E-Book, Deutsch, Band 3, 282 Seiten
Reihe: Das vergessene Lied
Bode / Horn Das vergessene Lied
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-9034-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band III Geheimnis und Geschenk
E-Book, Deutsch, Band 3, 282 Seiten
Reihe: Das vergessene Lied
ISBN: 978-3-7597-9034-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein bewegender Roman in drei Bänden über ein Verbrechen und das Ringen um Vergebung, zwei Familien und die Suche nach der Quelle, aus der Musik fließt. Dabei offenbart sich, was Liebe wirklich ist. Schließlich wird sogar ein Geheimnis zum Geschenk. Begleitet von berührenden Liedern auf CD oder per Streaming auf lesewunder.de Band III - Geheimnis und Geschenk Lilia beeindruckt und tröstet ihre Familie in einer sehr schwierigen Situation. Venia erfindet sich mit einer alten Leidenschaft neu und Miro erlebt Abenteuer, die ihm zu neuen Erkenntnissen verhelfen. Unerwartet wird ein Geheimnis gelüftet. Das verursacht viel Schmerz und wird zugleich zu einem wertvollen Geschenk.
Ich, Katja Bode, wurde 1969 in West-Berlin geboren und in der Wohnung meiner Eltern stapelten sich die Bücher in Regalen bis unter die Decke. Ich konnte es kaum erwarten, selbst Lesen und Schreiben zu lernen und als es soweit war, verschlang ich jede Menge Bücher. Bald begann ich, auch selbst zu schreiben und ich liebte das Schreiben von Aufsätzen in der Schule und später im Studium der Sonderpädagogik und Germanistik auf Lehramt. Ich wurde Heilpraktikerin und arbeitete lange pädagogisch und therapeutisch mit Kindern und Erwachsenen. Das Schreiben begleitete mich im privaten Bereich immer und bezog sich auf mein Innenleben und eigene Erlebnisse. Daraus entstand mein erstes Sachbuch »Abenteuer grundlos glücklich«, das ich 2016 veröffentlichte. Mit 51 wurde es mir wie aus dem Nichts möglich, auch fiktionale Geschichten zu schreiben, was immer mein Wunsch gewesen war. Seither sprudeln die Ideen zu Büchern nur so aus mir heraus und ich bin beseelt davon, weiter zu schreiben. Denn ich staune selbst immer wieder, was sich aus mir ergießt.
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Eine reizvolle Versuchung
Miro lachte laut und herzlich. Der Narr hatte wieder eine seiner unvergleichlichen Possen gerissen. Er wagte es, dem Grafen von Arkonia im Vorübergehen den Allerwertesten zu tätscheln. Als der sich empört umdrehte, sagte der Narr untröstlich: »Verzeiht, werter Graf! Ich muss Euch wohl mit der Gräfin verwechselt haben.« Der Saal tobte vor Lachen und schließlich musste auch der Graf grinsen. Dafür hatte er seinen Hofnarren. Wenn die Gäste gut unterhalten waren, war alles bestens. Und Golo genoss eben Narrenfreiheit, zumindest wenn er nicht eine bestimmte Grenze überschritt, denn dann verstand der Graf keinen Spaß mehr. Miro stellte sein Glas Rotwein ab und lehnte sich in die weichen Kissen zurück. Er beobachtete das Treiben in dem Festsaal. Wie gut er sie inzwischen kannte, all die verschiedenen Charaktere. Dort neben dem großen, goldenen Kandelaber war der eitle Balduin, der sich an jeden heranschmeichelte, der ihm Vorteile verhieß. Gerade versuchte er sein Glück bei dem stattlichen Major der gräflichen Leibgarde, der seine Aufmerksamkeit aber nur zur Hälfte an Balduin verschwendete. Überhaupt gab sich der Herr Major ungern mit Zivilisten ab, die auf seinen barschen Befehlston oft irritiert reagierten. Aber heute waren seine Soldaten in der Kaserne geblieben, denn der Graf wollte seine edlen Gäste nicht mit dem Anblick von allzu viel Uniformen und Waffen verschrecken. Vor den prächtigen, dunkelgrünen und goldbestickten Wandbehängen sonnte sich in einer Traube von eifernden Verehrern die schöne Lydia. Ihr helles Lachen übertönte alle anderen Gespräche. Dabei spielte sie mit den Fingern in ihren langen, schwarzen Haaren und verteilte je nach Gunst kokette, gnädige oder strafende Blicke an die Herren. Und am Ende des Raumes sah Miro eine Gruppe von dicken, älteren Männern, die er als reiche Kaufleute von Arkonia erkannte. Sie kamen in regelmäßigen Abständen an den Hof und pflegten gute Beziehungen zum Grafen Gandolf. Zumeist ergingen sie sich in wohlfeilem Geplauder, lächelten dabei unentwegt und beäugten die anderen Gäste mit abschätzigen Blicken. Dabei tat sich besonders der kahlköpfige Berthold Auwald hervor, der das große Wort zu führen schien. Miro wurde wieder einmal bewusst, wie allein er inmitten dieser eitlen Gesellschaft war. Er war eben nur ein Hofmusiker, neben einigen anderen. Im Grunde stand er kaum höher als der Narr Golo. Aber immerhin erhielt er einen festen Lohn, seit er vor einem Jahr die Anstellung am Hofe des Grafen angenommen hatte. Nach vielen Jahren des ziellosen Umherziehens war er nach Arkonia zurückgekehrt und das erste Mal wieder sesshaft geworden. Die Luft in dem Festsaal war stickig, der Duft von gebratenem Fleisch und vielerlei Gewürzen hing schwer im Raum, und so stand Miro auf und ging auf den großen Balkon, der eine wunderbare Sicht auf das nächtliche Arkonia bot. In den größeren Straßen brannten vereinzelt Öllampen an Hauswänden, die groteske Schatten warfen. Einige Fenster waren erleuchtet und boten ein Bild, als würde ein vieläugiges Ungeheuer in die Finsternis starren. Die Grillen sangen ihr immergleiches Liebeslied und die Blätter der Bäume tanzten im Wind. Miro zog die warme Luft in die Lungen und atmete tief durch. »Eine herrliche Sommernacht, nicht wahr?«, säuselte eine weibliche Stimme hinter ihm. Lydia war herangeschwebt, ohne dass er sie bemerkt hatte. Sie stellte sich neben ihn an die Balkonbrüstung und ließ den Blick über die Stadt schweifen. Miro beobachtete aus den Augenwinkeln, wie ihr langes Haar über ihre bronzefarbenen, nackten Schultern fiel. Sie streckte ihren Oberkörper vor, als sollte ganz Arkonia ihren großen Busen in dem tiefausgeschnittenen Kleid bewundern. Unvermittelt sah sie ihn mit einem leicht spöttischen Lächeln an. Da merkte er, dass er noch gar nicht geantwortet hatte. »Ja, das ist tatsächlich eine schöne Sommernacht«, sagte er mit merkwürdig heiserer Stimme. Was sie wohl bei ihm hier draußen wollte? Und wo hatte sie ihre Verehrerschar gelassen? »Ich bin nicht so gern in großer Gesellschaft, ich ziehe die Stille vor«, fügte er hinzu und fragte sich, ob das zu abweisend klang. »Ja, so geht es mir auch«, seufzte sie. Miro glaubte ihr kein Wort. »Wo sind Eure Freunde?« »Ach, das sind keine Freunde. Das sind alles aufgeblasene Gecken, die mich langweilen.« Miro schaute sie misstrauisch an. Sie schien sich doch in der Gesellschaft der Männer sehr amüsiert zu haben. Warum redete sie jetzt so schlecht über sie? Er betrachtete sie von der Seite. Sie war eine vollendete Schönheit. Kein junges Mädchen mehr, sondern eine voll erblühte Frau. Ihre feingliedrigen Finger ruhten auf der Balkonbrüstung und auf ihren unbedeckten Armen kräuselte sich kein einziges Härchen. Ihr weißes Festkleid lag gerade so eng an, dass es ihre weiblichen Rundungen offenbarte und doch der Fantasie noch genügend Raum ließ. »Trittst du noch einmal auf?«, fragte sie ihn. »Ich glaube nicht. Außer der Graf wünscht es.« »Und wenn ich es mir ausdrücklich wünsche?« »Habt Ihr so gute Beziehungen zum Grafen, dass Ihr Euch das wünschen dürft?« »Ich denke schon.« Sie lächelte kokett. Miro wollte sich nicht vorstellen, welcher Art diese Beziehungen waren. »Mir gefällt, wie du dein Instrument spielst.« »Es ist eine Laute. Ich spiele noch ganz andere Lieder, nicht nur Hofmusik. Aber dafür bezahlt mich der Graf.« »Na, vielleicht höre ich deine anderen Lieder mal irgendwann«, sagte sie lächelnd. Miro musste sich eingestehen, dass diese Frau einen fast magischen Reiz auf ihn ausübte, obwohl da etwas war, das ihn warnte. Er konnte nicht glauben, dass sie ausgerechnet an ihm oder seiner Musik irgendein Interesse haben sollte. Er war nun schon seit einem Jahr regelmäßig am Hof des Grafen, aber Lydia hatte er erst vor kurzem das erste Mal gesehen. Sie schien jetzt im Palast zu wohnen. »Ich werde Gandolf fragen«, hauchte sie und entschwebte so lautlos, wie sie gekommen war. Gandolf! Sie sprach über den Grafen wie über einen alten Freund, wunderte er sich. Er gab sich noch ein wenig Zeit und kehrte dann auch in den Festsaal zurück. Tatsächlich sah er Lydia beim Grafen stehen und mit ihm plaudern. Als beide zu ihm herübersahen, spürte er, wie das Blut in seine Wangen schoss. Er hatte sich gerade wieder in die weichen Kissen gesetzt, als Lydia ihm zuwinkte und bedeutete, zu ihnen zu kommen. Unsicher erhob er sich und ging hinüber. Bislang hatte er kaum etwas direkt mit Gandolf zu tun gehabt. Dessen Anweisungen bekam er über den Haushofmeister Hubert. Der zahlte ihm auch regelmäßig seinen Lohn aus. »Unsere bezaubernde Freundin Lydia hat sich gewünscht, dass du uns ein oder zwei Lieder vorträgst, die du selbst geschrieben hast, Miro!«, sagte der Graf mit seiner tiefen Stimme. Miro freute sich, dass Gandolf seinen Namen kannte. »Ja, gerne, Eure Exzellenz!«, sagte Miro, aber ganz wohl war ihm bei der Sache nicht. Was würde geschehen, wenn dem Grafen seine selbstgeschriebene Musik nicht gefiele? Er holte seine Laute und überlegte fieberhaft, welche Lieder von ihm am besten geeignet sein könnten. In den letzten Jahren hatte er eine Reihe von Liedern geschrieben, die von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen beim alten Aman inspiriert waren. Aber könnte er die hier singen? Graf Gandolf hatte inzwischen angeordnet, verschiedene Sitzkissen zu einem kleinen Kreis zusammenzustellen. Offenbar wollte er eine überschaubare Zuhörerschaft für Miros Lieder. Die eifernden Verehrer Lydias hatten sich verzogen, Miro sah keinen von ihnen mehr. Der Major der Leibgarde hielt sich im Hintergrund, aber die Kaufleute und der ölige Balduin nahmen erwartungsvoll Platz. Auch drei der Hoftänzerinnen und der Narr Golo setzten sich dazu, nachdem der Graf sie herbeigewunken hatte. Miro überprüfte noch schnell die Stimmung seiner Laute und sagte dann: »Ich singe euch mein Lied Was dir gefällt.« Er hatte das Lied schon vor ein paar Jahren geschrieben. Es war vom Rhythmus und der Melodie her ein schwungvolles Tanzlied, das er aber mit einem tiefsinnigeren Text versehen hatte. Wenn er es auf privaten Feiern sang, fand es immer großen Anklang. Und so begann er. Reich mir die Hand und tanz mit mir
Dreh dich im Kreis wie ein Kind
Fühle den Rhythmus tief im Blut
Beweg dich leicht und geschwind Atme ganz tief und werde still
Sieh, wie alles sich fügt
Lass deine Freunde um dich sein
Singe und sei nicht betrübt Schenk mir dein Lachen und mach dich frei
Von all den Sorgen der Welt
Schau nicht zurück, sondern nur nach vorn
Tu nur, was dir gefällt – tu nur, was dir gefällt Hör nicht auf das, was man dir sagt
Nimm keine Ratschläge...




