Born | Die Lutherverschwörung | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Born Die Lutherverschwörung

Historischer Roman
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7655-7097-1
Verlag: Brunnen Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-7655-7097-1
Verlag: Brunnen Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wittenberg, im Frühjahr 1521. Aufmerksam beobachtet Jost, ein Söldner, die geladenen Gäste im Cranachhof. Es ist ein Abschiedsfest für Martin Luther, den Reformator, der bald nach Worms aufbricht. Kaiser Karl V. hat ihn vor den Reichstag geladen, um sich vor Kaiser und Reich zu verantworten. Wird man von ihm fordern, seine Lehre zu widerrufen? Oder ihn gar als Ketzer verurteilen? Jost soll das Leben des Reformators schützen; Kurfürst Friedrich hat ihn zu Luthers Leibwächter ernannt. Eine heikle Aufgabe, denn Luther hat nicht nur Freunde ...

Christoph Born wuchs der Nähe von Wiesbaden auf. Er studierte in Mainz Buchwissenschaft, Germanistik und Geschichte und promovierte über den frühen Bibeldruck von Gutenberg bis Luther. Heute lebt er in Frankfurt am Main.
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PROLOG


Wulf schaute über die Dächer Roms, legte die Armbrust an und wartete auf sein Opfer.

Vor dem Pantheon spielten Kinder. Sie verfolgten einander, versteckten sich hinter den mächtigen Säulen des Portikus, riefen sich Worte zu, deren Sinn er nicht verstand, erfüllten die Luft mit ihrem Geschrei, balgten sich und bildeten Knäuel, dann stoben sie wieder auseinander. Flatternde, flüchtige Wesen, Mädchen in bunten Röcken und Jungen in kurzen Hosen mit blutigen Knien. Von irgendwoher wehte aus einem offenen Fenster der fremdartige, verlockende Geruch einer mediterranen Mahlzeit.

Wulf dachte zurück an den gestrigen Abend, als ihm die Schwarze Jungfrau im Traum erschienen war und die Stimmen in seinem Kopf sich verwirrt hatten. Von diesem Moment an wusste er, dass es an der Zeit war, seinen Auftrag auszuführen.

Eines der Mädchen breitete nun seine schmalen, zerbrechlichen Arme aus und drehte sich im Kreis – so schnell, dass die Schöße seines roten Rockes durch die Luft wirbelten.

Wulf war ein exzellenter Schütze, aber er hatte noch nie einen Menschen getötet. Brangenberg und seine Pilgergruppe würden bald erscheinen. Höchste Zeit, dass die Kinder sich endlich davonmachten! Allein der Gedanke, versehentlich eines von ihnen zu treffen, ließ ihn schaudern.

Die Kuppel des Pantheons, hinter der sich zartes Abendrot abzeichnete, überragte die umliegenden Gebäude und warf einen Schatten auf die Fassaden. Mauersegler kreischten über dem Gewölbe; Haken und Bogen schlagend, verfolgten sie sich durch die engen Gassen. Auf dem Vorplatz herrschte am Brunnen noch reger Betrieb, Frauen schöpften Wasser in Krüge, und Wasserträger füllten ihre Eimer.

Wulfs Geduld wurde strapaziert. Der Himmel färbte sich schon tiefrot, und die Menschen auf dem Vorplatz zerstreuten sich, bis nur noch einige wenige zurückblieben; auch die Kinder verschwanden endlich. Längst hatte er die Armbrust gegen die Wand gelehnt – aus Angst vor Entdeckung. Dass er die kleine Kammer im fünften Stock eines Wohnhauses gegenüber dem Pantheon mieten konnte, war ein Glücksfall gewesen. Ebenso der Hinterausgang des Gebäudes, der ihm gute Fluchtmöglichkeiten bot. Gleich nach dem Schuss würde er die Läden schließen, und man würde rätseln, woher der tödliche Pfeil gekommen war. Bis die Verwirrung sich legt, dachte er, bin ich längst über alle Berge.

Was aber, wenn die Pilgergruppe ihre Pläne geändert hatte und Brangenberg nicht erschien? Ach was, er musste auf Gott vertrauen; manche Dinge ließen sich einfach nicht planen. Stand er nicht auf der Seite der Gerechten? Der Tod dieses Ketzers musste doch ein Werk sein, das Gott gefiel – und folglich durfte er auf seine Unterstützung rechnen.

Brangenberg lästerte über die Heiligen. Er zog deren Taten und die für die Gläubigen gesammelten guten Werke ebenso in den Schmutz wie die kirchlichen Sakramente! Hatte nicht Brangenbergs eigener Sohn von schrecklichen Ketzereien berichtet? Der musste es schließlich wissen! Geld allein hätte Wulf nie bewogen, den Auftrag anzunehmen (obwohl es sich zugegebenermaßen um einen schönen Batzen handelte, mit dem er eine Werkstatt gründen wollte). Nein, letztlich hatte sein Entsetzen über die Verwerflichkeit dieses Mannes den Ausschlag gegeben. Sie spottete jeder Beschreibung.

Bis nach Italien hatte Wulf die Pilgergruppe verfolgt, weil sein Auftraggeber darauf bestand, die Tat so fern wie möglich der Heimat auszuführen. Immerhin waren Italien und besonders Rom dafür berüchtigt, dass es dort von Plünderern und Wegelagerern nur so wimmelte! Der junge Brangenberg würde sich zur Tatzeit im Norden aufhalten und sich, was den Tod seines Vaters betraf, die Hände in Unschuld waschen. Der Armbrustschütze aber würde für immer von einem Geheimnis umgeben bleiben, und das war Wulf recht. Bei dem Gedanken fühlte er sich mächtig und stark.

Eine abenteuerliche und zugleich wunderbare Reise lag hinter Wulf. Die Alpen waren ihm wie ein Wunder erschienen, und der Anblick des Meeres überwältigte ihn dann so sehr, dass er fast weinen musste. Einmal, bei einer Pilgerherberge in den Bergen, war er nur knapp mit dem Leben davongekommen. Zwei Männer hatten ihm aufgelauert, wohl in der Hoffnung, sein großer Reisesack enthalte Kostbarkeiten – dabei war es nur die Armbrust gewesen, die ihn so prall gefüllt aussehen ließ.

Er dachte an die weite, fruchtbare Po-Ebene, den Fluss, in dessen Wellen die Sonne glitzerte, an die ockerfarbenen Hügel der Toskana, von der tief stehenden, dunkle Schatten werfenden Sonne weich modelliert – und an das erhabene Gefühl, als Rom, die Ewige Stadt, endlich in der Ferne auftauchte.

Er streifte durch die Gassen und erkundete den Palatin, zu dessen Füßen das Forum Romanum lag; den Kapitolinischen Hügel mit Blick über das Zentrum der Stadt; den nicht weit vom Kolosseum gelegenen Esquilin. Jenseits des Tibers besuchte er St. Peter, eine Kirche von unvorstellbaren Ausmaßen, an der immer noch gebaut wurde. Der Lärm machte jegliche Andacht unmöglich. In dem von Handwerkern und Arbeitern bewohnten Trastevere konnte er sich an den goldenen Fresken von Santa Maria gar nicht sattsehen. Die Pracht der römischen Kirchen, ob es sich um die Lateransbasilika handelte, um Santa Maria Maggiore oder San Pietro in Vincoli – sie sprengte sein Vorstellungsvermögen und öffnete ihm die Augen dafür, wozu der Mensch mit Gottes Hilfe fähig war. Zwei Tage lang vergaß er seinen Auftrag und suchte all die heiligen Stätten auf, warf sich der Länge nach auf den Boden und legte die letzten Meter bis zum Portal oder bis zum Altar im Staub zurück. Erst dann durchforstete er die Pilgerherbergen. Er wurde auch bald fündig, denn er hatte gehört, dass die Deutschen meistens eine Herberge bevorzugten, die nahe bei der für deutsche Pilger bestimmten Kirche lag. Und wirklich: Dort saßen Brangenberg und seine Begleiter an einer langen Tafel, in lebhafte Gespräche verwickelt mit Augustinermönchen, die als Pilger nach Rom kamen. Bierkrüge standen auf den Tischen; der Wirt brachte Brot.

Wulf setzte sich in die Ecke, an einen winzigen freien Tisch. Während er seine dünne Suppe schlürfte und von dem warmen, dampfenden Brot aß, das so wunderbar schmeckte, hörte er einfach nur zu. Die Sonne war bereits untergegangen, und der größte Teil des Raums lag im Dunkeln. Nur auf zwei Tischen und bei der Theke brannten armselige Öllampen, deren Kraft kaum ausreichte, die Gesichter aus der Finsternis hervorzuheben. Die Wangen der Gäste waren mit Bartstoppeln übersät, die Augen wirkten matt und trüb. Alle hatten eine lange Reise und einen anstrengenden Tag hinter sich.

Von Zeit zu Zeit hob Wulf den Kopf und beobachtete die Augustiner, ehe sein Blick weiter nach links wanderte, wo Brangenberg und seine Begleiter saßen. Er war seinem Opfer so nah wie nie zuvor. Allerdings ahnte Brangenberg nichts von der Gefahr, und so scherzte er mit einem Mönch, der gerade in einem Buch las. Der Mann neben Brangenberg war von Beruf Söldner und zusammen mit drei Kameraden – das wusste Wulf – für dessen Sicherheit verantwortlich.

Eine junge Frau mit schweren Decken auf den Armen durchquerte den Raum. Ihr Gesicht erinnerte Wulf an seine verstorbene Mutter. Er bemerkte, dass fast alle Männer der Wirtstochter nachschauten – auch die Augustinermönche. Sie blieb einige Zeit im Nebenraum, wo der Schlafsaal lag, und als sie zurückkam, ging sie nahe an Brangenbergs Tisch vorbei. Einer der Söldner, ein Mann mit wuchtigem Schädel und grobem Körperbau, griff ihr an den Hintern; sie schrie vor Schreck auf und alle lachten – auch die Augustiner. Nur der Mönch mit dem Buch blieb ernst und schmunzelte nicht einmal.

Die Wirtstochter – dunkelhaarig und temperamentvoll wie die meisten Frauen in diesem Land – erholte sich rasch von ihrem Schreck. Sie packte den Krug, der vor dem Söldner stand, holte aus und schüttete ihm mit einem Ruck das Bier ins Gesicht. Wie eine dunkle Welle mit weißer Gischt schlug dem Söldner das Gebräu in den Bart. Er versuchte noch auszuweichen, was ihm aber nicht gelang; fast wäre er in seiner Rückwärtsbewegung von der Bank gekippt. Alle brüllten vor Lachen, und selbst der lesende Mönch schaute kurz hoch und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Wulfs nussbraune, tief liegende Augen wanderten hellwach und unruhig hin und her. Der Söldner sprang auf. Nun, da man über ihn lachte, fand er die Situation nicht länger lustig. Er holte aus und spreizte die Finger der rechten Hand, während ihn die Wirtstochter mit ängstlich geweiteten Augen anstarrte.

In diesem Moment packte der Söldner neben ihm, den sie vorhin Jost genannt hatten und der nach Wulfs Eindruck der Hauptmann sein musste, den Raufbold am Kragen. Er riss ihn auf die Bank zurück und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr, so leise, dass Wulf sie nicht verstand. Die Worte zeigten Wirkung, denn der Mann nahm sich nun zusammen,...



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