Blue | Kennas Flucht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 162 Seiten

Blue Kennas Flucht


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7565-8457-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 162 Seiten

ISBN: 978-3-7565-8457-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gefesselt und mit einem Sack über dem Kopf wird Prinzessin Kenna in der Wüste ausgesetzt. Schnell erkennt sie, wohin man sie gebracht hat: Auf den Nachbar-Planeten Pribon, ein Ort, an dem es keine Gesetze gibt. Aber warum ist sie hier und wer ist für ihre Entführung verantwortlich? Kenna muss sich schnell anpassen, damit keiner entdeckt, wer sie in Wirklichkeit ist. Sie taucht bei einer Gruppe Straßenkindern unter und versucht einen Weg zu finden, um wieder auf ihren Heimatplaneten Mayon zu gelangen. Als sie dem zwielichtigen Zoyd begegnet, tun sich für Kenna neue Chancen auf. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise und Kenna fühlt sich in Zoyds Gegenwart sicher. Doch sie ahnt nicht, dass auch er etwas zu verbergen hat ...

Rabea Blue wurde 1985 in Frankfurt am Main geboren und lebt seit der Schulzeit in Südhessen. Bereits früh entdeckte sie die Freude am Geschichten-Schreiben. Nach dem Abitur widmete sie sich zunächst dem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Seit sie als Unternehmensberaterin tätig ist, schreibt sie nebenbei Kurzgeschichten. Im Sommer 2017 hat sie den Schritt in das Selfpublishing gewagt und seitdem bereits mehrere Romane und Novellen veröffentlicht.
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Kenna: Entführung


Ich hatte mich gleich gewundert, dass es ungewöhnlich ruhig gewesen war, als ich schlafen gehen wollte. Wie jeden Abend fütterte ich vor dem Zubettgehen noch meine Liedspieler. Ich gab ihnen neuen Vitaminsaft in ihre Schälchen und betrachtete das vielfältige Farbenspiel ihrer Federn. Je nach Rasse war es ein kräftiges Blau, ein fluoreszierendes Gelbgrün oder ein glitzerndes Rot. Am liebsten hatte ich die Tiere, die so schwarz wie mein Blut waren. Normalerweise zwitscherten sie eines ihrer Lieder. Doch nicht heute. So ruhig waren sie sonst nur, wenn ein Sturm aufzog. Und das beunruhigte mich.

Von meinem Balkon aus hatte ich einen überwältigenden Ausblick über die gesamte Hauptstadt Mayons, dem wohlhabendsten und damit vorherrschenden Planeten unserer Galaxie, Festivy. Die vielen unterschiedlichen Lichter der schimmernden Hochhäuser erzeugten über der Stadt eine farbige Kuppel. In der Mitte ragte der Presseturm in die Höhe, als wäre die Stadt um ihn herum gebaut worden. Seine Spitze funkelte im Licht der Monde.

Hoch oben, weit über dem Boden, lebte der Adel und die reichsten Bewohner. Wer in niedriger gelegenen Häusern lebte, war meist nur Teil der Mittelschicht. Was auf Mayon allerdings gleichbedeutend mit den Armen war. Nichtsdestotrotz bestanden auch die Häuser in Bodenhöhe aus hochwertigen Materialien, waren ohne Makel und Kratzer. Die Stadt war ein durch und durch glänzender Ort.

Oft stand ich sehr lange hier und träumte vor mich hin. Vieles befand sich im Umbruch, da mein Vater, der König, gestorben war und es schon bald einen neuen Herrscher geben würde. Ich wusste, dass sich einiges ändern würde. Doch was genau, das stand in den Sternen. Ein wenig Angst hatte ich vor der Zukunft. Zugleich freute ich mich auf die Herausforderung, denn meine beiden Schwestern und ich würden ein wichtiger Teil dieser Zukunft sein.

Es ging ein leichter Wind. Fröstelnd zog ich meinen Morgenmantel bis ans Kinn und schlang meine Arme um meinen schmalen Körper. Für diese Saison wäre ein Unwetter nicht untypisch. Die Stürme auf Mayon waren sehr heftig, deswegen musste man rechtzeitig Fenster und Türen schließen. Jedoch war weit und breit nichts zu sehen. Keine Himmelselemente, keine flackernden Lichter.

Ich schloss den Käfig meiner Tiere, ging in mein Schlafzimmer und wandte mich dem Nachttisch zu, auf dem mein Kommunikator lag. Er würde mir anzeigen, ob ein Sturm in Aussicht war.

Mein Schlafgemach war riesig dafür, dass ich lediglich nachts dort war und sich darin nur mein Bett, ein paar kleinere Kommoden und ein großer Schrank mit meinen Schlafkleidern befanden. Doch ich beklagte mich nicht. Die Größe des Raumes ließ ihn stets aufgeräumt wirken. Selbst, wenn ich wieder einmal meine Kleider umsortierte – eine heimliche Leidenschaft von mir.

Während ich die Meldungen und Nachrichten auf meinem Kommunikator prüfte, glaubte ich, schon wieder einen Lufthauch zu spüren. Seltsam, so weit von der Balkontür entfernt. Als ich ein Knacken direkt hinter mir hörte, war es schon zu spät.

Eine starke Hand packte mich und eine andere hielt mir den Mund zu. Mein Herz pochte vor Angst und ich versuchte, einen Anhaltspunkt zu bekommen, wer in meinen Turm eingedrungen war. Doch sie waren sehr gerissen – mehr als Schuhe konnte ich von meinen Peinigern nicht erkennen. Sofort wurden meine Hände auf dem Rücken fixiert, damit ich meine besondere Fähigkeit nicht wie gewohnt nutzen konnte. Panisch zappelte ich und versuchte, telekinetisch etwas auszurichten. Mein Bett konnte ich so verschieben, dass es einem der Fremden in die Seite krachte. Meinen großen Schrank warf ich vor die Tür. Obwohl der Fremde ächzte, als ihn das Bett traf, hielt er mich weiterhin fest.

Mir wurde ein Stück Stoff über den Kopf gestülpt, doch bevor ich die Gelegenheit nutzen konnte, lauthals nach Hilfe zu schreien, wurde mir erneut der Mund zugehalten und es kam nur ein Wimmern heraus. Ich versuchte weiterhin, mich mit Händen und Füßen zu wehren. Meine telekinetischen Kräfte konnte ich nicht mehr nutzen, ohne etwas zu sehen. Sie waren mindestens zu dritt und mussten Kampferfahrung haben, denn trotz meiner Selbstverteidigungskenntnisse konnte ich keinen von ihnen erwischen. Eine Person war an meinem Kopf, eine zweite trug meinen Oberkörper und noch jemand fixierte beim Tragen meine Beine.

Einer von ihnen ließ mich für eine kurze Zeit los. Dem Geräusch nach zu urteilen rückte er den Schrank zur Seite, sodass der Weg aus meinem Gemach frei war.

Ich merkte, wie sie sich mit mir in Bewegung setzten. Jegliches Zappeln und Winden war zwecklos, ich konnte nichts gegen meine Entführer tun. Also bewegte ich mich weniger und lauschte. Es waren Schritte zu vernehmen, außerdem war es sehr dunkel um uns herum, das konnte ich durch den Stoff erkennen. Dann wurde es plötzlich hell. Sekunden später hörte ich Töne, die den Tastengeräuschen des Aufzugs glichen. Doch den Code für den Fahrstuhl kannten nur die Familie und die Wachen. Woher wussten die Entführer, welcher Code benötigt wurde? Gab es einen Maulwurf? Und vor allem: Was wollten sie von mir?

Als wir den Aufzug verließen, konnte ich nur gedimmtes Licht erkennen. Wir befanden uns also nicht in der Empfangshalle. Als ich frische Luft spürte, war es offensichtlich, dass wir das Gebäude verlassen hatten.

Ich hatte keine Ahnung, wo ich hingebracht wurde, doch irgendwann hörte ich ein Rauschen, das mich an unsere Flotte erinnerte. Gleichzeitig wurde es kühler. Als ich ein Zischen wie von hydraulischen Türen hörte und es kurz darauf einen Ruck gab, bestätigte sich meine Vermutung: Sie entführten mich mit einem Flugschiff.

Ich wurde auf eine ebene Fläche gelegt und wie ein Stück Ware festgezurrt. Anhand des konstanten Surrens und dem Hauch von Helligkeit, der durch den dunklen Stoff drang, vermutete ich, dass sie mich mit einem der Lichtgurte festgeschnallt hatten, mit denen sonst schwere Kisten für den Transport gesichert wurden.

»Ihr feigen Mistkerle, lasst mich sofort gehen!«, schrie ich aus vollem Halse, als mir endlich nicht mehr der Mund zugehalten wurde. »Wachen! Wachen!«

Doch nur wenig später spürte ich ein Schwanken, das meinen Bauch kitzeln ließ. Von außerhalb würde mich während des Flugs niemand mehr retten können. Nicht einmal mein treuer Leibwächter Mius.

Fieberhaft überlegte ich, wie ich mich befreien konnte. Ob ich mir irgendwelche Details merken sollte, die auf meine Entführer schließen ließen oder sogar auf unser Ziel? Doch ich hörte nichts außer dem Dröhnen der Turbinen und konnte mich keinen Zentimeter bewegen. Ich war offenbar alleine in dem Bereich des Schiffes.

Obwohl ich vor Angst regelrecht zitterte, machte ich mir Mut. , dachte ich mir. Durch Drehen meines Körpers versuchte ich, an die Feststelltaste des Lichtgurtes zu gelangen und mich so zu befreien. So sehr ich mich auch wand, ich konnte sie nicht erreichen. Also probierte ich, mich nach oben zu robben, um so meinen Fesseln zu entkommen. Leider war auch das nicht von Erfolg gekrönt.

Schließlich resignierte ich und begann zu weinen. Leise schluchzte ich vor mich hin. Gedämpft konnte ich die Stimme des Autopiloten aus dem Cockpit hören. Mit einem Mal erstarrte ich. Diese Stimme kannte ich. Mein Vater hatte sie damals in Auftrag gegeben. Also war dies nicht irgendein Schiff, sondern eines aus seiner Flotte.

Schon früh war mir beigebracht worden, dass für mich die Gefahr bestand, im Zusammenhang mit einer Lösegeldforderung entführt zu werden. Vater hatte großen Reichtum angehäuft, da war das naheliegend. Aber dass jemand aus den eigenen Reihen dazu in der Lage war, hätte ich niemals gedacht. Und warum war niemand da gewesen, um mir zu helfen? Was war mit Mius? Ging es meinen Schwestern gut? Allmählich stieg Wut in mir auf und verdrängte die Angst und die Hilflosigkeit. Der Reihe nach ging ich unsere Bediensteten durch und wog ab, ob sie Teil dieser Verschwörung sein konnten. Zu einem Ergebnis kam ich nicht.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir wieder landeten. Für einen kurzen Moment musste ich weggenickt sein, denn ich schrak zusammen, als sich eine Tür öffnete und Schritte näher kamen. Noch immer sprachen meine Entführer kein Wort. Als sich das Schiff nicht mehr bewegte, wurde ich von dem Lichtgurt befreit und erneut an Händen und Füßen gepackt. Den Mund hielt mir niemand mehr zu.

»Ihr Verräter, ich weiß ganz genau, wer ihr seid«, versuchte ich zu bluffen. »Egal, was ihr damit bezwecken wollt, ihr werdet es noch bereuen, mich jemals angefasst zu haben.« Ich trat um mich, aber meine Worte und Bewegungen schienen niemanden zu beeindrucken. Also gab ich die Kommunikation wieder auf. Stattdessen lauschte ich erneut auf Hinweise darauf, wo ich sein konnte.

Als ich wieder das Zischen der Flugschifftür hörte, spürte ich deutlich einen leichten Wind. Er ließ den Stoff über meinem Gesicht verrutschen und ich konnte sehen, dass wir uns nicht mehr auf Mayon befanden. Weit und breit keine Spur von Zivilisation, nicht einmal von Leben. Vollkommen anders als auf meinem Heimatplaneten. Deswegen hatte es also so lange gedauert.

Durch den kleinen Spalt, durch den ich nun blinzeln konnte, erkannte ich ödes Land mit staubigen Erdhügeln und Müllbergen.

Die Entführer sah ich nicht, und als einer von ihnen bemerkte, dass meine Sicht nicht mehr komplett verdeckt war, korrigierte er den Sitz des Stoffes und ich war wieder in Dunkelheit gehüllt.

Hören konnte ich wenig. Eine Art Kratzen drang hin und wieder an meine Ohren, dann entfernte Rufe und das Summen der zarten Flügel von Saftsaugern.

Nach einem kurzen Fußmarsch wurde ich auf dem Boden abgelegt. Nicht...



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