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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 184 Seiten

Reihe: Land-Kommissar

Boer Balkenbrand

Kommissar Kattenstrohts sechster Fall
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7843-9062-8
Verlag: Landwirtschaftsvlg Münster
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kommissar Kattenstrohts sechster Fall

E-Book, Deutsch, Band 6, 184 Seiten

Reihe: Land-Kommissar

ISBN: 978-3-7843-9062-8
Verlag: Landwirtschaftsvlg Münster
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



An einem schönen Frühlingssonntagmorgen entdeckt ein kleines Mädchen die Leiche einer jungen Frau auf einem Schiff, dass auf Münsters kanal schippert. Nach der schwierigen Identifizierung der Frau gibt es für Kommissar Kattenstroht und sein Team noch viele Fragen: Welche Bedeutung hat das Medaillon, das die junge Frau trug? Welche Rolle spielt ihr Freund, der Inhaber einer Schnapsbrennerei? Lassen Sie sich von dem spannenden 6. Band von Hans-Peter Boer mitreißen und seien Sie hautnah dabei, wenn der Landkommissar ermittelt.

Hans-Peter Boer wurde 1949 im münsterländischen Nottuln geboren. Nach Abitur und Studium der Germanistik und Geschichte trat er 1972 in den Schuldienst ein. Zahllose Veröffentlichungen zur Kultur, Geschichte und Landeskunde des Münsterlandes folgten. Neben der Arbeit als erfolgreicher Autor ist Hans-Peter Boer seit Sommer 2007 Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Er lebt mit seiner Familie in Nottuln.
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Der Sonntagmorgen hatte bei Familie Büscher wie immer früh begonnen. Mochte die vierjährige Lisa auch endlich mal etwas länger schlafen, so erforderten doch die zweijährigen Zwillinge Nele und Lena früh die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Dabei war Petra Büscher angesichts der vielen Arbeit froh darüber, dass ihr Mann Heinz sich so selbstverständlich und offensichtlich auch gern in allen Bereichen in die Betreuung der Kinder einband und keine Arbeit übersah. Während die Kleinen versorgt wurden, schlief Lisa noch. Als sie erst gegen acht Uhr aus den Federn krabbelte, war sie noch etwas quengelig und hatte gleich ein großes Ziel vor Augen: Der neue Fahrradanhänger für Nele und Lena sollte unbedingt mit einer richtigen Radtour eingeweiht werden.

Am Freitag waren die Zwillinge zwei Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages waren Opa und Oma Bomert, Petras Eltern, aus den Emsland angereist und hatten das mit den Großeltern Büscher abgesprochene und und das jeweils hälftig finanzierte Geschenk mitgebracht: Einen zweisitzigen holländischen Fahrradanhänger für Kleinkinder, ausgestattet mit allem Komfort und technischen Schnickschnack, der einem solchen Gefährt in modernen Zeiten eigen ist. Die Kinder hatten gejubelt, die Eltern hatten sich gefreut, die Großväter und Vater Heinz hatten zwei Stunden über der Montageanleitung geflucht, mit der man die aufwändige Halterung am Fahrradrahmen des Vaters anbringen musste. Eines war natürlich klar: Heinz Büscher wurde für die überschaubare Zukunft das Zugpferd der Familie. Über Kaffeetrinken, Montagemühen und Abendessen war man nicht mehr zu einer längeren Radtour gekommen, und hier sah Lisa natürlich ihre Hauptaufgabe. Schließlich war es Sonntag, und das Wetter war schön: „Nele und Lena wollen das ganz bestimmt auch!“, hatte die Vierjährige immer wieder mit Nachdruck gebohrt und gebettelt. „Und die Sonne scheint!“

„Aber es ist noch kalt!“, hatte Petra Büscher Widerstand geleistet, doch gegen 9.30 Uhr wurde auch ihr Mann weich. Der hatte wohl selbst große Lust, das neue Gespann auszuprobieren. Also packte man alle Ausrüstung für einen mehrstündigen Familienausflug mit Kleinkindern zusammen, stieg von der Etagenwohnung herunter auf den Hof, holte die Räder aus der Garage und stellte nun erstmals unter neugierigen Blicken der Nachbarn das elegante Alu-Gespann der Büschers zur Abfahrt auf. Die Zwillinge wurden im Anhänger warm verstaut; auf den durchsichtigen Regen- und Windschutz konnten sie sogar verzichten. Lisa kam in ihren Sitz auf Mutter Petras Rad, in die vorderen Fahrradkörbe wurde alles Übrige verstaut. Dann ging es endlich los.

Der Weg führte nach Osten hinaus ins frühlingshafte Münsterland. Als sie auf einer Seitenstraße einmal nebeneinander herfahren konnten, bemerkte Petra Büscher: „Kaum zu glauben, dass wir erst in zwei Wochen Ostern haben! Schau dir das an! Alles wie geputzt!“

Tatsächlich erstrahlte das Land im hellen Sonnenlicht wie zu einem Aufbruch. Schon seit zwei Wochen hatte es nicht mehr geregnet. Der harte Winter hatte jedoch mit der späten Schneeschmelze viel Feuchtigkeit im Land gelassen. Nun protzte in der frühen Wärme auf den Wiesen der erste gelbe Löwenzahn, und auch das Wiesenschaumkraut erhob sich langsam. Die Felder selbst waren noch vielfach schwarz, aber die Wallhecken, die die Triften rahmten, zeigten überall den blühenden Weißdorn. Auf den Feldrainen präsentierten sich die Frühblüher, in den Waldstücken, die von einem grünen Schimmer überzogen waren, leuchteten Buschwindröschen und Blaustern. Die Vögel waren putzmunter, und Büschers mussten feststellen, dass sie nicht die einzige Familie waren, die sich zu einer vorgezogenen Ostertour aufgemacht hatte. Schon herrschte ein reger Verkehr von Wanderern und Radfahrern auf den kleinen Wegen, und an den Gasthäusern stellten die Wirte eilfertig Stühle und Tische in die Sonne. Dass sie noch Fleece-Decken als Zugabe bereithielten, mochte den einen oder anderen Gast zusätzlich locken.

Familie Büscher wählte den Radweg längs der Werse, was den neuen Anhänger immer mal wieder ins Schaukeln brachte. Aber Nele und Lena hatten Spaß an der Tour und quiekten ein ums andere Mal, wenn der Vater einer stärkeren Bodenwelle nicht ausweichen konnte. Im Sonnenschein an einer Werse-Mühle machten sie Rast. Man aß und trank aus den mitgenommenen Vorräten, und hätte man nicht allmählich an die Mittagsschlafenszeit der Kleinen denken müssen, so hätten die Büschers die schöne Tour mit dem neuen Anhänger bestimmt noch verlängert.

So brach man denn wieder auf in Richtung Stadt, wobei Lisa unbedingt noch Schiffe sehen wollte. Die Strecke über die Schleuse Münster war kein Umweg, und Lisa wurde auch schon ganz unruhig, als sie hinter Mutters Rücken erspähen konnte, dass gerade zwei Schiffe aus dem Oberwasser in die Schleusenkammer eingefahren waren. Die Kleine war immer wieder begeistert von den Schiffen, den Menschen darauf, den Kindern in den eingegitterten Spielplätzen und natürlich auch von den Bordhunden. Die Schiffer zeigten sich stets freundlich, sie winkten zurück und ließen manchmal auch das Schiffshorn für die Kinder blasen. Beeindruckend fand Lisa das gemächliche Herabsinken der großen Pötte auf die Höhe des Unterwassers, und sie hatte Spaß an der Einfahrt neuer Schiffe auf ihrer Bergfahrt und ihrem Aufstieg; inzwischen tauchten nach den ersten Sonnentagen auch die Boote der Freizeitskipper wieder auf. Natürlich wollte Lisa aus dem Kindersitz befreit werden. Auf der auch von Autos und Motorrädern befahrenen Brücke vor den großen Schleusentoren ging das natürlich nicht.

Heinz und Petra Büscher schoben also ihre Räder und den Anhänger auf den kleinen freien Platz an der Schleusenlängsseite. Hier hatte eine einsichtige Kanalverwaltung zwischen zwei Schleusenkammern einen Teil des Kais für etwa 20 Meter freigegeben, so dass Interessierte den Schleusenvorgang aus einer sicheren Position verfolgen konnten. Die Gitter waren sogar kindersicher gemacht worden. Natürlich sprang Lisa herum, erklärte und kommentierte alles und bestätigte wieder einmal das Urteil ihrer Kindergärtnerin, wonach die große Büscher eine Quasseltante sei. Leider fand sie außerhalb ihrer Familie keine Zuhörer. Die Büschers waren zufällig die einzigen Zaungäste an der Schleuse.

Mittlerweile waren die Schleusentore zum Oberwasser geschlossen worden. Ein gleichmäßiges Brausen und deutliche Wasserbewegungen zeigten an, dass die beiden Schiffe ihren Weg zum Unterwasser angetreten hatten. Zügig sanken sie herab. Die Kapitäne und ihre Leute wachten mit Argusaugen über den Schleusenvorgang, und an den schnell trocken fallenden Wänden mit ihren eingebauten Haken für die Schiffstaue konnte man sehen, dass in kurzer Zeit beide Schiffe ihren Weg in Richtung Norden würden fortsetzen können.

Schon brodelte es vor den riesigen Toren in Richtung Unterwasser auf, und man sah, wie sich die gewaltigen hydraulischen Arme bewegten. Die Schiffer warfen die Motoren an, und blauer Dieseldunst wehte durch die tiefe Schleusenkammer.

„Das war’s mal wieder!“, gab Vater Büscher das Signal zum Aufbruch. Lisa wollte aber unbedingt noch die Ausfahrt der Schiffe begucken. So bemühten sich die Eltern erst einmal um die Zwillinge. Lena war inzwischen eingeschlafen und nuckelte an ihrem Daumen. Lisa war auch schon sehr müde, zeigte sich aber durstig. „Setz du doch schon mal die Große aufs Fahrrad!“, bat Petra Büscher ihren Mann, und der griff seine sich etwas sträubende Älteste und praktizierte sie in den Kindersitz des Rades, das an das Geländer zur Schleusenkammer angelehnt stand. Lisa wurde ordentlich verstaut und mit Gurten gesichert. Da sie hoch saß, konnte sie die Ausfahrt der beiden Schiffe gut verfolgen. Das fand sie einfach toll. Zuerst kam ein Schiff, dessen Luken geschlossen waren. Das Kind winkte eifrig herunter, und der freundliche Kapitän drückte einmal kurz auf das Signalhorn. Der Bordhund aber, eine hübsche Promenadenmischung, bellte tüchtig hinauf.

Das zweite Schiff hatte Schrott geladen, der in hohen Bergen aufgeschüttet war und für einen ordentlichen Tiefgang sorgte. Während in der Tiefe der Schleusenkammer das Schiff langsam Fahrt aufnahm, stellte sich Lisa in den Fußhalterungen des Kindersitzes auf, obwohl ihr Vater gerade dabei war, die Fußgurte zu befestigen. Das Kind guckte neugierig herunter, tippte dem Vater auf den Rücken und meinte: „Guck mal Papa, die Tante schläft da!“

Heinz Büscher richtete sich auf; sein Blick folgte dem weisenden Arm seiner kleinen Tochter; der Mann erschrak. „He, Petra, halte du mal die Große! Da ist was faul!“, rief er. Dann zog er das Rad mit Lisa im Kindersitz vom Gitter weg auf das seitlich stehende Gespann zu und versuchte, seiner Frau den Lenker in die Hand zu drücken. Kaum war das gelungen, spurtete Büscher wie von einer Tarantel gestochen los über den Kai die Schleusenkammer entlang zur Brücke, unter der gerade das zweite Schiff mit seinen Schrottbergen bei zunehmender Geschwindigkeit seine Talfahrt nach Norden fortsetzte. Der Mann lehnte sich auf der Brücke weit über das Geländer und starrte in den offenen Laderaum hinunter. Nachdem er sich vergewissert hatte, keinem Irrtum erlegen zu sein, winkte er dem Skipper heftig zu und wies mit seinem Arm entschieden nach unten in den Schiffsraum. Dabei brüllte Büscher auch etwas herunter, wurde aber wegen des Dröhnens der Schiffsdiesel in der engen Schleusenkammer nicht verstanden. Der Skipper auf der Brücke winkte ebenso verständnislos wie freundlich zurück und gab seinem Kahn offensichtlich volle Fahrt voraus. Büscher wechselte die Straßenseite und sah dem Schiff hinterher, das mit schäumender Bugwelle...


Hans-Peter Boer wurde 1949 im münsterländischen
Nottuln geboren. Nach Abitur und Studium der Germanistik und Geschichte trat er 1972 in den Schuldienst ein. Zahllose Veröffentlichungen zur Kultur, Geschichte und
Landeskunde des Münsterlandes folgten. Neben der Arbeit als erfolgreicher Autor ist Hans-Peter Boer seit Sommer 2007 Kulturdezernent der Bezirksregierung Münster. Er lebt mit seiner Familie in Nottuln.



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