E-Book, Deutsch, Band 2, 312 Seiten
Reihe: Das vergessene Lied
Bode / Horn Das vergessene Lied
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-9033-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Band II Wandel und Wahrheit
E-Book, Deutsch, Band 2, 312 Seiten
Reihe: Das vergessene Lied
ISBN: 978-3-7597-9033-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein bewegender Roman in drei Bänden über ein Verbrechen und das Ringen um Vergebung, zwei Familien und die Suche nach der Quelle, aus der Musik fließt. Dabei offenbart sich, was Liebe wirklich ist. Schließlich wird sogar ein Geheimnis zum Geschenk. Begleitet von berührenden Liedern auf CD oder per Streaming auf lesewunder.de Band II - Wandel und Wahrheit Lilia vertieft ihren außergewöhnlichen Weg, während Venia und Miro erwachsen werden. Venia entdeckt die wahre Liebe und Miro gerät in Todesgefahr. Trotz vieler Hindernisse und Veränderungen kommen alle drei immer mehr einer tiefen Wahrheit auf die Spur.
Ich, Katja Bode, wurde 1969 in West-Berlin geboren und in der Wohnung meiner Eltern stapelten sich die Bücher in Regalen bis unter die Decke. Ich konnte es kaum erwarten, selbst Lesen und Schreiben zu lernen und als es soweit war, verschlang ich jede Menge Bücher. Bald begann ich, auch selbst zu schreiben und ich liebte das Schreiben von Aufsätzen in der Schule und später im Studium der Sonderpädagogik und Germanistik auf Lehramt. Ich wurde Heilpraktikerin und arbeitete lange pädagogisch und therapeutisch mit Kindern und Erwachsenen. Das Schreiben begleitete mich im privaten Bereich immer und bezog sich auf mein Innenleben und eigene Erlebnisse. Daraus entstand mein erstes Sachbuch »Abenteuer grundlos glücklich«, das ich 2016 veröffentlichte. Mit 51 wurde es mir wie aus dem Nichts möglich, auch fiktionale Geschichten zu schreiben, was immer mein Wunsch gewesen war. Seither sprudeln die Ideen zu Büchern nur so aus mir heraus und ich bin beseelt davon, weiter zu schreiben. Denn ich staune selbst immer wieder, was sich aus mir ergießt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Reif für die Wahrheit
Was ziehst du zum Sommerfest an?«, fragte Ruth ihre beste Freundin Venia. Sie saßen im Gras am kleinen See, eine halbe Stunde von Friedweiler entfernt. Ein schmaler Zugang über die Wiese ermöglichte es, darin baden zu gehen. Das übrige Ufer war mit Schilf und Sträuchern zugewuchert. Schwäne und Enten tummelten sich darauf und riesige Libellen surrten umher. Im Frühsommer gaben an lauen Abenden und Nächten die Frösche ein so lautes Balzkonzert, dass es weithin zu hören war. Und im Winter schlitterten die Kinder des Dorfes über das gefrorene Eis. Venia liebte das, doch Ruth sah es sich lieber vom Ufer aus an. »Ma hat versprochen, mir ein schönes Tanzkleid zu nähen, eines, das wunderbar schwingt. Ich habe mir nur die Farbe gewünscht, lindgrün. Bei dem Schnitt vertraue ich ihr. Du kennst sie ja, es wird bestimmt etwas Besonderes sein.« »Wie gut du es hast. Meine Ma sagte, ich dürfe eines von ihren Kleidern tragen. Aber mein Busen ist kleiner als ihrer, das wird nicht so passen.« »Dann stopfen wir etwas rein«, überlegte Venia. »Oder ich leihe dir eines meiner anderen Kleider.« »Das ist lieb von dir. Doch meine Ma sagt, die Kleider von dir und deiner Ma seien nichts für unsere Familie.« »Warum nicht?« Ruth zuckte mit den Schultern. »Wohl zu auffällig.« »Aber es tragen doch auch andere unsere Kleider.« »Ja … Na, ich weiß nicht. Sie deutete mal etwas an, ich habe es nicht verstanden.« »Was deutete sie an?« »Dass es für eine Frau zu gefährlich sei, so auffällig zu sein.« »Wie meint sie das? Wegen der Männer?« Ruth zuckte wiederum die Schultern und wechselte das Thema. »Glaubst du, dass David aus Jenasdorf auch kommen wird? Den finde ich so süß.« »Bestimmt, unser Fest ist doch weithin bekannt. Endlich sind wir 17 und dürfen bis in den späten Abend bleiben.« »Und du? Freust du dich darauf, Johannes wiederzusehen?«, wollte Ruth wissen. »Ach nein, ich finde ihn nicht mehr so nett. Er hat neulich sehr mit den vielen Talern angegeben, die er jetzt in Meerstadt nach seiner Lehre beim Schmied verdient. Und außerdem ist er nicht mehr oft in Friedweiler.« »Oh, dann schwärmst du nicht mehr für ihn?« »Nein.« »Und gibt es schon einen anderen Jungen?« »Nein, aber meine Ma sagt, wenn der Richtige auftaucht, weiß man es recht bald. So war es bei ihr mit Pa auch. Und sie war schon deutlich älter als wir jetzt.« »Meine Eltern sind nicht mehr so verliebt wie deine«, stellte Ruth fest. »Ich weiß nicht mal, ob sie es je waren. Ich glaube, sie heirateten nur, weil mein Bruder unterwegs war. Jedenfalls erzählte Ma einmal, dass es ihr peinlich war, bei der Trauung schon einen dicken Bauch zu haben.« »Meinst du? Aber wenn sie ein Kind gezeugt haben, dann müssen sie sich doch geliebt haben.« Erneut zuckte Ruth mit den Schultern. Ihre Ma war für sie oft nicht zu durchschauen. Sie fühlte sich bei Venias Familie viel mehr zu Hause. Venias Eltern waren herzlich, hatten immer ein offenes Ohr für die beiden Mädchen und gaben ihre lebensbejahende Einstellung auf eine Weise weiter, die nicht aufdringlich war. Ihre eigenen Eltern hingegen waren streng, schwiegen viel, fragten kaum etwas und wenn, dann nur zu Alltagsbelangen, die zu erledigen waren. Bei Venia zu Hause wurde viel gelacht und man setzte sich abends gern zum Kartenspiel, Vorlesen und Erzählen zusammen. »Und doch haben sie auch dich noch bekommen«, gab Venia zu bedenken und unterbrach damit Ruths stillen Vergleich. »Ja, das stimmt, aber ich hörte meine Ma mal zu ihrer Freundin Martina sagen, Liebe sei ein Märchen und das im Bett werde überbewertet.« »Was meint sie denn damit schon wieder?« Venia schüttelte verständnislos den Kopf. Ruths Schultern zuckten erneut. »Also meine Ma sagt, Liebe zwischen Mann und Frau ist etwas ganz Schönes und Vertrautes.« »Ihr redet über so etwas?«, staunte Ruth. »Ja, natürlich. Wir reden über alles. Bei uns gibt es keine Geheimnisse«, sagte Venia stolz. »Deine Eltern sind wirklich anders und ich mag sie sehr. Wenn sie zusammen in einem Raum sind oder wenn einer vom anderen spricht, spürt man ihre Liebe. Das habe ich bei meinen Eltern noch nie gespürt.« »Hm, das stimmt leider, Ruth. Wenn ich bei euch bin, ist irgendwie jeder für sich, obwohl wir zusammen zu Abend essen. Aber es wird nur das Nötigste gesprochen und schnell gehen alle wieder auseinander.« »Ja. Ich wünsche mir, dass ich einen Mann finde, wie deinen Pa, und eine Familie haben werde, wie du sie hast.« »Das wünsche ich dir auch, Ruth, und du wirst sie bestimmt bekommen. Schau, du denkst doch schon anders darüber und so wirst du es auch anders machen.« Ruth seufzte. »Ich hoffe es.« Wieder wechselte sie das Thema. »Wie ist es eigentlich mit Toni weitergegangen, der seine Hausaufgaben nicht machen will?« Venia lachte auf. »Das ist interessant und verrückt, das erzähle ich dir auf dem Heimweg, denn ich muss los, Rodolf bat mich um Hilfe am späten Nachmittag.« Venia machte seit einem Jahr in ihrer eigenen Dorfschule eine Ausbildung zur Lehrerin, bei ihrer eigenen Lehrerin Frau Dornbusch. Sie waren bereits gut eingespielt, weil Venia ihr schon immer geholfen hatte. Aber nun lernte sie erst richtig, wie das Lesen und Schreiben vermittelt wurde, welche Themen in jedem Schuljahr zu behandeln waren, worauf bei Prüfungen geachtet werden musste und wie sie selbst den Unterricht planen konnte. Es machte ihr viel Spaß und ihr großes Wissen half ihr dabei. Bei ihren Bibliotheksbesuchen widmete sie sich begeistert dem Studium der kindlichen Entwicklung und möglicher Fehlentwicklungen und war so auch auf die Lösung von Tonis Problem gestoßen. »Also, pass auf«, setzte sie nun im Gehen ein, »du weißt ja, dass Toni erst seit ein paar Wochen in der ersten Klasse ist. In der Schule arbeitet er gut und kann alle Aufgaben. Aber wenn er zu Hause ist, sagt mir seine Mutter, kann er die Aufgaben plötzlich nicht mehr. Das behauptet er jedenfalls. Sie denkt, er ist einfach faul. Doch alles Strafen, Drohen und Schimpfen bringt nichts. Sie weiß einfach nicht weiter. Also bin ich zu ihm nach Hause gegangen und versuchte mit ihm die Hausaufgaben. Wir dachten, vielleicht hat er vor mir mehr Respekt. Aber es war unglaublich, er konnte sie wirklich nicht. Es war, als habe er sie noch nie gemacht. Er war selbst ganz verzweifelt. So etwas war auch Frau Dornbusch noch nie untergekommen. Also wühlte ich mich in der Bibliothek durch einige Bücher und fand in einem eine Geschichte von einem Kind, das immer nur an einem bestimmten Tisch Karten spielen konnte. Als eines Tages zufällig die Tischdecke dieses Tisches auf einem anderen Tisch lag, konnte es auch dort Karten spielen. Es war nur so zu erklären, dass es scheinbar das Wissen um das Kartenspielen mit dieser Tischdecke verband. Nun konnte es überall das Kartenspiel, wo man die Tischdecke hinlegte. Doch nahm man sie weg, war das Wissen nicht mehr abrufbar, zumindest am Anfang. Man begann dann, die Tischdecke durch Zusammenfalten immer mehr zu verkleinern, bis sie ganz weggelassen werden konnte und das Kartenspiel überall gelang.« »Das ist wirklich eine verrückte Geschichte! Was war es bei Toni? Ihr habt doch keine Tischdecken auf den Pulten!« »Wir haben es nicht sofort herausgefunden. Aber ich war mir sicher, da musste es etwas geben. Denn ich war überzeugt, dass er nicht faul ist, sondern durch irgendetwas blockiert, so wie dieses andere Kind. Ich wollte ihm unbedingt helfen. Schließlich kam ich auf die Idee, Toni zu fragen, was er in der Schule am liebsten hat. Und dann war es klar.« Venia lächelte und machte eine Pause. »Nun sag schon, was hat er am liebsten?« »Das Lachgesicht, das ich jedem Kind in seiner Lieblingsfarbe auf sein Pult gemalt habe.« »Was hast du? Warum hast du das gemacht?« »Weil ich es bunter haben wollte und fröhliche Kinder leichter und gerne lernen.« »Venia, du bist … du bist auch verrückt, aber auf schöne Weise. Was sagte denn Frau Dornbusch dazu?« »Ich musste sie eine Weile überreden«, grinste Venia, »und als sie hörte, dass es Toni nun Probleme machte, zu Hause die Aufgaben zu machen, meinte sie, es sei wohl doch nicht so eine gute Idee gewesen.« »Oh, also musstest du sie alle wieder weg machen?« »Ja, ich sollte sie wegmachen, aber ich brachte es nicht übers Herz, es zu tun, ohne die Kinder darauf vorzubereiten. Und als wir es ankündigten, protestierten ohne Ausnahme alle. Sie sagten, es helfe ihnen, auch bei schwierigen Aufgaben durchzuhalten. Einige hatten ihrem Gesicht sogar Namen...




