-Book, Deutsch, 278 Seiten
Brendt Task Force
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95516-008-1
Verlag: Porcupine Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 278 Seiten
ISBN: 978-3-95516-008-1
Verlag: Porcupine Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Tief unter der Oberfläche des Atlantiks beginnt es zu brodeln und es dauert nicht lange, bis die seismischen Sensorketten am Grund des Ozeans ein bedrohliches Bild zeichnen: Werden die Küsten Europas und Amerikas möglicherweise demnächst Opfer eines Tsunamis gegen den sich die Katastrophen im Pazifik ausnehmen wie ein Kinderspiel? Oder hat vielleicht einfach jemand etwas manipuliert? Aber wenn, zu welchem Zweck? Als die Sensoren am Grund des Atlantik nahe der Azoren eine deutliche Erwärmung des Wassers und seismische Aktivität melden, gehen bei der NOAA die Warnlampen an. Denn es handelt sich um das geologisch wahrscheinlich instabilste Gebiet im ganzen Atlantik und darüber hängt auch gleich ein ganzer Berg, bereit in die See zu stürzen, sollte einer der unterseeischen Vulkane auch nur niesen. Global gesehen sind die Vulkane das kleinere Problem, aber wenn ein Berg in die See stürzt, dann kann er, eventuell noch verstärkt durch Seebeben, die fürchterlichste aller Naturkatastrophen auslösen: Einen Tsunami noch nie gesehenen Ausmaßes der vielleicht demnächst über die Küsten Europas und Nordamerikans rollen wird. Nur dann mehren sich die Anzeichen, jemand hat vielleicht etwas manipuliert. Aber wie, und zu welchem Zweck? Admiral Robert DiAngelo ist der Mann, den man im Zweifelsfall losschicken würde um nachzusehen. Nur hat der in seiner Krisenreaktionsgruppe nach Budgetkürzungen nicht mehr genug U-Boote und so kommt es zu einer Mitwirkung der Royal Navy, zu einer gemeinsamen Task Force um herauszufinden, was sich am Grunde des Atlantik wirklich abspielt. Es ist eine Reise in eine Welt fernab allem, was Menschen normalerweise zu Gesicht bekommen – und es ist eine gefährliche Reise als sich herausstellt, dass sich ein paar ausgesprochen hässliche Geister der Vergangenheit aus ihren Gräbern erhoben haben und nun unter anderem hinter DiAngelos TASK FORCE her sind!
Autoren/Hrsg.
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Prolog
Der Strand südlich des Hafens war wie üblich übersät mit Treibholz, Muscheln und Abfällen aller Art. Kein schöner Strand, aber für die Kinder und Jugendlichen, die hier spielten oder anderen Vergnügungen nachgingen, ein auf eine für Erwachsene unerklärliche Art aufregender Strand. Man wusste nie, was man finden würde. Vor allem nicht nach einigen Tagen Sturm. Wajima war keine große Stadt, etwa fünfundzwanzigtausend Einwohner, und die Stadt selbst existierte offiziell erst seit 1954. Ein Ergebnis großer Volksbewegungen innerhalb Japans, die mit dem Aufleben der Wirtschaft nach dem Krieg zusammenhing. Aber besiedelt war das Gebiet auf der Noto-Halbinsel schon seit langer Zeit. Wajima-Nun, so wurden die wertvollen, kunstvoll lackierten Schreine genannt, die hier seit mindestens dem 14.Jahrhundert produziert wurden und die immer noch eine Art Aushängeschild für das örtliche Kunsthandwerk darstellten. Aber genauso, wie die Besonderheit Wajimas mit dieser besonderen Lackierungstechnik begann, so endete sie auch schon wieder. Nach allen anderen Maßstäben lag Wajima abseits des richtigen Lebens. Eine kleine Stadt, gefüllt mit modernen, aber fantasielosen Gebäuden, einer amerikanischen Abhörstation, die angeblich den Funkverkehr der Chinesen in der japanischen See erfasste, Geschäften und sehr viel Fischereiindustrie. Der Hafen war voll von Fischerbooten, aber nur selten verirrte sich ein größeres Schiff nach Wajima. Doch trotz aller Normalität, es gab etwas, dass die Einwohner Wajimas mit keiner anderen Stadt Japans teilten. Östlich der Stadt erhoben sich die Hügel mit den ausgedehnten Reisterassen und westlich der Stadt und des anschließenden Strandes erstreckte sich das japanische Meer. Wer sich die Mühe machte, bis in die Reisterassen zu wandern und dort auf den Sonnenaufgang zu warten, der wurde mit einem einmaligen Blick belohnt. Denn die Sonne ging hinter den Hügeln auf. Minutenlang zeigte sich nur hinter den Spitzen ein rotes Glühen, unirdisch in seiner Erscheinung. Dann, ganz plötzlich, fiel der erste Lichtschein über die Reisterassen, über die Stadt und bis auf das Meer. Von einem Augenblick zum anderen erstrahlte die weite Wasserfläche in einem flammend roten Licht, reflektiert von Millionen kleiner Wellen. Als hätte jemand das Meer in Brand gesetzt. Die Gruppe Jugendlicher hatte sich bereits vor Stunden auf den Weg gemacht. Jeder von ihnen hatte das Schauspiel bereits gelegentlich gesehen, aber es war einer Wiederholung wert. Vierzehn, fünfzehn oder sechzehn Jahre alt. In anderen Teilen der Welt wären sie noch als Kinder betrachtet worden. In Japan jedoch hatten Jungs dieses Alters im Krieg kämpfen und sterben müssen. Es war etwas, dass die Kultur Japans unterschwellig für immer verändert hatte, und die kleine Gruppe, die am frühen Morgen in die Reisfelder gezogen war, fühlte sich nicht mehr als Kinder. Aber irgendwie auch noch nicht als erwachsen. Es war ein seltsamer Schwebezustand, der in dieser Weise nur im Japan Mitte der achtziger Jahre möglich war. Andere Jungendliche in anderen Teilen der Welt pubertierten auch fleißig, rebellierten gegen die Welt, die ihre Eltern erschaffen hatten und erwiesen sich für jede der älteren Generationen genauso als ein permanenter Schmerz im Gesäß wie in Japan. Trotzdem, es war etwas anders. Eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen einer uralten Kultur, die sich erfolgreich den neuen Prinzipien einer veränderten Weltordnung und den damit verbundenen Gefahren gestellt hatte, und dem Null-Bock-Prinzip, das sich aus der westlichen Welt bis nach Japan ausgebreitet hatte. Der Zusammenprall eines erwachsenen Zynismus mit einer immer noch kindlichen Fantasie, entzündet an den Vorstellungen von Ehre und Ehrlichkeit, Loyalität und Ritterlichkeit des alten Japan — nicht obwohl , sondern weil die Kinder in der Schule lernten, das alles war falsch. Aber der Ausflug hatte sich als ein Fehler erwiesen. An diesem Tag hatte die Japan-See nicht weit, rot spiegelnd wie flüssiges Feuer vor ihnen gelegen. Stattdessen hatten sich Dunstschwaden über der See ausgebreitet, die sich immer näher an die Halbinsel herangeschoben hatte, mit jeder Minute, die die Jugendlichen hinaus gestarrt hatten. Endlich, nach einer ganzen Weile, hatten sie es aufgegeben und waren wieder an den Strand hinabgezogen, zu einer kleinen Bretterhütte, nicht weit von der Abhörstation. Eine Art von Clubheim, ein Ort, der nicht schön war, nicht bequem, der eigentlich nur eine wichtige Voraussetzung erfüllte: Er war nicht daheim bei den Eltern. Einer der Teenager, ein stämmiger Fischersohn, führte das Wort. Er tat es nicht laut, aber die anderen beugten sich seiner Autorität. Jedenfalls meistens. Wenn es jemenden in der Gruppe gab, der ihm das Recht zu führen, hätte streitig machen können, dann wäre es ein hochaufgeschossener Junge gewesen, dessen hellere Hautfarbe auffällig vom Rest der Gruppe abstach. Doch Mark Callhoun, der Sohn eines der amerikanischen Offiziere der Station, und Akihiro Fujimoto, Sohn eines Fischers, das war trotz unterschiedlicher Rasse und Herkunft so etwas wie ein Geschwisterpaar im besten Sinne des Wortes. In den vergangenen sechs Jahren hatte es ein einziges Mal böse Worte zwischen ihnen gegeben, als Mark mit Akihiros Schwester Keiko geschlafen hatte. Aber alleine schon die Tatsache, dass sein Vater sich noch mehr darüber aufregte, dass Keiko einen amerikanischen Freund hatte, war ausreichend gewesen um Akihiro wieder bedingungslos an die Seite seines Freundes Mark zu bringen. Und außerdem war das bereits ein Jahr her und Keiko und Mark waren immer noch zusammen, also war es vielleicht doch nicht so falsch gewesen. Wer in diesem Alter konnte das schon so sicher sagen? Mark stand am Strand und betrachtete die winzigen Wellen, die bis dicht vor die Spitzen seiner Turnschuhe über den Strand liefen. Vieles änderte sich, es gab vieles zu bedenken. Er war sechzehn, inzwischen fast siebzehn, sein Vater wollte ihn zurück in die Staaten schicken, um dort seinen Highschoolabschluss zu machen, oder, diese Alternative hatte der alte Eisenfresser seinem Sohn offen gelassen, auf die Naval Academy zu gehen. Nur Mark wollte nicht gehen, nicht seine Freunde verlassen, nicht Japan verlassen, in dem er den größten Teil seiner Jugend zugebracht hatte und erst recht wollte er Keiko nicht verlassen. »Mark, kommst du?« Er wandte sich nicht um. »Einen Augenblick noch.« Er starrte hinaus in die wallenden Nebelschwaden. »Hast du das Meer jemals so gesehen?« Keiko trat neben ihn und wie selbstverständlich suchte ihre linke seine rechte Hand. Zusammen blickten sie hinaus auf den schmalen Steifen Sand, bedeckt mit Muscheln, Meerespflanzen und allerlei Unrat, der sich vor ihnen erstreckte. »Nebel im Sommer ist selten. Aber es kommt vor.« »Trotzdem, irgendwie seltsam. Ich ...« Mark brach ab und starrte auf seine Füße. Das Wasser war verschwunden. »Was zur Hölle? Wo ist ...« Auch Keiko blickte verdutzt auf den Sand, wo Augenblicke zuvor noch ein schmaler Wasserstreifen gewesen war. Ihre großen dunklen Augen verrieten ihre plötzliche Angst. »Was ist das?« Aber es war zu spät für Fragen. Ein plötzlicher Windstoß fegte den Nebel zur Seite, wie ein Vorhang und Marks Gesicht verzerrte sich, als er die funkle Form wahrnahm, die auf sie zurollte. Lang, so lang, dass er keine Ende erkennen konnte und so hoch wie ein mehrstöckiges Gebäude. Der junge Mann konnte seinen Augen kaum trauen. Er musste die Worte gewaltsam aus seiner Kehle pressen. »Renn!« Und noch einmal lauter. »Renn!« Er zog sie an der Hand mit sich. Hinter ihnen wurde grollte ein lautes Donnern. Ein Schlag traf sie, dann war überall um sie herum nur noch Wasser. Salziges, kaltes Wasser, dass drohte, sie zu ersäufen. Mark spürte, wie die kleine Hand in seiner Rechten ihm zu entgleiten drohte, und griff fester zu. Die Welle wirbelte sie zusammen herum wie ein loses Blatt und er wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Feurige Ringe explodierten vor seinen Augen und er begriff, dass er bald nach Luft schnappen würde, wo keine war. Er würde ertrinken, hier und jetzt und mit ihm würde Keiko ertrinken. Der Gedanke verlieh ihm eine verzweifelte Kraft und mit wilden Beinstößen versuchte er, sich dahin zu arbeiten, wo er »oben« vermutete, nur, dass diese Richtung jeden Augenblick woanders war. Er wusste, es war ein aussichtsloser Kampf, den er vielleicht noch Sekunden durchhalten würde und in seiner Rechten spürte er, wie Keikos Griff schwächer wurde. Sie würden ertrinken. Als der Aufprall kam, als die Riesenwelle sie gegen die Reste der Radarstation, beinahe eine Meile entfernt vom Strand, an dem sie erfasst worden waren, warf, war Mark bereits halb bewusstlos. Hart schlug er gegen einen Stahlmast und mehrere Rippen brachen. Die inzwischen schlaffe Hand des Mädchens, die...




