E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten
Reihe: Be-Wild-Serie
Böhm / Stehl Let's be bold
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7457-0370-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 384 Seiten
Reihe: Be-Wild-Serie
ISBN: 978-3-7457-0370-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Shae, Tyler, Ariana und Evie erleben alle früher oder später den bitteren Moment, in dem die eigenen Träume auf die harte Realität treffen. Doch die besondere Freundschaft zwischen den vieren hält sie aufrecht. Gemeinsam lernen sie voneinander, stärker, mutiger und freier durchs Leben zu gehen, und der Welt zu zeigen, wer sie wirklich sind.
Nicole Böhm wurde 1974 in Germersheim geboren und lebt heute in Speyer. Mit zwanzig reiste sie nach Phoenix, Arizona, um Zeichen- und Schauspielunterricht am Glendale Community College zu nehmen. Es folgte eine Schauspielausbildung an der American Musical and Dramatic Academy in New York. Sie lebte insgesamt drei Jahre in Amerika und bereiste diverse Städte in den USA und Kanada, die nun als Schauplätze ihrer Geschichten dienen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
SHAE
Samstag, 1. Juni
»Ja!«, stöhnte ich, warf meinen Kopf zurück und krallte die Fingerspitzen tiefer in Cams Schulter. Er wiederum grub seine fester in meinen Po und gab mir den Halt, den ich brauchte, um nicht über die Küchentheke zu rutschen. Ich schloss die Augen, blendete die morgendliche Sonne in dem kleinen New Yorker Apartment aus und gab mich vollends Cams Berührungen hin. Seinen Lippen an meinem Hals, seinen Händen, die meinen Körper hielten, seinen Stößen, die mich immer lauter stöhnen ließen. Seinem herben Geruch, der mir mittlerweile so vertraut war, der dafür sorgte, dass ich mich fallen lassen konnte – oder aber mich, wie jetzt, in andere Sphären beförderte. Cam ließ eine Hand an meinen Bauch wandern, strich tiefer, noch tiefer – und massierte mich plötzlich an meiner empfindlichsten Stelle. Ich riss die Lider auf und begegnete seinen vor Lust verhangenen blauen Augen. Als ein Lächeln seine Züge umspielte, beugte ich mich vor und biss sanft in seine Unterlippe. Das Ganze entlockte auch ihm ein Stöhnen, und innerlich gab ich mir ein High five. Heute würde es klappen.
Ich rutschte ihm weiter entgegen, ohne meinen Mund von seinem zu lösen, schob mein Becken nach vorn. Die Beine schlang ich um seine Hüfte, zog ihn näher, so nah es nur ging. Cams Atem wurde schneller, lauter, seine Stöße fester. Er zuckte zusammen, als seine Bewegung irgendetwas neben mir von der Theke fegte, doch ich legte meine Hand an sein Kinn und zwang ihn somit, mich weiter anzusehen.
»Scheiß drauf«, murmelte ich und seufzte kurz danach auf, als Cam mich in genau dem richtigen Winkel nahm. »Oh Gott, ja! Hör nicht auf.«
Als würden ihn meine Worte anspornen, erhöhte Cam das Tempo, schob sich schneller und tiefer in mich. Ich biss mir auf die Unterlippe, um den Orgasmus, der sich ankündigte, hinauszuzögern. Ich wollte noch nicht kommen, wollte nicht, dass es vorbei war, wollte …
»Fuck!«, rief Cam, doch es war nicht die Art von Fuck, die ich hatte hören wollen. Seine Augen waren geweitet, und die Begierde war aus ihnen gewichen. Stattdessen starrte er an mir vorbei in Richtung Tür – die geräuschvoll ins Schloss fiel.
»Hi.«
»Was zur …?« Ich blickte über die Schulter, geradewegs in Tylers Gesicht, der uns mit erhobenen Brauen betrachtete und nicht einmal die Manieren hatte, den Blick abzuwenden, geschweige denn, betreten zu schauen.
»Ich hab mein Handtuch fürs Gym vergessen«, sagte Ty gelassen, machte jedoch keinerlei Anstalten, ins Badezimmer zu gehen und es zu holen. »Konnte ja nicht wissen, dass ihr hier zugange seid, sobald ich euch den Rücken kehre.«
Cam zog sich aus mir zurück und griff geistesgegenwärtig eines der Küchentücher, die am Herd hingen, um dieses vor seinen Schritt zu halten.
»Tut mir so leid«, sagte ich an ihn gewandt. Sein Kopf war mittlerweile hochrot, und es war nicht schwer zu erkennen, dass er am liebsten im Erdboden versunken wäre.
»Ich, ähm, warte vielleicht besser mal in deinem Zimmer«, murmelte er. Dann winkte er Tyler peinlich berührt zu und ging seitwärts, um meinem besten Freund möglichst wenig von seinem Hintern zu präsentieren, in Richtung meiner Tür.
»Nicht schlecht, man sieht, dass du trainierst«, kommentierte Tyler mit einem Grinsen, das deutlich machte, dass er die Situation wesentlich mehr genoss als Cam oder ich.
»Danke?«, nuschelte Cam und war kurz darauf verschwunden. Na, prima. Wenn ihn unsere WG-Partys noch nicht genug verstört hatten, war es nun definitiv um ihn geschehen.
»Tyler Alexander Mitchell!«, rief ich mahnend, sprang von der Küchentheke und bückte mich, um mein achtlos zur Seite geworfenes Shirt anzuziehen. Nun stand ich immerhin nicht länger nackt vor meinem besten Freund herum – nicht dass es auf ihn irgendeinen Effekt gehabt hätte. Wir kannten uns seit Ewigkeiten und hatten nie mehr als freundschaftliche Liebe füreinander empfunden. »Hast du sie noch alle?«
»Bitte? Ist doch nicht meine Schuld, wenn ihr es in unserer Küche treibt wie die Karnickel. Andere Leute wollen hier essen. Wart ab, bis Evie davon erfährt.«
»Du hast es zuerst in dieser Küche getrieben!«
»Ja, aber ich hab mich nicht dabei erwischen lassen«, erwiderte Tyler und spazierte auf mich zu. Plötzlich sog er die Luft ein und deutete auf den Boden. »Das war Tante Gertrudes Salzstreuer!«
Ich umrundete die Theke und folgte seinem ausgestreckten Finger mit dem Blick. Unser Salzstreuer lag in seine Einzelteile zerlegt auf dem Boden. Irritiert sah ich wieder zu Ty.
»Was redest du da, du hast überhaupt keine Tante namens Gertrude.«
»Stimmt, hätte ich aber haben können. Und dann wäre mein letztes Erinnerungsstück an sie jetzt hinüber dank eurer Sexkapade.«
»Du hast einen Schaden. Außerdem: Darf ich dich daran erinnern, dass du die Freundin meiner Cousine auf einem Traktor gevögelt hast? Auf einem Traktor, Ty! So viel zu Sexkapaden.«
»Daran darfst du mich natürlich sehr gern erinnern«, erwiderte Tyler mit einem breiten Grinsen. An manchen Tagen würde ich diesen Kerl gern von der Feuerleiter in meinem Zimmer schubsen. Heute war einer davon.
»Aber dann stör ich euch beide wohl besser nicht weiter und schnapp mir mein Handtuch.« Er legte sich spielerisch den Finger ans Kinn. »Hab ich noch was vergessen? Turnschuhe, Schlüssel, Mitgliedskarte …« Er zuckte mit den Schultern. »Na, sonst muss ich wohl noch mal vorbeikommen. Hoffen wir einfach, dass du bis dahin gekommen bist.«
Tyler lachte viel zu laut über seinen eigenen Witz. Dass ich vor Wut die Hände in die Hüfte gestemmt hatte, schien ihn nur noch mehr zu amüsieren.
»Ich verfluche dich! Auf dass du ein Jahr lang nur noch miesen Sex hast. Oh, oder noch besser: gar keinen!«
Nach wie vor lachend klopfte Ty mir auf die Schulter und verschwand daraufhin ins Bad. Seufzend fuhr ich mir übers Gesicht und sah missmutig zu meiner Zimmertür. Schon wieder nicht. Cam jetzt noch einmal in Stimmung zu bringen, konnte ich wohl knicken.
Ich warf Ty, der – nun mit Handtuch – aus dem Bad trat, einen letzten bösen Blick zu, dann verschwand er aus der Wohnung, und ich klopfte zaghaft an die Tür zu meinem Zimmer.
»Du musst nicht klopfen, das ist dein Apartment.« Ich konnte das Schmunzeln in Cams warmer Stimme hören, und Erleichterung flutete meinen Bauch. Langsam drückte ich die Tür auf. Cam lag in Jogginghose auf meinem Bett, sein Smartphone in der Hand.
»Schon, aber ich dachte, das ist das Mindeste an Privatsphäre, was ich dir nach der Szene gerade bieten kann.« Ich krabbelte zu ihm und legte meinen Kopf auf seiner Brust ab, atmete seinen Duft ein, der sich bereits so sehr nach Heimat anfühlte. »Tut mir leid. Tyler …«
»… ist Tyler, ich weiß schon. Ich kenn euch beide mittlerweile gut genug, dass mich das nicht mehr schocken sollte.«
Er zog mich enger an sich und hauchte mir einen Kuss auf den Scheitel.
»Tut mir trotzdem leid«, wiederholte ich. »Es war grad so gut, und du warst so in Stimmung und …«
»Shae, es ist alles in Ordnung. Du brauchst dich nicht entschuldigen.«
Ich hörte das Lächeln in seiner Stimme, doch ich konnte es nicht erwidern. Dafür war der Frust zu groß. Heute hätte es klappen können. Ich hatte extra gewartet, bis alle aus dem Haus waren, hatte farblich passende Unterwäsche getragen – am frühen Morgen wohlgemerkt –, und jetzt war alles umsonst gewesen. Es sei denn …
Langsam schob ich meine Hand von seiner Brust in Richtung des Bunds seiner Jogginghose, ließ die Finger über Cams nackte Haut wandern, seine Bauchmuskeln und verharrte schließlich an dem grauen Stoff. Doch noch bevor ich diesen nach unten schieben konnte, umschlossen Cams Finger meine, und er zog meine Hand zu seinem Mund, wo er sie küsste.
»Ich sollte mich besser langsam fertig machen.«
»Dein Shoot geht doch erst mittags los.«
»Ja, aber ich muss noch in meine Wohnung, mich umziehen, duschen, den Make-up-Koffer holen. Und der Shoot ist in Long Beach. Dahin brauch ich selbst ohne Berufsverkehr fast eine Stunde.«
Cam drückte mir einen Kuss auf die Nase, doch ich konnte nicht zulassen, dass dieser Morgen so endete. Ich hatte schließlich eine Mission.
Ich richtete mich auf und setzte mich genau auf Cams Schritt. Dieser hob die Augenbrauen und erwiderte meinen Blick. Langsam bewegte ich mich vor und zurück.
»Wir können da weitermachen, wo wir eben aufgehört haben«, raunte ich. Cam lächelte, doch schon bevor er den Mund aufmachte, las ich das Nein in seinen Augen und rollte mich von ihm herunter. Ich bemühte mich um einen neutralen Gesichtsausdruck, die Abfuhr saß dennoch.
»Süße, hey.« Der mir so vertraute herbe Duft umhüllte mich wie eine warme Decke, als Cam die Arme von hinten um mich schlang. »Ich bin einfach nicht mehr in Stimmung nach der Szene in der Küche. Sei mir nicht böse.«
»Bin ich nicht!«, erwiderte ich eilig. Natürlich war ich Cam nicht böse. Vielmehr war ich wütend auf mich. Denn so oft wir auch Sex haben mochten – und wenn man unsere Mitbewohnerin Evie fragte, hatten wir den zu oft –, war Cam nicht ein einziges Mal dabei gekommen. Beim ersten Mal hatte ich es auf den Alkohol geschoben, den wir auf unserer WG-Party getrunken hatten, dann auf den Stress, Tylers Anwesenheit im Nebenzimmer … Doch wenn es selbst heute nicht klappte, wenn niemand im Haus war,...




