E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Bloom New Hope - Das Funkeln der Sehnsucht
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7457-0312-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 368 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-7457-0312-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Herz macht, was es will ...
Jackson würde lieber rostige Nägel essen, als noch mal einen Fuß in seine Heimatstadt zu setzen. Er hat sich ein neues Leben fernab von New Hope aufgebaut und geht in seinem Beruf als Unfallchirurg auf. Doch dann vermacht seine schrullige Tante, bei der er aufgewachsen ist, ihm ihre kleine Pension. Fest entschlossen, die Angelegenheit schnell abzuwickeln, fährt er nach Hause. Sofort überfallen ihn Erinnerungen an seine harte Highschoolzeit, an das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören - und an seine Jugendliebe Cassie, die ihn tief verletzt hat. Aber ausgerechnet Cassie ist die einzige Maklerin weit und breit, und er braucht ihre Hilfe. Das Gefühlschaos ist vorprogrammiert ...
Rose Bloom schreibt unter ihrem Pseudonym seit 2016 gefühlvolle Liebesromane und New-Adult-Geschichten von ihrem Zuhause in der Nähe von Frankfurt am Main aus. Von dort träumt sie sich in entfernte Großstädte und abgelegene Orte wie die fiktive Kleinstadt New Hope. Deren großes Vorbild ist Roses Wunschreiseziel Nummer 1 als große Bergliebhaberin: die kalifornische Sierra Nevada.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 1
Damals
Jackson
»Hast du Jennys Hose gesehen?«
»O ja, furchtbar! Ihre Mom hat ihr wohl wieder Klamotten aus ihrem Secondhandladen in Crestview angedreht.«
»Sieht so aus.« Ich vernahm ein Seufzen. »Außerdem soll Chester wieder mit Cassie zusammen sein, kannst du das glauben?«
»Du hast doch nicht gedacht, dass du bei ihm irgendeine Chance hast, Willow?«
Leise schloss ich meinen Spind. Die beiden Mädchen hatten mich nicht bemerkt und plapperten neben mir weiter. Das war gut. Unter dem Radar zu bleiben, hieß immer, sicher zu sein, vor allem wenn man erst vor drei Wochen in diese Kleinstadt mit dem kitschig hoffnungsfrohen Namen New Hope gezogen war und sich alle an der Highschool für den Neuen zu interessieren schienen. Ich begegnete neugierigen und mitleidigen Blicken. Der Junge, der vor Kurzem seine Eltern verloren hatte und bei seiner schrulligen Tante in einer altmodischen Pension leben musste. Oh, und der Junge, der keinen geraden Satz herausbrachte. Der Stotterer. Stotter-Jackson. Im Laufe meiner letzten fünfzehn Lebensjahre hatte man mir viele Spitznamen gegeben. Und ich hasse sie alle.
Nachdem ich die Bücher für die nächste Stunde verstaut hatte, schloss ich meinen Rucksack. Die Mädchen hörten auf zu reden und schauten kurz zu mir rüber. Ich hielt inne wie ein Eichhörnchen, das beim Nüssesammeln erwischt worden war. Als sie ihre Aufmerksamkeit von mir abwandten, atmete ich leise aus. »Immer die Deckung oben halten« war der Lieblingsspruch meines Vaters gewesen. Ein dicker Kloß setzte sich in meinem Hals fest. Wenn ich an eines nicht denken wollte, dann an Dads alte Weisheiten, von denen er für jede Situation eine parat hatte. Doch er war dabei nie belehrend gewesen, es war eher ein liebenswürdiger Tick, und ich musste jedes Mal dabei lächeln. Hatte gemusst.
Shit. Ich räusperte mich ganz leise, senkte den Kopf und lief los. Die Geschichtsstunde würde in zwei Minuten beginnen, und ich hatte die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich gleichzeitig mit dem Lehrer in die Klasse kam, es den Bullys keine Möglichkeit gab, mir eins reinzuwürgen. Auch wenn New Hope eine ruhige Kleinstadt am Rande des Yosemite-Nationalparks war, waren meine Mitschüler genauso fies wie in Chicago. Ich vermisste meinen einzigen Freund, der noch nicht mal in meinem Alter war. Mr. Harris war der Bibliothekar meiner alten Schule, und die Bücherei diente als mein bestes Versteck. Hier in New Hope hatte ich nichts. Keinen Rückzugsort, keine Ruhe, keine Eltern. Alles war fremd und neu.
Immer wieder spähte ich für den Bruchteil einer Sekunde nach oben, zog den Rucksack auf meinen Schultern enger und wappnete mich für den Weg zum nächsten Unterrichtsraum, während das Karomuster des Korridorbodens an mir vorbeiflog. Noch bevor ich den Zusammenstoß spürte, stieg mir ihr Duft in die Nase. Veilchen wie frisch von einer Wiese gepflückt. Bücher knallten auf den Gang, und ehe ich überhaupt nachdenken konnte, griff ich nach ihren Schultern und hielt sie davon ab, rückwärts zu stürzen. Langsam schaute ich nach oben und verstand in dem Moment, dass ich den größten Fehler meines Lebens begangen hatte. Ich hatte zum ersten Mal tief in ihre flaschengrünen Augen gesehen. Sie strahlten wie durchschimmerndes Glas. Sofort setzte ein Gefühl meinen gesamten Körper in Alarmbereitschaft, das ich bis dahin nicht gekannt hatte.
Cassie war ebenso geschockt wie ich. Sie rührte sich keinen Millimeter und ließ sich von mir halten. Ich wollte ihr sagen, dass es mir leidtat, dass ich sie mitten auf dem Schulflur angerempelt hatte, weil ich nur nach unten geschaut hatte. Ich wollte ihr sagen, dass sie das schönste Mädchen war, das ich jemals zuvor gesehen hatte. Ich wollte ihr sagen, dass mein Herz immer schneller schlug, wenn ich einen kurzen Blick auf sie erhaschen konnte. Aber herauskommen würde nur ein wirres Knäuel aus Worten, also schwieg ich und ließ sie langsam los.
»Sorry, ich habe nicht aufgepasst«, entschuldigte sie sich und strich sich ein wenig beschämt eine Strähne ihres blonden Haares hinters Ohr. Ich bückte mich, hob ihre Bücher auf und hielt sie ihr hin. Cassie war ein Stück größer als ich, und ich verfluchte meinen schmächtigen Körper, der mit fünfzehn nicht mal halb so weit entwickelt war wie die der meisten meiner Mitschüler. Hätte sie mich früher bemerkt, wenn ich anders ausgesehen hätte? »Danke. Jackson, richtig?«
Ich nickte. Sie lächelte, und mein Herz schien zu explodieren.
Ihre Finger berührten leicht meine, als sie mir die Bücher abnahm und sich gegen die Brust drückte. Wieder einmal fragte ich mich, was ein Mädchen wie sie mit einem Arschloch wie Chester wollte. Er war der typische Bully, der sich auf jede noch so kleine Schwäche stürzte und sie sich zunutze machte, und scheiße, ja, davon hatte ich genug.
»Du wohnst im Big Mountain Inn, oder? Mildred ist deine Tante.«
Erneut nickte ich. Es wunderte mich, dass Cassie sich mit mir unterhalten wollte. Ich hatte angenommen, sie würde gleich weiterlaufen und mir keine weitere Beachtung schenken. Doch irgendetwas sagte mir, dass ich mich vielleicht in ihr getäuscht hatte. Sie sah aus wie die typische Cheerleaderin eines jeden Highschoolfilmes, schlank und trotzdem kurvig, perfekte Haut, blonde weiche Wellen, die ihr ovales Gesicht umspielten, noch dazu war ihr Dad der Direktor dieser verdammten Schule. Ich hätte niemals eine Chance bei jemandem wie ihr gehabt, und wenn ihr Freund Chester mich erwischen würde, würde ich für immer auf seinem Radar landen und niemals mehr unbemerkt durch die Gänge laufen können. Obwohl ich all das wusste, konnte ich nicht gehen. Ich wollte all die Gründe, die dagegen sprachen zu bleiben, in Kauf nehmen. Wenn ich nur eine Sekunde länger die Aufmerksamkeit von Cassidy Williams hatte.
Ich atmete tief durch und erinnerte mich an das, was mir meine Logopädin in Chicago geraten hatte. Aber die Aufregung hatte mich fest im Griff, und es fiel mir schwer, meine Atmung und mein Zwerchfell zu kontrollieren. »Ja«, presste ich hervor und führte einen innerlichen Tanz auf, weil ich das Wort in einem Rutsch aussprechen konnte. Ihr schien es aufzufallen, wie ich mich darüber freute, und sie lächelte sanft zurück. Verdammt. Vorbei war es mit meiner Beherrschung.
»Dann willkommen in New Hope«, erwiderte sie, und am liebsten hätte ich diesen Moment so lange hinausgezögert, dass er niemals mehr verging.
Am Ende des Flurs wallte Tumult auf, lautes, gehässiges Lachen, schwere Schritte auf dem Linoleum, und ich schaute vorsichtig an Cassie vorbei. O nein.
Wie eine Wand stolzierte Chester mit seinen drei Kumpels, die allesamt aussahen wie die Mitglieder eines Rockerclubs, durch die Highschool. Sein düsterer Blick war fest nach vorn gerichtet, genau auf Cassie und mich.
Ich erkannte sofort den Moment, als Cassie sie bemerkte. Ein Funken des Bedauerns flackerte eine winzige Sekunde in ihren Augen auf. Langsam drehte sie sich herum.
»Hey, Stotterjunge!«, stieß Chester laut aus und deutete auf mich. »Was machst du mit meiner Freundin?«
»Ich bin nicht mehr deine Freundin«, erwiderte Cassie genervt.
War sie nicht? fragte ich mich überrascht.
»Verzieh dich, Chester!«, redete sie weiter.
Chester gab ein drohendes Knurren von sich, und sein Blick richtete sich erneut auf mich. Selbst wenn ich gar nichts getan hätte, er brauchte immer jemanden, an dem er sich abreagieren konnte. Also war jetzt der Moment für mich gekommen abzuhauen. Sofort.
Ich wandte mich um und eilte durch den Flur, ohne eine Ahnung oder eine Orientierung zu haben, wohin ich gehen könnte. Wenn ich nun den Unterricht verpasste, dann war es eben so, ich würde nicht stehen bleiben und warten, bis Chester mich zu seinem Opfer machte. Flucht war für mich die beste Option, ja sogar die einzige.
Die Highschool war in dieser kleinen Stadt nicht besonders groß, auch wenn Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Orten sie ebenfalls besuchten.
Ich durchquerte einige Türen und schmale Korridore, die bereits leer waren, weil die Unterrichtsstunde vor einer Minute begonnen hatte. Gleich würde ein Lehrer durch die Gänge laufen und alle Herumlungerer in ihre Klassen schicken. Und genau dort würde Chester auf mich und seine Chance warten, wenn der Unterricht vorbei sein würde. Ich beschleunigte noch mal meine Schritte und warf immer wieder einen nervösen Blick zurück, doch Chester und seine Kumpels verfolgten mich nicht. Vielleicht hatte sie direkt ein Lehrer abgepasst und ich einmal in meinem Leben Glück. Frische eiskalte Luft wehte mir entgegen, als ich durch die letzte Tür trat und tief einatmete. Die Sonne blendete mich, und ich hob die Hand über die Augen und schaute mich um, weil ich keine Ahnung hatte, wo ich hier war. Das hier war eine Art Park am Rande der Schule. Ein Schotterweg verlief in Schlangenlinien an Büschen und einem gelben, verdorrten Rasen vorbei und endete am Anfang eines dichten, dunklen Waldes. Die hohen Berge umgaben auch hier das gesamte Gebiet und reckten ihre weißen Spitzen über die Wipfel der Tannen. Ich entdeckte einen schmalen Unterstand, vielleicht war der für Fahrräder oder die Werkzeuge des Hausmeisters? Hinter mir erklangen Stimmen, und ich zögerte nicht lange, rannte los, durchquerte die quadratisch angelegten Grasflächen und trat in von Eis bedeckte Pfützen. Mein Atem stieg als helle Wölkchen Richtung Himmel, und die winterkalte Luft ließ mich frieren, weil meine Jacke in meinem Spind hing. Ich war kein Sportass und erreichte schwer atmend mit rasendem Herzschlag den Unterstand. Schnell drückte ich...




