E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Borth An Mitgift ist noch keiner gestorben
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-8771-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geschichten mit Geschichte aus der Uckermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-7412-8771-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
1960 in Neubrandenburg geboren, ist Helmut Borth seit 1979 publizistisch tätig. Seit 2008 arbeitet er als freier Journalist und Autor sowie Inhaber bzw. Geschäftsführer von Unternehmen im Wellnessbereich. Von ihm erschienen bisher 19 Bücher, die über Geschichten mit Geschichte mit der regionalen Vergangenheit von Mecklenburg-Strelitz bekannt machen, bzw. besondere Reiseziele in Mecklenburg-Vorpommern präsentieren. Dies ist sein erstes Uckermark-Buch.
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An Mitgift ist noch keiner gestorben
Wenn nach Goethe nur ein wackerer Mann ein begütertes Mädchen verdient, dürften die von Arnim den von Ahlimbs einiges vorausgehabt haben. Von kleinen Brautschätzen und großen Verschwendern.
Das Wort Mitgift besitzt einen makabren Beigeschmack, obwohl es mit Gift nun überhaupt nichts zu tun hat. Abgeleitet vom mittelhochdeutschen mitegift bedeutet es das Mitgegebene, also das Vermögen in Gütern, Geld oder Hausrat, das eine Braut mit in die Ehe bringt.
Welche Bedeutung diese Aussteuer einst hatte, belegen uckermärkische Flurnamen wie Giftberg im seit 2003 zu Templin gehörenden Dorf Gollin oder Giftbruch in Parmen, Gemeinde Nordwestuckermark.
Während bei bäuerlichen Mitgiften über Jahrhunderte ein Teil in Sachwerten und Naturalien bestand, wurden Eheverträge in der Stadt oft nur auf geldlicher Basis ausgehandelt. Prenzlaus Bürgermeister Mathias Kalb gab seiner Tochter bei ihrer Hochzeit mit dem in ziemlich guter Nahrung stehenden Prenzlauer Ratsverwandten Clemens Petran 1574 einen Brautschatz von 200 Gulden mit.
200 Taler betrug die Mitgift von Anna von Holzendorf bei der Hochzeit mit Valentin von Ahlimb auf Ringenwalde 1563. Nur 150 Taler konnte die Familie der Margarete von Hohenstein für das Ja-Wort Hans von Ahlimbs 1573 auf den Tisch legen. Doppelt so hoch fiel die Mitgift bei Ursula Sack und Anna von Steinbeck aus, als sie 1561 bzw. 1563 Wolf von Stülpnagel zu Taschenberg und Balzer von Greiffenberg zu Frauenhagen ehelichten. Noch besser gestellt war Ursula von Bredow, deren Mitgift 1560 Tauend Gulden betrug, als sie Otto von Blankenburg auf Wolfhagen ehelichte.
Die Höhe der Mitgift richtete sich vor allem nach der sozialen Stellung des Bräutigams, wodurch Frauen niederer sozialer Schichten effektiv daran gehindert wurden, in höhere Schichten einzuheiraten, ohne dass es dafür besonderer Verbote bedurfte.
Im Gegensatz zu den verhältnismäßig bescheidenen Brautschätzen der von Ahlimb auf Ringenwalde strahlten die der Arnims. Jeweils 5000 Taler brachten Sophia von der Schulenburg 1573 ihrem Gatten Jobst von Arnim auf Boitzenburg und Gerswalde, Anna Rohr 1577 bei ihrer Hochzeit mit Franz von Arnim auf Briesenbrow bzw. Kunigunde von Kotzen Jobst von Arnim auf Niederladin und Mürow 1591 mit.
Die aus der Altmark stammenden von Arnim saßen auf einem aufsteigenden Ast. Sie wussten Macht und Reichtum zu sichern. Im Gegensatz dazu wurde der Ast der ebenfalls aus der Altmark stammenden Ahlimbs immer brüchiger. 1589 machte die Familie der Stadt Templin Fischereirechte im Lübbe- und Mellensee streitig. Mit den Arnims in Fredenwalde lagen sie in einem jahrelangen Streit um Hütungsrechte, in dessen Zuge sie 1599 einen Überfall der Fredenwalder mit bewehrten und gesammleten Hauffen hinnehmen mussten, bei dem Schweine und Pferde gestohlen wurden. 1607 überfiel Christoph von Ahlimb aus Ungarn kommend in der Frankfurter Heide zwei Juden, tötete einen und raubte 1800 Dukaten. Die Ahlimbs stritten und fochten mit vielen Nachbarn. 1614 sollte ein Gericht Viehschäden schätzen, die den Ringenwaldern während einer ihrer Fehden mit der Familie von Holzendorf auf Dargersdorf entstanden waren. Und dann hinterließ auch der Dreißigjährige Krieg seine Spuren. Noch 1687 lag mehr als die Hälfte der Ringenwalder Feldmark wüst, was dazu führte, dass 1691 der Ahlimbsche Besitz zu den verschuldeten Gütern zählte und sehr stark konkursgefährdet war.
Der Ruin konnte abgewendet werden. 1751 machte der Königlich-Preußische Oberst Bernhard Friedrich von Ahlimb, Regimentskommandeur in Magdeburg, aus seinem uckermärkischen Erbe eine mehr als 4000 Hektar umfassende Majoratsstiftung. Sie regelte, dass das Rittergut nicht teilbar, unverkäuflich und nicht als Pfand einsetzbar war. Erbberechtigt war stets der älteste Sohn. Da der Majoratsstifter jedoch schon 1757 kinderlos starb, kam sein Bruder Joachim Friedrich, ebenfalls preußischer Oberst, letzter Kommandeur der Bergfestung Regenstein im Harz und Vater von 18 Kindern, zum Zug. Als der nach sechs Jahren das Zeitliche segnete, erbte 1763 der älteste lebende Sohn 15-jährig Ringenwalde. Der Teenager, Fähnrich im Heer Friedrichs II., ließ es sich gut gehen. Mit 16 fälschte er seinen Taufschein, um in den Genuss von 2000 Talern der Gewinne zu kommen, über die er eigentlich erst nach seiner Volljährigkeit hätte verfügen können. Im Alter von zwischen 18 und 21 Jahren häufte er gut 30.000 Taler Schulden an, als großzügiger Gastgeber, für Illuminationen, eine Equipage, prächtige Kleidung, zahlreiche wertvolle Pferde und eine frühe Hochzeit mit Marie von Bredow. Das hatte zur Folge, dass ihm die Gutsgewinne entzogen und die Majoratsgüter unter Zwangsverwaltung gestellt wurden. Mit 38 Jahren starb der Verschwender bereits. Sein Erstgeborener war nur zwei Jahre älter als der Vater, als er 1800 das Zeitliche segnete und nur zwei Töchter hinterließ. Den Bestimmungen der Majoratsstiftung zufolge erbte jetzt sein Onkel Gustav Andreas von Ahlimb das Majorat. Als letzten männlichen Ahlimb-Erben ging es ihm ähnlich. Bei seinem Tod 1836 trauerten neben seiner Frau ebenfalls nur zwei Töchter. Da die jüngere der beiden aus der zum Zeitpunkt seines Todes bestehenden Ehe stammte, erbte sie das Majorat Ringenwalde.
Luise von Ahlimb hatte 1827 den preußischen Kammerherrn Hermann Emil Edmund von Saldern geheiratet und brachte ihrem Mann als Majoratserbin sozusagen als zweite Mitgift den mehr als 4200 Hektar großen Besitz ein, unter der Bedingung, dass der seinem Namen den der von Ahlimb hinzufügt. Die preußische Wappenvereinigung ist für den 14. August 1830 beurkundet. Zehn Jahre später wurden Hermann und Luise von Saldern-Ahlimb in den preußischen Grafenstand erhoben. Ihr Grafentitel stand danach zuerst nur den erstgeborenen Söhnen zu, soweit die in einer adligen Ehe geboren worden waren und das Majorat erbten.
Während die ersten Saldern-Ahlimb auf Ringenwalde dem Majorat zu einem neuen Aufschwung verhalfen, verschuldeten sich die letzten zwei Besitzer. Schlagzeilen machte dabei vor allem der letzte. Sogar in den USA war er Thema. Am 16. Januar 1913 informierte „The San Francisco Call“ von der seit 1911 in Wiesbaden anhaltenden, aber vergeblichen Suche des Grafen Leopold von Saldern-Ahlimb nach einer wohlhabenden Braut. Es wurde berichtet, dass der aus einer angesehenen deutschen Familie stammende Graf zusammen mit seiner Mutter Luise in brillantem Stil in Hotels und Pensionen auftrat, es ihm aber trotz Einschaltung eines Ehevermittlers bislang nicht gelungen war, eine reiche Erbin zu finden. Vielmehr habe er Schulden in Höhe von 150.000 oder 200.000 Dollar angesammelt und Wechsel für 75.000 Dollar unterschrieben. Wegen Betrugs, so das Blatt, saß der Mitgiftjäger seit Mai 1912 in Haft. Der Verteidigung nach wäre er geistig nicht reif und besitze einen manischen Hang zur Extravaganz. Als Beispiele für seinen luxuriösen Lebensstil wurden seine Vorlieben für schnelle Autors, rassige Rennpferde und italienische Palmen angeführt. In Deutschland wurde Graf Leopold wegen Verschwendung von mehr als einer Million Mark entmündigt und unter Vormundschaft gestellt. Nur die Bestimmungen der Majoratsstiftung hatten ihn gerettet.
1919 heiratete Graf Leopold in Potsdam. Seine Frau wurde die Tochter des Kavallerie-Generals Hans von der Golz, der im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1916 die 50. Reservedivision geführt hatte. Vielleicht hat die Heirat zeitweise etwas zur Beruhigung der Verhältnisse beigetragen. Auf Dauer kann es nicht geholfen haben, denn 1934 ging Graf Leopold Konkurs und verkaufte rund 3300 Hektar seines Besitzes zu Siedlungszwecken an die 1884 gegründete Gesellschaft für Innere Kolonisation. Er behielt nur den Forst und 375 Hektar Ackerland. Das Restgut musste er 1939 unter Wert an Hermann Göring veräußern, der es samt Schloss und Park in seinen als Stiftung Schorfheide getarnten Privatbesitz eingliederte.
1945 wurde das Schloss, in dem während des Krieges Raubkunst aus Frankreich lagerte, von der SS gesprengt. An die Grafen von Saldern-Ahlimb erinnern nur noch das kurz nach 1900 gebaute Erbbegräbnis im Schlosspark sowie zwei barocke Epitaphe in der mehr als 800 Jahre alten Dorfkirche.
Das Gotteshaus erlebte am 6. Juni 2008 seine bis heute wohl bedeutendste Hochzeit. Im Beisein von mehr als 200 geladenen Gästen, darunter Prominente wie Günther Jauch oder Politiker wie Außenminister Frank Walter Steinmeier bzw. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, heiratete der damalige brandenburgische Ministerpräsident Mathias Platzeck seine ihm neun...




