Bletschacher | Don Juan | Don Giovanni | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Bletschacher Don Juan | Don Giovanni

Von Andrés de Claramonte, Molière, Carlo Goldoni, Giovanni Bertati und Lorenzo Da Ponte
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-99094-218-5
Verlag: Hollitzer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von Andrés de Claramonte, Molière, Carlo Goldoni, Giovanni Bertati und Lorenzo Da Ponte

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-99094-218-5
Verlag: Hollitzer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es gibt kaum eine Figur in der dramatischen Literatur, die sich wie der große Betrüger und Verführer Don Juan alias Don Giovanni quasi von selbst, und von anderen Mitspielern kaum beeinflusst, in den Mittelpunkt des Interesses auf der Bühne stellt. Die ungeheure Wirkungsmächtigkeit dieses Stoffs zeigt sich an den zahllosen Erzählungen, Ausformungen und Bearbeitungen seit seiner Entstehungszeit bis heute. Dieser Band versammelt fünf von Richard Bletschacher neu übersetzte Don Juan-Texte, die einen Überblick über Entstehung und Entwicklung des berühmten Stoffs bieten: Andrés de Claramontes mutmaßlich 1617 verfasstes Stück Der Spötter von Sevilla oder Der steinerne Gast, Molières 1665 in Paris uraufgeführte Komödie Don Juan oder Der Steinerne Gast, Carlo Goldonis Schauspiel Don Giovanni Tenorio oder Der Ungebändigte aus dem Jahr 1736, Giovanni Bertatis Libretto zur Opera buffa Don Giovanni oder Der steinerne Gast, die erstmals 1787 in Venedig gegeben wurde und Lorenzo Da Pontes Libretto zu Mozarts Oper Don Giovanni, deren Uraufführung 1788 in Prag standfand. Der Autor und Übersetzer Richard Bletschacher führt uns in fünf Stationen über die Städte Sevilla, Paris, Venedig und Wien auf die Spur einer der prägendsten Gestalten des sich von aller Bevormundung befreienden europäischen Geistes. Der Weg des spanischen Granden Don Juan Tenorio beginnt als der eines Rebellen, der geradewegs in den Untergang weist, doch mit der Wendung des Helden in das heitere Italien der aufklärenden Epoche wird er zum Symbol der ungebändigten Lebensfreude des bedenkenlos dem sinnlichen Genuss und seiner höchsten Verkörperung, der Frauenliebe, verfallenen Mannes.

Richard Bletschacher, geboren 1936, ist Regisseur, Dramaturg, Maler und Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher und literarischer Publikationen. Von 1982-1996 war er Chefdramaturg an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Operninszenierungen auf vier Kontinenten, Lehraufträge an der Opernklasse der Universität für Musik und darstellende Kunst sowie am Max Reinhardt Seminar. Er lebt und arbeitet nun als Schriftsteller und Maler in Wien und Drosendorf an der Thaya.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vorwort

Andrés de Claramonte
Der Spötter von Sevilla oder Der steinerne Gast

Molière
Don Juan oder Der steinerne Gast

Carlo Goldoni
Don Giovanni Tenorio oder Der Ungebändigte

Giovanni Bertati
Don Giovanni oder Der steinerne Gast

Lorenzo da Ponte
Don Giovanni oder Der bestrafte Wüstling


DER SPÖTTER VON SEVILLA

oder
Der steinerne Gast

Comedia

von

Andrés de Claramonte

Sevilla 1617

Die Personen der Handlung:

Der König von Kastilien

Don Gonzalo de Ulloa

Der Gesandte Don Pedro Tenorio

Don Juan Tenorio

Catalinón

Tisbea

Batricio

Der Herzog Octavio

Der Marqués de la Mota

Herzogin Isabela

Arminta

Belisa

Doña Ana

Der König von Neapel

Coridón

Gazeno

Anfriso

Ripio

Wächter, Arbeiter und Diener

ERSTER TAG

Nacht

(Es treten auf die Herzogin Isabela und Don Juan Tenorio)

Isabela:Kommt weiter ohne Lärm zu machen,

Herzog Octavio.

Don Juan: Ich bin so leis’ wie der Wind.

Isabela:Dennoch muss ich fürchten,

dass uns einer gehört haben mag,

denn so wie du hier in den Palast

eingetreten bist, ist dies

ein todwürdiges Verbrechen.

Don Juan: Señora, wenn du mir die Freiheit gibst,

werd’ ich für deine Güte mich besser bedanken.

Isabela:Herzog, du hast mir die Hand

zur Verlobung gegeben.

Don Juan: Ich habe dabei nur gewonnen.

Isabela:Dass du meine Ehre so auf das Spiel setzst,

muss mir versichern, dass du

mich zur Gattin nehmen wirst.

Don Juan: Ich sage dir, dass ich dein Gatte bin

und dir bald auch meine Hand geben werde.

Isabela:So warte, bis ein Licht hervorkommt,

das mir das Glück zeigt, das ich gewinne,

Herzog Octavio. (Sie entzündet ein Licht.) – Weh mir!

Don Juan:Lösche das Licht!

Isabela:Ich sterbe! Wer bist du?

Don Juan:Ein Mann, der deine Liebe genossen hat.

Isabela:Du bist nicht der Herzog?

Don Juan:Ich? Nein?

Isabela:Dann sag wer du bist.

Don Juan:Ich bin ein Mann.

Isabela.Dein Name?

Don Juan:Ich hab keinen Namen.

Isabela:Dieser Verräter hat mich betrogen.

Leute! Diener!

Don Juan:Lass ab!

Isabela:Du wirst noch Schlimmres erfahren.

Don Juan: Nicht durch Geschrei.

Isabela:Wehe! Im Namen des Königs! Soldaten, Leute!

(Auftritt der König von Neapel.)

Der König:Wer ist der dort?

Isabela:Gnade! Weh mir,

es ist der König!

Der König:Was geht hier vor?

Don Juan:Was soll es sein?

Ein Mann und eine Frau.

Der König:Lasst Vernunft hier walten

und den Schaden vermeiden.

(Es treten auf Don Pedro, der Gesandte Spaniens, und einige Diener und Dienerinnen.)

Don Pedro:Stimmen, Sire, in Euren Gemächern?

Was hat der Lärm für Ursach’?

Der König:Nehmt den Mann dort gefangen.

Tötet ihn und die Frau.

Don Pedro:Wer sind die beiden?

Der König:Besser es nicht zu wissen,

denn hab’ ich sie erst gesehen,

wüsst’ ich nicht mehr was zu tun.

Vielleicht würd’ ich mich

reuend bezwingen, denn in diesen,

die Ihr mich drängt zu erkennen,

hab’ ich bereits schon

meine Missachtung erkannt.

Don Pedro Tenorio, Euch

überlass’ ich diese Gefangnen.

Wenn ich allzu rasch war, seid Ihr behutsam

und seht wen Ihr da vor Euch habt.

(Der König geht ab.)

Don Pedro:Kommt mit ins Gefängnis, Señor.

Don Juan:Wage keiner mich zu berühren,

wenn er den Tod scheut.

Don Pedro:So tötet ihn.

Don Juan:Den Tod erwart ich

durch die Klinge des Degens.

Ihr müsst mir das Leben abkaufen,

das ich so leicht nicht ergebe

als dass ich das eure mir nehme.

Don Pedro:Tötet ihn! Was fürchtet ihr Arges?

Don Juan:Senkt eure Waffen, denn die meine

hat schon mehr als ein Leben geraubt.

Verurteilt bin ich zum Tode.

Und da der Tod mir gewiss ist,

werd’ ich ihn leichter erdulden,

wenn ich euch alle hier mit mir nehme.

Da mir hier nun auf solche Art

zu sterben bestimmt ist,

warne ich euch, dass ich einen jeden

von euch zugleich mit mir nehme.

Soldat:Stirb, Schurke!

Don Juan:Wer ist’s, der euch hier betrügt?

Seht in mir einen Herrn.

Don Pedro:Der Zorn will mich fassen!

Don Juan:Der Gesandte Spaniens trete zu mir.

ihm allein und keinem andern,

werde ich, wenn es den Tod gilt,

dieses Schwert übergeben.

Don Pedro:Das hört sich an wie Vernunft.

Die Frau und alle, die mit ihr sind,

mögen sich aus dem Raum hier entfernen.

Isabela:Wie kann in einem Menschen

solch eine Niedertracht wohnen!

(für sich)

(Ich gebe mich zu erkennen. Mehr als mein Name

wird mein Schmerz für mich sprechen.

Meine Ehre hab’ ich verloren

und mit ihr den Herzog Octavio.)

(Sie geht ab mit dem Gefolge.)

Don Pedro:Nun sind wir beide allein.

Nun zeig’ dich und beweis’ deinen Mut.

Don Juan:Wenn ich je Scheu bezeigte,

vor Euch, mein Onkel, tat ich es nie.

Don Pedro:Wer bist du?

Don Juan:Don Juan.

Don Pedro:Don Juan?

Don Juan:So ist es, mein Herr.

Don Pedro:So frei heraus, sagst du das?

Don Juan:Gib mir den Tod, und mein Unglück

wird hier sein Ende erlangen.

Don Pedro:Verräter, du!

Elender! Wie fasse ich’s, dass Juan,

der Sohn meines Bruders,

so seine Ehre verspielt!

Du, mit einer Dame hier

im Königspalast, mir zur Schande

begehst du solch eine Tat!

Don Juan:Onkel, meine Schuld ist ohne Grenzen.

Wenn du mich hier ergreifen musst,

nimm mich gefangen.

Aber bedenk, dass meine Tat

geschehen sein könnte aus Liebe.

Don Pedro:Liebe ist eine Gefahr,

und blind und töricht wer liebt.

Wer ist die Dame?

Don Juan:Die Dame ist …

Don Pedro:Sprich’s aus. Wer ist sie?

Don Juan:Isabela.

Don Pedro:Die Hofdame der Monarchin?

Don Juan:Ja, mein Herr, und als Herzog

Octavio bin ich vor sie getreten.

Don Pedro:Das erschwert deine Schuld

und verdoppelt das Unglück!

Dein Vater hat dich aus Kastilien

hierher nach Neapel gesandt

und hat dir Ungebärdigem das

italische Meer als Kerker bestimmt.

Du aber hast auch hier hundert Skandale

entfacht und hast weder Jungfrauen

noch Ehefrauen verschont.

Die Erde will dich hier nicht dulden.

Ich war soeben im Begriff dich zu töten.

Doch da ich in dir nun

das gleiche Blut erkennen muss,

das auch in meiner Brust fließt,

fühl’ ich mich gezwungen, dich zu befreien.

Siehst du eine Möglichkeit zu entkommen?

Don Juan:Hier, dieser Balkon.

Don Pedro:Kannst du dich an ihn hängen

und so den Boden erreichen?

Don Juan:Hoch ist er zwar, aber dennoch

werde ich mich herablassen an ihm.

Don Pedro:Hinunter mit dir, damit der König

wenn er dich sieht, nicht in Zorn gerät.

Ich werde ihm sagen, dass du

dich aus dem Fenster gestürzt hast,

um mir zu entfliehen.

Don Juan:Schon dämmert der Tag herauf.

Don Pedro:Du hast den Schaden verursacht,

mache ihn nun wieder gut.

Flieh aus Neapel nach Spanien.

Und wenn der König sich täuschen lässt,

denk ich daran, dich zu vermählen

mit der Herzogin Isabela,

damit du mit Treue zurückzahlst,

was du ihr angetan hast mit Verrat.

Don Juan:In allem, Señor, schenkt Ihr mir Ehre.

Don Pedro:Geh nun mit Gott und bedenke, dass

er straft mit Tod und mit Hölle.

Don Juan:Ich danke für Euer Vertrauen.

Don Pedro:Darauf kannst du dich nicht immer verlassen.

Beeil dich. Ist dies der Balkon?

Don Juan:Mit all Euren guten Wünschen

reis’ ich leichten Herzens nach Spanien.

(Sie gehen ab.)

(Der König tritt auf.)

Der König:Wer den König um seine Krone beneidet

weiß nichts von all seinen Sorgen.

Tausend Gnadenbitten und Klagen

sind aus seinen Gesetzen die Folgen.

Darum beneid ich die Hüter der Rinder

und die, die die Äcker umgraben,

dass sie von der Hände Arbeit leben,

keine Untaten fürchten, keine Schatten regieren.

Auch wenn er Augen mehr hat als Argus

und vor sich wie hinter sich schaut,

ein König vermag nicht wie ein Weiser

zu handeln, der Augen und Ohren verschließt.

Der König muss ständig Klagen vernehmen

und mit Augen Unheilvolles erblicken.

(Don Pedro Tenorio kehrt...


Richard Bletschacher, geboren 1936, ist Regisseur, Dramaturg, Maler und Autor zahlreicher musikwissenschaftlicher und literarischer Publikationen. Von 1982–1996 war er Chefdramaturg an der Wiener Staatsoper. Zahlreiche Operninszenierungen auf vier Kontinenten, Lehraufträge an der Opernklasse der Universität für Musik und darstellende Kunst sowie am Max Reinhardt Seminar. Er lebt und arbeitet nun als Schriftsteller und Maler in Wien und Drosendorf an der Thaya.



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