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E-Book

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

Blank NIA


2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-9473-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 260 Seiten

ISBN: 978-3-7693-9473-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Was bedeutet es, menschlich zu sein? Nia lebt ein stilles, unscheinbares Leben in Williamsburg, New York. Ihre Tage sind von Routinen geprägt, ihre Nächte von Träumen, die nicht zueinanderpassen. Als sie auf Lilly trifft, eine talentierte, aber zerbrechliche Künstlerin, entsteht zwischen den beiden eine Verbindung, die Nias sorgsam geführte Fassade ins Wanken bringt. Doch als Nias Vergangenheit sie einzuholen droht und die Grenze zwischen Realität und Erinnerung immer mehr verschwimmt, muss sie sich einer unbequemen Wahrheit stellen: Wer ist sie wirklich? Und wie viel kann eine Liebe ertragen, wenn die Grundfesten der Identität ins Wanken geraten? Ein Roman über Liebe, Identität und den Mut, sich selbst zu akzeptieren - einfühlsam, spannend und zutiefst bewegend.

Michael Blank ist ein vielseitiger Künstler, der mit seiner Leidenschaft für Worte und Emotionen Leser in fesselnde Geschichten eintauchen lässt. Mit einem feinen Gespür für menschliche Abgründe und tiefgehende Beziehungen schafft er es, Figuren zu erschaffen, die berühren und bewegen. Als kreativer Kopf ist Michael Blank auch in anderen künstlerischen Bereichen aktiv, was seiner Arbeit eine einzigartige Tiefe und Perspektive verleiht. Seine Geschichten sind geprägt von intensiver Emotionalität, philosophischen Fragen und einer poetischen Erzählweise, die zum Nachdenken anregt. Inspiriert von den alltäglichen Facetten des Lebens, gepaart mit einer Prise Fantasie, zeichnet er in seinen Büchern Welten, die real und doch voller Geheimnisse sind. Mit "NIA" präsentiert er ein Werk, das den Leser auf eine Reise durch Liebe, Identität und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt mitnimmt. Michael Blank lebt und arbeitet in einer ruhigen, kreativen Umgebung, die ihm Raum für seine Geschichten und Projekte bietet. Seine Werke sprechen für sich: einfühlsam, kraftvoll und unvergesslich.
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KAPITEL 1


Ein sanfter Lichtstrahl schlich sich durch den schmalen Spalt zwischen den Vorhängen, erhellte den Raum nur so weit, dass sich die Umrisse der wenigen Möbel abzeichneten. Die Uhr auf dem Nachttisch tickte leise, ein monotones Geräusch, das die Stille fast erdrückender machte. Nia öffnete die Augen, ohne sich zu rühren, und starrte an die Decke. Der Übergang zwischen Schlaf und Wachsein war für sie immer eine merkwürdige Schwebe, ein Moment, in dem sie sich manchmal fragte, ob es überhaupt einen Unterschied gab.

Mit einer Bewegung, die so präzise war, dass sie fast mechanisch wirkte, setzte sie sich auf und schob die Beine über die Bettkante. Ihre nackten Füße berührten den kühlen Boden, und sie zog den dünnen Morgenmantel über die Schultern. Es war ihr Ritual, genau wie das Öffnen der Vorhänge und das Einatmen der frischen Luft von draußen, selbst wenn die Straßen von Williamsburg noch im Dunst der Morgendämmerung lagen.

Ihr Blick wanderte durch den Raum, blieb an den wenigen Dingen hängen, die sie ihr Eigen nannte. Auf der Kommode stand ein Bilderrahmen, alt und leicht angelaufen. Das Glas hatte einen Sprung, aber sie hatte nie das Bedürfnis gehabt, ihn zu reparieren. Was sich darin befand, wusste sie nicht, oder besser gesagt, sie wollte es nicht wissen. Es war nur ein Gegenstand, eine Erinnerung an etwas, das sie eigentlich nicht besaß. Daneben lagen kleine Souvenirs: eine Muschel, ein Stein, ein winziges, verblasstes Buch mit abgerissenen Seiten. Sie betrachtete sie, als könnten sie ihr Antworten auf Fragen geben, die sie sich nicht traute zu stellen.

Die nächsten Minuten verliefen in stummer Routine. Das Wasser aus dem Hahn war zu kalt, aber sie ließ es über ihre Handgelenke laufen, bis ihre Haut taub wurde. Der Kaffee, den sie aufbrühte, war bitter, doch sie trank ihn ohne Zucker oder Milch, so wie immer. Ihre Bewegungen waren so gleichförmig, dass sie selbst kaum bemerkte, dass sie sich bewegte. Es war, als würde ihr Körper die Kontrolle übernehmen, während ihre Gedanken in einer anderen Welt verweilten.

Während sie am Küchentisch saß, mit der dampfenden Tasse in der Hand, begann ihr Kopf sich zu füllen. Gedanken kamen und gingen wie flüchtige Besucher, ließen Fragmente zurück, die sie nicht zusammensetzen konnte. Sie dachte an die Geräusche draußen – das ferne Brummen der Stadt, das Klappern von Absätzen auf dem Gehweg – und daran, wie diese Welt ihr immer fremd geblieben war, egal wie lange sie schon hier lebte. Es war nicht die Stadt, die sie mied, sondern die Menschen. Oder waren es die Menschen, die sie mieden?

Ihre Hände glitten über die Seiten ihres Journals, und sie begann zu schreiben. "Ein neuer Tag", notierte sie. "Und doch fühlt es sich an wie der alte." Ihre Schrift war ordentlich, fast akribisch. Jedes Wort wurde sorgfältig ausgewählt, jede Linie war ein Ausdruck von Kontrolle. Doch die Worte auf dem Papier widersprachen dieser Kontrolle, sie waren voller Sehnsucht und Zweifel.

Erinnerungen drängten sich in ihren Kopf. Ein Garten mit einem Baum, unter dem sie gespielt hatte, ein Lächeln, das sie wärmte, ein Lied, das eine Stimme für sie sang. Aber je mehr sie sich bemühte, die Bilder festzuhalten, desto schneller verblassten sie. Sie konnte sich an die Farben erinnern, aber nicht an die Details. Es fühlte sich an wie ein Traum, der sich weigert, vollständig zu erscheinen.

Ein Blick in den Spiegel am Ende des Raumes ließ sie innehalten. Sie sah ihr eigenes Gesicht, glatt, makellos, aber dennoch fremd. Ihre Finger berührten die Wange, glitten über die Haut. "Wer bin ich wirklich?", flüsterte sie, ohne eine Antwort zu erwarten. Der Spiegel blieb stumm, reflektierte nur das Bild einer Frau, die mehr Fragen hatte als Antworten.

Die Zeit drängte, und sie wusste, dass sie sich fertig machen musste, um den Tag zu beginnen. Aber für einen Moment saß sie einfach da, umgeben von der Stille ihrer Wohnung, und fragte sich, ob der Tag, der vor ihr lag, etwas ändern würde. Ob irgendetwas je etwas ändern würde.

Die schwere Holztür des Altbaus fiel hinter Nia ins Schloss, und sie stand plötzlich mitten im pulsierenden Herz von Williamsburg. Die Geräuschkulisse war allgegenwärtig: das Summen der Menschen, das Klappern von Fahrrädern über das Kopfsteinpflaster, das rhythmische Zischen der Espressomaschinen aus den umliegenden Cafés. Die Luft roch nach frisch gebrühtem Kaffee, nach heißem Teer und nach den ersten Sonnenstrahlen, die sich durch den aufziehenden Dunst des Morgens kämpften.

Nia zog die Schultern ein wenig höher, als hätte die lebendige Atmosphäre ein Gewicht, das auf ihr lastete. Sie ließ ihren Blick über die Straßen schweifen, betrachtete die Menschen, die in Gespräche vertieft waren, Paare, die sich ein Lachen teilten, und einen kleinen Jungen, der über den Gehweg rannte, während eine Frau mit einer Einkaufstasche hinter ihm herlief. Es war, als wäre sie ein unsichtbarer Beobachter, jemand, der zwar sehen, aber nicht wirklich teilnehmen konnte. Die Welt war ein Theaterstück, und sie stand hinter der Bühne, sah durch einen schmalen Spalt im Vorhang.

Ein Straßenmusiker hatte sich an einer Ecke postiert. Seine Gitarre war zerkratzt und abgenutzt, aber seine Finger bewegten sich mit Leichtigkeit über die Saiten, während er eine melancholische Melodie spielte. Einige Passanten warfen ihm Münzen in den geöffneten Gitarrenkoffer, andere liefen vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Nia blieb kurz stehen, hörte der Melodie zu und spürte eine seltsame Resonanz, eine leise Melancholie, die mit ihrer eigenen übereinstimmte. Doch nach einem Moment wandte sie sich ab, als hätte sie zu lange hingeschaut, als wäre es unhöflich, dort zu verweilen.

Ein Straßenverkäufer mit einer kleinen, dampfenden Kaffeekarre winkte ihr zu. "Guten Morgen! Ein Kaffee für den Start in den Tag?" Seine Stimme war freundlich, seine Augen lachten, aber Nia spürte eine unerklärliche Anspannung. Small Talk. Sie hasste Small Talk. Es war, als würde eine unsichtbare Wand vor ihr aufsteigen, die sie von diesem simplen Austausch abhielt. Sie zwang sich, zu lächeln, trat näher und bestellte einen schwarzen Kaffee. Ihre Worte klangen fast geübt, mechanisch, wie eine vorprogrammierte Antwort.

„Das macht zwei Dollar“, sagte der Verkäufer und reichte ihr den dampfenden Becher. Sie fischte eine zerknitterte Banknote aus ihrer Tasche und nickte ihm kurz zu. „Danke“, murmelte sie und spürte, wie der Moment des Kontakts bereits zerbrach, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Der Verkäufer lächelte weiterhin, doch Nia hatte das Gefühl, dass er bereits das nächste Gesicht in der Menge suchte, die nächste Stimme, die ihn ansprach. Sie war nur eine flüchtige Begegnung, ein Schatten, der weiterzog.

Der Kaffee war heiß und bitter, doch sie schätzte die Wärme, die sich in ihren Händen ausbreitete. Während sie langsam die Straße hinunterging, suchten ihre Gedanken erneut nach einem Ankerpunkt. Sie beobachtete die Menschen um sich herum—die Vertrautheit in ihren Gesprächen, die kleinen Gesten der Zuneigung, die scheinbar mühelosen Verbindungen. Und sie fragte sich, warum es bei ihr nicht genauso war. Warum sie immer das Gefühl hatte, etwas Entscheidendes zu verpassen, einen Schlüssel, der sie in diese Welt einlassen könnte.

„Gehöre ich überhaupt hierher?“ Der Gedanke blitzte in ihrem Kopf auf, ein wiederkehrender Begleiter, den sie nicht abschütteln konnte. Es war nicht die Stadt, die sie mied, es waren die Menschen, oder vielleicht war es auch andersherum. Sie fühlte sich wie ein Knoten, der nicht in das Gewebe passte, wie ein fehlendes Puzzlestück, das nie ganz in das Bild eingefügt werden konnte.

Ein Hund lief an ihr vorbei, die Leine in der Hand eines Mannes, der mit seinem Handy sprach. Der Hund blieb kurz stehen, sah Nia an, und in diesem Blick lag eine seltsame Vertrautheit, fast wie ein Erkennen. Doch dann zog die Leine straff, und der Hund trottete weiter. Nia blieb stehen, sah dem Tier nach, bis es in der Menge verschwand.

„Vielleicht“, dachte sie, „ist es gar nicht die Welt, die mich ausschließt. Vielleicht bin ich es, die die Welt nicht hineinlässt.“ Aber selbst dieser Gedanke brachte keine Klarheit, sondern nur eine weitere Schicht von Unsicherheit, die sich um sie legte.

Der Rest des Weges verlief schweigend. Die Stadt um sie herum blieb lebendig, ein Herzschlag, der sie einhüllte, ohne sie zu berühren. Als sie schließlich ihr Ziel erreichte, hielt sie kurz inne, atmete tief durch und schob die Tür zu dem Gebäude auf, das sie jeden Tag betrat, als wäre es das Einzige, was sie davon abhielt, ganz unsichtbar zu werden.

Die stickige Luft in der kleinen Poststelle des gläsernen Hochhauses war durchdrungen von einem leichten Geruch nach Papier, Karton und der Chemie von Druckertinte. Nia stand am Sortiertisch, ihre Hände bewegten sich mechanisch, während sie Briefe und Pakete nach den Etagen und Büroräumen des...



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