E-Book, Deutsch, Band 83, 400 Seiten
Reihe: Historical Gold Extra
Boyle Entflammt vor Begierde nach dem Duke
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6107-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 83, 400 Seiten
Reihe: Historical Gold Extra
ISBN: 978-3-7337-6107-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Eine junge Dame mit Vermögen ist ungeheuerlichen Annäherungen der Männerwelt ausgesetzt!' Ein solches Schicksal braucht Tabitha Timmons nicht zu fürchten. Die junge Waise ist bettelarm und als Tochter eines Pfarrers nicht interessiert an Unsittlichkeiten jedweder Art. Doch dann soll sie ein Vermögen erben - wenn sie innerhalb von vier Wochen verheiratet ist! Für Tabitha kommt nur ein ruhiger, leidenschaftsloser Mann in Frage. Bis sie dem verwegenen Duke of Preston begegnet. Plötzlich ist sie hin- und hergerissen zwischen der Sicherheit einer Vernunftsehe - und den 'ungeheuerlichen Annäherungen' des unwiderstehlichen Dukes ...
Bereits für ihren ersten historischen Roman erhielt Elizabeth Boyle den RITA Award für das beste Debüt. Auszeichnungen und Bestseller-Nominierungen für weitere siebzehn Romane folgten. Inzwischen hat Elizabeth Boyle ihren Job als Rechtsanwaltsfachangestellte aufgegeben, um hauptberuflich zu schreiben. Die New-York-Times-Bestsellerautorin, die in ihrer Freizeit gern gärtnert, strickt, liest, reist und Rezepte sammelt, wohnt mit ihrer Familie in Seattle.
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1. KAPITEL
Kempton, Sussex, 1810
Wie so oft im Wonnemonat Mai, zog der Tag im Dorfe Kempton mit strahlendem Sonnenschein herauf, der den Tau auf den Wiesen funkeln ließ und die Vögel in den Gärten zu einem vergnügten Morgenkonzert verleitete.
Doch nichts deutete darauf hin, dass Miss Tabitha Timmons sich an diesem Tag nicht nur verloben, sondern auch bis über beide Ohren verlieben sollte.
Nur leider handelte es sich nicht um denselben Mann.
Als Tabitha am frühen Nachmittag aus dem Pfarrhaus trat und die Tür leise hinter sich schloss, um sich auf den Weg zu dem jeden Dienstag stattfindenden Treffen der Gesellschaft zur Besserung und Bekehrung Kemptons zu machen, hatte sie nur einen einzigen Gedanken im Sinn – nämlich den, dass sie für die folgenden drei herrlichen Stunden den Forderungen ihrer Tante und den Beschwerden ihres Onkels entkam.
„Holla“, rief Miss Daphne Dale, die vor der Gartenpforte auf Tabitha wartete, fröhlich. „Ich hatte schon Sorge, sie würde dich nicht aus dem Haus lassen“, raunte sie, während sie Tabithas ständigen Begleiter, einen großen Irish Terrier namens Mr Muggins, hinter den Ohren kraulte. Das Tier schaute verzückt zu Daphne auf, seine warmen braunen Augen strahlten vor inniger Bewunderung.
„Dann hätte Tante Allegra an meiner Stelle kommen müssen – und der Herr stehe uns bei, würde sie mit irgendeiner Aufgabe betraut“, sagte Tabitha mit einem Blick über die Schulter, aber die Vorhänge waren zugezogen, was hieß, dass ihre Tante ihr zumindest nicht hinterherspionierte, um sie unter irgendeinem Vorwand zurückzurufen.
„Nicht auszudenken“, befand Daphne, hakte sich bei Tabitha unter und zog ihre Freundin fort vom Pfarrhaus, das Tabitha einst ein so glückliches Zuhause gewesen war.
Eigentlich hätte es das noch immer sein sollen, denn friedlich und unverrückbar wie eh und je stand das Haus da, duckte sich in den Schatten von St. Edward’s, einem Relikt aus normannischer Zeit mit hoch aufragenden grauen Mauern, einem langen Kirchenschiff und einem quadratischen Glockenturm, der allenfalls noch von Foxgrove übertrumpft wurde, dem nicht weit entfernten Anwesen des Earl of Roxley.
Doch seit Tabithas Vater vor zwei Jahren einem Herzleiden erlegen war und ihr Onkel seinen Platz als Vikar eingenommen hatte, war aus Tabithas geliebtem Elternhaus ein trostloser Ort geworden.
Immerhin, so sagte sich Tabitha, gestand man ihr noch zu, an den Treffen der Gesellschaft zur Besserung und Bekehrung Kemptons teilzunehmen – und sei es nur, weil Tante Allegra es eine Zumutung fand, selbst von Tür zu Tür zu gehen und die zahlreichen unverheirateten alten Damen des Dorfes mit milden Gaben zu beglücken.
Während sie die Meadow Lane hinabschlenderten, einen schmalen Feldweg, der vom Pfarrhaus zur High Street führte, plauderte Daphne unablässig und brachte Tabitha in Sachen Dorfklatsch auf den neuesten Stand.
„… Lady Essex wird Louisa und Lavinia das niemals durchgehen lassen. Die Wimpel für den Mittsommerball waren schon immer lavendelblau, Punkt. Apfelgrün, also ich bitte dich!“
Tabitha lächelte still und ließ sich von dem scheinbar belanglosen Geplauder umfangen, das Balsam für ihre Seele war. Wenn sie mit Daphne zusammen war oder an den wöchentlichen Treffen der Gesellschaft teilnahm, vergaß sie beinah, dass nicht mehr alles so war wie früher und dass ihr einst so beschauliches Leben sich von Grund auf verändert hatte.
„… gestern habe ich den Zwillingen sogar noch einen Besuch abgestattet und sie zu überzeugen versucht, dass sie Lady Essex nur noch mehr gegen sich aufbringen werden, wenn sie darauf beharren.“ Daphne seufzte resigniert. „Aber nein, Louisa und Lavinia waren schon immer auf Ärger aus, oder?“
Tabitha sah ihre Freundin an. „Dachtest du wirklich, du könntest die beiden umstimmen?“
„Ich hatte es gehofft“, gab Daphne zu. „Und sollte der Versuch scheitern, so ging ich davon aus, dass mein neuer Hut sie auf andere Gedanken bringen würde.“ Sie wandte den Kopf von einer Seite zur anderen, um die grüne Seidenhaube mit dem grauen Bandbesatz in ihrer ganzen Pracht zu präsentieren.
Tabitha, der Daphnes Eitelkeit nicht neu war, lachte nur. „Du konntest deinen Vater also überreden, dir dein Taschengeld etwas früher auszuzahlen?“
Ihre Freundin grinste unverschämt und ihre blauen Augen strahlten, als sie mit behandschuhter Hand über die weit geschwungene Krempe strich. „Allerdings. Und er ist jeden Shilling wert“, verkündete sie. „Meine größte Sorge war, Papa würde nicht beizeiten nachgeben, sodass Miss Fielding mir zuvorkäme, und du weißt ja, wie elend sie in Grün aussieht!“
Tabitha lachte. Die Rivalität zwischen Daphne und Miss Fielding vertiefte sich von Jahr zu Jahr.
„Dir hingegen würde er ganz vortrefflich stehen“, meinte Daphne betont beiläufig. „Wenn wir bei Lady Essex eintreffen, kannst du ihn gern mal aufprobieren.“ Sie warf Tabitha einen kurzen Blick zu, der voller Güte und Mitgefühl war, und wartete gespannt auf ihre Reaktion.
Da sie genau wusste, worauf ihre Freundin hinauswollte, schüttelte Tabitha sofort den Kopf. „Du weißt, dass ich dergleichen nicht einmal erwägen kann. Erinnerst du dich daran, wie meine Tante reagiert hat, als du mir letzten Winter die Handschuhe gabst?“
„Es war nicht als milde Gabe gemeint“, stellte Daphne klar und runzelte leicht gereizt die Stirn. „Und das wäre es auch diesmal nicht. Nimm es als Geschenk, denn seien wir ehrlich, du hattest keinen neuen Hut mehr seit …“
„Zwei Jahren“, erwiderte Tabitha. Und auch kein neues Kleid. Oder neue Schuhe. Nicht einmal neue Strümpfe! „Wirklich, es macht mir nichts aus.“
„Aber mir!“, empörte sich Daphne. „Deine Tante und dein Onkel sollten sich schämen, dass sie dir nicht einmal das Notwendigste gönnen.“
Was sollte Tabitha dazu sagen? Es stimmte ja, dass ihre Tante und ihr Onkel mit Freuden zugegriffen hatten, als ihnen nach dem Tod ihres Vaters dessen Pfründe zufielen, aber wie hielten sie es mit der Vormundschaft für dessen mittellose Tochter? Tatsache war, dass sie – selbst kinderlos – auf diese Beigabe gut und gern hätten verzichten können. Tante Allegra, der jedwedes Muttergefühl abging, beklagte sogar, ihre Nichte würde in der kleinen Dachkammer, die sie ihr zugestanden hatten, über Gebühr viel Platz für sich beanspruchen.
Im Grunde störte sich Tabitha nicht an ihrer armseligen Zuflucht unter den Dachsparren, denn dort oben waren auch die Kisten und Koffer ihrer Mutter verstaut. Manchmal meinte Tabitha gar, einen Hauch ihres Veilchenparfüms wahrzunehmen – kurze, sehnsüchtige Momente, die ebenso flüchtig waren wie die wenigen Erinnerungen an ihre Mutter, eine anmutige Schönheit, die am Fieber gestorben war, als Tabitha noch sehr jung gewesen war.
„Jedes Mal, wenn dein Onkel von barmherziger Nächstenliebe predigt, würde ich am liebsten aufspringen und ihn maßloser Scheinheiligkeit bezichtigen“, sagte Daphne.
„Du bist unverbesserlich“, tadelte Tabitha, wenn auch halbherzig, denn wenn es einen Menschen gab, dem ihr Wohlergehen am Herzen lag, dann war es Daphne.
„Wer ist unverbesserlich?“, wollte Miss Harriet Hathaway wissen, die sich am Übergang von der Meadow Lane zur High Street zu ihnen gesellte. Wie man es von Harriet gewohnt war, saß ihre Haube schief, ihr Kleid war zerknittert, der Saum schlammbespritzt und auch eine ihrer rosigen Wangen zierte ein Spritzer oder Klecks unbestimmbarer Herkunft. Wahrscheinlich hatte sie mal wieder völlig die Zeit vergessen und war aus den Stallungen von The Pottage herbeigeeilt, ohne auch nur einen Blick in den Spiegel zu werfen.
Lady Essex dürfte vom nachlässigen Äußeren ihres Schützlings wenig angetan sein, denn Ihre Ladyschaft hegte große Hoffnungen, Harriet bei nächster Gelegenheit mit nach London zu nehmen und dort eine mehr als vorteilhafte Partie für sie zu finden – Ambitionen, über die man in Kempton nur den Kopf schüttelte.
Vergebliche Liebesmüh, sagte man sich, denn schließlich war hier von „Harry“ Hathaway die Rede.
„Na, wer ist hier wohl ‚unverbesserlich‘? Ich natürlich“, klärte Daphne sie auf und wechselte rasch das Thema. „Schau, ich habe einen neuen Hut.“
Harriet schenkte dem Objekt der Begierde nur einen flüchtigen Blick. „Wie schön für dich. Ist das der, den du mir letzte Woche in Mrs Wellings Auslage gezeigt hast?“
Daphne nickte. „Genau der. Schön, oder?“
Nachdem sie noch einmal genauer hingesehen hatte, meinte Harriet: „Ja, schon, aber hatte der nicht noch Federschmuck?“
„Die Federn habe ich entfernt“, sagte Daphne mit einem vielsagenden Blick auf Mr Muggins.
Tabitha lächelte entschuldigend. Sosehr sie ihren Hund auch liebte, konnte sein Faible für alles Gefiederte bisweilen etwas strapaziös sein. Er begriff einfach nicht, dass Federn, die sich am Besatz einer Pelisse oder der Krempe eines Huts befanden, keinen tatsächlich zu erbeutenden Vogel verhießen.
Nachdem er kurz nach Tante Allegras Ankunft bereits drei ihrer Hüte zerfetzt hatte, drohte sie damit, das – wie sie sagte – „tollwütige Biest“ auf seine alten Tage noch aus dem Haus zu jagen; doch zu Tabithas großer Erleichterung hatte sich in ganz Kempton und der näheren Umgebung niemand bereitgefunden, den „roten Höllenhund“ bei sich aufzunehmen.
Letzten Endes hatte die Tante sich grimmig in ihr Schicksal gefügt und getan, was auch...




