E-Book, Deutsch, 496 Seiten
Reihe: Penhaligon Verlag
Blake Der Schwarze Thron 4 - Die Göttin
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-641-23257-3
Verlag: Penhaligon
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 496 Seiten
Reihe: Penhaligon Verlag
ISBN: 978-3-641-23257-3
Verlag: Penhaligon
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Krieg hat nicht nur die Insel Fennbirn in Schutt und Asche gelegt, sondern auch ihre drei Königinnen, die Schwestern Mirabella, Katherine und Arsinoe, vor schreckliche Herausforderungen gestellt. Auf Arsinoe lastet ein Fluch, und dennoch muss sie alles geben, um den bedrohlichen Nebel aufzuhalten, der die Insel zu verschlingen droht und ihrer aller Ende bedeuten würde. Derweil ist Mirabella aufgebrochen, um unter dem Banner des Friedens an den Hof von Königin Katharine zu ziehen. Diese sehnt sich insgeheim nach der Bindung, die ihre beiden Schwestern vereint, gleichzeitig will sie dem Waffenstillstand keinesfalls zustimmen. Doch nur, wenn die drei Schwestern zusammenstehen, können sie das Geheimnis ihrer blutrünstigen Göttin lüften – und dabei werden Feinde zu Freunden, Freunde zu Feinden und Königinnen zu Legenden.
Alle Bände der »Der Schwarze Thron«-Saga:
Die Schwestern
Die Königin
Die Kriegerin
Die Göttin
Die jungen Königinnen (E-Book)
Die Orakelkönigin (E-Book)
Kendare Blake studierte in London Creative Writing, ehe sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Sie lebt und arbeitet in Washington, liebt Tiere aller Art und ist außerdem von der griechischen Mythologie fasziniert. Anna im blutroten Kleid ist ihr Romandebüt.
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Greavesdrake Haus
Katharine sitzt am Bett, umgeben von leisem Raunen. Es ist ihr altes Bett in ihrem alten Zimmer, doch diesmal liegt nicht sie darin, sondern Pietyr. Bei der offenen Zimmertür stehen die drei Heiler, die sie aus der Hauptstadt hat kommen lassen, und konferieren mit gedämpften Stimmen.
Es sind die besten Heiler, die sie auftreiben konnte. Giftmischer, alle drei. Aber keiner von ihnen konnte Pietyr helfen. Sie konnten ihr nicht einmal sagen, was ihm fehlt.
Letzteres wäre ihnen vielleicht gelungen, wenn sie gewusst hätten, was wirklich passiert ist. Doch das wird Katharine ihnen auf keinen Fall verraten.
»Bitte, wach auf«, flüstert sie zum gefühlt tausendsten Mal. Sie streicht über seine Wange, dann über seine Brust. Beides ist warm, sein starkes Herz schlägt unbeirrt weiter. Inzwischen blutet er auch nicht mehr aus Augen und Nase, Gesicht und Hals wurden gewaschen, Kissen und Bettwäsche gewechselt. Nur in seinem Ohr ist noch ein Hauch von Rot zu erkennen.
»Lasst ihn aufwachen«, befiehlt Katharine beinahe knurrend, aber die toten Königinnen reagieren nicht. Dabei kann sie fühlen, wie sie ihn durch ihre Augen anstarren. Vielleicht liegt sogar ein Anflug von Reue in ihrem Blick.
Nein. Bedauern, das mag sein, aber keine Reue. Sie haben getan, was sie tun mussten, damit Pietyr sie nicht in die Brecciaspalte zurückschicken konnte. Sein unbeholfener, fehlerbehafteter Ausflug in die niedere Magie hat ihnen Schmerzen zugefügt, er hat ihnen keine Wahl gelassen. Und seitdem haben sie es Katharine Tag und Nacht spüren lassen, haben ihre Haut mit Verwesung überzogen, sind durch ihr Blut geglitten, haben ihr tröstende, beruhigende Worte eingeflüstert: Sie sind nun ein Teil von ihr, und sie werden sich nicht vertreiben lassen.
Er hätte uns Schaden zugefügt. Hätte dich geschwächt. Wir wollten uns schützen. Dich schützen.
»Seid still«, flüstert Katharine. »Seid still!«
»Wir bitten um Verzeihung, Königin Katharine«, sagt einer der Heiler und neigt ehrerbietig den Kopf.
»Wir werden unsere Beratungen draußen im Flur weiterführen, damit du nicht gestört wirst«, fügt seine Kollegin aus Prynn hinzu und winkt die beiden anderen zu sich.
»Nein.« Katharine erhebt sich. »Vergebt mir. Dieser Unfall … seine Krankheit … Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen.« Außerdem scheint in Greavesdrake überall getuschelt zu werden, in jedem Flur, hinter jeder geschlossenen Tür. »Sprecht ganz offen, ich möchte wissen, was ihr denkt: Was stimmt nicht mit ihm? Wann wird er wieder gesund?«
Die drei richten sich steif auf und plustern sich auf wie ängstliche Vögel.
»Ich weiß, dass ihr keine guten Nachrichten für mich habt«, fährt sie fort. Das ist ihnen deutlich anzusehen. »Trotzdem möchte ich eure Meinung hören.«
Die Heilerin aus Prynn tritt wieder an das Bett. Sie ist bei der Untersuchung am resolutesten vorgegangen, hat Pietyr ins Zahnfleisch gestochen, an seinen Fingern und Zehen gezogen. Es ist Katharine nicht leichtgefallen danebenzustehen und zuzusehen, wie sie an ihm herumfuhrwerkten. Wie teilnahmslos er dalag, während völlig Fremde seinen Kopf hin und her drehten und in seine Ohren spähten. Als sie einen Blick unter den Verband an seiner Hand warfen, hielt Katharine unwillkürlich den Atem an. Es war eine höchst unschöne Angelegenheit gewesen, die Rune in seiner Handfläche so lange mit dem Messer zu bearbeiten, bis sie unter den vielen Schnitten nicht mehr zu erkennen war. Sie hatte das Fleisch regelrecht zerfetzt. Doch nicht einmal das hatte ihren süßen Pietyr aufwecken können. Er hatte nichts davon gespürt.
»Die Verletzung an seiner Hand heilt auch weiterhin, obwohl sich nach wie vor nicht feststellen lässt, wie sie entstanden ist. Außerdem scheint sie nicht der Grund für seine Erkrankung zu sein. Es gehen keinerlei dunkle Striemen von der Wunde aus, ihr entströmt kein fauliger Geruch …«
»Ja, ja«, unterbricht Katharine die Frau, »das habt ihr mir alles bereits gesagt.«
»Wir vermuten, dass es sich um eine Verletzung im Inneren des Schädels handelt, um ein geplatztes oder verstopftes Blutgefäß. Das erklärt auch das Fehlen äußerlicher Anzeichen. So etwas kann ohne jede Einwirkung von außen geschehen. Du hast gesagt, du hättest ihn auf dem Boden liegend vorgefunden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er, als das Gefäß platzte, einfach zusammengebrochen ist. Vermutlich hatte er keinerlei Schmerzen, oder zumindest nur sehr kurz.«
Katharine starrt auf das reglose Gesicht hinab. Auch jetzt im Schlaf sieht er noch gut aus. Aber er ist nicht mehr er selbst. Was Pietyr ausmacht, ist das Funkeln seiner Augen, dieses gerissene, subtile Lächeln, das so oft seinen Mund umspielt. Und seine Stimme. Zu viele Tage sind vergangen, seit sie das letzte Mal seine Stimme gehört hat. Inzwischen sind es beinahe schon Wochen.
»Wann wird er aufwachen?«
»Das weiß ich nicht, Königin Katharine. Seine Atmung ist stabil, das ist ein gutes Zeichen. Doch er reagiert auf keinerlei Stimuli.«
»So viel Blut …« Als Katharine nach dem gescheiterten Zauber wieder zu sich gekommen war, hatte Pietyr neben ihr auf dem Boden gelegen, und sein Gesicht war ganz und gar rot verschmiert gewesen.
»Es ist unmöglich, das komplette Ausmaß des Schadens zu bestimmen«, fährt die Heilerin fort. »Wir können nur abwarten. Er muss rund um die Uhr überwacht werden. Jemand sollte ihn pflegen und füttern.«
»Lasst uns allein«, befiehlt Katharine und wartet ab, bis die Schritte der drei im Flur verklungen sind. Dann greift sie nach Pietyrs Hand und haucht einen Kuss darauf. Sie hätte die toten Königinnen verjagen sollen, als er ihr die Chance dazu gab. Wäre sie doch nur nicht so feige gewesen! Sie wissen, dass Katharine sie jetzt nicht austreiben wird, jetzt, wo ihre Herrschaft von allen Seiten unter Beschuss steht – der Nebel, die Vielfache Königin, die Rückkehr ihrer Schwestern. Früher hat sie gedacht, die toten Königinnen würden ihr Stärke verleihen. Zu spät hat sie die Wahrheit erkannt: Diese Stärke hat stets nur ihnen allein gehört. Und wenn es nach ihnen geht, wird sie für immer schwach bleiben, nichts weiter als ihre Marionette.
»Ich wusste es nicht«, flüstert sie dicht an Pietyrs Wange. »Ich wusste nicht, dass sie das tun würden.«
Als Katharine eine Stunde später müde und benommen aus Pietyrs Zimmer kommt, läuft sie Edmund in die Arme, Natalias altem Butler. Er hat ein Tablett mit Tee dabei.
»Ich dachte mir, das käme nicht ungelegen«, sagt er leise.
»Allerdings«, nickt Katharine. »Aber ich will mal eine Weile nicht mehr in diesem Zimmer herumsitzen. Vielleicht besser im Salon oder im Wintergarten.« Erschöpft drückt sie die Hand auf die Augen.
»Oder auch gleich hier auf dem Boden. Dies ist immer noch dein Heim, wenn du es wünschst. Eine kleine Teegesellschaft auf dem Teppich.«
»Wie wir es früher nie gemacht haben«, kommentiert Katharine, schenkt ihm dabei aber ein Lächeln. Die beiden treten beiseite, als ein Dienstmädchen in Pietyrs Zimmer verschwindet. »Wo sind die Heiler?«
»Haben sich in der Bibliothek zusammengerottet«, antwortet Edmund. »Und verlangen ein Mittagessen.«
»Nun, vermutlich brauchen sie Nahrung.« Seite an Seite gehen Katharine und der Butler den Flur hinunter. »Armer Edmund. Ich habe deinen Haushalt völlig auf den Kopf gestellt.«
»Aber nicht doch, meine Königin. Es ist gut, wieder schlagende Herzen im Haus zu haben. Selbst wenn es nur die Herzen von neuem Personal und Fremden sind. Seit Natalia getötet wurde, war Greavesdrake kein Herrenhaus, sondern vielmehr ein Schrein.«
Wie recht er doch hat. Während sie die Treppe hinuntergehen, spürt auch Katharine, wie die gedämpften Geräusche der Menschen irgendwo in den Fluren und das Gewusel und gelegentliche Lachen des Personals dem Herrenhaus neues Leben einhauchen. Natürlich ist es trotzdem noch zugig und düster. Aber eben wieder lebendig, nicht mehr den Geistern preisgegeben.
Wenn Pietyr dort oben stirbt, wird das Haus für immer von Geistern bevölkert sein.
Im Esszimmer des Erdgeschosses stoßen sie auf Genevieve, die vor einer halb verspeisten Suppe sitzt und in einem Buch liest. »Wie geht es ihm?«, erkundigt sie sich und legt ihre Lektüre beiseite.
»Unverändert.« Katharine nimmt gegenüber von ihr Platz, während Edmund den Tee vorbereitet.
»Unverändert«, wiederholt Genevieve mit einem Seufzen.
Katharine beobachtet sie genau. Schließlich war es Katharine, die Pietyr »gefunden« hat, bewusstlos und voller Blut, genau wie sie damals Nicolas vorgefunden hatte, nachdem ihr vergifteter Körper ihn getötet hatte. Zwei Liebhaber – einer tot, der andere im Koma. Obwohl Katharine sorgfältig sämtliche Spuren beseitigt hat, die auf niedere Magie hätten hinweisen können, hegt Genevieve sicherlich gewisse Vermutungen.
»Er wird aufwachen«, behauptet sie nun und versucht, Katharine mit einem Lächeln Mut zu machen. »Er ist viel zu nervtötend, um es nicht zu tun.«
Katharine nickt stumm. Sie will gerade in einen von Edmunds herrlich mürben Keksen beißen, als sie hören, wie die Haustür geöffnet wird und die Dienstboten ihre Stimmen erheben. Wenig später stürmt ein atemloses Botenmädchen herein.
»Ja?«
»Sie ist im Volroy«, verkündet die Botin mit weit aufgerissenen Augen.
»Wer?«, will Genevieve wissen. »Haben wir jemanden erwartet?«
Katharine starrt das Mädchen wortlos an. Aus dem teils staunenden, teils ängstlichen Blick der Botin und aus der Tatsache, dass sie keinen Namen genannt hat, schließt sie, dass wohl Mirabella gemeint ist. Ihre...




