Bock | Der Michl geht zeltn | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 382 Seiten

Reihe: Polizist Richard Sonnleitner

Bock Der Michl geht zeltn

Bayern-Krimi
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8392-7736-2
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Bayern-Krimi

E-Book, Deutsch, Band 2, 382 Seiten

Reihe: Polizist Richard Sonnleitner

ISBN: 978-3-8392-7736-2
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Schock auf dem beliebten Mittelalterfest »Cave Gladium«. Mitten im Spektakel wird Michael Bäumler mit einem Schwert brutal erstochen. Der als Tempelritter verkleidete Täter entkommt unerkannt in der Menge. Polizist Richard Sonnleitner, zufällig Zeuge des Mordes, beginnt mit den Ermittlungen. Zur gleichen Zeit hält die lokale Raser-Szene die Polizei in Atem. Und dann bekommt Richard ausgerechnet von einem der Mordverdächtigen Konkurrenz bei seiner großen Liebe Magdalena. Genug Arbeit für den jungen Polizisten, dem dieser Fall alles abverlangt.

Florian Bock wurde 1982 im Landkreis Cham, dem Tor zum Bayerischen Wald geboren. Nach einem eher mäßigen Realschulabschluss machte er eine Lehre zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel und blieb dann irgendwie beim Verkauf von Kloschüsseln hängen. Da er sein ganzes Leben in seiner Heimat verbracht hat, lag es nahe, diese zum Handlungsort seiner Krimis zu machen. Privat lebt er glücklich verheiratet mit Frau und zwei Töchtern in einem Dorf nahe der Stadt Cham. Nach 'Da Schorsch geht hoam' ist 'Der Michl geht zeltn' sein zweiter Roman im Gmeiner-Verlag.
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3


Es war eine seltsame Ruhe, die Richard umgab. Er hatte ein wenig Zeit durchzuatmen, die Ereignisse zumindest ein Stück weit an sich heranzulassen. Alles war so automatisch passiert. Die direkt um die Leiche stehenden Menschen hatte er mit mehr oder weniger Erfolg angewiesen, sich nicht zu entfernen. Es hatte sich offenbar schnell im Lager verbreitet, was sich ereignet hatte. Das führte zu sehr gegensätzlichen Reaktionen. Während viele Leute fluchtartig vor der grausamen Szene davonrannten, bildete sich auch binnen kürzester Zeit eine große Traube aus Schaulustigen um den Ort des Geschehens. Richard hatte versucht, dem Einhalt zu gebieten, dann aber irgendwann aufgegeben. Er allein konnte da wenig ausrichten. Glücklicherweise hatten die Organisatoren des Cave Gladium schnell und umsichtig reagiert. Einige hatten sich Decken und Planen besorgt und bildeten damit einen Kreis um den Leichnam, um ihn vor den neugierigen Blicken zu schützen. Richard beobachtete sie nun seit einer Weile. Sie sahen sichtlich mitgenommen aus von dem Anblick, der sich ihnen geboten hatte. Wie er wohl selbst aussah? Zumindest hatte man ihm ein grobes Stofftuch und etwas Wasser gebracht, damit er sich die blutverschmierten Hände hatte reinigen können.

Wenn man den Blick über die Gruppe der Neugierigen hinweg richtete, war zu sehen, dass sich das Lager sehr schnell leerte. Wer wollte schon weiterfeiern, während wenige Meter entfernt jemand brutal abgestochen worden war. Wahrscheinlich hatten auch ein paar Zeugen das Weite gesucht. Aber es war nicht zu ändern. Vielleicht würden sie sich melden, sobald der erste Schock vorbei war. Von dem Mörder fehlte definitiv jede Spur. Richard hatte versucht, die Anwesenden zu befragen, ob sie gesehen hatten, wohin er davongerannt war. Gedeutet wurde in so ziemlich alle möglichen Richtungen. Genau beobachtet hatte niemand etwas. Dazu war er zu schnell verschwunden. Und das blieb er wohl fürs Erste auch.

Irgendwann waren die Sanitäter eingetroffen. Es konnte nur Minuten gedauert haben, aber für Richard war es einer Ewigkeit gleichgekommen. Viel konnten sie nicht tun. Das Opfer war eindeutig tot. Wiederbelebungsmaßnahmen zwecklos.

»Wahrscheinlich verblutet«, meinte einer der Sanis bedrückt. So was sah er wohl auch nicht alle Tage. »Das meiste scheint in die Bauchhöhle hineingelaufen zu sein. Da hast du keine Chance.«

Richard nickte nur. Was sollte er schon darauf antworten?

Und endlich waren seine Kollegen eingetroffen. Erst nur zwei, aber es wurden schnell mehr. Sie waren schließlich in der Lage, die Leute unter Kontrolle zu bekommen. Er hatte sich als Polizist zu erkennen gegeben und half ihnen dabei, die wenigen verbliebenen Zeugen von den Schaulustigen zu trennen. Dann nahm ihn ein älterer Beamter zur Seite. Richard kannte ihn vom Sehen, konnte sich aber an keinen Namen erinnern.

»Passt schon, Kollege.« Er legte ihm den Arm auf die Schulter. »Du hast gute Arbeit geleistet. Jetzt setz dich mal rüber und ruh dich ein wenig aus.«

Richard musste wirklich furchtbar aussehen. Er spürte auch die Erschöpfung. Obwohl sich ein Teil von ihm sträubte, sein Kollege hatte offenkundig recht. Es war wohl besser, wenn er jetzt ihnen die Arbeit überließ und sich erst mal um sich selbst kümmerte. Also suchte er sich eine Stelle in der Nähe, von der er das Geschehen im Auge behalten konnte, ohne im Weg zu sein. Neben einem Pfosten setzte er sich ins Gras, lehnte sich daran und zupfte gedankenverloren ein paar Halme aus. Schließlich lichtete sich der Platz. Die Zeugen wurden separiert, wie es sich gehörte, damit sie sich nicht gegenseitig beeinflussen konnten. Die Neugierigen vertrieb man, was gar nicht so einfach war. Doch mit sanfter Gewalt und teils scharfen Worten gelang es, dass sie sich entfernten. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt, und was blieb, war diese seltsame Ruhe. Als Letztes wurden die Helfer entlassen, die sich um den Sichtschutz gekümmert hatten. Richard sah, wie sich der ältere Kollege ausdrücklich bei ihnen bedankte, weil sie so schnell und umsichtig reagiert hatten. Einer der Helfer brach in Tränen aus, sodass seine Vereinskameraden ihn stützen mussten, als sie ihn in Richtung der Sanitäter fortbrachten.

Mehr war nicht zu tun, bis die Spurensicherung und die Kripo eintrafen. Also saß Richard weiterhin da und starrte auf die Leiche.

»Wenn man dir mal einen freien Tag lässt …«, sprach ihn jemand von hinten an.

Er sah sich um und schenkte seinem Partner Wolfgang ein müdes Lächeln. Der kniete sich neben ihn, legte ihm die Hand auf die Schulter und blickte forschend in seine Augen.

»Alles in Ordnung mit dir?«

Richard nickte. »Wird schon wieder.« Er wuchtete sich hoch und stand träge auf. Die Zeit des Nichtstuns war vorbei. Er brauchte jetzt Beschäftigung, und wenn es eine sinnlose war. Sie traten an die Leiche heran und betrachteten sie eine Weile schweigend. Aus einem Grund, den er nicht verstand, beruhigte ihn Wolfgangs Anwesenheit. Er hatte etwas an sich, dass er in seine Professionalität zurückfand. Er verwandelte sich vom Zeugen eines grausamen Mordes zurück in einen Polizisten. Und aus der Leiche wurde ein lebloses Objekt, das Teil seiner Arbeit war. Richard sah den jungen Mann in einer inzwischen großen Lache Blut, das schneeweiße Gesicht, die starren Augen. Und irgendwie gewann er Distanz dazu.

»Kennst du den jetzt auch wieder?«, fragte Wolfgang nach einer Weile.

Richard musste schmunzeln. »Nein, ich kenne nicht jede Leiche, die uns über den Weg läuft. Leider. Oder viel mehr Gott sei Dank.«

»Hab ich mir schon gedacht.« Sein Kollege nickte.

»Wieso?«

Er setzte ein schiefes Grinsen auf. »Na, weil du dich nicht übergeben hast.«

»Ganz toll. Schön, dass du immer noch darauf rumreitest.« Die letzte Leiche, die sie gesehen hatten, war der alte Schulkamerad von Richard gewesen. Das hatte ihn so aus der Spur geworfen, dass er erst mal seinen Mageninhalt hatte entleeren müssen.

»Nimm es nicht krumm«, meinte Wolfgang beschwichtigend. Dann schnupperte er. »Sag mal, riechst du das auch?«

Richard zog die Luft ein. Es roch verbrannt. »Da wird wohl das Drachenfleisch anbrennen, weil keiner mehr da ist.«

»Was für eine Verschwendung«, Wolfgang schüttelte den Kopf. »Komm, wir schauen mal, ob wir noch was retten können.«

»Also ehrlich, wie kannst du jetzt nur ans Essen denken?«

»Mei, ich hatte heute Dienst und damit bisher nicht das Vergnügen, mich ritterlich verköstigen zu lassen so wie du. Außerdem, bevor es schlecht wird …«

Also gingen sie zur Essensausgabe, die tatsächlich verwaist war. Behände begab sich Wolfgang hinter die Theke, wo sich die Feuerstelle befand, über der an einem Dreibein die große Pfanne mit bratendem Fleisch hing. Das fing an, sich langsam in Holzkohle zu verwandeln. Am Rand war aber noch einiges ganz passabel. Also schlichtete er so viel davon wie möglich in eine aufgeschnittene Semmel.

»Magst du auch was?«, fragte er und biss hinein. Dabei hätte er es fast nicht geschafft, den Mund ausreichend aufzureißen, so eine Menge hatte er aufgestapelt.

»Danke, nein.«

»Ist dir doch ein bisserl schlecht, oder?«, grinste Wolfgang.

Richard rollte nur mit den Augen.

Ein Hüsteln unterbrach die beiden. Es kam von den zwei Kripobeamten Weidner und Amberger.

»Seid ihr immer dabei, wenn in Cham und Umgebung einer umgebracht wird?«, fragte Weidner. Amberger grüßte nur stumm.

»Guten Abend, die Herren«, antwortete Wolfgang kauend. »Da sehen Sie mal, wie diensteifrig wir sind.«

»Ist schon recht.« Weidner wandte sich an Richard. »Wie man hört, haben wir diesmal aber definitiv einen Mord, gell, Sonnleitner?«

Er nickte nur. Was sollte er auch dazu sagen. War ja nicht seine Schuld, dass alle den Tod von Schorsch für einen Unfall gehalten hatten außer ihm.

»Wo ist denn die Leiche?«, fragte Amberger, der es offenbar etwas eiliger hatte, an die Arbeit zu kommen, als sein Kollege.

»Geradeaus nach hinten«, deutete Wolfgang die Richtung. »Können Sie gar nicht verfehlen.«

»Hat diesmal wieder jemand hingespieben?«, fragte Weidner schmunzelnd.

Wolfgang lachte grunzend und hätte sich beinahe an seinem Essen verschluckt. Richard seufzte nur. Das würde er wohl nie mehr loswerden.

Kurze Zeit später traf auch die Spurensicherung ein und machte sich ans Werk. Das hieß für Wolfgang und Richard, dass sie erst mal nichts zu tun hatten. Also schlenderten sie ein wenig herum und erkundeten das Lager. Die Händlerzelte waren ganz interessant. Vor allem, weil niemand da war. Wolfgang betrachtete fasziniert die mittelalterlichen Waffen. Nachdem Richard gerade erst eine sehr anschauliche Lektion erhalten hatte, was diese so bewirken konnten, empfand er deutlich weniger Enthusiasmus dafür. Aber zumindest ging so die Zeit rum. Irgendwann kam Weidner an ihnen vorbei.

»Und, wie schaut es aus?«, rief Wolfgang ihm zu.

Der Kripobeamte blieb stehen und schüttelte den Kopf. »So was sieht man auch nicht alle Tage.«

»Irgendwas Verwertbares gefunden?«, fragte Richard.

»Nicht wirklich. Täter und Tatwaffe sind weg. Soweit die ersten Befragungen mit den Zeugen gelaufen sind, kann auch niemand was dazu sagen, wohin er verschwunden ist. Spuren werden wir bei dem Haufen an Leuten, die hier durchgelaufen sind, wohl ebenfalls keine brauchbaren finden.« Er lehnte sich an einen der Verkaufstische, der sich bedenklich unter ihm bog, und schürzte nachdenklich die Lippen. »Schon sehr seltsam. Ich meine, auf einem...


Bock, Florian
Florian Bock wurde 1982 im Landkreis Cham, dem Tor zum Bayerischen Wald geboren. Nach einem eher mäßigen Realschulabschluss machte er eine Lehre zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel und blieb dann irgendwie beim Verkauf von Kloschüsseln hängen. Da er sein ganzes Leben in seiner Heimat verbracht hat, lag es nahe, diese zum Handlungsort seiner Krimis zu machen. Privat lebt er glücklich verheiratet mit Frau und zwei Töchtern in einem Dorf nahe der Stadt Cham.
Nach „Da Schorsch geht hoam“ ist „Der Michl geht zeltn“ sein zweiter Roman im Gmeiner-Verlag.



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