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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 184 Seiten

Reihe: Der Land-Kommissar

Boer Jungferntanz

Kommissar Kattenstrohts siebter Fall
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7843-9064-2
Verlag: Landwirtschaftsvlg Münster
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kommissar Kattenstrohts siebter Fall

E-Book, Deutsch, Band 7, 184 Seiten

Reihe: Der Land-Kommissar

ISBN: 978-3-7843-9064-2
Verlag: Landwirtschaftsvlg Münster
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es sollte ein ausgelassenes Wochenende unter befreundeten Lehrerinnen im Landhaus Bockhorst an der Brinke werden. Man wollte dort das Wochenende verbringen mit Entspannung, gemeinsamen Kochen und Singen. Doch als am Sonntagmorgen eine der Frauen beim Frühstück fehlt, wird sofort die Polizei in Gestalt von Münsters Kommissar Kattenstroht alarmiert. Und tatsächlich: Kurz darauf wird eine weibliche Leiche im Revier eines Waidmanns gefunden. Die Ermittlungen in dem Fall sind dieses Mal äußerst mühsam. Sollte es sich hier tatsächlich um einen perfekten Mord handeln? Das können Kommissar Kattenstroht und Assistent Tim Schap natürlich nicht auf sich sitzen lassen!

Hans-Peter Boer wurde 1949 im münsterländischen Nottuln geboren. Nach Abitur und Studium der Germanistik und Geschichte trat er 1972 in den Schuldienst ein. Zahllose Veröffentlichungen zur Kultur, Geschichte und Landeskunde des Münsterlandes folgten. Neben der Arbeit als erfolgreicher Autor ist Hans-Peter Boer seit Sommer 2007 Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Er lebt mit seiner Familie in Nottuln.
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Der Polizeiposten Stockhem hatte sich an diesem ungemütlichen Sonntagnachmittag gerade auf seine Couch zurückgezogen, um mit Hilfe seiner Sportzeitung in ein hoffentlich gesundes Mittagsschläfchen zu verfallen. Prompt ging das Telefon, und die Einsatzzentrale aus der Kreisstadt erinnerte Ritzmann daran, dass er Rufbereitschaft hatte: „Wir haben so eine merkwürdige Vermisstenmeldung aus einer Frauengruppe. Die kommt von Haus Bockhorst, das liegt ja da bei Ihnen in den Rodorper Bergen. Normalerweise lassen wir Vermisstenmeldungen erst mal 24 Stunden reifen, aber hier scheint Hektik aufzukommen. Fahren Sie bitte mal raus, und beruhigen Sie die Damen ein bisschen. Wir hatten das Gefühl, dass da ein ziemlicher Aufstand ist.“

Wenige Minuten später hatte sich Ritzmann in seinem Dienstwagen auf den Weg gemacht. Noch vor Rodorpe hatte er die Kreisstraße verlassen und war auf einen kleinen Interessentenweg ausgewichen, der ihn schnurstracks von Norden her auf die Rodorper Berge zu und über einige Serpentinen hinauf zum Haus Bockhorst führte. Der Polizist lenkte den Wagen demonstrativ auf die rückwärtige, herrschaftlich breite Auffahrt. Die Rosenstöcke des Rondells, die im Sommer und Herbst jeden Besucher in Erstaunen und Freude versetzten, standen jetzt kahl, größtenteils waren sie in Jutegewebe eingehüllt. Die Bockhorster Höhe war gegenüber dem südlich vorgelagerten Brinketal eher frostgefährdet.

Aus der symmetrisch gegliederten Rückfront der neoklassizistischen Villa ragte ein auf vier Säulen ruhender Altan hervor, unter dem eine malerisch gestaltete Freitreppe mit ausladenden Stufen und niedrigem geschwungenen Geländer aus schwerem Schmiedeeisen die Eintretenden empfing. Ritzmann wurde schon erwartet, offensichtlich hatte man im Haus das vorfahrende Polizeiauto registriert. Zwei Frauen mittleren Alters, beide in weite, bunte Trainingsanzüge gekleidet, eilten schon die Stufen hinab dem Beamten entgegen: „Gut, dass Sie endlich da sind!“, rief die eine – und: „Es ist ja so fürchterlich!“, rief die andere!

Ritzmann begab sich angesichts des aufgeregten Engagements der Damen erst einmal in die Defensive; er stellte sich ihnen vor, zog entgegen seiner Gewohnheit – eigentlich kannte ihn zwischen Stockhem und Kerkhövel jedes Kind – seinen Dienstausweis heraus und bemühte sich – zunächst erfolglos – darum, Ruhe zu schaffen. Entschieden schritt er die Treppe hoch und auf das Portal zu, während die Damen von rechts und links beständig auf ihn einredeten. In der Türöffnung standen drei weitere Frauen, ebenfalls in Trainingsanzüge gekleidet, und sahen dem Ankömmling gespannt entgegen. Gemeinsam betrat die Gruppe nun das malerische Vestibül von Haus Bockhorst, das sich mit seinen edlen Marmorböden, Wandvertäfelungen und klassischen Tapeten vornehm präsentierte. Über die doppelläufige Treppe rechts und links, die auf eine Galerie hinaufführte, eilten nun drei weitere Frauen hinab: zwei auf der einen, die Dritte, zunächst unschlüssig, welchen Treppenlauf sie wählen sollte – auf der anderen Seite.

So sah sich der wackere Ordnungshüter einer achtköpfigen Frauentruppe gegenüber, deren innere Ordnung sich ihm trotz jahrelanger Erfahrung im Umgang mit Menschen nicht sofort erschloss: Alle redeten durcheinander. Schließlich setzte sich eine ältere Dame durch, die zunächst zurückhaltend, dann aber kopfschüttelnd an der Treppe stehen geblieben war: „Jetzt mal Ruhe, Ladys! Ich schlage vor, wir gehen in den Gartensaal. Da ist Platz genug, und wir können uns in Ruhe mit dem Beamten unterhalten. Gestatten: Gildehaus, Sophia Gildehaus. Ich war früher Konrektorin an unserer Schule. Wir machen einen Stuhlkreis, geben den Sprechstein rein, und es redet nur der, der ihn in der Hand hält.“

Ritzmann hatte den heiter-ironischen Unterton im Beitrag der Frau Gildehaus zunächst nicht wahrgenommen. Aber der Vortrag wirkte. Immerhin schien diese Dame eine gewisse Autorität zu genießen, denn das Geschwader in seinen farbenprächtigen Sportanzügen bewegte sich tatsächlich durch eine große Tür unterhalb der Galerie in Richtung des angesprochenen Gartensaales. Dieser war weitgehend ausgeräumt; die Frauen zogen sich von den Wänden Stühle heran und bildeten zügig einen großen Kreis.

Ritzmann selbst kannte diesen Saal von gelegentlichen früheren Besuchen. Seine Frau hörte gerne Kammermusik, und das Kreisbildungswerk veranstaltete dort seit Jahren eine vielgepriesene Konzertreihe. So schritt der Polizist durch die weitgehend leere Mitte des schönen Saales auf die Fensterfront zu, die von großen Glastüren geprägt war, welche vom Boden bis zur Decke reichten. Gern erinnerte sich der Besucher an heitere Sommerabende, wenn man nach dem Genuss schöner Musik auf der Gartenterrasse noch ein wenig plaudernd und mit einem erfrischenden Getränk Konzerterlebnisse hatte ausklingen lassen. Jetzt zog schon langsam die Dämmerung des Spätwinterabends heraus, und im Westen, in Richtung Brinkbergen, lugte hin und wieder die untergehende Sonne aus einem lebhaften Wolkentheater hervor. Der sanft nach Süden hinabschwingende Hang des Parks von Haus Bockhorst war mit alten Bäumen bestanden und rahmte so den Blick ins Brinketal. In der Ferne erhob sich der Kirchturm von Reckelsum aus der Landschaft. Zwischen den Waldungen und Baumgruppen, den teils noch mit Wallhecken gerahmten Schlägen, hatte sich ein erster Nebelschleier gebildet, der im schwächer werdenden Licht eine verwunschene Atmosphäre zu weben begann. Hier und dort schienen Lichter von den verstreuten Höfen auf. Ritzmann seufzte wohlig. Ihm wurde wieder bewusst, warum er nie einen Versetzungsantrag in die Stadt gestellt hatte, auch wenn dort seine Beförderungschancen weitaus besser gewesen wären.

Der Polizist riss sich von dem Bild des Brinketals los und wandte sich dem Kreis der Damen zu, die inzwischen ihre Stühle aufgestellt und – pädagogisch hoch professionell – auch eine Sitzgelegenheit für den Gast besorgt hatten. Ritzmann schlug sein Notizbuch auf und begann die Befragung, wobei er auf die groben Daten zurückgriff, die ihm die Kollegen am Telefon aus der Vermisstenmeldung durchgegeben hatten. „Verschwunden ist also die Frau Sökeland, Cäcilia, 60 Jahre alt, Lehrerin und Schulleiterin. Zuletzt gesehen hier auf Haus Bockhorst. Verschwunden seit wann?“ Er schaute fragend in die Runde und schrak sofort zurück angesichts der Wortkaskade, die auf ihn zurollte:

„Langsam, langsam, meine Damen. Wir machen das mal anders!“ Er schaute in die Runde und konzentrierte sich auf die ältere Frau Gildehaus, die schon zuvor ihre Autorität unter Beweis gestellt hatte: „Sie fangen bitte mal an. Ich stelle Ihnen zunächst alle Fragen. Sie antworten zunächst allein. Hinterher folgen die Ergänzungen der anderen Damen, einverstanden?“

Niemand erhob Einwände, und Sophia Gildehaus begann: „Wir haben ja schon heute am frühen Nachmittag am Telefon der Notrufzentrale berichtet, dass unsere Kollegin Cäcilia Sökeland verschwunden ist. Sie war noch gestern am Abend hier bei uns im Kreis. Wir hatten gestern unseren Tanzmeister Pedro zu Gast; wir haben von etwas 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr mit ihm gearbeitet, natürlich durch Pausen unterbrochen. Dann haben wir gemeinsam gekocht und gegessen, hinterher noch etwas im Vestibül am Kamin zusammengesessen. Zuletzt gesehen haben wir die Cilly so gegen 21.00 Uhr, oder?“ Ein stummes, bestätigendes Nicken ging durch die Runde.

Die Gildehaus fuhr fort: „Heute Morgen ist sie nicht zum Frühstück erschienen. Das war ungewöhnlich, aber wir dachten, sie wollte etwas länger schlafen. Erst gegen 11.00 Uhr hat Lissy Weldermann mehr als laut an die Tür geklopft und hat, als niemand reagierte, Cillys Zimmer betreten. Das Bett war leer und offensichtlich unbenutzt. Alle ihre Sachen sind noch da. Das Auto steht vor der Tür. Wir haben es in ihrer Wohnung in Münster versucht. Da geht niemand ans Telefon, wie denn auch, sie ist ja Single und wohnt tatsächlich allein. Ihr Handy liegt hier oben auf dem Tisch. Sie hat wahrscheinlich nur eine Regenjacke angezogen und ist fort. Vielleicht wollte sie noch einen Abendspaziergang machen, nur – abgemeldet hat sie sich nicht. Und auch dies noch, damit Sie nicht glauben, wir seien hysterisch: Wir haben ihre Notnachbarin in Münster angerufen, die hat mit Cillys Zweitschlüssel, der bei ihr deponiert ist, die Wohnung kontrolliert. Es ist niemand da, und in der Wohnung ist sonst alles in Ordnung! Ich habe dann noch ihre Schwester in Roggendorf angerufen. Cilly ist übrigens von dort. Die hatte aber auch seit Tagen nichts von ihr gehört.“ Die Gildehaus dachte nach: „Ach, übrigens, eh ich das vergesse: Ihr Schlüsselbund liegt ebenfalls oben auf dem Tisch, neben dem Handy – wie gesagt – und den Autopapieren plus Führerschein.“

Ritzmann gab ein fragendes Brummen von sich, schaute auf seine Notizen und versuchte, sich ein erstes Bild zu machen. „Ich fasse mal zusammen: Sie hat also alles, was man eigentlich für einen Aufbruch braucht, hier im Haus zurückgelassen. Der Wagen steht vor der Tür und ist nicht mehr bewegt worden. Seit wann übrigens?“

„Seit Freitagabend. Wir sind am Freitag hier auf Haus Bockhorst eingetroffen und wollen bis Montagabend bleiben. Sie wissen doch, von Roggendorf bis Brinkbergen steht der ganze westliche Landkreis kopf und feiert Karneval. Der kommende Montag ist bei uns traditionell ‚blauer Montag’, und die Schule ist und bleibt zu. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und unternehmen seit Jahren etwas an diesem ungewöhnlich langen Wochenende. Das war einmal meine Idee, die ich vor meiner Pensionierung entwickelt habe. Seitdem organisiere ich dieses Wochenende, und...


Hans-Peter Boer wurde 1949 im münsterländischen
Nottuln geboren. Nach Abitur und Studium der Germanistik und Geschichte trat er 1972 in den Schuldienst ein. Zahllose Veröffentlichungen zur Kultur, Geschichte und
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