E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Bletschacher Don Juan | Don Giovanni
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-99094-218-5
Verlag: Hollitzer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von Andrés de Claramonte, Molière, Carlo Goldoni, Giovanni Bertati und Lorenzo Da Ponte
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-99094-218-5
Verlag: Hollitzer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Richard Bletschacher, geboren 1936, ist Regisseur, Dramaturg, Maler und Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher und literarischer Publikationen. Von 1982-1996 war er Chefdramaturg an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Operninszenierungen auf vier Kontinenten, Lehraufträge an der Opernklasse der Universität für Musik und darstellende Kunst sowie am Max Reinhardt Seminar. Er lebt und arbeitet nun als Schriftsteller und Maler in Wien und Drosendorf an der Thaya.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vorwort
Andrés de Claramonte
Der Spötter von Sevilla oder Der steinerne Gast
Molière
Don Juan oder Der steinerne Gast
Carlo Goldoni
Don Giovanni Tenorio oder Der Ungebändigte
Giovanni Bertati
Don Giovanni oder Der steinerne Gast
Lorenzo da Ponte
Don Giovanni oder Der bestrafte Wüstling
DER SPÖTTER VON SEVILLA
oder
Der steinerne Gast
Comedia
von
Andrés de Claramonte
Sevilla 1617
Die Personen der Handlung:
Der König von Kastilien
Don Gonzalo de Ulloa
Der Gesandte Don Pedro Tenorio
Don Juan Tenorio
Catalinón
Tisbea
Batricio
Der Herzog Octavio
Der Marqués de la Mota
Herzogin Isabela
Arminta
Belisa
Doña Ana
Der König von Neapel
Coridón
Gazeno
Anfriso
Ripio
Wächter, Arbeiter und Diener
ERSTER TAG
Nacht
(Es treten auf die Herzogin Isabela und Don Juan Tenorio)
Isabela:Kommt weiter ohne Lärm zu machen,
Herzog Octavio.
Don Juan: Ich bin so leis’ wie der Wind.
Isabela:Dennoch muss ich fürchten,
dass uns einer gehört haben mag,
denn so wie du hier in den Palast
eingetreten bist, ist dies
ein todwürdiges Verbrechen.
Don Juan: Señora, wenn du mir die Freiheit gibst,
werd’ ich für deine Güte mich besser bedanken.
Isabela:Herzog, du hast mir die Hand
zur Verlobung gegeben.
Don Juan: Ich habe dabei nur gewonnen.
Isabela:Dass du meine Ehre so auf das Spiel setzst,
muss mir versichern, dass du
mich zur Gattin nehmen wirst.
Don Juan: Ich sage dir, dass ich dein Gatte bin
und dir bald auch meine Hand geben werde.
Isabela:So warte, bis ein Licht hervorkommt,
das mir das Glück zeigt, das ich gewinne,
Herzog Octavio. (Sie entzündet ein Licht.) – Weh mir!
Don Juan:Lösche das Licht!
Isabela:Ich sterbe! Wer bist du?
Don Juan:Ein Mann, der deine Liebe genossen hat.
Isabela:Du bist nicht der Herzog?
Don Juan:Ich? Nein?
Isabela:Dann sag wer du bist.
Don Juan:Ich bin ein Mann.
Isabela.Dein Name?
Don Juan:Ich hab keinen Namen.
Isabela:Dieser Verräter hat mich betrogen.
Leute! Diener!
Don Juan:Lass ab!
Isabela:Du wirst noch Schlimmres erfahren.
Don Juan: Nicht durch Geschrei.
Isabela:Wehe! Im Namen des Königs! Soldaten, Leute!
(Auftritt der König von Neapel.)
Der König:Wer ist der dort?
Isabela:Gnade! Weh mir,
es ist der König!
Der König:Was geht hier vor?
Don Juan:Was soll es sein?
Ein Mann und eine Frau.
Der König:Lasst Vernunft hier walten
und den Schaden vermeiden.
(Es treten auf Don Pedro, der Gesandte Spaniens, und einige Diener und Dienerinnen.)
Don Pedro:Stimmen, Sire, in Euren Gemächern?
Was hat der Lärm für Ursach’?
Der König:Nehmt den Mann dort gefangen.
Tötet ihn und die Frau.
Don Pedro:Wer sind die beiden?
Der König:Besser es nicht zu wissen,
denn hab’ ich sie erst gesehen,
wüsst’ ich nicht mehr was zu tun.
Vielleicht würd’ ich mich
reuend bezwingen, denn in diesen,
die Ihr mich drängt zu erkennen,
hab’ ich bereits schon
meine Missachtung erkannt.
Don Pedro Tenorio, Euch
überlass’ ich diese Gefangnen.
Wenn ich allzu rasch war, seid Ihr behutsam
und seht wen Ihr da vor Euch habt.
(Der König geht ab.)
Don Pedro:Kommt mit ins Gefängnis, Señor.
Don Juan:Wage keiner mich zu berühren,
wenn er den Tod scheut.
Don Pedro:So tötet ihn.
Don Juan:Den Tod erwart ich
durch die Klinge des Degens.
Ihr müsst mir das Leben abkaufen,
das ich so leicht nicht ergebe
als dass ich das eure mir nehme.
Don Pedro:Tötet ihn! Was fürchtet ihr Arges?
Don Juan:Senkt eure Waffen, denn die meine
hat schon mehr als ein Leben geraubt.
Verurteilt bin ich zum Tode.
Und da der Tod mir gewiss ist,
werd’ ich ihn leichter erdulden,
wenn ich euch alle hier mit mir nehme.
Da mir hier nun auf solche Art
zu sterben bestimmt ist,
warne ich euch, dass ich einen jeden
von euch zugleich mit mir nehme.
Soldat:Stirb, Schurke!
Don Juan:Wer ist’s, der euch hier betrügt?
Seht in mir einen Herrn.
Don Pedro:Der Zorn will mich fassen!
Don Juan:Der Gesandte Spaniens trete zu mir.
ihm allein und keinem andern,
werde ich, wenn es den Tod gilt,
dieses Schwert übergeben.
Don Pedro:Das hört sich an wie Vernunft.
Die Frau und alle, die mit ihr sind,
mögen sich aus dem Raum hier entfernen.
Isabela:Wie kann in einem Menschen
solch eine Niedertracht wohnen!
(für sich)
(Ich gebe mich zu erkennen. Mehr als mein Name
wird mein Schmerz für mich sprechen.
Meine Ehre hab’ ich verloren
und mit ihr den Herzog Octavio.)
(Sie geht ab mit dem Gefolge.)
Don Pedro:Nun sind wir beide allein.
Nun zeig’ dich und beweis’ deinen Mut.
Don Juan:Wenn ich je Scheu bezeigte,
vor Euch, mein Onkel, tat ich es nie.
Don Pedro:Wer bist du?
Don Juan:Don Juan.
Don Pedro:Don Juan?
Don Juan:So ist es, mein Herr.
Don Pedro:So frei heraus, sagst du das?
Don Juan:Gib mir den Tod, und mein Unglück
wird hier sein Ende erlangen.
Don Pedro:Verräter, du!
Elender! Wie fasse ich’s, dass Juan,
der Sohn meines Bruders,
so seine Ehre verspielt!
Du, mit einer Dame hier
im Königspalast, mir zur Schande
begehst du solch eine Tat!
Don Juan:Onkel, meine Schuld ist ohne Grenzen.
Wenn du mich hier ergreifen musst,
nimm mich gefangen.
Aber bedenk, dass meine Tat
geschehen sein könnte aus Liebe.
Don Pedro:Liebe ist eine Gefahr,
und blind und töricht wer liebt.
Wer ist die Dame?
Don Juan:Die Dame ist …
Don Pedro:Sprich’s aus. Wer ist sie?
Don Juan:Isabela.
Don Pedro:Die Hofdame der Monarchin?
Don Juan:Ja, mein Herr, und als Herzog
Octavio bin ich vor sie getreten.
Don Pedro:Das erschwert deine Schuld
und verdoppelt das Unglück!
Dein Vater hat dich aus Kastilien
hierher nach Neapel gesandt
und hat dir Ungebärdigem das
italische Meer als Kerker bestimmt.
Du aber hast auch hier hundert Skandale
entfacht und hast weder Jungfrauen
noch Ehefrauen verschont.
Die Erde will dich hier nicht dulden.
Ich war soeben im Begriff dich zu töten.
Doch da ich in dir nun
das gleiche Blut erkennen muss,
das auch in meiner Brust fließt,
fühl’ ich mich gezwungen, dich zu befreien.
Siehst du eine Möglichkeit zu entkommen?
Don Juan:Hier, dieser Balkon.
Don Pedro:Kannst du dich an ihn hängen
und so den Boden erreichen?
Don Juan:Hoch ist er zwar, aber dennoch
werde ich mich herablassen an ihm.
Don Pedro:Hinunter mit dir, damit der König
wenn er dich sieht, nicht in Zorn gerät.
Ich werde ihm sagen, dass du
dich aus dem Fenster gestürzt hast,
um mir zu entfliehen.
Don Juan:Schon dämmert der Tag herauf.
Don Pedro:Du hast den Schaden verursacht,
mache ihn nun wieder gut.
Flieh aus Neapel nach Spanien.
Und wenn der König sich täuschen lässt,
denk ich daran, dich zu vermählen
mit der Herzogin Isabela,
damit du mit Treue zurückzahlst,
was du ihr angetan hast mit Verrat.
Don Juan:In allem, Señor, schenkt Ihr mir Ehre.
Don Pedro:Geh nun mit Gott und bedenke, dass
er straft mit Tod und mit Hölle.
Don Juan:Ich danke für Euer Vertrauen.
Don Pedro:Darauf kannst du dich nicht immer verlassen.
Beeil dich. Ist dies der Balkon?
Don Juan:Mit all Euren guten Wünschen
reis’ ich leichten Herzens nach Spanien.
(Sie gehen ab.)
(Der König tritt auf.)
Der König:Wer den König um seine Krone beneidet
weiß nichts von all seinen Sorgen.
Tausend Gnadenbitten und Klagen
sind aus seinen Gesetzen die Folgen.
Darum beneid ich die Hüter der Rinder
und die, die die Äcker umgraben,
dass sie von der Hände Arbeit leben,
keine Untaten fürchten, keine Schatten regieren.
Auch wenn er Augen mehr hat als Argus
und vor sich wie hinter sich schaut,
ein König vermag nicht wie ein Weiser
zu handeln, der Augen und Ohren verschließt.
Der König muss ständig Klagen vernehmen
und mit Augen Unheilvolles erblicken.
(Don Pedro Tenorio kehrt...




