Breitenöder | Muschelherz und Sommerwind | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Breitenöder Muschelherz und Sommerwind


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-15260-4
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-641-15260-4
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Mädchenroman, so leicht wie der Sommer

Ann hat sich ihren ersten elternlosen Urlaub an der Nordsee eigentlich anders vorgestellt: Erst wird sie von ihrer besten Freundin versetzt, dann landet sie in einem Ferienlager auf einem kleinen Bauernhof. Gummistiefel statt Pferderomantik! Auf dem Karolinenhof freundet sich Ann schnell mit den anderen Mädchen und der verrückten Henne Gretel an, die sich als gute Beraterin in allen Lebenslagen erweist. Und dann ist da noch Justin, der Ann völlig aus dem Konzept bringt. Schließlich sind die romantischen Gänseblümchensträuße, die sie überall findet, von ihm, oder?
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2

Mina sprang vor mir aus dem Auto und schnupperte. »Hmmm! Gute Landluft! Ich gehe zu Willibald!« Zuletzt hatte ich seinen weißen Po hinter dem Haus verschwinden sehen, Mina sprintete hinterher.

Aus dem roten Auto stiegen das Mädchen und ein Junge in meinem Alter. Geschwister? Zwillinge?

Das Mädchen rannte die Treppe zur Eingangstür hoch und warf sich in die Arme der Frau, die eben heraustrat.

»Imke! Ich hab euch so vermisst!«

»Moin Sonja! Schön, dass du wieder hier bist. Und Florian ist auch dabei. Hallo!«

Sie kam die Treppe herunter. »Moin! Ich bin Imke Sörensen. Und du bist … Ann oder Isabell?«

»Ann.«

Ihr Lachen ging übers ganze Gesicht, alles an ihr sah fröhlich aus, das Grübchen im Kinn, die strahlenden Augen und die sich lustig in alle Richtungen ringelnden Haare. Für einen Moment dachte ich nicht mehr an den Knoten, der sich in meinem Bauch gebildet hatte und grinste zurück.

»Schön, dass du bei uns bist, Ann. Du wohnst im Muschelherz.« Sie drehte sich um. »Sonja? Kannst du Ann das Zimmer zeigen?«

Das Mädchen, das am Kofferraum stand und mit dem Jungen die Köpfe zusammensteckte, nickte. »Klar. Komm mit!«

Sie nahm einen Rucksack und ein Paar Reitstiefel.

Ich griff nach meinem Koffer, blieb aber stehen und sah zu meinen Eltern. Imke bemerkte mein Zögern. »Geh nur. Ich zeige deiner Familie derweil den Hof. Du kannst dich verabschieden, wenn du deine Sachen abgestellt hast.«

Dann wandte sie sich dem dritten Auto aus unserer Schafkarawane zu, aus dem ein blondes Mädchen gestiegen war. Sie sah so unsicher aus, wie ich mich fühlte.

War dieser Koffer schwer! »Meine Klamotten müssen sich in Steine verwandelt haben«, keuchte ich. Meine Arme fühlten sich schon nach den paar Stufen hoch zum Haus völlig ausgeleiert an, und drinnen nahm Sonja Kurs auf eine sehr lange, sehr schmale Treppe. Schnaufend polterte ich hinter ihr die Stufen hoch.

»Sei froh, dass die Jungs die Zimmer unterm Dach haben, wir müssen nur in den ersten Stock«, sagte Sonja. Sie führte mich einen Gang entlang, an dessen Ende drei Türen lagen. Sandburg, Muschelherz und Badezone war auf bunten Schildern zu lesen. Sonja öffnete die rechte Tür und ließ mir den Vortritt ins Zimmer Muschelherz.

Ein Mädchen mit kurzen braunen Haaren hatte auf einem der Betten am Fenster gelegen und einer grauen Katze den Bauch gekrault, jetzt sprangen beide auf. Die Katze schoss zwischen unseren Beinen hindurch nach draußen, das Mädchen grinste uns an. »Hi. Ich bin Jette. Wohnt ihr auch hier?«

Ich nickte. Sonja marschierte an mir vorbei und warf ihren Rucksack auf das zweite Bett am Fenster. Jetzt waren nur noch die beiden neben der Tür frei.

»Klar wohne ich hier. Ich gehöre schon fast zur Einrichtung.« Sie streckte Jette die Hand hin. »Sonja. Das vierte Jahr in Folge auf dem Karolinenhof.«

Jette ergriff die Hand und schüttelte sie. »Das spricht dann wohl dafür, dass ich eine gute Urlaubswahl getroffen habe.«

Ich schob meinen Koffer auf das Neben-der-Tür-Bett auf Jettes Seite und winkte ihr zu. »Ich bin zum ersten Mal hier und heiße Ann.«

Durch das offene Fenster klang lautes Hupen. Sonja schaute hinaus. »Oh, mein Dad will fahren. Der war schon total genervt von Willibalds Trödelmarsch.« Kichernd rannte sie aus dem Zimmer.

»Ich geh mich auch mal von meinen Eltern verabschieden«, sagte ich.

»Ich komm mit runter. Dann können wir uns danach ein bisschen umsehen und sind nicht mehr ganz unwissend neben Sonja.«

Ich lachte. Der Knoten im Bauch hatte sich komplett aufgelöst. Warum hatte ich mir solche Sorgen gemacht? Die Ferien würden bestimmt toll werden.

Jette und ich sprangen die Stufen hinunter und fast zwei Jungen in die Arme, die mit ebenso viel Schwung auf dem Weg nach oben waren.

»Huch!«

»Hoppla!«

Ich sah strahlend blaue Augen unter braunen Haaren, dazu ein breites Grinsen und merkte, wie sich meine Lippen zu einem Lächeln verzogen.

»Sorry.«

»Ist ja nichts passiert.« Nette Stimme. »Geht es hier zum Storchennest?«

»Was wollt ihr denn im Storchennest?«, platzte Jette heraus, die gerade über einen heruntergefallenen Rucksack kletterte. »Habt ihr etwa kein Zimmer?«

Zweistimmiges Gelächter. Auch nett. »So heißt doch unser Zimmer!«

»Ach so!« Jette wurde rot.

Ich schaffte es, meinen zum Dauergrinsen erstarrten Mund zu bewegen. »Ich glaube, die Jungenzimmer sind ganz oben.«

»Danke! Bis später!« Die beiden lasen ihr Gepäck auf und sausten weiter hoch.

»Nicht schlecht.« Jette schnalzte mit der Zunge. »Ich fange an zu verstehen, warum Sonja immer wieder herkommt.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Ich möchte lieber die Tiere sehen.« Obwohl die blauen Augen wirklich ziemlich interessant gewesen waren, das musste ich ja zugeben.

Auf dem Hof war ein wildes Gewusel im Gange, noch mehr Autos fuhren vor, überall wurden Koffer ausgeladen, Eltern verabschiedet und Neuankömmlinge begrüßt. Mittendrin meine Schwester mit Schafbock Willibald, den sie stolz an einer Leine hielt. Wer da allerdings wen führte, ließ sich nicht genau sagen. Neben ihnen tollte ein schwarzer, zottiger Hund.

»Ann! Guck mal! Willibald und ich gehen Gassi! Und das ist Shaun! Sie ist ein Border-Collie-Mischling, aber sie denkt, dass sie ein Schaf ist, deswegen heißt sie Shaun. Und dann gibt es noch …«

»Nimmst du das Schaf jetzt mit?«, unterbrach ich sie.

Mina schob die Unterlippe vor. »Würde ich sofort, aber die erlauben es natürlich nicht!« Sie zeigte auf unsere Eltern, die neben dem Auto standen und in dem ganzen Gewimmel etwas verloren wirkten.

»Und ich wäre sehr traurig, wenn Willibald den Karolinenhof verlassen würde«, sagte Imke, die mit dem blonden Mädchen an uns vorbeilief. »Ann, Jette, das ist Isabell. Mit ihr ist das Muschelherz komplett. Wartet ihr kurz auf sie? Dann könnt ihr euch gemeinsam umsehen.«

»Ist gut.« Wir nickten.

»Mina, bring Willibald und Shaun einfach wieder auf die Weide. Leine ab, Tor fest zu. Okay? Und bald machst du auch hier Ferien.« Imke führte Isabell zum Haus und Minas Miene hellte sich schlagartig auf.

»Au ja, nächstes Jahr komm ich auch her! Bei Fuß, Willibald!« Sie zerrte das Schaf hinter sich her, Shaun umsprang sie schwanzwedelnd. Jette und ich sahen dem Trio nach.

»Komm, wir gucken kurz, wo die Schafweide ist. Bis Isabell wieder unten ist, sind wir auch zurück«, sagte Jette.

Also folgten wir dem wippenden Schaf- und dem wedelnden Hundeschwanz, die vorne um die Hausecke verschwanden. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie Mina Willibald die Leine abnahm und ihn samt Shaun durch ein Holztor auf eine umzäunte Wiese schob.

»Sehr ausbruchssicher sieht das nicht aus«, meinte Jette.

»Ist es auch nicht.« Ich berichtete ihr von unserem ersten Treffen mit Willibald. Sie starrte mich an und prustete los. »Cool! Ein Wegweiseschaf! Und es hat auf dich gewartet! Das bedeutet mit Sicherheit etwas!«

»Und was?«, fragte ich gespannt.

Sie zuckte mit den Schultern. »Das weiß ich noch nicht. Ich werde nachher das Kaugummi-Orakel befragen.«

Kaugummi-Orakel? Ob bei meiner Mitbewohnerin vielleicht ein Schräubchen locker war? Ein ausgebrochenes Schaf ein Zeichen? Ein Kaugummi-Orakel, das dieses Zeichen deutete? Ich kam mir vor wie im falschen Film.

Jette schien zu merken, dass ich nicht ganz überzeugt war. »Ich zeig’s dir später.«

»Okay.« Anschauen konnte ja nicht schaden, oder?

Mina kam zu uns geschlendert und schob ihre Hand in meine. Ich dachte an das fettige Schaffell und wollte meine Finger zurückziehen, griff dann aber beherzt zu. Wer wusste schon, welche Tiere ich in der nächsten Woche noch anfassen würde.

Wir bogen um die Ecke. Isabell stand auf dem Hof und sah sich suchend um. Ich wollte ihr winken, als ich einen Stoß in die Kniekehlen und einen Haufen Federn ins Gesicht bekam. Ich stolperte vorwärts, ließ Mina los und fuchtelte mit den Händen vorm Gesicht herum, um die Federn in Mund, Augen und Nase loszuwerden. Die Federn gackerten.

Hinter mir ein dumpfes »Plopp«, dann packten mich Hände am Arm, die flatternden Federn verschwanden und vor mir stand der Junge, der mit Sonja angereist war, unter dem Arm ein braunes Huhn. Er vergewisserte sich, dass ich sicher stand und trat einen Schritt zurück. Sicherheitsabstand?

»Tut mir leid. Hast du dir wehgetan?«

Ich schüttelte den Kopf. »Was ist denn überhaupt passiert? Das da«, ich zeigte auf das Huhn, »ist mir ja wohl ins Gesicht geflogen.« Ich drehte mich um. Hinter mir auf dem Boden stand, mit der Öffnung nach unten, ein großer Kübel, dahinter Mina und Jette, die vor Lachen heulten. Jette hob den Daumen. »Eins a!«, kicherte sie.

Jetzt wollte ich mitlachen! Ich bückte mich nach dem Kübel, aber der Jungen sprang vor und stellte einen Fuß drauf. »Lieber nicht! Hänsel hat gerade seine ungnädigen fünf Minuten. Er ist auf Gretel losgegangen, deswegen ist die ja auch …« Er nickte zu dem Huhn und obwohl er den Kopf senkte, konnte ich sehen, dass seine Mundwinkel zuckten.

»Mir ins Gesicht gesprungen«, vollendete ich den Satz. »Und er ist gegen meine Beine gekracht. Was für ein Tier ist Hänsel eigentlich? Ein Hängebauchschwein oder vielleicht ein feuerspeiender Drache?«

Er hob die Augenbrauen. »Wie kommst du denn darauf? Hänsel ist ein Hahn, ein ziemlich launischer Gockel. Wir wollten ihn eigentlich nicht...


Breitenöder, Julia
Julia Breitenöder, geboren 1972 in Bonn, lebt mit ihrer Familie in Frankfurt am Main. Nach dem Studium der Sonderpädagogik, einem Au-pair-Jahr in Kairo und Um-die-Welt-Fliegen als Flugbegleiterin, ist sie heute da angekommen, wo sie schon immer hin wollte: beim Geschichtenschreiben.



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