Bleyer | Revolutionärinnen. Frauen, die Geschichte schrieben | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 302 Seiten

Bleyer Revolutionärinnen. Frauen, die Geschichte schrieben

Visionärinnen, Freiheitskämpferinnen und Feministinnen aus der ganzen Welt
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-15-962388-7
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Visionärinnen, Freiheitskämpferinnen und Feministinnen aus der ganzen Welt

E-Book, Deutsch, 302 Seiten

ISBN: 978-3-15-962388-7
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die inspirierendsten Freiheitskämpferinnen der Weltgeschichte Auf der ganzen Welt kämpfen Frauen seit Jahrhunderten für Gleichberechtigung, Demokratie, Freiheit und Bürgerrechte. Die Historikerin Alexandra Bleyer erzählt die inspirierenden Geschichten so unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Olympe de Gouges und Sojourner Truth, Emily Davison und Bertha von Suttner, Rosa Luxemburg und Alexandra Kollontai und nimmt ihre Leser:innen mit auf eine faszinierende Reise vom 18. bis ins 21. Jahrhundert. • Die wichtigsten Freiheitskämpferinnen aus allen fünf Kontinenten • Ein Buch für alle, denen die Demokratie am Herzen liegt • Faszinierende Porträts, verfasst von einer ausgewiesenen Historikerin 

Alexandra Bleyer, geb. 1974, studierte Geschichte und arbeitet als Sachbuchautorin und Journalistin. Die Ära Napoleons und der Vormärz zählen zu ihren Forschungsschwerpunkten. 2014 erschien ihr Buch Das System Metternich. Die Neuordnung Europas nach Napoleon. Bei Reclam erschienen zuletzt Napoleon. 100 Seiten und Propaganda. 100 Seiten.
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»Frauen, wann hört ihr auf, blind zu sein?«

Olympe de Gouges: Die Rechte der Frau, erklärt und verteidigt


»Mann, bist du fähig, gerecht zu sein? Es ist eine Frau, die dir diese Frage stellt«1, schickte Olympe de Gouges (1748–1793) ihrer voraus. In den Atlantischen Revolutionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts hatten die führenden Männer bei der Ausarbeitung neuer Verfassungen und der Erklärung der Menschenrechte offensichtlich eine Hälfte der Menschheit vergessen. Dieses Versäumnis versuchte de Gouges zu korrigieren, indem sie – dem Originaltext der französischen (1789) folgend – festhielt: »Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Mann gleich an Rechten.«2

Während sie und ihr Text erst später – u. a. von der Frühsozialistin Jeanne Deroin 1848 – wiederentdeckt wurden, erreichte die englische Autorin Mary Wollstonecraft mit ihrer (1792) sofort ein großes Publikum. Ihr Werk beeinflusste wiederum die US-amerikanische Frauenrechtlerin Elizabeth Cady Stanton, die 1848 eine (›Gefühlserklärung‹) verfasste, die in vielerlei Hinsicht aber auch Ähnlichkeiten zu de Gouges’ Werk aufweist. Im Unterschied zu Wollstonecrafts ausführlicher Abhandlung wählten de Gouges und Stanton einen anderen Zugang, um die Rechte der Frauen geltend zu machen: Sie zogen die im Zuge der Atlantischen Revolutionen entstandenen Menschenrechtserklärungen heran, deren bekannte Argumente im zeitgenössischen Diskurs als allgemein gültig anerkannt wurden, und ergänzten, was ihrer Meinung nach zu ergänzen war.

Es ist nicht leicht, in Olympe de Gouges’ Biographie Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Als Marie Gouze wurde sie wohl 1748 in Montauban im Süden Frankreichs, in Okzitanien, geboren. Ihre Mutter war Anne-Olympe Moisset, ihr Vater vermutlich der Metzger Pierre Gouze. Sie selbst nährte Gerüchte, die illegitime Tochter des adeligen Schriftstellers Jean-Jacques Lefranc de Pompignan zu sein.

Ihre Bildung war mangelhaft; ihre späteren Werke hat sie meist diktiert. Sie heiratete Louis-Yves Aubry und gebar einen Sohn, Pierre. Unklar ist, ob sie verwitwet war oder ihren Mann verlassen hatte, doch 1767 ging sie mit dem reichen Unternehmer Jacques Biétrix nach Paris. Offizielle Dokumente unterschrieb sie als »Marie Gouze, Witwe Aubry«; sie erfand sich aber als Olympe de Gouges neu. Dass sie ihren Namen mit einem Adelsprädikat aufwertete, war in ihrer Zeit nicht ungewöhnlich; auch Maximilien de Robespierre tat es.

Als (Kurtisane) ließ sie sich von reichen Gönnern aushalten. Jung, attraktiv und geistreich – die mutmaßliche Abstammung von einem aristokratischen Vater, die sie hervorkehrte, schadete dabei nicht –, fand sie rasch Zugang zu besseren Kreisen. Sie bildete sich autodidaktisch weiter, besuchte Museen und bewegte sich in intellektuellen und künstlerischen Kreisen. Sie entwickelte sich zu einer (Literatin) und verfasste Theaterstücke. 1784 schrieb sie , eine Liebesgeschichte zwischen einer Sklavin und einem Sklaven, in der der Held den Aufseher tötet. Das wog aber weniger schwer als die Sklaverei, fand die Autorin, weshalb sie dem Paar ein Happy End gönnte.

In England gab es bereits erste Forderungen nach der Abschaffung der Sklaverei; in Paris wurde 1788 die Société des Amis des Noirs (›Gesellschaft der Freunde der Schwarzen‹) gegründet. Nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Interessen der Plantagenbesitzer in den französischen Kolonien plädierten diese jedoch für ein behutsames Vorgehen.

Erst am 28. Dezember 1789 wurde de Gouges’ Stück in überarbeiteter Form unter dem Titel (›Die Versklavung der Schwarzen‹) uraufgeführt – und stieß auf Widerstand. Die Mitglieder der Schauspieltruppe wollten sich ihre Gesichter nicht schwärzen, Plantagenbesitzer störten die Vorstellungen und drohten dem Theaterbesitzer mit der Rückgabe ihrer Logen. Nach nur drei Aufführungen wurde es abgesetzt.

Es lag, wie de Gouges sagte, in ihrer Natur, sich auf die Seite der Schwächsten und der Unterdrückten zu stellen. Sie griff erneut zur Feder und schrieb die (). Schon als Kind habe sie der Anblick einer schwarzen Sklavin zum Nachdenken gebracht, und »als ich älter wurde, erkannte ich sehr deutlich, dass es Gewalt und Vorurteil waren, die sie zu dieser schrecklichen Sklaverei verdammt hatten«, beschrieb sie. »Ein Handel mit Menschen! … Gütiger Gott! Dass die Natur nicht erzittert! Wenn sie Tiere sind, sind wir es nicht ebenso wie sie? Und worin unterscheiden sich die Weißen von dieser Art von Mensch? In der Farbe […]. Die Farbe der Menschen ist ähnlich fein abgestuft wie bei allen Tieren, die die Natur hervorgebracht hat, ebenso wie auch bei den Pflanzen und Mineralien. […] Alles ist vielfältig, und gerade das macht die Schönheit der Natur aus.«3

Zwischen der ersten Fassung ihres Theaterstückes und den Reflexionen war Großes passiert: die Französische Revolution. Noch davor, 1788, war de Gouges politisch aktiv geworden. Im November publizierte sie das Pamphlet (›Brief an das Volk‹), nachdem die Generalstände einberufen worden waren, um durch Steuerreformen den drohenden Staatsbankrott abzuwehren. Sie schlug als Ausweg aus der Finanzmisere ein auf Freiwilligkeit basierendes Steuersystem vor.

Die Generalstände zeigten sich nicht bereit, über Steuererhöhungen zu reden, solange sie keine politische Mitsprache erhielten, und leisteten am 20. Juni 1789 den Ballhausschwur, denn sie wollten nicht auseinandergehen, bevor es eine Verfassung gab. Am 14. Juli erfolgte der Sturm auf die Bastille, im August die . An der Revolution waren Frauen tatkräftig beteiligt. Sie verfassten u. a. Beschwerdebriefe und Petitionen, protestierten gegen steigende Brotpreise und hinterließen mit dem (Brot-)Marsch der Marktfrauen nach Versailles am 5./6. Oktober 1789, durch den die königliche Familie zur Rückkehr nach Paris gezwungen wurde, bleibenden Eindruck.

Es entstanden zahlreiche Vereine und politische Clubs. Der 1790 in Paris gegründete Cercle Social (auch Amis de la verité, d. h. ›Freunde der Wahrheit‹, genannt) gehörte zu den ersten, die Frauen aufnahmen. Innerhalb des Cercle entstand 1791 ein eigener Frauenzirkel unter dem Vorsitz der Niederländerin Etta Palm d’Aelders. Diese erklärte in einer Rede, dass die Menschen- und Bürgerrechte auch für Frauen gelten müssten, und erinnerte die Männer daran, dass Frauen deren Gefährtinnen und keine Sklavinnen seien. Neben de Gouges war Sophie de Condorcet im Cercle mit von der Partie; sie war eine Aristokratin, die sich zur Republikanerin entwickelt hatte und mit dem Philosophen bzw. Mathematiker Nicolas de Condorcet verheiratet war. Die drei Frauen waren mit ihrer Forderung nach Frauenrechten, besserer Mädchenbildung sowie Gleichheit in der Ehe und dem Recht auf Scheidung Geburtshelferinnen für den modernen Feminismus.

Sollten Frauen dieselben bürgerlichen und politischen Rechte erhalten, wie sie Männer im Zuge der Revolution bekommen hatten? Auch für Nicolas de Condorcet, den seine Frau Sophie zu entschieden demokratischen Positionen drängte, war klar: Ja. 1790 erschien sein : »Entweder hat kein Glied des Menschengeschlechts wirkliche Rechte, oder sie haben alle die gleichen, und derjenige, der gegen das Recht eines anderen stimmt, mag er auch einer anderen Religion, einer anderen Hautfarbe oder dem anderen Geschlecht angehören, hat damit seine Rechte verwirkt.«4

Der gescheiterte Fluchtversuch Ludwigs XVI. radikalisierte die Revolutionäre, doch während einzelne wie der Journalist Jean Paul Marat – er wurde 1793 von Charlotte Corday ermordet – eine Republik forderten, setzte die gemäßigte Mehrheit eine konstitutionelle Monarchie durch. Im September 1791 erschien die neue Verfassung; im selben Monat publizierte de Gouges ihre . Artikel für Artikel knöpfte sie sich die Vorlage von 1789 vor und formulierte sie zu einer universalen Erklärung der Menschenrechte um, indem sie im Text das Wort , ›Mann‹, durch Frau und Mann ersetzte und beim Bürger die Bürgerin ergänzte. »Der Ursprung jeder Souveränität liegt wesentlich in der Nation, die nichts anderes ist als die Vereinigung von Frau und Mann«5, heißt es in Artikel III. Da Frauen wie Männer dem Gesetz unterlagen und dieses »Ausdruck des Gemeinwillens« war, sollten auch »alle Bürgerinnen und Bürger […] persönlich oder durch ihre Vertreter zu seiner Bildung beitragen«6. Berühmt ist Artikel X, wonach die Frau das Recht hat, »aufs Schafott zu steigen«, und daher auch ein Recht auf die Rednertribüne. In der »freie[n] Gedanken- und Meinungsäußerung« sah de Gouges »eines der kostbarsten Rechte der Frau«7. Da Frauen lästige Pflichten wie Steuern tragen müssten, sollten sie »ebenso an der Verteilung von Posten, Ämtern, Diensten, Würden und am Gewerbe beteiligt sein«8. De Gouges bezeichnete die Ehe...



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