E-Book, Deutsch, Band 3, 326 Seiten
Reihe: Ein Jack-Diehl-Thriller
Born Die dunkle Grenze
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-0612-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 326 Seiten
Reihe: Ein Jack-Diehl-Thriller
ISBN: 978-3-7517-0612-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
»Es zog ihn in den Wald. In die Einsamkeit. In die Finsternis. In die Stille, in der es nur dieses kaum hörbare Flüstern gab, aus dem bald eine feste, klare Stimme wurde. Eine Stimme, die ihn antrieb, eine bestimmte Linie zu überschreiten: die dunkle Grenze zwischen Leben und Mord ...«
Eigentlich jagt Kommissar Jack Diehl nur einen Raubmörder. Im LKA gehen alle von einem schnellen Erfolg aus. Doch dann werden Jack Hinweise zugespielt, dass sein neuer Kollege etwas mit den Morden zu tun hat. Wem kann Jack noch trauen? Auch Profilerin Viola Hendrick ist keine große Hilfe - hat sie sich doch in einen mysteriösen Cold Case festgebissen. Jack ermittelt auf eigene Faust und wird so selbst zur Zielscheibe seiner Kollegen. Und dann bricht die Hölle los: Jacks Freundin, die Tatortfotografin Berenice, wird von einem Psychopathen entführt und in einer Hütte im Wald gefangen gehalten ...
Menschliche Abgründe, temporeiche Spannung und ein starkes Ermittler-Duo: der dritte Fall für Jack Diehl und Viola Hendrick.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
Leo Born ist ein deutscher Krimi- und Thriller-Autor, der mit seiner Familie in Frankfurt am Main lebt. Frankfurt mit seiner funkelnden Skyline und seinem dreckigen Bahnhofsviertel bietet auch die passende Kulisse für seine beiden erfolgreichen - und bei Lesern und Kritikern beliebten - Thriller-Reihen "Mara Billinsky" und "Jack Diehl".
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Zu den Teilnehmern des Meetings gehörte auch Vizepräsident Philipp Söring. Normalerweise war seine Anwesenheit nicht nötig, aber da die Position der Kommissariatsleitung unbesetzt war, wollte er sich wohl einen direkten Überblick verschaffen, erst recht, da es um ein schweres Verbrechen ging.
Er nahm nicht Platz, sondern postierte sich mit dem Rücken zum Fenster.
Mehrere Ermittler saßen am Tisch, darunter Karen Pawlowski, eine erfahrene und für ihre Zuverlässigkeit geschätzte Kollegin, aber auch Viola Hendrick hatte es gerade noch rechtzeitig geschafft. Die leichten roten Flecken auf ihren Wangen verrieten, dass sie in Eile gewesen war. Gewissenhaft wie eh und je ordnete sie ihre Notizen, die sie nach wie vor von Hand schrieb und nicht in irgendein Programm eintippte oder mündlich aufzeichnete.
Ganz kurz nur bedachte sie Jack Diehl mit einem unauffälligen Blick.
Dass ausgerechnet sie beide einmal ein Paar gebildet hatten, versetzte das Kollegium selbst jetzt noch in Erstaunen, über ein Jahr nach der Trennung. Zwei wie Feuer und Wasser. Beide versuchten die private Vergangenheit mit Professionalität zu überspielen, aber das gelang nicht immer.
Jack begann das Meeting, indem er alle knapp begrüßte und mit einem Filzstift einige Stichworte an ein Whiteboard kritzelte. Auf einer Magnetwand hingen die Tatortfotos.
»Bei dem Getöteten handelt es sich, wie wir inzwischen wissen, um Darius Winkler«, erläuterte er und unterstrich den Namen auf dem Board. »Kein Unbekannter für uns. Vor Jahren wurde er immer wieder auffällig. Drogenhandel im kleinen Stil, Gewaltdelikte. Dann aber scheint er die Kurve gekriegt zu haben. Keine Straftaten mehr, nicht mal ein Strafzettel. Bisschen Geld vom Staat, ein paar Nebenjobs, zuletzt aber ohne feste Anstellung. Vor zwei Wochen wurde er vierunddreißig, er lebte seit drei Jahren in der Wohnung. Allein, unverheiratet, keine feste Freundin. Beide Eltern verstorben, keine Geschwister.« Jack schaute in die Runde. »Das sind die Ergebnisse aus den Akten und den ersten Befragungen von Nachbarn, die ich gestern Abend noch durchgeführt habe. Jetzt wird es darauf ankommen, alles darüber in Erfahrung zu bringen, wie er die letzten Tage, vor allem den gestrigen, verbracht hat. Wen hat er getroffen? Mit wem hatte er regelmäßig Kontakt? War er doch noch, ohne unser Wissen, in kriminelle Machenschaften verstrickt?«
»Wer hat ihn gefunden?«, erkundigte sich Viola.
»Eine Nachbarin. Sie hatte am frühen Abend Lärm bei ihm gehört, sich aber nichts dabei gedacht. Später hat sie bei ihm geklingelt, um sich für einen Gang in die Kneipe ein wenig Geld bei ihm zu leihen. Sie hatten ein – Zitat – vertrautes Verhältnis. Doch er hat nicht aufgemacht. Da die Wohnung im Erdgeschoss liegt, hat sie durch das Fenster geschaut, das sich neben dem Hauseingang befindet, und einen Blick auf das Chaos werfen können. Das kam ihr – wieder ein Zitat – echt komisch vor, und sie hat unsere Kollegen verständigt.«
»Wenn ich etwas einwerfen darf«, kam es von Söring. »Eigentlich wäre das ein Fall für die Frankfurter Kollegen vor Ort. Doch man ist überlastet, offenbar geht es um eine Mordserie im Zusammenhang mit internationaler Wirtschaftskriminalität.«
»Die berühmte Krähe ist überlastet. Sieh mal einer an.« Karen Pawlowski musste schmunzeln. »Dabei hört man doch immer Wunderdinge über diese Kommissarin Billinsky.«
»Jedenfalls hab ich nicht gezögert und unsere Unterstützung signalisiert«, erwiderte Söring rasch, um das Thema zu beenden.
»Unseren bisherigen Erkenntnissen zufolge wurden dem Opfer Bank- und Kreditkarte, Smartphone und Laptop gestohlen«, fuhr Jack fort. »Der Geldbeutel war leer, also bestimmt auch Bargeld. Und darüber hinaus eine Armbanduhr, wie Spuren in der Haut an seinem rechten Handgelenk zeigen, die auf einen dauerhaften Uhrenträger schließen lassen.«
»Demnach gehen wir von einem Raubmord aus«, stellte Söring fest.
»Was hat die Obduktion gebracht?« Erneut war es Viola, die die Frage stellte.
»Dr. Rubio und seine Jungs haben Gas gegeben.« Jack nickte anerkennend. »Schon kurz vor unserem Meeting hab ich die ersten Informationen erhalten. Darius Winkler hat mehrere Schläge auf den Kopf erhalten. Splitter, die in seinen Kopfhaaren gefunden wurden, geben Aufschluss darüber, dass diese Schläge mit einer beziehungsweise mehreren Bierflaschen erfolgt sind.«
»Das war also die Todesursache«, kommentierte Söring.
»Davon bin ich gestern auch ausgegangen. Doch die Obduktion hat ergeben, dass die Schläge auf den Kopf nicht tödlich waren. Das Zungenbein ist gebrochen. Es gibt Würgemale am Hals, außerdem punktförmige rötliche Gewebseinblutungen, vor allem in der Augenbindehaut der Lider.«
»Das sind Merkmale bei Opfern, die erwürgt worden sind«, bemerkte Viola.
»Stimmt. Und das finde ich eigenartig.« Jack nickte und wandte sich einem der Tatortfotos zu, die die Leiche zeigten.
»Inwiefern?«, fragte Söring.
»Sieht man sich den Tatort an, scheint es zu einem Kampf gekommen zu sein. Vermutlich zwei Personen, die heftig miteinander ringen. Gegenstände gehen zu Bruch. Die Nachbarin hat Geräusche wahrgenommen, die sich allerdings keineswegs nach einem Kampf angehört haben, das behauptet sie steif und fest. Einem der Kontrahenten gelingt es, den Gegner mit einer Bierflasche bewusstlos zu schlagen. Ich habe mich bei Dr. Rubio erkundigt, und er bestätigte vorhin am Telefon, dass die Kopfverletzungen höchstwahrscheinlich eine Ohnmacht zur Folge hatten.«
»Mir kommt das auch alles eigenartig vor«, sagte Viola.
»Wir beide einer Meinung?« Jack zwinkerte ihr zu. »Dann muss was dran sein.«
»Ich habe versucht, den Tathergang zu rekonstruieren«, erklärte sie in ihrer förmlichen, fast strengen Art.
»Der Kampf ...«, wollte Jack einhaken, doch rasch rief sie: »Moment! Das Ganze fängt doch nicht mit einem Kampf an. Was war denn vorher?«
»Sag's uns, liebe Viola.« Jack verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie an, genau wie alle anderen.
»Sie meinen, bevor der Kampf einsetzte, Frau Hendrick«, sagte Söring, nach wie vor mit allen per Sie. Nur bei Jack benutzte er gelegentlich den Vornamen. »Sie fragen sich, was der Auslöser für die Auseinandersetzung war.«
»Ich meine, noch früher«, erwiderte Viola. »Unsere Spezialisten haben keine Hinweise auf ein erzwungenes oder gar gewaltsames Eindringen gefunden. Der Täter wurde von Darius Winkler also wahrscheinlich freiwillig in die Wohnung gelassen. Was wir uns fragen müssen, ist Folgendes: War es eine geplante Tat? Oder ergab sie sich eher situativ? Kam es zwischen den beiden zum Streit, der sich steigerte? Es konnten keine Spuren festgestellt werden, die eindeutig dem Täter zuzuordnen sind. Es ist möglich, dass Opfer und Täter zusammen ein Bier getrunken haben, jeder eine Flasche, aber auch, dass beide geöffneten Flaschen vom Opfer ausgetrunken wurden. Ich bin alles gedanklich mehrfach durchgegangen, und für mich sieht es so aus, als hätte das Opfer keinen Besuch erwartet, sondern hat den Abend vielleicht vor dem Fernseher verbracht mit Bier und Chips. Der Besuch traf ein, eine Unterhaltung wuchs zu einem Streit aus – oder wurde schon von Anfang an feindselig geführt.«
»Also keine geplante Tat«, warf Söring ein.
»Mal ehrlich, wer plant denn schon, Kreditkarten und den restlichen Kram von Darius Winkler zu rauben.« Viola schüttelte den Kopf. »Sein Kontostand ist überschaubar, seine Wertgegenstände scheinen nicht so bemerkenswert zu sein, dass man dafür ein derartiges Verbrechen auf sich nehmen würde.«
»Also ist Winklers Tod Ihrer Ansicht nach ungeplant eingetreten«, schloss Söring. »Dann hat der Täter offenbar die Gelegenheit genutzt und sich mit allem, was ihm sinnvoll erschien, die Taschen gefüllt. Was meinen Sie, Jack?«
»Dass mich nach wie vor eine Sache stutzig macht. Nämlich die Todesursache. Erwürgen. Echt jetzt?«
»Das hat die Obduktion ergeben«, kommentierte Viola kategorisch.
»Okay.« Jack nickte. »Stellen wir uns mal die Situation vor. Da liegt der Mann vor dir auf dem Boden. Du hast mit ihm gestritten, es wurde handgreiflich, du hast ihn bewusstlos geschlagen. Du denkst, na gut, jetzt schnappe ich mir das bisschen Tafelsilber. Und dann kniest du dich hin und erwürgst ihn. Du könntest doch auch einfach so verschwinden, das Opfer ist nicht mehr in der Lage, dich aufzuhalten. Warum tust du das?«
Viola rollte mit den Augen. »Die Antwort ist einfach. Weil das Opfer dich identifizieren kann. Deshalb tust du das.«
»Wegen der recht überschaubaren Beute wirst du zum Mörder?«, fragte Jack unverändert skeptisch. Er stellte sich erneut dicht vor die Fotos. »Schaut mal. Zwei der drei durch Schläge hervorgerufenen Verletzungen sind an der hinteren...




