Bleyer | Die letzte Pirsch | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: Sepp Flattacher

Bleyer Die letzte Pirsch

Kriminalroman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96041-424-7
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: Sepp Flattacher

ISBN: 978-3-96041-424-7
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Urig, grantig, herrlich bissig. Von wegen Ruhe im Mölltal: Nicht genug, dass sich der kauzige Aufsichtsjäger Sepp Flattacher an den frischen Wind im Jagdverein gewöhnen muss. Dass er noch dazu unlautere Machenschaften im Revier entdeckt, bringt ihn auf die Palme - oder besser gesagt: die Lärche. Da hat Sepp eigentlich weder Zeit noch Lust, sich um einen Mörder zu kümmern, der einem ganz persönlichen Abschussplan zu folgen scheint.

Alexandra Bleyer ist (natürlich mit einem Jäger) verheiratet und lebt mit ihrer Familie am Millstätter See in Kärnten. Die promovierte Historikerin ist Autorin mehrerer populärer Sachbücher. In ihren in Kärnten angesiedelten Jägerkrimis geht es mit viel schwarzem Humor nicht nur Vierbeinern an den Kragen.
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2


Teixl eine! Das gibt’s doch nicht!

Sepp Flattacher hob langsam den Kopf vom Gewehr und starrte das Hirschtier an, das keine vierzig Meter von ihm entfernt verhoffte und ihn fragend anblickte.

Er blinzelte.

Das Tier bewegte sich nicht. Völlig ungerührt vom lauten Tuscha stand es weiterhin breit da. Nicht der geringste Hinweis auf ein Schusszeichen.

Sepp war ebenso festgefroren. Seine linke Hand umklammerte noch immer den in den Boden gerammten Stock, den er als Auflage verwendet hatte, um einen vermeintlich todsicheren Schuss abzugeben. Das hat’s noch nie gegeben. Das konnte es nicht geben. Das durfte nicht sein!

Gfalt!

Er, Sepp Flattacher, hatte ein Hirschtier auf vierzig Meter nicht getroffen!

Dessen Lauscher zuckten.

Ein nicht unweit abgegebener Schuss erlöste Sepp aus seiner Schreckstarre. Völlig ferngesteuert knickte er seine Ferlacher Bockbüchsflinte und schob eine neue Patrone ein. Doch bevor er das Gewehr erneut anlegen konnte, schnaubte das Hirschtier und sprang durch das dichte Gebüsch ab.

»Treffen liegt bei Villach, und Villach ist nicht da! Ha, hast gfalt? Ausgerechnet du?«

Und ausgerechnet der Brugger Toni hatte es mitbekommen, der ein paar Meter weiter den Forstweg hinauf abgestellt worden war. Statt auf seinem Stand zu bleiben, schlenderte er in aller Ruhe ganz gemütlich zu ihm her.

Zugegeben, Toni gehörte zu jener Handvoll Mitglieder des Jagdvereins Hubertusrunde, die Sepp noch am ehesten ertragen konnte. Sofern er keinen Rausch hatte, konnte man halbwegs normal mit dem Toni reden. Aber wenn Sepp einmal in seinem langen Leben ein peinliches Malheur passierte, wollte er gar keine Zeugen.

»Bist zu hoch abgekommen, Sepp?«

Und er wollte vor allem nicht darüber reden.

»Oder«, Toni keuchte entsetzt, »hast eppa gemuckt?«

Scharf sog Sepp die Luft ein. Er und mucken! Er hatte Nerven wie … wie … Eisenbahnschwellen, da kniff er beim Abdrücken doch nicht die Augen zusammen. Nein, er hatte kein Problem damit, durchs Feuer zu schauen! Als ob er sein Ziel jemals aus dem Blick verlieren würde. Er nicht! Eine Frechheit war’s vom Toni, so etwas auch nur zu vermuten.

»Also? Was war? Ha?«

Toni verstand nur eine klare Sprache. »Halt doch dei blede Pappm!«

Die Hubertusjagd war für Sepp gelaufen. Langsam packte er seine Sachen zusammen. Am liebsten wäre er nach Hause gefahren, um seine Wunden zu lecken. Wie konnte er faln? Er! Auf vierzig Meter! An jedem anderen Tag des Jahres hätte er das Weite gesucht.

Doch am heutigen 3. November folgte auf die traditionelle Treibjagd die ebenso traditionelle Hubertusmesse in der Obervellacher Schattseiten. Das war ein Pflichttermin für jeden gestandenen Jäger, der die grüne Tracht mit Stolz trug. Da hätte es keines SMS – oder drei – durch Irmgard Leitner bedurft, die ihre Schäfchen ermahnt hatte, ja zu kommen. In rund zwei Wochen konnte sie ihren ersten Jahrestag als Obfrau feiern. Sepp erinnerte sich nur zu gut daran, wie sie im letzten November davon gesprochen hatte, frischen Wind in den Jagdverein bringen zu wollen. Von wegen frischer Wind. Ein Wirbelsturm war’s! Darauf hätte Sepp verzichten können.

Warum konnte nicht alles so bleiben, wie es immer gewesen war? Kruzitürken, sie waren ein Jagdverein; sie wollten jagen. Punkt. Was brauchten sie da Öffentlichkeitsarbeit, und warum sollten sie netzwerken? Aber nein, Irmi hatte ihren Sturschädel durchgesetzt und beispielsweise erreicht, dass sich der Jagdverein mit einem eigenen Stand am großen Erntedankfest der Marktgemeinde Obervellach beteiligte. Es gab ein zünftiges Hirschgulasch, das Irmi im gusseisernen Kessel am Dreibein über offener Flamme gekocht hatte. Das war gar nicht schlecht gewesen, also, das Gulasch. Da hatte sich Sepp sogar einen zweiten Teller genehmigt. Aber ehrlich gesagt hätte er das Essen mehr genossen, wenn ihm nicht die anderen Jäger zu dicht auf den Leib gerückt wären. Und auf die vielen Besucher, die das Spektakel mit Umzug und Tamtam angelockt hatte, hätte er gut und gern auch verzichtet. Das Gulasch, a resche Semmel dazu und ja, die Irmi. Das wär’s gewesen.

Wenig später zeigte sich bei der Streckenlegung, dass weder die Mitglieder der Hubertusrunde noch die zur Treibjagd eingeladenen Jagdgäste viel Anblick gehabt hatten.

»Bescheiden ist sie, die Strecke«, meinte Jagdleiter Karl Hartmann bedächtig. »Aber solange kein Treiber dabei liegt, ist’s immer gut. Haha!«

»Viel ist nicht«, gab Toni seinen völlig überflüssigen Senf dazu. »Wir hätten ja ein Stück mehr, wenn der Sepp –«

»Hardigatte!«, unterbrach Sepp ihn hastig. »Wer hat den Schmalspießer da geschossen? Wer?«

Er zeigte auf einen jungen Hirsch, der wie die anderen erlegten Tiere auf Fichtenästen gebettet am Boden lag. Die Schulter wies einen sauberen Schuss auf.

»Ähm … das war ich.« Vinzenz Hinteregger hob zaghaft die Hand.

»Ah, unser Herr Kassier«, schoss sich Sepp auf den Übeltäter ein.

»Was passt denn nicht?«

»Was nicht passt? Sag, gehst du in deinem Job auf der Raiffeisenbank auch so schlåmpat mit Zahlen um? Kennst den Unterschied zwischen zwanzig und dreißig, Vinzenz?«

Umringt von den anderen Jägern und unter Beschuss, kam die Antwort als vorsichtige Frage heraus. »Ja?«

»Und, wie viel hat der Schmalspießer auf?«

»Ähm …«, stotterte Vinzenz.

»Ähm? Ist das deine kompetente Antwort, wenn wer wissen will, wie viele Zinsen es gibt? Reini, geh her da und sag’s uns.«

Reinhard Hader, mit Mitte zwanzig mit Abstand der Jüngste in der Runde und erst seit letztem Winter auf Sepps Fürsprache hin Jagdvereinsmitglied, beugte sich über den Hirsch und kniff ein Auge zu. »Fünfundzwanzig, nein, eher dreißig Zentimeter.«

»Und was haben wir ausgemacht für die heutige Treibjagd? Wie viel dürfen die Schmalspießer maximal aufhaben?« Sepp kam so richtig in Fahrt.

»Zwanzig Zentimeter«, kam es sofort wie aus der Pistole geschossen.

Mit Reinis Antworten zufrieden, nickte Sepp. Immerhin war der Jungjäger durch seine harte Schule gegangen, war sozusagen sein Lehrbua gewesen. Von der Pike auf hatte Reini bei ihm das Waidwerk gelernt.

»Siehst den Unterschied, Vinzenz?«

»Das ist doch keine große Sache. Die paar Zentimeter –«

»Ein paar Zentimeter mehr oder weniger entscheiden, ob du a Prinz bist oder a Prinzessin!«, schnauzte Sepp Vinzenz an.

Bockig wie ein kleines Kind schob der Schuldige sein Kinn vor.

»Jetzt lasst uns kein Drama daraus machen«, mahnte Irmi, deren Stimme als Obfrau immerhin auch ins Gewicht fiel.

Sepp sah sie an und bemerkte zu seinem Ärger, dass sich der Wichtschas Haribert Maierbrugger unter die Umstehenden gemischt hatte und sich auffällig unauffällig an Irmi heranschob. Der Herr Rechtsanwalt hatte im Jagdverein keine offizielle Funktion und würde, solange Sepp ein Wörtchen mitzureden hatte, auch nie was werden. Allerdings versuchte er bei jeder Gelegenheit, sich vor Irmi aufzuplustern.

»Juristisch gesehen, also vom Jagdgesetz her, fallen die Schmalspießer alle in dieselbe Kategorie«, riss er, wie zu erwarten war, groß die Klappe auf.

»Na und? Wir haben vereinbart, dass heute zwanzig Zentimeter die Obergrenze sind. Oder brauchen wir keine Regeln mehr? Schießt ab jetzt jeder, was er will? Nicht mit mir als Aufsichtsjäger!«

»Nun, so viel drüber ist der Hirsch ja nicht. Da kann man sich beim Ansprechen schon vertun«, versuchte sich Karl als Streitschlichter.

»Ein echter Jäger hat ein ordentliches Augenmaß.« Sepp wandte sich an Reini: »Sei so guat und hol eine Zeitung.«

Er ignorierte die hitzige Diskussion der anderen, wie genau man auf hundert Meter durchs Zielfernrohr einschätzen konnte, ob das Geweih fünf Zentimeter mehr oder weniger lang war. Erst als Reini zurückgehetzt kam und ihm die »Kleine Zeitung« in die Hand drückte, ergriff Sepp wieder das Wort.

»Schau her da, du Schlåmpatatsch«, forderte er Vinzenz auf. »Das sind zwanzig Zentimeter« – er hielt die Zeitung quer, dann stellte er sie auf – »und das dreißig. Den Unterschied sieht man.« Sepp rollte die Zeitung zusammen und knallte sie dem anderen vor die Brust.

»Geh, Sepp, du bist ein so ein I-Tüpfel-Reiter!«, klagte Vinzenz. »Ein bisserl mehr –«

»Bewirb dich als Verkäufer beim Spar. Hinter der Wursttheke kannst fragen, ob’s a bisserl mehr sein darf. Bei mir gibt’s das nicht.«

»Und? Der Hirsch liegt da. Jetzt können wir nichts mehr machen.« Als Jagdleiter machte Karl alles andere als eine gute Figur. Entscheidungsfreudigkeit und Durchsetzungskraft waren noch nie seine Stärken gewesen. Aber wozu gab es eine Obfrau?

»Irmi, ich beantrage, dass wir den Vinzenz vereinsintern ein Jahr auf männliches Schalenwild sperren, damit er’s sich merkt.«

»Was?«, schrie Vinzenz.

»Ist das nicht etwas übertrieben, Sepp?«, zauderte Irmi.

»Keineswegs. Es geht schließlich um unsere Zukunft. Aber von vorausschauender Planung hat ein Bankmensch wie der Vinzenz natürlich keine Ahnung. Sonst täten die ganzen Banken ja nicht dauernd tschare gehen

»Also wirklich«, protestierte Vinzenz halbherzig.

»Schauts euch den Schmalspießer an. So ein starkes Stück und so viel auf! Das war ein Zukunftshirsch. Mit zehn Jahren wäre das ein Einserhirsch gewesen. Oder interessiert das außer mir keinen?« Er verschränkte die Arme vor der Brust und starrte einen nach den anderen an.

»Wissts was, der Vinzenz zahlt eine Runde und es...


Alexandra Bleyer ist (natürlich mit einem Jäger) verheiratet und lebt mit ihrer Familie am Millstätter See in Kärnten. Die promovierte Historikerin ist Autorin mehrerer populärer Sachbücher. In ihren in Kärnten angesiedelten Jägerkrimis geht es mit viel schwarzem Humor nicht nur Vierbeinern an den Kragen.



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