E-Book, Deutsch, 150 Seiten
Blood / Mayerhofer Sorrowville
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-95936-346-4
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Teil 4: Blutrache der Geisterarmee
E-Book, Deutsch, 150 Seiten
ISBN: 978-3-95936-346-4
Verlag: In Farbe und Bunt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jacqueline Mayerhofer alias Sheyla Blood, Autorin und Lektorin, ist 1992 in Wien geboren. Sie beendete ihre Schulausbildung 2012 mit der Matura an einer Schule mit Schwerpunkt für internationale Geschäftstätigkeit und Marketing. 2019 schloss sie ihr Studium der Deutschen Philologie mit dem Bachelor of Arts an der Universität Wien ab und befindet sich derzeit im dazugehörigen Masterstudiengang. Neben Romanen und Novellen hat sie seit ihrem Debüt 2008 zahlreiche Kurzgeschichten in unterschiedlichen Anthologien veröffentlicht. Seit 2016 schreibt sie nebenbei auch unter einem Pseudonym. Zu den jüngsten Romanveröffentlichungen zählen der beim Verlag ohneohren erschienene Science-Fiction-Roman 'Brüder der Finsternis' sowie die Novellenreihe 'Hunting Hope' beim Verlag in Farbe und Bunt.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1: Heißer Kaffee, neue Aufträge und Unheil im Anmarsch
»Moment!«, unterbrach Zacharias Zorn den Redeschwall seiner Sekretärin. Mabel Winters hielt ihm soeben eine ihrer berüchtigten Moralpredigten über die laufenden Kosten sowie ihre Sorge darüber, dass er ihren Lohn nächsten Monat nicht würde bezahlen können. Dabei hätte Zack jetzt viel lieber ein paar Minuten Ruhe gehabt, um den heißen Kaffee gebührend zu genießen, den Mabel ihm zubereitet hatte. Die Ereignisse der vergangenen Wochen steckten ihm schwer in den Knochen. Es hatte den Anschein, als würde das Unheimliche, das Sorrowville nun schon seit Längerem heimsuchte, keine Pause benötigen. Im Gegensatz zu ihm.
»Ja, Mr. Zorn? Wollten Sie etwas sagen?«, fragte Mabel, während sie hinter ihrem Schreibtisch saß und den flauschigen Kopf eines Hundes kraulte, der Zack – er war noch halb dösend aus seinem Schlafzimmer heruntergekommen – gar nicht aufgefallen war.
Er nahm einen flüchtigen Schluck Kaffee. »Ich verstehe Ihre Sorgen, aber die letzten Aufträge waren doch sehr lukrativ, oder täusche ich mich?«
Mabel rückte ihre Lesebrille zurecht. »Das stimmt schon, aber Ihre Rechnungen lassen sich davon nicht sonderlich beeindrucken.« Sie legte die freie Hand auf einen Berg Papiere. »Außerdem wartet dieser Stapel noch auf Ihre Durchsicht. Ich benötige Ihre Unterschrift auf mindestens der Hälfte davon.«
Zack unterdrückte ein wenig begeistertes Brummen und hätte den wärmenden Kaffee am liebsten mit einem Glas Gin oder Bourbon getauscht. Für seine Verhältnisse war er ohnehin viel zu früh aufgestanden. Mabel schien das allerdings nicht zu kümmern. Bevor sie jedoch mit ihrer Rüge fortfahren konnte, beeilte sich Zack, ihr zu antworten.
»Ich sehe die Unterlagen sofort durch, wenn ich erst einmal …« Weiter kam er nicht. Aus einem undefinierbaren Grund hielt Mabel Winters’ neuer Hund es für angebracht, sich von seiner Besitzerin zu lösen und auf Zack zuzustürmen. Er sprang Zack geradezu an, stemmte dabei seine Vorderpfoten auf dessen Oberschenkel und wedelte eifrig mit dem Schweif.
»Was ist denn das?«, fragte Zack, wenig angetan von dem rötlichbraunen Geschöpf. Dennoch tätschelte er das Tier und erhielt als Antwort einige feuchte Küsse auf die Hand.
»Das, Mr. Zorn, ist ein Hund.«
»Danke, das habe ich auch schon bemerkt!« Er zog eine Augenbraue hoch, während die Fellnase bellte, von ihm abließ und durch das Büro lief. Sie suchte nach einem Spielzeug, fand einen großen Knochen und begann darauf herumzukauen. Das stete dumpfe Knacken forderte Zacks Geduld heraus.
»Connor ist ein Shiba Inu, eine äußerst seltene Rasse aus Japan. Stellen Sie sich vor, jemand hat so einen kostbaren Schatz wie ihn einfach im Tierheim abgegeben.« Mabel warf Connor verliebte Blicke zu.
Zack enthielt sich jeglicher Antwort, trank die Tasse leer und schnappte sich seinen Mantel.
»Wo wollen Sie hin, Mr. Zorn? Sie müssen mir doch die Unterlagen unterschreiben. Außerdem hat sich Mr. Helsworth gemeldet, dass er Sie gerne bezüglich eines Auftrags sprechen wolle. Und Aufträge inklusive des dazugehörigen Geldes können wir immer gebrauchen, nicht wahr? Die Berichte, die Sie vor drei Tagen hätten abgeben sollen, sind ebenfalls noch unvollständig.«
Zack setzte den Hut auf, strich über die Krempe und warf einen Blick zu dem Shiba Inu, der immer noch vergnügt auf dem Knochen herumbiss und es beinahe schaffte, Mabels Worte zu übertönen.
Fort. Er musste hier raus, sonst platzte ihm der Kopf. »Gönnen Sie mir ein paar Stündchen auswärts, ich habe noch etwas zu erledigen. Danach gehöre ich ganz Ihnen, versprochen.«
»Aber Mr. Zorn! Das ist wichtig!«
Zack schenkte ihr ein schiefes Lächeln und griff bereits nach der Klinke, als die Tür von allein aufsprang und ihm entgegenknallte. Danach ertönte ein dumpfes Poltern, und Zack stöhnte leise.
»Mr. Zorn!«, rief Pedro Betancourt aufgeregt. »Verzeihen Sie, das wollte ich nicht.«
»Kein Problem, normal ist es ja umgekehrt«, antwortete Zack und betrachtete den Argentinier gutmütig. Er wartete darauf, dass Pedro den Weg freimachte, damit er das Haus und somit sein Büro verlassen konnte. Vermutlich wollte er Mabel wieder unter die Arme greifen oder Lissy hatte ihn geschickt. Pedros Blick nach zu urteilen, war wohl eher Letzteres der Fall.
»Der Inspector wartet vor dem Haus auf Sie, Mr. Zorn. Ich komme gerade von Ms. Roberts, wollte hier nach dem Rechten sehen und bin zufällig draußen auf ihn gestoßen.«
Was wollte denn der Inspector von ihm? Zack beugte sich an Pedro vorbei und warf einen Blick über die Veranda nach draußen. »Danke, Pedro.« Er klopfte ihm beim Vorbeigehen auf die Schulter, während Mabel laut seufzte, ging die Stufen hinunter und wurde sogleich vom trüben Regen erfasst. Tatsächlich stand dort draußen Inspector Rudolph Turner, der sich nervös vor seinem Wagen umsah. Wenn Rudy persönlich hier aufkreuzte, bedeutete das definitiv einen neuen Auftrag. So etwas kam höchst selten vor. Meist musste Zack sich der Polizei von Sorrowville regelrecht aufdrängen, wenn diese wieder einmal von einem Fall überfordert war.
So unruhig, wie Rudy wirkte – abgesehen davon, dass seine Anwesenheit allein schon Antwort genug auf Zacks Spekulation war –, handelte es sich mit Sicherheit um etwas Ungewöhnliches.
»Guten Morgen, Rudy!«
Der Inspector wandte sich an Zack und kam ihm entgegen. »Gut, dass ich dich gleich erwische.«
»Wo brennt’s denn?«
»Wo brennt es nicht? Das ist eher die entscheidende Frage, oder?«
Zack unterdrückte den Impuls, nach seinem allzeit bereiten Flachmann in der Brusttasche des Mantels zu greifen, um einen Schluck des die Sinne betäubenden Bourbons zu nehmen, und wartete ab.
Rudy fuhr fort. »Ich weiß nicht, was wirklich dahintersteckt. Vielleicht ist es auch nur dummes Gerede, man weiß ja nie. Aber nach den Ereignissen der letzten Zeit bin ich lieber übervorsichtig. Und den Commissioner will ich damit nicht behelligen. Hat ohnehin keinen Sinn. Am Ende denkt die Mafia noch, ich mache mich über sie lustig.«
Zack, der die Art des Inspectors gewohnt war und auch wusste, wie leicht es sein konnte, diesen zu überfordern, blieb ruhig und konzentrierte sich auf das Wichtigste. »Du musst mir schon ein wenig mehr verraten. Was ist denn nun eigentlich los, Rudy?«
Der Polizist seufzte laut. »Im SMI gehen wieder mal sonderbare Dinge vor. Ja, an sich nicht ungewöhnlich, ich weiß.« Rudy hob abwehrend die Hände, aber Zack hatte ohnehin nicht vorgehabt, ihn zu unterbrechen. »Dieser Fall stach mir allerdings besonders ins Auge. Vielleicht steckt nichts dahinter, doch das zuständige Pflegepersonal einer Patientin hielt es für angemessen, die Polizei zu verständigen. Bis der Fall schließlich bei mir landete.« Kurz blickte sich Rudy um, als müsse er Zacks Vorgarten unter Beobachtung halten, dann fuhr er fort. »Die Patientin spricht ständig von einem Fluch des Graveyard Hills, wo die Gebeine amerikanischer Ureinwohner begraben liegen. Wegen der Sache kürzlich am Green Wood Cemetary, von der die Pflegerin immer noch meint, Skelette oder was auch immer des Nachts vom Schlafzimmerfenster aus durch die Stadt rennen gesehen zu haben, wollte sie lieber auf Nummer sicher gehen.«
Zack speicherte sämtliche Informationen im Gedächtnis ab und versuchte, aus Rudys Worten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wenn das Sorrowville Mental Institution ins Spiel kam, konnte er davon ausgehen, dass die Sache höchstwahrscheinlich auf die Verrücktheit der Insassin zurückzuführen war. Um festzustellen, ob er es lediglich mit einer Irren zu tun hatte oder ob vielleicht ein übernatürlicher Schrecken hinter ihrem wahnhaften Verhalten steckte, blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr einen Besuch abzustatten. Er bezweifelte allerdings, dass dabei etwas Erhellendes zutage treten würde.
»Lässt du mir über den Commissioner einen Scheck für den Auftrag ausstellen? Ich brauche das Geld wie immer baldmöglichst.«
Der Inspector nickte. »Natürlich. Ich verbuche deine Investigationen einfach wie üblich als privaten Detektiveinsatz für abnorme Fälle.«
»Gut, danke.« Zack schmunzelte und wollte sich bereits auf den Weg machen, als Rudy ihn zurückhielt. »Warte kurz, bitte.«
Er hielt inne.
»Ich hätte nicht gedacht, dass du den Auftrag so schnell annimmst, ohne weitere Fragen zu stellen.«
»Nun, ich gehe davon aus, im SMI genug Antworten auf meine Fragen zu finden. Oder hältst du es für angebracht, mich weiter zu unterrichten?«
Der Inspector trat von einem Fuß auf den anderen und wich Zacks Blick aus.
»Rudy?«
»Nun ja«, begann dieser. »Die Patientin spricht ständig davon, dass Geister der Verstorbenen rachsüchtig ihr Unwesen auf dem Graveyard Hill treiben. In Verbindung damit, dass er auferstanden ist.«
»Er?«
»Ja.« Rudy rieb sich den korpulenten Bauch unter der Uniformjacke. Das Hemd war bereits vom Regen in Mitleidenschaft gezogen worden. Genauso wie Zacks Mantel und Hut, doch noch hielten die Kleidungsstücke dem kühlen Nass stand, das der Himmel in Sorrowville immerzu weinte.
»Sie meint, eine dämonenhafte Wesenheit stecke hinter der Sache mit den Geistern.«
Nun wurde Zack doch hellhörig. »Hat sie einen Namen genannt?«
»Ja. Irgendwas mit Agonie oder so.«
Spätestens jetzt fühlte Zack einen Druck in seiner Brust – ein Gefühl, das ihn vor dem Auftrag warnte, ihn gleichermaßen jedoch auch anzog. Er würde nun alles andere tun, als das irre Gebrabbel der Insassin des SMI zu ignorieren. Ob die Sache mit dem Graveyard Hill stimmte oder nicht, die Frau musste...




