E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Bolk Clean Eating vegan
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95971-389-4
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Natürlich genießen – bewusst leben
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-95971-389-4
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Patrick Bolk lebte einige Jahre in Berlin, wo er mit den Blogs 'Berlin is(s)t Bio' (berlinbio.de) und 'Deutschland is(s)t vegan' (deutschlandistvegan.de) in die Bloggerwelt startete, bevor er erfolgreich diverse Sach- und Kochbücher zu veganen Themen veröffentlichte. Er lebt und arbeitet aktuell mit seiner Frau Eva auf Mallorca. Weitere Infos bietet patrickbolk.de.
Autoren/Hrsg.
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Meine persönliche Geschichte
Ich war nicht immer ein Clean Eater. Nein, bis ich immerhin 30 Jahre alt war, war ich so ziemlich das genaue Gegenteil: Ich ernährte mich katastrophal! Spätestens mit dem Auszug aus dem Hotel Mutti verschlechterten sich meine Essgewohnheiten noch einmal deutlich, denn ich hatte weder gelernt, zu kochen, noch verfügte ich über irgendeine Form von Ernährungswissen. Ich aß dafür mit großer Begeisterung alles, was die Fast-Food-Ketten zu bieten haben: Pommes mit Mayo und Currywurst, Döner Kebap, Gyros Pita, Schnitzel oder Hamburger. Im holländischen Nachbarort lockten Snacks, die man einfach für wenig Geld »aus der Wand ziehen« konnte: Fleischrollen, Fleischkroketten, Käsesoufflé, Bitterballen und vieles mehr – quasi alles, was man irgendwie frittieren kann.
Besuchte ich als Kind meine holländische Oma, gab es zur Begrüßung einen tiefen Griff in die Süßigkeitendose. Zur Verabschiedung bekam ich stets ein paar Gulden, damit ich mir eine Pommes kaufen konnte. Die verputzte ich an der nächsten Bushaltestelle, gefolgt von einem Softeis. Aß ich bei Oma zu Abend, verdrückte ich 10 Schnitten Weißbrot mit Käse. Warum auch nicht? Schließlich war ich im Wachstum und brauchte eine Menge Energie. Problematisch war, dass ich irgendwann ausgewachsen war, aber meine Essgewohnheiten nicht änderte. Ich wuchs nicht mehr in die Höhe, sondern nur noch nach vorne.
Ich weiß auch gar nicht mehr so genau, wann ich anfing, dick zu werden. Meine Mutter erzählte mir einmal, ich hätte in einem einzigen Sommer, als ich vielleicht 9 Jahre alt war, unheimlich viel zugenommen – vielleicht 10 Kilogramm. 15 Jahre später zeigte die Waage schon knapp 120 Kilogramm an! Ich hatte mir bis zu diesem Zeitpunkt natürlich keinerlei Gedanken über meine Ernährung gemacht. Meine erste richtige Freundin hatte ich erst mit 19, und diese Tatsache schrieb ich zum nicht unerheblichen Teil meinem Übergewicht zu, meiner unansehnlichen Wampe. Dabei gehörte ich nicht mal zu den »richtig Dicken«, die es in meiner Kindheit und Jugend nur ganz selten gab. Heute sieht das leider anders aus, viele Kinder sind übergewichtig, es ist fast schon normal geworden, dick zu sein.
Wir haben das alles nicht infrage gestellt
Würde man meine Mutter fragen, ob wir uns zu Hause gut ernährt haben, so würde sie sagen: »Natürlich, es gab immer frisches Gemüse und Kartoffeln.« Nicht falsch verstehen: Ich bin mir ganz sicher, dass meine Mutter uns immer nach bestem Wissen und Gewissen ernährt hat. Sie hatte nur einfach – wie fast alle Menschen um mich herum – nicht sehr viel Ahnung davon, was tatsächlich gesund ist. Gegen die tägliche Portion Gemüse gab es natürlich nichts einzuwenden, auch die Kartoffeln gingen noch halbwegs in Ordnung. Das Problem aber waren die häufig großen Portionen Fleisch, dazu Mayo und Ketchup sowie Fertigsoßen. Gab es Bratwurst, so wurde stets viel Öl in die Pfanne gegeben, und selbiges nach dem Braten gerne noch über die Kartoffeln. Schmeckte auch herrlich, denn Fett ist wahrlich ein guter Geschmacksträger.
Abends holten wir – natürlich häufig auf das Drängen von uns Kindern – nicht selten was an der Pommesbude oder »beim Chinesen«. Irgendwann kauften wir eine Fritteuse, und fortan gab es oft selbst gemachte Pommes (vermeintlich gesund, weil aus Kartoffeln), dazu Fleischrollen und Mayo. Und nach dem Essen war es völlig normal, dass man noch einen Nachtisch zu sich nahm, gerne eine große Portion Eis oder einen Sahnepudding. Überhaupt gab es bei uns zu Hause keinerlei Einschränkungen, was den Konsum von Süßigkeiten anging. Jeder durfte essen, so viel er wollte. Dazu tranken wir Kinder ganz selbstverständlich literweise Fanta, Cola oder Malzbier. Wasser? Auf keinen Fall, schmeckt nicht! Das Getränk, das Wasser in unserem Haushalt am ähnlichsten sah, war Zitronenlimonade. Meine Mutter kaufte zwar viel Gemüse, aber auch immer mehr Fertigprodukte, die das Leben vereinfachten. Warum auch nicht?
Im Nachhinein betrachtet ist mir glasklar, warum ich dick wurde, und mir ist klar geworden, dass meine und unsere damalige Ernährungsweise alles andere als gesund war. Doch ich brauchte einige Jahre, Bücher, Selbstversuche und Gespräche, bis ich verstand, woran das lag: vor allem an einem mangelnden beziehungsweise falschen Ernährungswissen. Niemand in meinem Umfeld stellte den Verzehr von Fleisch, Milch und anderen Produkten infrage. Keiner dachte sich etwas Negatives dabei, Fertiggerichte zu essen oder literweise Cola zu trinken. Es war einfach normal, und das Werbefernsehen tat sein Übriges, kritische Gedanken gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es gab damals (heute kaum vorstellbar, vor allem für jüngere Menschen) noch kein Internet, keine kritischen Ernährungs-Dokumentationen im Fernsehen oder Menschen im Umkreis, die mich oder uns aufklärten.
Und dann lernte ich die »Bio-Tante« kennen
Vielleicht wäre ich heute weder schlauer noch schlanker, hätte ich nicht ein wenig Glück gehabt. Zwei Faktoren waren dabei von besonders großer Bedeutung. Als ich ungefähr 30 Jahre alt war, hatte ich eine Freundin, die ich leicht spöttisch »Bio-Tante« nannte, weil sie fast ausschließlich in Bioläden einkaufte. Wer wie ich über 40 Jahre alt ist, weiß, wie Bioläden in den 90er-Jahren noch aussahen: kleine, dunkle Läden mit viel Holz, Räucherstäbchengeruch und Betreibern, die irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein schienen. Die Preise waren darüber hinaus astronomisch, und mal im Ernst: Was ist Kamut? Wofür soll Vollkorn gut sein? Und was ist an Döner verkehrt? Salat, Tomaten, Brot, ein wenig Fleisch – alles gesund, oder? So dachte ich damals und biss lächelnd und beinah provokativ in meinen Döner, während meine damalige Freundin Andrea neben mir stand und lieber nichts aß. Andrea hatte aufgrund zahlreicher Unverträglichkeiten und Allergien sehr viele Arztpraxen aufgesucht, bis ihr ein Arzt in München empfahl, ihre Ernährung umzustellen: auf Bio und vollwertig. Und es funktionierte, ihre Allergien verschwanden allesamt.
Andreas Ernährungsweise belächelte ich zunehmend weniger, nicht zuletzt, weil das Essen, das sie kochte, einfach lecker war. Und so wurde ich offener für das Thema »Gesunde Ernährung«, machte mich von meinen Vorurteilen frei und begriff, dass ich tatsächlich ernährungstechnisch irgendwann die falsche Abzweigung genommen hatte. Fortan kaufte ich nur noch Bio-Lebensmittel und wählte stets, falls vorhanden, die Vollkorn-Variante. So langsam wurde auch die Waage gnädiger mit mir, wenngleich ich mein Übergewicht nie ganz loswerden konnte.
Und dann wurde ich zum Veganer
Acht Jahre später folgte das nächste wichtige Ereignis in Hinblick auf meine Ernährung: Ich wurde Veganer. Im gleichen Maße, in dem mein Wissen ums Thema Ernährung zugenommen hatte, reduzierte sich mein Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten, Fast Food und Fertigprodukten. Als ich 38 Jahre alt war, hatte ich schließlich genug gelesen und gesehen, um mich zu entscheiden: ab heute vegan!
Damals glaubte ich, damit auch endlich die Lösung für meine nach wie vor vorhandenen Gewichtsprobleme gefunden zu haben. Ich las, dass Veganer schnell abnehmen und Normalgewicht erreichen würden. Knapp 5 Jahre später war ich allerdings schlauer: Sich vegan zu ernähren bedeutet leider keineswegs, automatisch und mal eben so ganz locker abzunehmen. Ich wog sogar tatsächlich noch ein paar Kilo mehr als zu Beginn meiner Umstellung auf eine vegane Ernährung.
Und so recherchierte ich weiter, wälzte vor allem amerikanische Ernährungsratgeber, schaute mir ein Ernährungskonzept nach dem anderen an, probierte sie teilweise auch selbst aus. Zunehmend wurde ich zum Experten in Sachen Ernährung, schließlich sogar zum Autor diverser veganer Ratgeber und Kochbücher. Mir wurde klar, dass ich mich zwar durchaus schon recht gesund ernährte, ich aber nach wie vor »Fehler machte«, die zumindest dazu führten, dass ich die überflüssigen Pfunde einfach nicht loswurde. Das Problem war nur, dass die von mir gelesenen Ernährungskonzepte sich nicht nur teilweise widersprachen (Low-Carb? High-Carb?), sondern zudem auch noch bisweilen unheimlich kompliziert oder dogmatisch waren.
Je mehr ich weiterlas, umso mehr Verunsicherung kam bei mir auf. Ich bezweifelte zudem, dass es das eine passende Konzept für alle Menschen gibt, weil wir nun mal nicht über die immer gleiche körperliche Konstitution verfügen, jeder Körper durchaus etwas anders funktioniert. Genau deswegen gibt es vielleicht auch eine unüberschaubare Anzahl an Diäten und Ernährungskonzepten. Wären unsere Körper alle gleich, so bräuchten wir doch schließlich nur genau eines, das perfekt für uns alle funktioniert. Doch unsere Körper sind eben individuell sehr unterschiedlich.
Es muss doch einen einfacheren Weg geben!
Ich hatte weder Lust noch besaß ich die nötige Konsequenz, eines der vielen vorhandenen Ernährungskonzepte durchzuziehen. Es musste doch einen einfacheren Weg geben, sich gesund zu ernähren und mein Normalgewicht wiederzuerlangen. Und schließlich verstand ich endlich: Es gibt diesen Weg, und er ist tatsächlich sogar sehr naheliegend und ziemlich einfach zu gehen. Man muss nur für einen Moment alles beiseiteschieben, was einem die Lebensmittelindustrie, die Werbung und die selbst ernannten Ernährungsgurus alles entgegenrufen. Denn sie alle wollen schließlich an unserem Essen verdienen. Hören wir einfach mal nicht hin und schalten stattdessen den gesunden Menschenverstand ein. Warum sollte es gesund sein, Fast Food oder stark verarbeitete Lebensmittel zu essen? Wieso essen wir nicht Lebensmittel so, wie sie uns die Natur anbietet,...




