E-Book, Deutsch, 195 Seiten
Bodenstedt Gesammelte Werke
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3813-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 195 Seiten
ISBN: 978-3-8496-3813-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Friedrich Martin von Bodenstedt war ein deutscher Schriftsteller, der besonders durch seine orientalisch geprägte Literatur hervorstach. Dieser Sammelband enthält die Werke: Die Lieder des Mirza-Schaffy Gräfin Helene
Autoren/Hrsg.
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Zuléikha
Die Liebe ist der Dichtung Stern
Die Liebe ist des Lebens Kern;
Und wer die Lieb' hat ausgesungen,
Der hat die Ewigkeit errungen.
Rückert
1.
Nicht mit Engeln im blauen Himmelszelt,
Nicht mit Rosen auf duftigem Blumenfeld,
Selbst mit der ewigen Sonne Licht
Vergleich' ich Zuléikha, mein Mädchen, nicht!
Denn der Engel Busen ist liebeleer,
Unter Rosen drohen die Dornen her,
Und die Sonne verhüllt des Nachts ihr Licht:
Sie alle gleichen Zuléikha nicht!
Nichts finden, so weit das Weltall reicht,
Die Blicke, was meiner Zuléikha gleicht –
Schön, dornlos, voll ewigem Liebesschein,
Kann sie mit sich selbst nur verglichen sein!
2.
Sing' ich ein Lied, hüpft freudereich
Das Herz der jungen Mädchen,
Denn Perlen sind die Worte gleich,
Gereiht auf seidnen Fädchen!
Und Düfte steigen auf daraus,
Von Houris' Hauch getränkte –
Gleichwie aus jenem Blumenstrauß,
Den mir Zuléikha schenkte.
Erstaunt nicht, daß des Sängers Mund
So Herrliches vollbringe,
Und daß die Weisheit hier den Bund
Mit Jugendtollheit schlinge!
Wißt ihr, wer mir die Weisheit gab?
Sie kam vom rechten Orte,
Ich las sie ihren Augen ab
Und hüllte sie in Worte!
Was Wunder, wenn so anmutvoll
Euch meine Lieder tönen,
Ist doch, was meinem Mund entquoll,
Ein Abglanz nur der Schönen!
Sie ist dem Becher Oshemschid1
gleich,
Der mir erschließt ein Zauberreich
Und sagt: erklingt nicht mein Gesang
Und ist nicht meines Liedes Gang
Leicht wie der Gong der Schönen?
Mein Herz schmückt sich mit dir, wie sich
Der Himmel mit der Sonne schmückt –
Du giebst ihm Glanz, und ohne dich
Bleibt es in dunkle Nacht entrückt.
Gleichwie die Welt all ihre Pracht
Verhüllt, wenn Dunkel sie umfließt,
Und nur, wenn ihr die Sonne lacht,
Zeigt, was sie Schönes in sich schließt!
Wohl gegen deinen schlanken Wuchs
Was ist der Duft, den Schiras' Flur uns
Verglichen mit der Düfte Hauch, die
Was sind die süßen Lieder all, die uns
Wohl gegen eines Wortes Ton, aus
Was ist der Rosen Blütenkelch, dran
Wohl gegen deinen Rosenmund und
Was ist die Sonne, was der Mond, was
Sie glühen, zittern nur für dich,
Was bin ich selbst, was ist mein Herz,
Als Sklaven deiner Herrlichkeit,
Der Dorn ist Zeichen der Verneinung,
Des Mißgefallens und des Zornes,
Drum: widerstrebt sie der Verneinung,
Reicht sie das Zeichen mir des Dornes.
Doch wirft die Knospe einer Rose
Die Jungfrau mir als Zeichen hin,
So heißt das: günstig stehn die Lose,
Nur harre noch mit treuem Sinn!
Doch beut den Kelch der Rose offen
Die Jungfrau mir als Zeichen dar,
So ist erfüllt mein kühnstes Hoffen,
Und werfe dieses Lied dir hin,
Dies duft'ge Lied als Frageblume.
Nimm es in Freude oder Zorn hin,
Gib Tod dem Herzen oder Nahrung,
Wirf Knospe, Rose oder Dorn hin:
Seh' ich deine zarten Füßchen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie so viel Schönheit tragen können!
Seh' ich deine kleinen Händchen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie solche Wunden schlagen können!
Seh' ich deine rosigen Lippen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie einen Kuß versagen können!
Seh' ich deine klugen Augen an,
So begreif' ich nicht, du süßes Mädchen,
Wie sie nach mehr Liebe fragen können,
Als ich fühle. – Sieh mich gnädig an!
Wärmer als mein Herz, du süßes Mädchen,
Wird kein Menschenherz dir schlagen können!
Hör' dies wonnevolle Liedchen an!
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