Böckle / Kramer | Deliberate Practice in der Psychotherapie | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 210 Seiten

Böckle / Kramer Deliberate Practice in der Psychotherapie

Wege zu einer effektiveren therapeutischen Praxis
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-608-12452-1
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wege zu einer effektiveren therapeutischen Praxis

E-Book, Deutsch, 210 Seiten

ISBN: 978-3-608-12452-1
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kompetenzorientierung statt Verfahrensorientierung Schulen- und verfahrensübergreifend: Von der Theorie bis hin zur Anwendung Anwendungsfelder: Supervisionen, Intervisionen und Workshops Wir wissen heute, dass manche Therapeut:innen mit so gut wie allen ihrer Patient:innen sehr gute Behandlungsergebnisse erzielen. Die meisten Behandler:innen weisen jedoch eine hohe Varianz in ihrer Effektivität auf. Wie können Therapeut:innen diejenigen Bereiche, in denen sie weniger effektiv sind, verbessern? Das Modell der »Deliberate Practice« (deutsch: »Reflektierte Praxis«) setzt beim konkreten therapeutischen Erleben und Handeln an. Es beschreibt einen Prozess, der mit der Beobachtung, Evaluation und Reflektion der eigenen Tätigkeit beginnt - insbesondere dort, wo sie scheitert. Ein nächster Schritt umfasst Feedback durch Kolleg:innen, ein dritter das Entwickeln von Lernzielen, und ein vierter Schritt das konkrete Einüben dieser Fähigkeiten. So lässt sich Psychotherapie gezielt verbessern!

Markus Böckle, MMag. Dr., arbeitet an der Karl Landsteiner Privatuniversität (Österreich) als Senior PostDoc und als Psychotherapeut (Integrative Therapie) in freier Praxis. Er studierte Biologie in (Innsbruck und Wien) sowie Philosophie in (Liechtenstein und Wien).Sein derzeitiger Fokus in der Psychotherapieforschung liegt vor allem in der Erforschung von metakognitiven Fähigkeiten wie Empathie, Theory of Mind, Intentionen und Selbstwirksamkeitsvorstellungen während des Therapieprozesses und deren Auswirkung auf die Behandlungsergebnisse.
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Markus Böckle und Ueli Kramer

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Die Psychotherapie besteht aus einer Vielzahl von Ansätzen, Theorien und Methoden, die alle darauf abzielen, das Leben von Klient:innen und Patient:innen nachhaltig zu verbessern. Diese Diversität bietet eine fundierte Grundlage für die therapeutische Praxis und Forschung, birgt jedoch auch die Herausforderung, dass unterschiedliche Perspektiven schwer zu vereinen sind. Genau an dieser Stelle setzt die Society for the Exploration of Psychotherapy Integration (SEPI) an. Diese internationale, interdisziplinäre Organisation bringt seit über 40 Jahren Forschende und Praktizierende zusammen, die daran interessiert sind, schulenübergreifende Modelle für psychotherapeutische Veränderungsprozesse zu entwickeln und weiterzuführen. SEPI fördert den Dialog zwischen verschiedenen theoretischen Orientierungen, klinischen Praktiken und Forschung, um ein gemeinsames grundlegendes Verständnis der Psychotherapie zu etablieren.

Um diesen Dialog auch im deutschsprachigen Raum vertieft zu führen, beschlossen wir 2018 auf einer SEPI-Tagung in New York, eine jährliche Tagung zur »Integration in der Psychotherapie am Dreiländereck« in Bregenz (Österreich) durchzuführen. Diese Veranstaltung wird im Jahr 2025 nun schon zum fünften Mal organisiert und ist eine Kooperation der regionalen SEPI-Netzwerke aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, von Beginn an unterstützt durch die Österreichische Gesellschaft für Integrative Therapie (ÖGIT) und seit 2022 durch den Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) sowie seit Beginn SEPI selbst (vgl. www.intpsy3.at).

Die Organisatoren der Tagung in Bregenz im Oktober 2020 entschieden sich bewusst für das Thema »Deliberate Practice – Reflektierte Praxis«, da dieser Ansatz nicht nur die Werte und Ziele von SEPI widerspiegelt, sondern auch eine innovative Perspektive bietet, die zum Zeitpunkt der Tagung und der Buchveröffentlichung im deutschsprachigen Raum kaum etabliert war. Der Fachbegriff »Deliberate Practice«, häufig mit »reflektierter Praxis« oder »gezieltem Üben« übersetzt, beschreibt einen strukturierten, zielgerichteten Ansatz zur Entwicklung therapeutischer Fähigkeiten. Durch wiederholtes Üben, Feedback und Reflexion werden Kern-Kompetenzen systematisch aufgebaut. Dieses Konzept, ursprünglich aus Bereichen wie Musik und Sport stammend, wurde für die Psychotherapie adaptiert, um die Wirksamkeit von Psychotherapeut:innen zu steigern. Aufgrund der begrenzten Fachliteratur in deutscher Sprache haben wir entschieden, den englischen Begriff beizubehalten, um den internationalen wissenschaftlichen Austausch zu erleichtern.

Dieses Buch entstand aus den wissenschaftlichen Beiträgen der ersten Tagung und darüber hinaus. Einige Kapitel basieren auf Vorträgen der ursprünglichen Referent:innen, während andere speziell für dieses Werk konzipiert wurden. Bei der Zusammenstellung der Autor:innen und der Kapitel war es uns wichtig, Deliberate Practice im Kontext von unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen und Settings auszuwählen, um die Integrationsmöglichkeit und das breite Anwendungspotenzial von Deliberate Practice in allen Bereichen zu veranschaulichen. Das Buch richtet sich sowohl an Forschende als auch an Praktiker:innen, die daran interessiert sind, ihre Arbeit durch Deliberate Practice und schulenübergreifende Perspektiven weiterzuentwickeln. Das Werk richtet sich insbesondere an Supervisor:innen und Ausbildner:innen aller Ansätze der Psychotherapie, unabhängig vom beruflichen Hintergrund.

Das Konzept der Deliberate Practice umfasst mehrere Schlüsselkomponenten: das Setzen spezifischer Ziele, konzentriertes Üben, sofortiges Feedback und die Reflexion der Leistung, um kontinuierliche Verbesserungen zu ermöglichen (Clements-Hickman & Reese, 2020; Brattland et al., 2022; Chow et al., 2015; Østergård et al., 2022). Einer der Hauptvorteile der Einbeziehung von Deliberate Practice in die Aus- und Weiterbildung ist die Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit. Die Forschung zeigt, dass Therapeut:innen, die sich mit dem Ansatz beschäftigen, ihre Fähigkeiten mit größerer Wahrscheinlichkeit verbessern als diejenigen, die sich ausschließlich auf Erfahrung, wissensvermittelnde Ansätze oder traditionelle Ausbildungsmethoden verlassen (Barrett-Naylor et al., 2020; Chow et al., 2015; McMahan, 2014). Es wurde bereits gezeigt, dass strukturiertes Üben mit Feedback die zwischenmenschlichen Fähigkeiten der Therapeut:innen verbessern kann (Anderson et al., 2019; Westra et al., 2021). Durch Deliberate Practice kann die Entwicklung spezifischer Kompetenzen, die für erfolgreiche therapeutische Ergebnisse wesentlich sind, gefördert werden. Rollenspiele, die sich auf einzelne Fähigkeiten wie Empathie und spezifische therapeutische Techniken konzentrieren, ermöglichen es den Auszubildenden beispielsweise, in einem sicheren Umfeld zu üben und dadurch ihr Selbstvertrauen und ihre Kompetenz zu steigern (Brattland et al., 2022; Malins et al., 2023). Diese Methode hilft nicht nur beim Erwerb von Fertigkeiten, sondern fördert auch ein tieferes Verständnis des therapeutischen Prozesses und ermöglicht es den Therapeut:innen, ihre Ansätze an die besonderen Bedürfnisse der behandelten Personen anzupassen (McLeod, 2021; Hill et al., 2020). Darüber hinaus ist die Integration von Supervision in den Rahmen der Deliberate Practice entscheidend. Supervision bietet Therapeut:innen die Möglichkeit, konstruktives Feedback zu ihrer Leistung zu erhalten, was für die Identifizierung von verbesserungswürdigen Bereichen und die Verstärkung effektiver Strategien unerlässlich ist (McMahan, 2014; Goodyear et al., 2017). Diese Kombination von Deliberate Practice mit Supervision führt nachweislich zu besseren Therapieergebnissen, da die Therapeuten besser in der Lage sind, ihre Erfahrungen zu reflektieren und notwendige Anpassungen ihrer Techniken vorzunehmen (Nissen-Lie et al., 2023; Shukla et al., 2021).

An die Autor:innen des Buches formulierten wir die Einladung, in kurzen und bündigen Kapiteln die Essenz der Deliberate Practice in der Psychotherapie zusammenzufassen. Dabei haben wir gezielt Autor:innen aus sehr diversen Kontexten eingeladen, die am Dreiländereck der deutschen Sprache zusammenkommen – so wie sie, aus verschiedenen Kontexten kommend, die Deliberate Practice nutzen. Franz Caspar leitet das Thema ein und gibt einen historischen und konzeptuellen Abriss des Konzeptes und dessen Nutzen in der Psychotherapie. Eine Serie von Kapiteln von Levenson, Gabriel et al., Willutzki et al. und Belz beschreiben modellspezifische Entwicklungen der Deliberate Practice. Die weiteren Kapitel von Guhn, Böckle et al., Pammer et al. und Reichel zeigen die Relevanz der Deliberate Practice in weiteren Kontexten auf, um die breite Anwendung des Ansatzes aufzuzeigen. Schließlich versuchen wir als Herausgeber in unserer abschließenden Diskussion, die Kernprinzipien der Deliberate Practice herauszuarbeiten, insbesondere im Rahmen der Ausbildung der Psychotherapie.

Mit dieser kurzen Einführung laden wir Sie ein, die Möglichkeiten der Deliberate Practice kennenzulernen und durch die Kapitel dieses Buches zu vertiefen. Deliberate Practice bietet die Möglichkeit, die Effektivität von Therapeut:innen durch strukturierte Kompetenzentwicklung, gezieltes Üben und reflektiertes Feedback in Aus- und Weiterbildung gezielt zu steigern. Zu den Vorteilen dieses Ansatzes zählen messbar verbesserte therapeutische Ergebnisse, eine gesteigerte Kompetenz in spezifischen Fertigkeiten und die Förderung einer kontinuierlichen beruflichen Entwicklung durch Supervision, welche die schulenübergreifenden Kompetenzen in der Anwendung der allgemeinen Wirkfaktoren verbessert. Dieses Buch ist daher nicht nur eine Sammlung fachlicher Beiträge, sondern auch ein Aufruf, die Vielfalt und das Potenzial der Psychotherapie als einheitliche und integrative Disziplin weiterzuentwickeln – zum Wohle von Therapeut:innen und Patient:innen gleichermaßen und im Sinne der Etablierung einer gemeinsamen integrativen Profession und Identität.1

Literatur


Anderson, T. et al. (2019). Modeling therapist responses with structured practice enhances facilitative interpersonal skills. Journal of Clinical Psychology, 76(4), 659–675. doi.org/10.1002/jclp.22911

Brattland, H. et al. (2022). An apprenticeship model in the training of psychotherapy students. study protocol for a randomized controlled trial and qualitative investigation. Plos One, 17(8), e0272164. doi.org/10.1371/journal.pone.0272164

Chow, D. et al. (2015). The role of deliberate practice in the development of highly effective psychotherapists. Psychotherapy, 52(3), 337–345. doi.org/10.1037/pst0000015

Clements-Hickman, A. and Reese, R. (2020). Improving therapists’ effectiveness: can deliberate practice help?. Professional Psychology Research and Practice, 51(6), 606–612. doi.org/10.1037/pro0000318

Goodyear, R. et al. (2017). Psychotherapy expertise should mean superior outcomes and demonstrable improvement over time. The Counseling Psychologist, 45(1), 54–65. doi.org/10.1177/0011000016652691

Hill, C. et al. (2020). Deliberate practice for the skill of immediacy: a multiple case study of doctoral student therapists and clients. Psychotherapy, 57(4), 587–597....


Kramer, Ueli
Ueli Kramer, Prof. Dr. ist Leiter des Universitären Instituts für Psychotherapie an der Universität Lausanne, Schweiz, Professor an der Universität Windsor in Kanada und APA Editor-in-Chief. Prof. Kramer ist ausgewiesener Experte in Psychotherapieforschung (insbesondere in der Beforschung von emotionalen Prozessen), in Psychotherapieintegration und in der Beforschung von Persönlichkeitsstörungen. Sein Forschungsprogramm hat fünf internationale Preise erhalten.

Wagner, Elisabeth
Elisabeth Wagner, Dr. med., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie); Lehrtherapeutin an der Lehranstalt für Systemische Therapie, Wien; Psychotherapeutin in freier Praxis für Einzel-, Paar- und Familientherapie.

Böckle, Markus
Markus Böckle, MMag. Dr., arbeitet an der Karl Landsteiner Privatuniversität (Österreich) als Senior PostDoc und als Psychotherapeut (Integrative Therapie) in freier Praxis. Er studierte Biologie in (Innsbruck und Wien) sowie Philosophie in (Liechtenstein und Wien).Sein derzeitiger Fokus in der Psychotherapieforschung liegt vor allem in der Erforschung von metakognitiven Fähigkeiten wie Empathie, Theory of Mind, Intentionen und Selbstwirksamkeitsvorstellungen während des Therapieprozesses und deren Auswirkung auf die Behandlungsergebnisse.

Gahleitner, Silke Birgitta
Silke Birgitta Gahleitner, Prof. Dr., lehrt 'Klinische Psychologie und Sozialarbeit' an der Alice Salomon Hochschule in Berlin und leitet die Arbeitsgruppe 'Psychosoziale Traumaarbeit, Traumaberatung und Traumapädagogik' der DeGPT.

Willutzki, Ulrike
PD Dr. Ulrike Willutzki ist Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum, Fachbereich Psychologie.

Markus Böckle, MMag. Dr., arbeitet an der Karl Landsteiner Privatuniversität (Österreich) als Senior PostDoc und als Psychotherapeut (Integrative Therapie) in freier Praxis. Er studierte Biologie in (Innsbruck und Wien) sowie Philosophie in (Liechtenstein und Wien).Sein derzeitiger Fokus in der Psychotherapieforschung liegt vor allem in der Erforschung von metakognitiven Fähigkeiten wie Empathie, Theory of Mind, Intentionen und Selbstwirksamkeitsvorstellungen während des Therapieprozesses und deren Auswirkung auf die Behandlungsergebnisse.

Ueli Kramer, Prof. Dr. ist Leiter des Universitären Instituts für Psychotherapie an der Universität Lausanne, Schweiz, Professor an der Universität Windsor in Kanada und APA Editor-in-Chief. Prof. Kramer ist ausgewiesener Experte in Psychotherapieforschung (insbesondere in der Beforschung von emotionalen Prozessen), in Psychotherapieintegration und in der Beforschung von Persönlichkeitsstörungen. Sein Forschungsprogramm hat fünf internationale Preise erhalten.

Elisabeth Wagner, Dr. med., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie); Lehrtherapeutin an der Lehranstalt für Systemische Therapie, Wien; Psychotherapeutin in freier Praxis für Einzel-, Paar- und Familientherapie.

PD Dr. Ulrike Willutzki ist Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum, Fachbereich Psychologie.

Silke Birgitta Gahleitner, Prof. Dr., lehrt 'Klinische Psychologie und Sozialarbeit' an der Alice Salomon Hochschule in Berlin und leitet die Arbeitsgruppe 'Psychosoziale Traumaarbeit, Traumaberatung und Traumapädagogik' der DeGPT.



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