Blue | Schwesternmacht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 12, 96 Seiten

Reihe: Märchenspinnerei - Licht und Schatten

Blue Schwesternmacht


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7541-8247-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 12, 96 Seiten

Reihe: Märchenspinnerei - Licht und Schatten

ISBN: 978-3-7541-8247-5
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Zwei Schwestern Ein verzauberter Bär Spurensuche in Frankfurt Als die Zwillinge Rosalie und Bianca mitten in der Großstadt auf einen Bären treffen, staunen sie nicht schlecht - erst recht, als sie erfahren, dass das Tier der verzauberte Sohn eines Fürsten ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Urheber des Zaubers. Dabei führen ihre Nachforschungen die beiden Halbelfen bis weit über die Stadtgrenzen hinaus. Doch zum Glück sind sie nicht auf sich allein gestellt: Eine Nixe, einige Menschen und sogar eine Zwergenfrau unterstützen sie. In 'Schwesternmacht' erzählt Rabea Blue eine moderne Version des Märchens 'Schneeweißchen und Rosenrot' und ergänzt somit Katherina Ushachovs 'Zwergenschatz' um die 'gute' Seite des Märchens. Die Novelle beschreibt die Versuche des jungen Fürstensohns, wieder ein Mensch zu werden.

Rabea Blue schreibt Fantasy und Science-Fiction. 2017 kam ihr erster Roman auf den Markt, seit 2019 ist sie Mitglied der Märchenspinnerei, die sich auf die Adaption von Märchen spezialisiert hat.
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Rosalie und Bianca


„Schon wieder alle Felder voll“, jammerte Rosalie und zwirbelte mit der Hand an einer roten Holzperle, die in ihren hellblonden Dreadlocks fixiert war. „Wo soll ich jetzt meine neue Rosensorte anpflanzen?“ Ihr schmales Gesicht wurde von dem Display ihres Smartphones erhellt, das sie an ihre angezogenen Knie gestützt hatte.

„Bau sie einfach an, wenn du wieder etwas frei hast“, schlug ihre Zwillingsschwester Bianca vor, ohne den Blick von ihrem eigenen Handy abzuwenden. Auch sie hatte hellblonde Haare, doch im Gegensatz zu Rosalie waren ihre glatt. Heute hatte sie sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und eine weiße Rosenapplikation hineingesteckt.

Missmutig verzog Rosalie das Gesicht. „Aber sie sind so schön. Ich will nicht warten. Es dauert ewig, bis ich ein Level aufsteige und ein neues Feld bekomme.“

Bianca winkte ab. „Ich brauche im Moment Dünger für meinen Schneeball-Strauch. Aber Münzen habe ich keine mehr. Da muss ich wohl die ganzen zehn Stunden warten, bis das Silo wieder voll ist.“

„Ich habe leider auch keine Coins“, entgegnete Rosalie schulterzuckend. „Vorhin erst habe ich davon neue Anbaufläche gekauft, damit ich meinen Garten vergrößern kann. Mama wird sich freuen, wenn ich ihr noch einen größeren Strauß meiner roten Rosen schicken kann.“

„Hey – aber nicht, dass du mich noch übertrumpfst. Meine weißen Rosen mag sie fast noch lieber.“

Die beiden kicherten. Es war elf Uhr abends und im Goldsteiner Park konnte man nur noch dank der Straßenlaternen etwas sehen. Wegen der sommerlichen Temperaturen merkten die Zwillinge gar nicht, dass es schon auf Mitternacht zuging.

Rosalie hob den Kopf. „Das ist so eine Geldmacherei mit diesen Handyspielen.“

„Allerdings. Viel schlimmer ist, dass wir darauf auch noch hereinfallen und unser Real Life deswegen verpassen. Warum machen die aber auch immer so viel Spaß?“

„Ach, es sind doch Ferien. Mama würde uns schon den Kopf waschen, wenn wir unsere Pflichten vernachlässigen würden.“

Aus der Dunkelheit tauchte eine Gruppe grölender Jugendlicher auf. Einer von ihnen kickte eine leere Getränkedose vor sich her, ein anderer trat im Vorbeigehen gegen einen Mülleimer, sodass er aus seiner Verankerung sprang. Rosalie und Bianca zuckten nicht einmal mit der Wimper, so als würden sie die Gruppe gar nicht bemerken. Umgekehrt nahmen auch die jungen Männer keine Notiz von den beiden Mädchen. Sie zogen vorbei und machten auf einer nahegelegenen Wiese Halt.

Bianca und Rosalie spielten ihr Garten-Simulations-Spiel weiter. Hin und wieder tauschten sie ein paar Worte, waren abgesehen davon komplett in der virtuellen Welt eingetaucht. Als es ganz in der Nähe auf einmal raschelte, zuckten sie synchron zusammen.

„Hast du das auch gehört?“, fragte Rosalie.

Bianca nickte. „Das kam aus dem Busch dort drüben, oder?“ Sie schüttelte sich.

Als Nächstes war ein Knurren zu hören. Es war für beide ganz deutlich.

„Was um alles in der Welt ist das?“, zischte Bianca ihrer Schwester zu. „Klingt groß. Nicht nach einer Katze oder einem Marder.“

Rosalie ließ das Licht des Handy-Displays erlöschen und erhob sich von der Bank. „Ich schaue einfach mal nach.“

„Och nö“, murrte Bianca. „Mama hat gesagt du sollst keine streunenden Tiere mehr mit nach Hause bringen.“

„Ach, ich will doch nur gucken.“ Ihre Schwester ließ ihr Smartphone in die Gesäßtasche gleiten und überquerte den Weg zu dem Busch. Als sie die Äste auseinanderschob, huschte ein dunkler Schatten davon.

„Da – es läuft weg“, rief sie und winkte ihre Schwester mit sich. „Definitiv ein Tier.“ Sie wandte sich nach rechts und eilte hinterher. Bianca sprang von der Bank auf und folgte ihr.

„Gleich ist der Busch zu Ende“, stellte Bianca fest. „Dann sehen wir, was es ist.“

Das schien das Tier ebenfalls zu bemerken, denn es hielt hörbar inne und verharrte auf der Stelle. Ein paar Meter weiter saßen die Jugendlichen, die zuvor an den Zwillingen vorbeigelaufen waren. Offenbar hörten sie ein Geräusch, denn die Mehrheit von ihnen wandte den Kopf in ihre Richtung. Doch ihr Blick verlief ins Leere. Als sie nichts weiter hören konnten, widmeten sie sich wieder ihren Zigaretten und Bierflaschen.

„Ganz ruhig, liebes Tierchen“, säuselte Rosalie. „Wir wollen dir nichts tun.“

Die Schwestern teilten sich auf, umzingelten die Bepflanzung, sodass das Etwas im Inneren nirgendwohin entwischen konnte. Mit Handzeichen verständigten sie sich darauf, dass eine von ihnen in das Geäst hineingreifen sollte. Rosalie war die Mutigere der beiden und meldete sich freiwillig. Ruckartig schnellte ihr Arm hinab.

„Ah, hab ich dich!“, murmelte sie. Doch als sie ihre Beute heben wollte, ging es nicht.

„Meine Güte, was ist das? Es ist weich, aber extrem schwer. Und sehr groß.“ Erschrocken ließ sie wieder los.

„Mist – wie soll ich aus dieser Zwickmühle wieder herauskommen?“, brummte es aus dem Busch. „Ich hatte es doch schon fast geschafft.“

Bianca riss die Augen auf. „Hat das Vieh etwa gerade gesprochen?“

Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Von dem Tier war kein Mucks mehr zu hören. Nur das Lärmen der jungen Männer drang von Weitem zu ihnen. Im nächsten Moment streckte sich ein schwarzer Bärenkopf aus den Blättern. „Was? Ihr könnt mich verstehen?“ Seine dunkelbraunen Augen sahen von Einer zur Anderen.

„Allerdings“, bestätigte Rosalie. „Auch wenn ich keine Ahnung habe, warum.“

Der Bär machte Anstalten, aus dem Gebüsch herauszukommen. Doch als sein Blick auf die Gang der Halbstarken fiel, kroch er wieder zurück.

„Wie kommt es, dass die dort hinten euch nichts antun? Ich kenne solche Typen aus dem Zoo … Uns Tiere haben sie nie so ignoriert wie euch.“

Rosalie warf einen Blick über ihre Schulter. „Ach die. Wir haben da unsere Methoden.“ Verschwörerisch zwinkerte sie Bianca zu. Dann widmete sie wieder all ihre Aufmerksamkeit dem flauschigen Ausreißer. „Willst du erst einmal mit zu uns kommen? Du willst nicht wirklich hier draußen herumstromern, oder? Solange du in unserer Nähe bist, wird dir niemand etwas zu Leide tun.“

„Aber wie …“, setzte das Tier an, unterbrach sich dann jedoch selbst. „Egal. Ich nehme das Angebot gerne an.“

„Dann komm raus da – wenn wir hier stehen, sieht dich niemand.“ Rosalie stapfte voran.

Ganz langsam traute sich der Bär aus dem Geäst. Er war bereits ausgewachsen, sein braunes Fell glänzte im Schein der Straßenlaternen. Unterwürfig sah er zwischen den beiden Schwestern hin und her. „Danke.“

„Keine Ursache“, plapperte Bianca. „Hier entlang.“

So gingen sie gemeinsam durch die Nacht: ein Bär und zwei junge Frauen. Wenn ihnen jemand entgegenkam, hatten die Passanten einen starren Blick auf dem Gesicht und beachteten keinen der Drei. Auch vorbeifahrende Autos schenkten ihnen keine Aufmerksamkeit, ganz gleich, was für ein seltsames Bild sie boten.

Je weiter der Bär die Mädchen begleitete, desto mehr fragte er sich, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, ihnen zu folgen. Er schalt sich selbst dafür, dass er ohne zu zögern zugestimmt hatte, anstatt zu überlegen, welche Hintergründe die beiden Mädchen haben könnten. Sie kannten ihn doch gar nicht. Er war immerhin ein gefährliches Tier. Wohin brachten sie ihn? Und wieso hatten sie offensichtlich keine Angst vor ihm? Sollte er vielleicht doch noch davonlaufen?

Im Vorbeigehen betrachtete er die Goldstein-Siedlung. So traumhaft der Stadtteil Schwanheim sich auch anhörte, mit solch einem Anblick hatte er nicht gerechnet. Meter für Meter wurde die Umgebung schäbiger. Gewaltige Plattenbauten ließen sich in der Dunkelheit erkennen. Müll auf der Straße, Reste abgerissener Plakate auf dem Boden. Von weitem erblickte er eine Gruppe leuchtender Punkte in einem Häusereingang. Zu allem Überfluss steuerten seine Retterinnen ausgerechnet auf eines dieser heruntergekommenen Hochhäuser zu.

„So, einmal kurz durch den Mund atmen“, lächelte Bianca verlegen, als sie dem Bären und ihrer Schwester die Flügeltür aufhielt. Das Sicherheitsglas war an mehreren Stellen gesprungen.

„Sind das — Einschusslöcher?“, brach der Bär das erste Mal seit Verlassen des Parks sein Schweigen, wenn auch nur im Flüsterton. Doch von Bianca und Rosalie bekam er keine Antwort.

Kaum hatten sie das Foyer betreten, wusste der Bär, was das Mädchen mit ihrem Spruch über das Atmen gemeint hatte. Es roch bestialisch nach Erbrochenem und Urin.

„Psst“, machte Rosalie, als der Bär ein Brummen nicht unterdrücken konnte. „Schnell in den Aufzug rein. Oben wird es besser.“

Die Tür des Fahrstuhls öffnete sich geräuschvoll und das große Tier hätte am liebsten Reißaus genommen, bei dem Anblick, der sich ihm bot. Eine benutzte Spritze lag in der Ecke, neben einer kleinen gelben Pfütze.

„Du Armer.“ Bianca strich ihm liebevoll über den pelzigen Kopf, als sie sich in die spärlich beleuchtete Kabine zwängten. „Für deine feine Nase muss dieser Gestank eine unglaubliche Qual sein.“

Der Bär wollte erneut aufbrummen, als Bianca zu seinem Entsetzen auf den Knopf für das oberste Stockwerk drückte. Aufgrund der Enge in dem Fahrstuhl musste er aufrecht stehen und versuchte sich einzureden, dass der Gestank weniger wurde, wenn er seine Nase so weit wie möglich gen Decke streckte. Mit Mühe und Not schaffte er es, die Fahrt leise zu überstehen. Als sich die Aufzugtür erneut öffnete, fiel er mehr heraus, als dass er ging. Glücklicherweise hatte...



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