Blüthgen / Frey | Dunkle Mächte | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 260 Seiten

Blüthgen / Frey Dunkle Mächte

Roman von Victor Blüthgen
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7431-3308-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman von Victor Blüthgen

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

ISBN: 978-3-7431-3308-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Aus dem Inhalt: »So«, sagte sie, »nun leg mal die Zeitung fort, es kann losgehen.« Er gehorchte und legte, gleich ihr, zwei Finger auf den Glasboden. Eine Weile war es still, nur die Flammen im Kamin flackerten ihr unheimliches Leben und an der Hängelampe sirrte es leise in dem einen Glühlicht. »Die Finger werden warm«, meinte Frau Paula halblaut. »Es kribbelt mir in den Spitzen. Fühlst du es auch?« »Gewiss, das ist ganz natürlich.« Auf einmal begann das Glas sich zu bewegen, rutschte und beschrieb ein paar kleine Kreise.

Victor Blüthgen wurde 1844 in Zörbig geboren und starb 1920 in Berlin. Er arbeitete unter anderem als Dichter und Schriftsteller.
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Erstes Kapitel


Professor Felix Lassberg-Budde war heute Abend etwas spät aus dem Laboratorium nach Hause gekommen, um mit seiner Frau zu Abend zu speisen. Er war ein jüngerer Chemiker von großem Ruf, den er der Entdeckung von früher unbekannten Eigenschaften gewisser zuletzt aufgefundener Elemente verdankte, überaus fleißig und um seines frischen Wesens willen bei seinen Studenten sehr beliebt. Vor zwei Jahren hatte er eine junge, kinderlose Frau geheiratet, die Witwe des Besitzers einer großen chemischen Fabrik; er hatte nach seiner Studienzeit vorübergehend in dieser Fabrik gearbeitet und dann vertragsmäßig im Verhältnis einer informierenden und beratenden wissenschaftlichen Autorität zu dem Betrieb und nebenbei in freundschaftlichen Beziehungen zu dem alternden Eigentümer und seiner schönen, stattlichen, lebhaften und geistvollen Frau gestanden; und der Besitz fiel ihm nach dem plötzlichen Tode ihres Gatten wie eine reife Frucht in den Schoß.

Mit ihm ein beträchtliches Vermögen. Sie konnten sich beide einen sehr komfortablen Haushalt im Hansaviertel des Westens gestatten.

Vorläufig nahmen sie an den Genüssen der Hauptstadt sehr mäßig und mit Auswahl teil. Sie liebten sich beide zu sehr, hatten einander geistig zu viel zu bieten, um nicht den Verkehr unter sich wenigstens ein paar Jahre lang allen Genüssen vorzuziehen, die ihnen die übrige Welt bot. Vor allem verfügten beide über so viel Humor, wie nötig ist, um die Ermüdung von einem Verkehr zu zweien fernzuhalten.

Die glänzende Glühlichtkrone aus Messing warf ihren blendenden Schein über den gedeckten Tisch voller Speisereste; die Frau Professor schälte sich eine Apfelsine zum Nachtisch, während der Hausherr den Lokalanzeiger in der Hand hielt und, in den Stuhl zurückgelehnt, die Neuigkeiten überflog.

Plötzlich fiel ein Stück Apfelsinenschale darauf.

»Die alberne Zeitung«, sagte die Frau Professor, das erste Stückchen der Frucht in den Mund steckend.

»Oho«, lächelte er und bückte sich, um das Wurfgeschoss vom Teppich aufzuheben. »Ich lese ja schon den Lokalanzeiger, ums kurz zu machen. Was ist denn heute mit dir?«

»Ich bin übermütig.«

»Das scheint so.«

»Ich möchte heute noch irgendetwas ausführen, etwas Verrücktes. Irgendwohin schwirren, wo es recht sonderbar zugeht. Sieh doch in den Anzeigen nach, was es heute gibt.«

»Soll ich mitkommen?«, sagte er, das Blatt umschlagend.

»Dummer! Ich brauche dich doch, um hinterher sagen zu können, dass du schuld gewesen wärest.«

»Nun - wie wäre es mit einem Witwenball? - Oder dem Trommlerverein Treuinnig ...«

»Ach du ...« Sie erhob sich, nahm ihm blitzschnell das Blatt aus der Hand, breitete es auf dem Tisch aus, nachdem sie ein paar Teller fortgeschoben, und legte sich darüber. »Ach ... da hin; darauf bin ich schon lange aus.«

Sie zeigte auf eine Stelle und schob ihm das Blatt zu. Er las:

»Verein Neulicht. Vortrag über die Geisterwelt im Licht des Spiritismus und dessen wissenschaftliche Vertretung. Kant, Schopenhauer, Aksakow, Wallace, Crookes, Professor Zöllner, Carl du Prel und andere. Mit Experimenten: Tischrücken, Geisterklopfen, magnetische Kraftwirkungen u. dergl. Eintrittspreis 50 Pfennig.«

Als Lokal war eine Wirtschaft in einer belebten Straße des Nordens angegeben.

»Puh!«, machte der Professor. »Wofür gute Namen alles missbraucht werden. Dann aber bitte sehr inkognito, das heißt in einfachster Toilette! Wir werden wahrscheinlich in sehr sonderbarer Gesellschaft figurieren.«

»Na, natürlich so wie wir sind.«

Er musterte ihre schlanke Gestalt im blauen Tuchkleid und rümpfte die Nase, während sie ihn mit den klugen, übermütigen graudunklen Augen anblitzte. »Du - hast du nicht noch ein einfacheres Kostüm?«

»Nein«, lachte sie, und plötzlich griff sie nach der elektrischen Birne unter der Gaskrone und drückte. Auf das feine Klirren draußen trat der Diener ins Zimmer.

»Peter, rufen Sie mir die Meta herein. Sie können abräumen.«

Der Diener ging und kehrte mit dem Mädchen zurück, worauf er sich daran machte, die Teller zusammenzunehmen.

»Meta«, sagte die Frau Professor, »bringen Sie mir, bitte, Ihren schwarzen Umhang herein. Ich will damit ausgehen.«

»Jawohl, gnädige Frau«, sagte das Mädchen mit verwunderten Augen und verschwand.

»Du bist nicht gescheit, Paula«, kopfschüttelte der Professor. »Nächstens kommt sie und will in deinem Abendmantel ausfliegen.«

»Du hast es gewollt, nun schick dich drein.«

Meta brachte den Umhang, der, wie die Probe ergab, passte. »Der steht Ihnen ganz gut, gnädige Frau«, sagte sie nicht ohne Stolz.

»Jawohl. Und Sie bekommen ihn unversehrt wieder - hoffe ich, sonst kaufe ich Ihnen einen neuen. Bringen Sie mir noch meinen grauen Hut und die braunen Handschuhe, die am meisten gebraucht sind. Vorwärts, du, mein Lieber, jetzt keine Müdigkeit vorschützen!«

Ein paar Minuten nachher waren Professors auf der Straße, wo die Laternen trübe in der nebligkühlen Herbstluft flimmerten. Frau Paula hatte den Arm des Gatten genommen und strebte mit dem ihr eigenen, tapferen, federnden Schritt vorwärts.

»Ich hoffe, das gibt einen Hauptspaß«, sagte sie und quetschte vor Vergnügen seinen Arm. »Das Gruseln, wenn so ein Geist erscheint, denke ich mir hochpikant.«

»Wir sind weit gekommen am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, Schatz. Es soll ja vierzig Millionen Spiritisten geben, wenigstens nach der Angabe der Herren selber. Dieser amerikanische Humbug frisst wie ein geistiger Krebsschaden in der Stille weiter: Wenn er sich mal in der Öffentlichkeit mausig macht, gibt es eine Entlarvung, aber das verpufft rasch.«

»Du glaubst, es ist alles Schwindel?«

»Der reinste Schwindel.«

»Aber manches doch nicht, zum Beispiel der Hypnotismus.«

»Dabei handelt es sich um die wissenschaftlich konstatierte Möglichkeit, in einer Schlaflähmung den anderen sozusagen nach Wunsch träumen zu machen, seine geistigen Funktionen zu beeinflussen. Das hat mit dem Spiritismus nichts zu tun. Der ganze tatsächliche Kern dieses Unfugs wird wohl nach und nach in ähnlicher Weise seine Erklärung finden, der Rest ist Selbsttäuschung oder Schwindel.«

»Meinst du?«

»Natürlich. Wir brauchen keine vierte Dimension als Erklärung, wie sie der unglückliche Zöllner erfunden hat, um die Taschenspielereien Slades zu erklären.«

Sie überschritten Alt-Moabit, in fliegender Eile, um einer Pferdebahn zuvorzukommen.

»Ich habe noch niemand gesprochen, dem etwas Geisterhaftes begegnet wäre«, sagte Paula drüben.

»So? Da frag meine Schwester Mia. Die wird dir beschwören, dass im Moment, wo unsere Schwägerin in Leipzig gestorben, ihr von einem Kaffeeservice, das sie gerade in die Stube getragen, die Kanne ganz unvermittelt herausgesprungen und auf dem Fußboden zerschellt sei. Außerdem leidet sie an Wahrträumen, von denen zwei allerdings bezeugt sind.«

»Erzähle, erzähle - sie hat mir nie davon gesagt.«

»Nun: Sie hat nachher den Nachlass der Schwägerin geordnet und konnte durchaus den Schlüssel zu einer Kommode nicht finden. In der Nacht träumt sie: Die Tür geht auf, die Schwägerin tritt herein, setzt sich gleichmütig zu ihr auf den Bettrand und sagt: Ihr sucht den Kommodenschlüssel - nebenan im Eckschrank hängt ein alter Rock von mir, suche in der Tasche, darin ist er. Nickt ihr lächelnd zu, geht hinaus. Früh ist Mias erstes, in den Schrank zu gehen.

Da hängt der bezeichnete Rock, in der Tasche befindet sich der Schlüssel.«

»Ah - das ist doch interessant.«

»Eine ältere Geschichte ist die: Mein Vater hatte einen Garten gepachtet, wohnte über die Straße gegenüber. Ich war damals schon aus dem Haus. Eines Abends kommt mein Vater aus dem Garten und sagt: Kinder, zündet doch eine Laterne an, ich habe drüben meinen Trauring verloren. Sie gehen hinüber, suchen, finden ihn nicht. In der Nacht träumt Mia: Sie geht in den Garten, an einen Komposthaufen, stöbert eine Stelle auf - unter der Erde liegt der Ring. Früh erzählt sie das; man begibt sich in den Garten, sie bezeichnet die Stelle - in der Tat, dort kratzt man den Ring heraus.«

»Aber das ist ja verblüffend«, rief Paula aufgeregt. »Und das sind Tatsachen?«

»Ja, mein Vater hat es mir bestätigt. Ich muss es schlechterdings als Tatsache hinnehmen - das Letzte nämlich. Für das Übrige muss ich mich allerdings auf Mia verlassen ... 26 ... 27 ... da sind wir ja.«

Ein offener Torweg, seitlich an der Hauswand ein rotes Plakat...



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