E-Book, Deutsch, 247 Seiten
Brendt Devil's Sea
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-943797-99-2
Verlag: Porcupine Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 247 Seiten
ISBN: 978-3-943797-99-2
Verlag: Porcupine Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Teufelssee, das Dreieck des Drachen liegt, vom Bermudadreieck aus gesehen, genau auf der anderen Seite der Welt. Und natürlich gibt es auch für dieses Seegebiet genügend Gerüchte über verschwundene Schiffe, Außerirdische und, eine besondere Zugabe der asiatischen Gewässern, einen schlafenden Drachen am Meeresgrund. Nichts, worüber man sicher ernsthaft aufregen würde. Bis sich im Rahmen eines Routineberichts herausstellt, dass dort wirklich Schiffe verschwinden. Simple Piraterie? Unwahrscheinlich, denn niemand hat versucht, die Schiffe gegen ein Lösegeld zurückzugeben. Was also geschieht dort, nicht weit von Japans Küsten entfernt? Konteradmiral DiAngelo und die Crew der USS Missouri werden losgeschickt, isch einma am Meeresgrund umzusehen. Nicht wegen des Drachen, die US Navy glaubt nicht wirklich an Drachen. Sondern um festzustellen, ob wirklich so viele Wracks am Grund der See ruhen. Doch dann stellt sich heraus, die verschwundenen Schiffe sind lediglich ein Köder, die wahre Beute ist die Missouri in einem Spiel um die Macht …
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1.Kapitel
1.Tag 20:00 Ortszeit, 11:00 Zulu — Narita International, Tokio
William Boulden lehnte sich in einem der bequemen Ledersitze zurück und schloss für einen Augenblick die Augen. Die Boeing 777VIP rollte bereits in Richtung Startbahn und es war nicht damit zu rechnen, dass jemand sie lange auf die Freigabe warten lassen würde. Auch wenn das hier kein offizieller Staatsbesuch gewesen war, hatten die Japaner ihm alle Höflichkeiten erwiesen, die technisch möglich waren. Sie würden ihn hier nicht auf dem Taxiway herumstehen lassen. Boulden öffnete wieder die Augen, als er eine Bewegung hörte. Eine der Stewardessen ging durch den Gang und warf ihm einen prüfenden Blick zu. Er hob die Arme und sie konnte den geschlossenen Gurt sehen. Mit einem kurzen professionellen Lächeln ging sie weiter. »Sie sehen müde aus.« Boulden wandte den Kopf zur Seite. »Ich bin müde!« Aber trotzdem studierte er das Gesicht auf der anderen Seite des Ganges. Virginia Hudson, soweit er wusste, war sie ein- oder zweiundvierzig Jahre alt, aber sie ging immer noch als erste Hälfte dreißig durch. Eitel, intelligent und, er lächelte nachdenklich, politisch gefährlich. Wenn sie es nicht wäre, hätte er vielleicht etwas versucht, aber Mrs. Hudson gehörte zum erweiterten Stab des Außenministeriums. Hillary's Girl. Für einen Augenblick fragte er sich, ob sie ihn im Geiste als Obama's Boy bezeichnen würde. Wahrscheinlich nicht. Es kostete ihn Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. Präsident Obama hatte einige wenige aus der alten Administration übernommen. »Die Fossile«, wie man es in Kreisen seiner Parteifreunde ausdrückte. »Es war ein ziemlich umfangreiches Programm.« Mrs. Hudson verzog das Gesicht. »Sagen Sie mir eines, Sie haben dieses Seafood-Buffet wirklich gegessen?« Wieder eine Erinnerung, die in Bouldens Hirn aufblitzte. Wirtschaftsministerium, ein Haufen Wirtschaftsbosse und Politiker und ein Buffet voller Meeresfrüchte und Fisch. Nicht ungewöhnlich in Japan. Er war unter den letzten vier Präsidenten etliche Dutzend Male in Tokio gewesen, die Japaner hatten wahrscheinlich ein Dossier über ihn, das etwa Lexikonausmaßen entsprach. Man kannte einander seit Jahren. Wieder musste er sich zusammennehmen. Die Japaner hatten gewusst, dass er japanisches Essen zu schätzen wusste. Mrs. Hudson hatte die Zeichen nur nicht erkannt. »Wenn du in Rom bist, tu es wie die Römer.« Er lehnte sich etwas zurück. »In Tokio wie die Japaner, natürlich.« »Sie sind ein mutigerer Mann als ich.« Boulden blickte verdutzt zu Virginia hinüber. »Err ... na ja?« »Jetzt habe ich Sie aus dem Konzept gebracht, William.« Sie lachte perlend auf. »Das geschieht selten?« »Viel zu oft.« Er lächelte höflich. »Was werden Sie im Außenministerium berichten?« Ihr Lächeln glich einer Sphinx. »Das fragen Sie mich? Ich könnte ihnen alles Mögliche erzählen. Die ganze Welt weiß, dass wir in zwei verschiedenen Teilen des politischen Spektrums leben.« »Und?« Sie schüttelte den Kopf. »Das Verhältnis zu Japan ist gut aber nicht ganz ohne kleine Spannungen. Die Japaner sind aus vielen Gründen nervös. Es gibt im Land etwas politischen Widerstand, weil wir einen atomgetriebenen Träger dort stationiert haben, die Wirtschaft stagniert und viele behaupten, das sei eine Folge der Wirtschaftspolitik der letzten Administration in den Staaten. Deswegen erwarten die Japaner ein Entgegenkommen.« Virginia wartete einen Augenblick. »Und was werden Sie dem Präsidenten berichten?« Boulden runzelte die Stirn. Sie hatte im Grunde bereits ihre Interpretation mit eingeflochten als sei es eine Tatsache. Die Japaner hatten wie der Rest der Welt eine Überproduktionskrise in allen Bereichen. Und wie der Rest der Welt erwarteten sie, das Amerika ihnen da wieder raus half. Aber was Virginia Hudson erwähnt hatte, war alles am Problem vorbei und sie wusste es. »Die Japaner sind nervös.« »Sie sind nervös? Das ist alles?« Er nickte. »Sie sind nervös. Ein Verrückter hat einen Raketentest durchgeführt und eine Rakete direkt über ihr Land gefeuert, nicht zum ersten Mal. Der Verrückte hat außerdem ein Atomwaffenarsenal, und in jeder anderen Hinsicht steht ihm das Wasser bis zum Hals. Die Japaner sind nervös.« »Oh mein Gott, Ihr Konservativen mit euren ständigen Bedrohungsszenarien.« Mrs. Hudson lachte wieder auf und dieses Mal klang es wirklich amüsiert. »Ich sehe kein Problem mit Nordkorea, das wir nicht am Verhandlungstisch lösen könnten. Natürlich ist es nicht hilfreich, dass Sie den Staatspräsidenten als Verrückten bezeichnen.« »Nein.« Er wandte den Kopf ab und blickte aus dem Fenster. »Nein, ist es wahrscheinlich nicht.« Die Maschine schwenkte auf die Startbahn und kam zum Halt. Unwillkürlich sah er auf die Uhr. Als die Triebwerke aufheulten und die 777 zum Startmanöver wieder anrollte, waren nicht ganz dreißig Sekunden vergangen. William Boulden fuhr die Rückenlehne endgültig nach hinten. Er hatte Recht gehabt, in mehr als einer Hinsicht. Aber er war müde.
1.Tag 22:15 Ortszeit, 13:15 Zulu — Japanischer Zerstörer Shimakaze, etwa 150 Seemeilen nordwestlich von Ane-Jima, Bonin-Inseln.
Bekanntlich hatte Japan den zweiten Weltkrieg verloren. Nicht ganz alleine, natürlich nicht. Aber in der Folge hatte Japan auf das Recht zur Kriegsführung, auch defensiver Natur, in seiner Verfassung verzichtet. Eigentlich gab es also gar keine japanischen Streitkräfte, es gab keine japanische Marine und es gab genauso wenig eine japanische Luftwaffe. Das also gar nicht existierende U-Jagdflugzeug der japanischen nicht existierenden Luftwaffe sandte ein paar kurze Morsezeichen an den ebenfalls nicht existenten Lenkwaffenzerstörer. Kapitän zur See Chichi Nagumo, Kommandant des nicht existierenden Kriegsschiffes, das nebenbei eine der kampfstärksten Einheiten unter allen Marinen in den asiatischen Gewässern darstellte, las die Meldung laut mit. »Nichts.« »Wieder nichts.« Der erste Offizier klang mehr gelangweilt als erbost. »Irgendwo muss doch etwas sein.« Nagumo wandte sich zu seinem Stellvertreter um. »Es muss, nur finden müssen wir es erst einmal.« »Das Hauptquartier hat uns mitgeteilt, das Schiff ist die Haruna No.2. Ein Frachter von über elftausend Tonnen, Kapitän. Schiffe dieser Größe verschwinden nicht spurlos.« Der Kapitän schüttelte abwesend den Kopf. »Es sind schon viel größere Schiffe spurlos verschwunden. Irgendwann kommt einer auf den richtigen Dreh und findet dann das Wrack. Wieder ein Rätsel gelöst.« Er zuckte mit den Schultern. »Nur dauert es manchmal Jahre, bis jemand auf den richtigen Dreh kommt. Die Briten haben vierzehn Jahre gebraucht um die Derbyshire zu finden.« »Derbyshire? Nie davon gehört, Kapitän.« »Ein britischer Frachter. Ist mit Mann und Maus 1980 gesunken. Alles ist so schnell gegangen, dass die Leute nichtmal mehr dazu kamen, einen Notruf abzusetzen. Als das Schiff überfällig gemeldet wurde, haben wir Tausende von Quadratmeilen abgesucht. Hubschrauber, Schiffe. Japaner, Amerikaner, Australier, sogar die Chinesen haben geholfen. Nichts.« Der Erste sah seinen Kommandanten interessiert an. »Sie waren dabei?« »Gerade Oberleutnant.« Nagumo lächelte flüchtig bei der Erinnerung. »Es war wie heute, nur etwas mehr Seegang. Wie gesagt, wir haben nichts gefunden.« »Aber die Briten haben irgendwann das Wrack entdeckt?« »Ich habe in der Zeitung davon gelesen. Eine private Expedition, das war 1994.« Der Kapitän blickte hinaus auf die endlose See. »Vierzehn Jahre später. Es kommt vor.«
1.Tag 11:00 Ortszeit, 16:00 Zulu — Norfolk. Virginia
»Eigentlich lautete die Frage, wie Sie mit Ihrem Boot zufrieden sind.« Bob DiAngelo studierte angelegentlich einen kleinen Flyer auf seinem Schreibtisch. »Und ob wir zum Lunch dieses neue Sushi Restaurant...




