Bohn | Der Zef'ihl, der in den Himmel stieg | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 302 Seiten

Bohn Der Zef'ihl, der in den Himmel stieg


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95765-771-8
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 302 Seiten

ISBN: 978-3-95765-771-8
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei Jahre sind vergangen, seit Adriaan Deneersen in »Der Zef'ihl, der vom Himmel fiel« in der Schlacht von Wamuan angeblich den Tod fand. Doch dann macht sich eine Frau auf die Suche nach ihm, die ihn für den Mörder ihres Vaters hält. Dies bringt seine alten Häscher wieder auf Deneersens Spur. Aber der K'atok, der Herrscher, in dessen Diensten Deneersen steht, lässt sich sein wertvollstes Gut nicht so leicht wegnehmen ...

Dieter Bohn wurde 1963 in Trier geboren. Seit 2007 wohnt er in Nievenheim und arbeitet in der Abteilung Technische Marktunterstützung eines großen Automobilzulieferers. 1968 hatte er ein prägendes Erlebnis, als er sah, wie sich das Raumschiff ORION majestätisch aus dem Strudel der Unterwasserbasis 104 erhob. Von da an war er von allem Fantastischen gefesselt. Von 'Raumschiff Enterprise', 'Zack' und 'Perry Rhodan' geprägt, führte sein Weg ganz unweigerlich zum Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der RWTH Aachen. Im Fach 'Maschinenelemente' kam er dort mit Tusche und dem perspektivischen Zeichnen in Berührung. Mit diesem Handwerkszeug ausgerüstet, versuchte er sich an einer Risszeichnung, wie er sie aus 'Perry Rhodan' kannte. Er sandte diese Zeichnung an den Pabel-Moewig Verlag, wo sie auch prompt veröffentlicht wurde. Dadurch kam er mit dem sogenannten 'Fandom' in Kontakt und hier besonders mit anderen Zeichnern der Szene. Er experimentierte mit Acryl, Airbrush, Graffiti und immer wieder Tusche. In über dreißig Jahren entstanden eine Fülle von Comics, Bilder, Risszeichnungen, Datenblättern und Illustrationen, von denen viele veröffentlicht wurden. Die letzten Jahre trat das Malen - sei es mit Pinsel, Tuschestift oder Grafiktablett - in den Hintergrund und das Schreiben nahm einen immer breiteren Raum ein. Mit seinen Geschichten hat er sich bei einer Reihe von Schreibwettbewerben platziert, darunter 2009 beim William-Voltz-Award. Mittlerweile hat er rund vierzig Storys in verschiedenen Anthologien sowie zwei eigenen Storysammlungen veröffentlicht, und er konnte bis jetzt sechs STELLARIS-Gastnovellen zum Perry-Rhodan-Universum beisteuern. Da diese auch vertont werden, kann er nun vier Hörbücher vorweisen.
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5


Es war warm im Hopper, der Antrieb säuselte vor sich hin, und die Innenbeleuchtung war auf ein Minimum heruntergedimmt. Ideale Voraussetzungen, um auf einem Flug in tiefster Nacht vor sich hin zu dösen. Athena war zu aufgeregt, um zu schlafen. Außerdem war ihr von der Schwerelosigkeit im Hopper übel.

Hinter dem mittleren Sitzblock begann die Außenwand der Kugel, die bis zur Decke und durch sie hindurch reichte, und die den Higgs-Applikator in sich barg. Diese im Raumfahrerjargon »Hickup« genannte Maschine erzeugte das Feld, das den Einfluss der Gravitation aufhob. Was blieb, war eine schwebende Masse, die vom Staustrahltriebwerk im Heck bewegt wurde.

Alle Wände, der Boden und die Decke waren mit einem speziellen Material ausgekleidet. Zusammen mit den Schuhüberziehern sorgte es für den nötigen Halt, wenn der Hickup in seinem kugelförmigen Feld die Schwerkraft aussperrte.

Rechts und links der Kugelwölbung führten schmale Gänge in den hinteren Bereich. Dort befand sich der Stauraum mit den Versorgungsgütern für die Forscher vor Ort, sowie Ausrüstungsgegenstände und die wenige, persönliche Habe der Passagiere. Auch der Rucksack mit Athenas Habseligkeiten und dem heimlich beschafften Proviant befand sich noch im Stauraum hinter der Kugel des Hickups.

Die Kabine verfügte neben den Sitzen für Pilot und Kopilot über weitere acht Sitzplätze für Passagiere.

Alle Plätze waren belegt. Bis auf eine Frau kannte Athena die Passagiere von den Einführungswochen. Sie hatte bewusst vermieden, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Während die anderen sich nach dem Unterricht noch trafen oder den Abend zusammen verbrachten, hatte Athena sich herausgehalten. Man hielt sie vermutlich für überheblich oder eine Eigenbrötlerin. Dabei war Athena normalerweise gesellig. Aber jede unbedachte Äußerung, jedes zwanglose Fachsimpeln mit einem der Forscher konnte ihre Tarnung auffliegen lassen. Dem war sie lieber aus dem Weg gegangen.

Die meisten Passagiere dösten vor sich hin oder unterhielten sich leise. Nur ein paar der Neuen aus ihrer Gruppe hatten offensichtlich Spaß an der Schwerelosigkeit, die nicht nur die Haare wie eine Seegraswiese im Meer wogen, sondern alles, was nicht befestigt war, durch die Kabine umherschweben ließ.

Athena zupfte an ihrem Rock und klemmte den Saum zwischen den Beinen ein. Fast alle trugen bereits die Kleidung, wie sie auch die Eingeborenen trugen. Rock war sie ja gewohnt, aber diese merkwürdige Art von Unterwäsche war gewöhnungsbedürftig. Sie bestand aus einem langen, schmalen Tuch, das einmal um die Hüften geschlungen, dann zwischen den Beinen hindurchgeführt und wieder an der Hüftschlinge befestigt wurde. Die Pobacken blieben dabei frei. Ständig ertappte sie sich, wie sie den Saum des Rocks nach unten zupfte, weil sie sich so nackt vorkam. Vor allem, wenn er wie hier im Antischwerkraftfeld des Hickups ständig bestrebt war, sich zu lüpfen.

Athena saß an einem der Plätze an der Außenwand. Sie lehnte ihren Kopf an das Pla-Glas des Kabinenfensters, beschattete ihre Augen vor dem Restlicht der Kabine, und starrte nach draußen. Die Finsternis einer Welt, die Jahrhunderte von der Entwicklung elektrischen Lichts entfernt war, half ihr gegen die Übelkeit. Ein unterschwelliger Geruch in den Polstern, nicht vollständig von Raumluftparfüm überdeckt, ließ ahnen, dass sie nicht die Erste wäre, die sich im Gefühl des freien Falls übergeben würde.

Einer der Monde stand am Himmel. Der Farbe nach musste es Asoon sein, der größere der beiden Trabanten. Seine dünne Atmosphäre überzog ihn mit einem blauen Schein. In seinem Orbit befand sich auch der »Bahnhof«, an dem das Sprungschiff sie abgesetzt hatte. Von dort aus starteten Shuttles, die Forscher zum Basiscamp an der Oberfläche und wieder zurückbrachten. Der kleinere Mond, die rötliche Asuul, war nicht zu sehen.

Die astromechanischen und geografischen Gegebenheiten waren eine von vielen Schulungseinheiten unter dem Indoktrinator gewesen. Der Planet verfügte über zwei bewohnte Großkontinente, Ajschta und Me’el. Auf Ajschta befand sich das Basiscamp, der versteckte Stützpunkt der Terraner auf Shi’ialla, zugleich der Ort mit der Startvorrichtung, mit deren Hilfe man die Umlaufbahn erreichen konnte.

Eine dritte, kontinentgroße Landmasse mit dem zungenbrechenden Namen Xsesch’an lag unter dem ewigen Eis des Nordens begraben. Lediglich ein Zipfel im hohen Norden blieb vom Permafrost verschont und ragte mit einer geologisch dazugehörenden Inselkette fast bis zum Äquator.

Eine weitere Inselgruppe im Osten bildete den Pseudokontinent Sumsar, vergleichbar dem irdischen Indonesien.

Me’el war die Endstation dieses Hoppers. Die letzten Tage hatten sich die Gespräche im Basislager um nichts anderes als die Ruinen gedreht, die man dort in einem unzugänglichen Dschungeltal mittels LIDAR-Fernerkundung aus dem Orbit entdeckt hatte.

Die Forscher konnten weitgehend frei entscheiden, wo und wann und wie sie eingesetzt wurden. Darum war dieses Tal das Ziel der meisten im Hopper. Der Stauraum im Heck der Maschine war voll mit Materialien und Versorgungsgütern für das neue Forschungscamp.

Athena hatte es geschafft, für den Trip nach Me’el eingetragen zu werden. Wäre sie wirklich die Anthropologin, als die sie sich bisher erfolgreich ausgegeben hatte, wäre sie jetzt hoch erfreut, die Gelegenheit zu bekommen, in unerforschtem Gebiet zu graben.

Vorher würde der Hopper jedoch noch einen Zwischenstopp in einem abgelegenen Camp mit Botanikern einlegen. Die Flüge erfolgten fast ausschließlich nachts und für den Fall, dass ein Hopper irgendwo abgestellt werden musste, gab es im Stauraum eine zusammengefaltete Mimikryfolie, die auf optoelektrischem Wege die Struktur des Hintergrunds imitieren konnte. Die Eingeborenen dieser Welt sollten nicht mitbekommen, dass Wesen von den Sternen auf ihrem Planeten umherstreiften und Forschung betrieben. Erst recht durften sie keine Zeugnisse einer hochtechnologischen Zivilisation zu sehen bekommen.

Athena musste sich immer wieder vor Augen halten, dass sie es hier nicht mit Menschen, mit Kindern des Planeten Erde, zu tun hatte. Dies waren echte Außerirdische, Wesen einer parallelen Evolution auf einem fremden Planeten. Das war auch der Grund, warum diese Welt unter Quarantäne, unter dem Bann der Vereinigten Kirchen stand und man nur mit einem Kirchlichen Passantum hierher gelangte. Zumindest war man sich im Kreis der Forscher darüber einig.

Vermutlich rauchten bei einigen klerikalen Würdenträgern die Köpfe, wie man auf den Welten des Demoriums erklären sollte, dass der eine Gott, interpretiert von Ihren Heiligkeiten, auch auf einer anderen Welt als der Erde Wesen nach seinem Ebenbild geschaffen hatte.

Aus den Lektionen des Indoktrinators wusste Athena, dass die eingeborenen Humanoiden von Shi’ialla von Menschen kaum zu unterscheiden waren. Leider stand kein Mittel zur Verfügung, etwas über den Grad der parallelen Evolution auszusagen, da die Disziplin der Genetik seit einigen Hundert Jahren unter dem Bann der klerikalen Dogmen stand. Denen zufolge hatte Gott den Menschen geschaffen und kein Mensch durfte Gott in sein Handwerk schauen, geschweige denn hineinpfuschen. Damit stand auch die Genomanalyse unter Kirchenbann. Den Forschern blieben nur vergleichende Analysen, die von den Kirchen interpretiert wurden.

»In einer Viertelstunde landen wir am Zwischenziel. Wir überfliegen gerade das Zula’ai-Gebirge.«

Athena hatte nicht mitbekommen, dass die Kopilotin sich zu ihnen umgedreht hatte. Einige Passagiere schreckten aus ihrem leichten Schlaf hoch. Manche gähnten, reckten sich und versuchten, ihre schwebende Kleidung zu richten. Das bisher monotone Hintergrundgeräusch änderte sich. Es rumpelte und klackte im Bauch des Hoppers, als das Landefahrwerk ausfuhr.

Das Säuseln des Triebwerks nahm eine andere Klangfärbung an. Als die Pilotin, eine Frau mit deutlich erkennbaren asiatischen Wurzeln, die Leistung des Higgs-Applikators langsam herunterfuhr, war es, als lege sich eine bleierne Schwere auf sie und drohte, sie zu erdrücken. Dann gab es einen Ruck, als das Schiff aufsetzte.

Athena atmete schwer. Nicht nur, weil ihr volles Gewicht wieder auf ihr lastete.

Im Camp der Botaniker stiegen sie aus, um sich die Beine vor dem anstehenden Flug über den Ozean noch einmal zu vertreten und die Versorgungsgüter für die Wissenschaftler auszuladen.

Athena ließ sie sich Zeit mit dem Aussteigen, scheinbar trödelnd, während ihr Herz bis zum Hals schlug. Erst als der letzte Passagier die Kabine verlassen hatte, schnappte sie sich ihren Rucksack. Langsam schlenderte sie nach draußen. Dann, in einem unbeobachteten Moment, spurtete los, hinein in die Dunkelheit der Nacht.

Athena schlug sich in die Büsche. Wortwörtlich. Mehr stolpernd als laufend fiel sie direkt in die Kugel aus Gestrüpp und Blättern. Die Gewächse zerkratzten ihre Haut an Armen und Beinen, aber sie schützten sie auch vor der Sicht der Menschen dort oben am Hügel.

Das Camp war nur schwach vom Schein offener Feuer beleuchtet. Zwar befand es sich viele Kilometer entfernt von jeder Behausung und allen Pfaden, trotzdem wollte niemand das Risiko eingehen, dass ein zufällig vorbeikommender Eingeborener des Anblicks künstlichen, elektrischen Lichts gewahr wurde.

Normalerweise.

Denn nun flammten dort oben die grellen Leuchtfinger von Handstrahlern auf. Anscheinend hatte man ihr Fehlen bemerkt. Rufe wurden laut. Sie hörte ihren Namen heraus.

Athena duckte sich tiefer hinter den Busch. Ihr Atem erschien ihr überlaut. Für einen Moment überfiel sie Unsicherheit, ob sie das Comgerät in ihrem Gepäck wirklich ausgeschaltet...



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