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E-Book

E-Book, Deutsch, 346 Seiten

Blank Eidolon


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-3550-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 346 Seiten

ISBN: 978-3-7693-3550-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In einer Welt, in der erweiterte Realität jede Fassade überstrahlt und jeden Blick lenkt, glauben die Menschen an perfekte Harmonie. Doch ein kurzer Augenblick, in dem die Filter versagen, genügt, um Zweifel zu säen. Plötzlich ist die glatte Oberfläche der Illusion rissig, und leise fordert eine Stimme hinter verschlossenen Türen: "Seht genauer hin!" Leyla, eine unscheinbare Technikerin, steht vor der Entscheidung: Soll sie mitspielen oder ein riskantes Zeichen setzen, das die Stadt aus ihrem bequemen Traum reißt? Während Polizisten, Eliten und verunsicherte Bürger um die Deutung des Gesehenen ringen, keimt in verborgenen Winkeln neuer Mut. Nichts ist mehr sicher, nichts mehr selbstverständlich - und die Frage nach der Wahrheit drängt sich unaufhaltsam in den Raum.

**Über den Autor Michael Blank** Michael Blank ist ein Autor, der sich seit Jahren mit den Schnittstellen von Technik, Gesellschaft und Machtstrukturen auseinandersetzt. Aufgewachsen in einer Zeit, in der digitale Medien immer stärker in den Alltag der Menschen eindrangen, begann er früh, Fragen nach Wahrnehmung, Freiheit und Manipulation zu stellen. Sein Studium der Informationstechnik und sein beruflicher Werdegang im Bereich virtueller Anwendungen gaben ihm dabei tiefe Einblicke in die technischen Hintergründe jener Technologien, die unser Weltbild formen. In seinen Werken verzichtet Michael Blank auf überflüssigen Zierrat und erzählt stattdessen mit präziser Sprache und nuanciertem Sarkasmus. Er interessiert sich für die leisen Brüche unter der scheinbar perfekten Oberfläche moderner Städte und fokussiert auf Personen, die an diesen Bruchstellen um Wahrheit und Autonomie ringen. Dabei geht es ihm nicht um spektakuläre Heldenepen, sondern um leise, aber beständige Veränderungen - um Menschen, die sich weigern, nur Zuschauer in einer von Filtern dominierten Wirklichkeit zu sein. "EIDOLON" ist sein bisher konsequentestes Werk: eine ebenso kritische wie hoffnungsvolle Erzählung über Zweifel, Widerstand und den Mut, den eigenen Blick nicht länger von künstlichen Bildern bestimmen zu lassen.

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Autoren/Hrsg.


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KAPITEL 1
Leyla öffnet die Augen, und die Welt ist noch still. Das Licht im Apartment ist gedämpft, aber da sie schon ihre Linsen trägt — nein, Moment, sie hat sie gestern Abend vor dem Schlafengehen herausgenommen. Ein automatischer Griff nach der kleinen, passgenauen Box auf dem Nachttisch: Die Linsen müssen sie wieder einsetzen, gleich jetzt, vor dem Aufstehen. Ohne sie ist alles verschwommen, nicht physisch, aber funktional. Ohne die Linsen würden ihr die Informationen fehlen, die den Alltag in Auris erst einfach machen. Sie setzt sich auf, streckt die Arme und hebt die kleine Box an. Ein leises Klicken, dann gleiten zwei hauchdünne, durchsichtige Scheibchen auf ihre Hornhaut, perfekt angepasst. Ein leichter Druck, es summt kurz. Dann klären sich ihre Sichtfelder. Sofort erscheinen die ersten Overlays: Ein Datumsstempel im unteren rechten Sichtfeld, ein Wetter-Icon links oben, eine kleine Meldung, dass ihr Terminkalender heute voll, aber „bewältigbar“ sei. Das System begrüßt sie, eine sanfte Frauenstimme flüstert: „Guten Morgen, Leyla. Es ist 7:02 Uhr. Heutige Außentemperatur gemäßigt, Luftqualität über Durchschnitt.“ Nüchtern, effizient, ohne Pathos. Genau so mag Leyla es. Sie blinzelt, atmet einmal tief durch. Heute ist ein wichtiger Tag, hofft sie jedenfalls. Die Gerüchte im Flur — man munkelt, dass im Technikerteam eine Stelle frei wird, ein kleines Upgrade ihrer Position. Sie ist bereit. Sie steht auf, schlurft zur Küchenzeile. Ihr Apartment ist sparsam eingerichtet, aber keineswegs trostlos. Die Wände zeigen, dank ihrer Linsen, dezente Kunstprints: ein paar abstrakte Formen, die sich leicht ändern, wenn sie ihren Blickwinkel wechselt. In Wirklichkeit ist die Wand wahrscheinlich nackt, vielleicht hellgrau verputzt. Aber wozu sich mit banaler Wirklichkeit abfinden, wenn eine geschmackvolle, personalisierte Ästhetik zu haben ist? Während sie einen Kaffee bestellt — per Fingerzeig im virtuellen Menü, das nur sie sehen kann — überprüft sie ihre Nachrichten. Ein Overlay rechts oben projiziert den digitalen Posteingang: ein paar Routine-Memos von der Firma, eine Einladung zu einem neuen Fitnessprogramm (gesponsorte Werbung, natürlich), und eine Benachrichtigung ihrer alten Universitätsbekannten, die wieder einmal eine Petition für „mehr analoge Kulturevents“ teilen. Leyla scrollt rasch darüber hinweg. Analoge Events sind nett gemeint, aber kommen letztlich immer etwas improvisiert rüber. Sie hat nicht wirklich Zeit für nostalgische Experimente. Ein Schluck Kaffee — er schmeckt gut, zumindest für ihre gewohnten Verhältnisse. Die Kaffeemaschine ist auf Autopilot und verwendet ihre Geschmacksprofile. Leyla freut sich leise, dass heute nichts Kompliziertes ansteht: Routinechecks im Infrastrukturnetzwerk der AR-Overlays, ein kurzer Testlauf für ein neues Werbefenster in der Innenstadt, dann vielleicht das Meeting mit der Abteilungsleitung, wo sie hoffentlich ihre Kompetenz unter Beweis stellen kann. Die Firma, bei der sie arbeitet — Offiziell nennt sie sich Arion Data Environments, ADE — ist einer der Hauptanbieter für AR-Basisinfrastruktur in Auris. Kein Konzern an oberster Spitze, aber ein solider Player. Leyla hat gute Aufstiegschancen, wenn sie ihre Arbeit ordentlich macht. Sie trinkt den Kaffee aus, legt die Tasse ins Spülfach und zieht sich an. Ein kostbarer Vorteil der Linsen: Alles, was sie anzieht, kann mit virtuellen Mustern ergänzt werden. Tatsächlich trägt sie eine schlichte Jacke, doch für ihr eigenes Auge glänzt ein unauffälliges Muster am Kragen, hellblau, passend zu ihrem aktuellen AR-Theme. Blau ist überhaupt die dominierende Farbe in ihrer Wahrnehmungsschicht. Seit sie in einer besseren Wohngegend residiert, zeigt ihr System häufiger saubere, elegant gestaltete Overlays in kühler Farbgebung. Ein zartes Symbol an der Hauswand draußen — ein kleines, fast unmerkliches blaues Icon mit geometrischem Muster — signalisiert, dass dieses Viertel als „gehoben“ gilt. Ein Statusmerkmal. Leyla erinnert sich noch an die Zeit, als sie in einem einfacheren Block wohnte und die Overlays dort eher in neutralem Grau gehalten waren. Nichts Schlechtes, nur nicht so inspirierend. Hier, zwischen den blauen Codes, fühlt sie sich befördert, wertiger. Sie verlässt ihre Wohnung und tritt auf den Korridor hinaus. Die Nachbarn grüßen kaum, jeder ist in seine eigene Informationswelt vertieft. Leyla erhält ein kurzes Update: Der Fahrstuhl steht bereit, keine Wartezeit. Perfekt. Sie steigt ein, nickt zu einer holografischen Anzeige, die die neuesten Stadtprojekte anpreist. „Auris — immer einen Schritt voraus“, steht da. Leyla weiß nicht, ob das für sie oder für irgendein Algorithmus Konzept bestimmt ist, aber es hat etwas Beruhigendes. Sie wäre wohl nie ohne die Linsen auf die Idee gekommen, dass dieser Fahrstuhl trivial wäre. Mit den Linsen wird er fast familiär — es steht, welche Musikoptionen sie wählen kann (sie lehnt dankend ab, braucht keine Hintergrundmusik), und ob sie die Nachrichten scrollen will. Unten auf der Straße empfängt sie die morgendliche Geschäftigkeit. Die Menschen bewegen sich ruhig, niemand rempelt. Kleine virtuelle Schilder weisen diskret auf einen neuen Bäckerladen um die Ecke hin — angeblich gibt es dort besondere Croissants. Leyla hat leider keine Zeit mehr für solche Extras. Sie beschließt, direkt zur Bahnstation zu gehen. Ein schwebendes Icon in ihrem Sichtfeld zeigt ihr, dass der nächste Zug in fünf Minuten ankommt. Sie muss sich nicht beeilen, aber trödeln auch nicht. Unterwegs prüft sie nochmals ihre Berufsdaten: Heute soll sie einen kleinen Check am Overlay-System in der Handelszone durchführen. Alles Standard. Ein Feldversuch, um nach Updates zu schauen. Vielleicht trifft sie Riven dort, ihren Kollegin, der/die manchmal an denselben Projekten arbeitet. Riven ist… interessant. Leyla weiß selbst nicht, was sie genau fasziniert. Die ruhige Art, der analytische Blick? Die Tatsache, dass Riven sich nicht eindeutig positioniert, sondern immer sorgfältig abwägt? Sie hofft, dass sie heute zusammenarbeiten, dann kann sie im Vorbeigehen nachhaken, ob es Neuigkeiten zu der offenen Stelle gibt. Vielleicht weiß Riven etwas, was nicht im offiziellen Feed steht. Sie steigt in den Zug, oder besser gesagt, in einen fließenden Kabinenverbund, bei dem Overlays routinemäßig Sitzplätze markieren. Es sind genug virtuelle Markierungen frei, um nicht überlegen zu müssen, wo man sich hinsetzen soll. Die Türen gleiten zu, und eine Stimme informiert über die nächste Station. Leyla scrollt nebenbei durch interne Firmennachrichten: Das System zeigt ihr transparente Panels, die über die reale Aussicht gelegt werden. Es gibt einen Hinweis auf Wartungsarbeiten in Arianda Green, einem Viertel, das sie nur vom Hörensagen kennt. Eine Randnotiz: „Overlay-Qualitätscheck läuft reibungslos.“ Nichts Ungewöhnliches. Die Fahrt verläuft ruhig. Draußen sind die Straßen gefiltert, als wären sie makellos. Leyla weiß, dass sie dank ihrer Zugangsstufe manchmal etwas realistischere Ansichten bekommt. Als Technikerin sieht sie hin und wieder Rohdaten, aber diese sind so verschachtelt und technisch, dass sie kaum einen Eindruck von echter Verwahrlosung vermitteln, wenn es diese überhaupt gibt. Ihr ist schon aufgefallen, dass manche Ecken in der unprozessierten Kartenansicht anders aussehen, aber sie hat das nie groß hinterfragt. Wozu auch? Die Firma sagt, es handele sich um codierte Testläufe oder interne Renderfehler. Klar, manchmal kommt ihr ein ironischer Gedanke: Was, wenn hier mehr getrickst wird, als man zugibt? Aber dann lacht sie innerlich über sich selbst. Sie ist doch keine paranoide Spinnerin. Das System funktioniert. Sie hat einen guten Job, ein komfortables Leben, und bald vielleicht eine bessere Stelle. An der Haltestelle aussteigen, ein kurzer Weg durch eine überlagerte Passage mit Werbebannern — einer preist ein neues AR-Game an, ein anderer kündigt eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Kulturförderung an. Leyla registriert es nebenbei. Als sie den Firmeneingang erreicht, legt sie unwillkürlich die Schultern zurück. Heute will sie selbstsicher wirken. Ein Upgrade in der Firma würde bedeuten: mehr Verantwortung, vielleicht etwas mehr Gehalt, vielleicht sogar ein stabileres Overlay-Paket als Mitarbeiterin im mittleren Management. Die AR-Welt könnte für sie dann noch komfortabler werden. Keine Ahnung, ob das wirklich so funktioniert, aber es kursieren solche Geschichten, dass man mit Beförderungen auch subtil veränderte Wahrnehmungsebenen erhält. Höherer Status, ansprechendere Overlays, gezieltere Informationen. Drinnen begrüßt sie die Sicherheitsschranke mit einem grünen Symbol: „Zutritt gewährt, Leyla N.“ Sie nickt kurz, geht durch die Lobby. Ein paar Kollegen huschen vorbei. Ein holografischer Aushang vermeldet ein Firmen-Meeting am Ende der Woche. Vielleicht erfährt man dann offiziell von der freien Stelle. Sie geht zum Aufzug, drückt auf ein virtuelles Panel, und während sie wartet, checkt sie ihre Mails: zwei Routineanfragen, eine Erinnerung...



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